Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 12 (18.3.1932)
- Date
- 1932-03-18
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Rotwein 1^2 per Ltr. S 1.20 and sonst reichsortiertes Wetnlager für jeden Geschmack — in allen Preislagen D. STEINHOF, WIEN IL, HAID GASSE 5 landen in Gabriel Dukes einen Mann, der nicht nur mit Rat und Tat ihnen zur Seite stand, sondern auch immer für arme und unglückliche Menschen eine offene Hand; hatte. So wie er als Jude voll und ganz seinen Mann gestellt hat, so verstand er es auch, sich vom kleinen Beamten zum anerkannten redlichen Kaufmann hinaufzuarbeiten. Er zählt nicht nur zu den angesehensten Mitgliedern der jüdischen Gemeinde Floridsdorf, sondern auch der Bezirk als solcher besitzt in Gabriel Dukes einen seiner besten Bürger. Herr Rabbiner Dr. Rosenmann schloß seine Ausführungen mit dem innigen Wunsche, es möge dem Jubilar noch recht lange gegönnt sein, zum Heile der Menschheit und zum Wohle seiner Familie in ungebrochener Kraft zu wirken und zu schaffen. Bundesstaadicher Fürsorgerat S o b e 1 brachte hierauf die vom Bürgermeister Karl Seitz und Vizebürgermeister Höß eingelangten herzlichen Glückwunschschreiben zur Verlesung und gratulierte selbst dem Jubilar im Namen der Bezirkskommission XXI. Ueberaus innig waren die Dankesworte, die Präsident Prof. Dr. Alois Pick an Herrn Gabriel Dukes für dessen hingebungsvolle Arbeit im Dienste der Gemeinde richtete. Bezirksvorsteher Franz Bretschneijdler überbrachte die Grüße der Floridsdorfer Bevölkerung. Äe dem Jubilar namentlich wegen seines tiefwurzelnden sozialen Empfindens hoch schätze, das ihn zur Mitarbeit bei jeder Hilfsaktion veranlasse. Herr Simon Czuczka dankte im Namen der Chewra Kadischa dem verdienstvollen Obmanne derselben, ein Vertreter der Genossenschaft der Lastfuhrwerkbesitzer überreichte feierlich ein Ehrendiplom derselben. Mit dem prachtvollen Hallelujah schloß die erhebende Feier, die einen rührenden Beweis für xffie ungeheure Beliebtheit Gabriel Dukes in seiner Gemeinde bot, zugleich aber wieder einmal eine Manifestation des harmonischen Gemeinschaftsgefühls beinhaltete, das in derselben vorherrscht Zu Ehren des Jubilars veranstaltete die ..Union österreichischer Juden" abends semeinsam mit ihrer Bezirksorganisation Floridsdorf im Restaurant Tonello ein Festbankett, an dem zahlreiche Freunde des Gefeierten teilnahmen. Unter Führung ihres Präsidenten Dr. Ornstein hatten sich viele Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union", die Herren Kultusvorsteher Börserat Glück und Obermed.-Rat Dr. Haase, Rabbiner Dr. Rosenmann mit Gemahlin, fast sämüiche Mitglieder 4er Bezirkskommission XXI mit Herrn S o b e 1 an 4er Spitze, Prokurist Lustig (in Vertretung der Firma Königer & Sohn) mit Gemahlin, viele persönliche Freunde des Jubilars sowie dessen Familienangehörige eingefunden. Im Verlaufe des Banketts brachten die Herren Präsident Dr. Ornstein, Rabbiner Dr. Rosenmann, Sobel, Dr. Julius Grünwald, Dr. Julius Tauber herzliche Toaste aus, flir die der Gefeierte selbst in seiner schlichten Art den Dank zum Ausdruck brachte. * Die Floridsdorfer verehren in Herrn Gabriel Dukes den Epigonen der Gründer der Floridsdorfer Kultusgemeinde, der in Sinn und Arbeit die hohen Leistungen jener Pioniere fortführte, die vor 55 Jahren den Aufbau der Gemeinde und ihre Weiterentwicklung in «e Wege geleitet haben, unserer Vorfahren Josef B^chwald, Emanuel Grünwald, Max Neumann. Dr. Jakob König. Emanuel Schlesinger und vieler anderer. Seit 