Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 13 (25.3.1932)
- Date
- 1932-03-25
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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Seite » Städtische Versicheriiiiqsanstalt Direktion: Wien. L., Tud\l*nrben Nr. S Telephon U27~5~40 Alle Vcrsklieiunaszweiqc 320 (324) in diesem Jahre vor dem Rabbinate vollzogene rituelle Ehetrennungen. Von diesen sind 85 (117) im 1. bis 10. Jahre der Ehe erfolgt, 3 (2) nach mehr als 30jähriger Ehe. Von den 749 (742) im Jahre 1931 aus dem Judentume Ausgetretenen waren 362 (369) männlichen und 387 (373) weiblichen Geschlechtes, 467 (449) waren ledigen Standes. Die Höchstzahl der Austritte verzeichnet die Altersgruppe zwischen dem 30. und 40. Lebensjahre mit 191 (202). Unter den 296 (286) im Jahre 1931 ins Judentum eingetretenen Personen haben 143 (127) bereits früher dem Judentume angehört; von den Eingetretenen, bzw. Rückgetretenen waren 99 (94) männlichen und 192 (197) weiblichen Geschlechtes. Veröffentlicßungen der „Union" Purimfeier der „Union". Den Zeitverhältnissen entsprechend veranstaltete die Zentrale der „Union österreichischer Juden" die diesjährige Purimf e i e r am Samstag, den 19. d. M., im intimen RahmendesRestaurantsTonello. Aber auch die geräumigen Säle dieses Etablissements erwiesen sich beinahe als zu klein für die große. Zuschauermenge, die auch diesmal in dankbarer Erinnerung an die schönen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die in letzter Zeit von der „Union" und ihrer Jugendgruppe geboten wurden, erschienen war. Der Präsident der „Union", Herr Dr. Jakob Ornstein, konnte in seiner gehaltvollen Eröffnungsrede mehrere Mitglieder des Kultusvorstartdes, so die Herren Börserat I. Glück, Obermedizinalrat Dr. H. Haas« und Dr J. Ticho und viele Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union", sowie zahlreiche Angehörige des „Urdon-Frauenklubs" und die besonders stark vertretene „Jugend- Union" begrüßen. Er erteilte hierauf das Wort dem Festredner Rabbiner Professor Dr. A. Frankfurter, dessen Ansprache tiefen Eindruck machte. Der Redner zeigte, wie in der Megillah das Judenleid in Vergangenheit und Gegenwart sich widerspiegelt. Er zeichnete mit wenigen markanten Strichen die Gestalt Hamans als Vorbild' der Judenfeinde zu allen Zeiten und analysierte treffend die geistlose und verlogene Rede dieses Judenhassers, mit der er die Juden vor Ahasverus anklagt, die bei König und Volk Anklang findet. „Da lebt ein einig Volk, verstreut und abgesondert unter den Völkern, ihre Gesetze verschieden von denen aller Völker, die Befehle des Königs befolgen sie nicht, und dem König frommt es nicht, sie zu halten". Diese Hetzrede Hamans wurde geradezu zur Formel des Judenhasses. Sie wird heute noch von all denen, die den finsteren Rassenhaß des Mittelalters neu entfachen wollen, nachgesprochen und findet rauschenden Beifall bei der großen Masse. Wie ist diese betrübende Erscheinung zu erklären? Die große Masse ist unzufrieden. Trotz schwerer Arbeit — große Not; Arbeitslosigkeit, völlige Verarmung, soziales Elend sind die Zeugen unserer Zeit. Das Volk verlangt Hilfe. Das Volk schreit: Gebt uns Arbeit! Gebt uns Brot! Statt mit Werken wird das Volk von den Führern mit Worten abgespeist Wie leicht glauben dann diese Unglücklichen, vom Schicksal Zermürbten, daß nicht an ihnen oder in dieser harten, nur schwer zu ändernden, durch den unglücklichen Krieg herbeigeführten Weltordnung die Ursache ihrer Leiden liege, sondern daß der von den Antisemiten verleumdete Jude schuld an dem Uebel der Gegenwart sei. Doch wir verzagen nicht! Mögen die Wogen des Glaubens- und Rassenhasses noch so hoch gehen, wir glauben an den Sieg der Gerechtigkeit. Wir wissen es aus der Megillah, wir wissen es aus der Geschichte, daß Gott sein Volk um seines großen Namens willen nicht verläßt Aber wir wollen uns seiner Gnade würdig erweisen. Wir wollen uns auf unser Judentum besinnen. Wir wollen Juden sein mit ganzem Herzen und ganzer Seele. Wir wollen ein einig Volk sein, einig in dem Vorsatze, das Judentum zu erhalten, einig in dem Entschlüsse, die uns verbrieften Rechte uns nicht nehmen zu lassen. Sind wir ein einig Volk, dann sind wir unbesiegbar, mag der Feind Haman der Hitler heißen. Und an dieser Einigkeit an dieser Union der Juden werden alle Angriffe unserer Feinde abprallen. Sind wir ein einig Volk, dann wird unser Kummer in Freude sich wandeln, dann wird wieder wahr werden das Wort der Megillah: „Den Juden ward Licht, Freude, Wonne und Glanz". Der mit starkem Beifalle aufgenommenen Festrede folgte ein künstlerisches Programm, das wegen seiner Gediegenheit großen Gefallen fand. Frau Konziertsängerin Paula Steiner brillierte mit ihrer schönen, den schwierigsten Trillern großartig gewachsenen Stimme in Arien und Liedern jüdischer Komponisten. Oberkantor Postolow, feinfühlig begleitet von Max Hönig, begeisterte die entzückten Zuhörer mit zwei prachtvoll vorgetragenen Gesangstücken, die wieder seine meisterhafte Kunst bewiesen. Max .f^övni g/selbst, dessen stimmüngsvoll gebotenen jüdischen Volkslieder schon einmal den verdienten (Beifall auf einem „Unionabend" errungen hatten, gefiel neuerlich sehr und wurde zu oftmaligen Zugaben gedrängt die stets gewaltigen Applaus auslösten. Den Abschluß bildete die Darstellung des Schwankes von Tschechow „Der Heiratsantrag" durch Fräulein Carmen Hartmann und die Herren Jac Krumholz und Eugen Goldschmidt. Hier hatte das Publikum Gelegenheit angehende Jünger der Kunst zu bewundern, die aber alle Routine bewiesen, wie sie so mancher erfahrene Schauspieler — nicht besitzt. Die prächtige Drastik "des netten Fräulein Hart mann, die verliebte Schüchternheit und dabei egoistische Energie des ungemein talentierten Herrn Krumholz, sowie die Robustheit des Herrn Goldschmidt entfesselten wiederholt Lachstürme. Der schöne Abend, dessen gelungenes Arrangement der Herren Reg.-Rat Dr. Max Lenk und! Sekretär OskarHirschf eld vielfache Anerkennung fand, schloß in später Stunde mit einer animierten Tanzunterhaltung der Jugend. Der Bezirksrichter von Radstadt. Man erinnert sich der Hetzrede, die vor einiger Zeit der Herr Bezirksrichter von Radstadt Landesgerichtsrat Dr. Max Peisser, gegen die Juden gehalten hat in der unter anderem auch von den Läusen die Rede war, die sie nach der Vorstellung dieses Mannes des Rechtes nach . Oesterreich gebracht haben sollen. Wir haben in der gebührenden Kritik, der wir diese unerhörten Auslassungen des Herrn Bezirksrichters unterzogen haben und die so scharf war, daß sie uns sogar die „Ehre" einer Berichtigung von seiner Seite verschaffte, auch mitgeteilt daß die „Union österreichischer Juden" gegen Herrn Dr. Peisser beim Bundeskanzler Beschwerde erhoben hatte. Am 12. d. M., also nach recht geraumer Zeit, erhielt unsere Schutzorganisation hierauf folgendes Schreiben des Innsbrucker Oberlandesgerichtes: Zu Ihrer an den Bundeskanzler gerichteten Beschwerde vom II. Dezember 1931, betreffend den Landesgerichtsrat und Gerichtsvarsteher Dr. Max Peisser in Radstadt, wird Ihnen mitgeteilt Gruftand Brabgraasschmucftuna Gärtnerei ERNST SEErRlED Grändangsjahr 1880 XL, Slmmerlnger Hauptatrafie Nr. 381 DI. Tor, Zentialfriedhof, Haltesteile der Elektrischen 71 Telephon ü 14-2-61 Unter Berufung auf .Die Wahrheit" 10*/« Rabatt daß die vom Standpunkte der Dienstaufsicht erforderlichen Verfügungen getroffen worden sind. In dieser kurzen Verständigung wird — vielleicht aus Schonung für den AmtskoBegen — nicht gesagt welche Verfügungen gegen Herrn Doktor Peisser getroffen worden sind. Hoffen wir, daß sie solcher Art waren, daß dem Herrn Bezirksrichter nächstens die Lust am Schimpfen gegen die Juden vergehen wird._ VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION ~~ Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, L, Schweden- Platz. Dienstag, den 29. März, Vz9 Uhr abends, VORTRAGSABEND. Dr. S. Margulies spricht über: „Methoden des Judenhasses, beleuchtet an Beispielen aus Talmud und Schulchan Aruch". Die geselligen Abende der Jugend-Union sind bereits zu einem gesellschaftlichen Ereignis des jüdischen Wien geworden. So konnte auch die letzte Klubakademie am Samstag, den 12. d. Mim GokUsaal des Cafe Silier einen Massenbesuch aufweisen. Ein erlesenes Programm, von Walter Steiner vorzüglich konferiert war von dem Vergnügungsreferenten Herrn N.K off ler ausgewählt worden. So konnte Herr Otto Grosse durch seine gelungenen Imitationen wahre Lachstürme entfesseln, auch Ada Kelsen recht gut gefallen Den Höhepunkt des Abends bildete das Auftreten von Hella Witt und Viktor S t e r n a u. In Duetten und im Solo boten beide Künstler, begleitet von Leo Vole, Glanzleistungen. Last not least — Paul Lindenberg, der als Komiker Proben ungemein großer Begabung ablegte. Es war wieder ein sehr gelungener Abend, der der Jugend-Union neue Freunde warb. Die nächste Klubakademie der Jugend-Union findet am 9. April statt Stellenvermittlung der „Union". 18]ähriges Mädchen, alleinstehend, drei Jahre Praktikantin In der Seidenbranche, sucht Stelle als Verkäuferin oder fürs Lager. Zuschriften unter „Ungemein tüchtig" an das Krügerheim, II„ Malz- Kasse 7. Erklärung. Von der Betriebsgruppe der Angestelltenschaft der Kultusgemeinde werden wir um Veröffentlichung folgender Mitteilungen gebeten: Im „Oesterreichischen Lehrerblatt" vom 15. März 1932, einer Zeitschrift, welche ausschließlich von Nichtjuden herausgegeben und fast ausschließlich für nichtjüdische Leser bestimmt ist ist über Veranlassung des städtischen Religionslehrers Herrn Josef Pick ein Aufsatz unter dem Titel: „Jüdische Unduldsamkeit" erschienen. Zur Grundlage desselben dient ein Briefwechsel, der zwischen dem Vereine der städtischen Religionslehrer und dem Kultusvorstlande stattgefunden hat Ohne auf das Meritorische dieses Briefwechsels, der übrigens für die jüdische Oeffentlichkeit vollständig uninteressant ist, überhaupt einzugehen, erklären die unterzeichneten Vertreter der Angestelltenschaft der Kultusgemeinde, daß dieses Vorgehen eines Religionslehrers ein krasser Chiliul Haschern ist Mit der Bezeichnung »Jüdische Unduldsamkeit" wird der uns Juden seit Jahrtausenden bekannte Versuch neuerlich unternommen, eine vorgeblich häßliche Handlungsweise durch das vorangesetzte Bestimmungswort „jüdisch" noch häßlicher erscheinen zu lassen. Die Religionslehrer der Kultusgemeinde sind über diese Handlungsweise genau so wie jeder, andere anständige Jude empört und erklären der jüdischen OeffentHchkeät, daß