45 Jahren arbeitet Herr Gabriel Dukes mit an dem Werke im Geiste der Tradition: nicht zuletzt ist es gerade diesem Umstände zu Banken, daß sich schließlich auch die Entwicklung der Floridsdorfer Gemeinde einheitlich vollzogen hat. U:\ äußeres Beispiel dieser Einheitlichkeit: Fast alle Bescl:!ii<se werden in vollem Einverständnisse gefaßt. So sind wir in unserem Kreise im engeren wie im weiteren?innc eine wahre Union von Juden. Wir. die wir seit Jahrzehnten hinter dem Jubilar stehen, danken ihm für sein vorbildliches Wirken das so reichlich ist. daß wir mit ihm zurückschauend das erquickende Bild einer langen und ersprießlichen Arbeit sehen, msd vorwärtsschauend wollen wir uns alle in dem vom Herzen kommenden Wunsche vereinigen, der Allmächtige lasse Herrn Dukes noch vieU Jahre so gesund wirken wie bisher. Emi! F a 111 o. Produktive Kredithilfe. Die mit materieller Hilfe des. American Joint Distribution Committee vor neun Jahren gegründete jüdische Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien hielt am 9. März 1932 ihre diesdiesjährige Generalversammlung ab. Der Obmann des Vorstandes. Herr Börserat Glück, der die Versammlung leitete, gedachte des verstorbenen Vorstandsmitgliedes Herrn Jakob März. Hierauf teilte er der Generalversammlung den Beschluß der Israelitischen Allianz mit, die Ziele der Kreditkassa durch Ueberuahme von Geschäftsanteilen im Betrage von S 10.000.— materiell zu fördern. Der Vorsitzende berichtete weiters über das nach langwierigen Kreditverhandlungen mit der Joint-Foundation schließlich erzielte günstige Ergebnis, das den vorher in Frage gestellten Weiterbestand der Kreditkassa sichert, und hob dabei die unausgesetzten Bemühungen des Herrn Vizepräsidenten Dr. Löwenherz zugunsten der materiellen Fundierung der Kreditkassa hervor, wofür er ihm den Dank zollte. Der durch Direktor Henisch erstattete Tätigkeitsbericht über das abgelaufene Geschäftsjahr entrollte ein düsteres Bild der traurigen Wirtschaftslage jener Kreise, aus denen sich die Kreditwerber dieser Kassa rekrutieren. Im Gegensatze zu den früheren Jahren verzeichnet der diesjährige Bericht eine Abnahme der Zahl der eingelaufenen Kreditansuchen und auch der ausbezahlten Darlehen. Als Grund hierfür bezeichnete der Bericht die fortschreitende Pauperisierung des jüdischen Kleinhandels- und Kleingewerbestandes und stellt fest, daß tatsächlich ein Teil der bisherigen Kreditnehmer infolge Betriebsumstellung, bzw. Geschäftsliquidterung aus dem Verzeichnis der Darlehensnehmer ausgeschieden sei. Am deutlichsten komme dies bei der Gruppe der sogenannten „Ratenhändler" zum Ausdruck, die wegen der zunehmenden Arbeitslosigkeit allmählich ihre Kunden verlieren und schließlich ohne Erwerb bleiben oder, bei vorhandenen Mitteln, sich geschäftlich umstellen. Aber auch den Neugründungen könne im allgemeinen keine günstige Prognose gestellt werden, sowohl wegen der wachsenden Konkurrenz als auch infolge der sinkenden Käufkraft der Bevölkerung. Auf diese Ursache sei auch das immer mehr zunehmende Zusammenschrumpfen des Kreises der kreditfähigen Bürgen zurückzuführen, sowie auch die in der letzten Zeit häufiger werdende Tatsache, daß Leute, die früher als Bürgen für andere figurierten, sich selbst um das geringe Darlehen zu bewerben gezwungen sehen. Daß angesichts dieses Zustandes der Vorstand in vielen Fällen die Kreditansuchen wegen mangelnder Sicherheit abweisen muß. ist eine traurige Tatsache. Der Bericht enthielt aber auch eine Reihe erfreulicher Tatsachen. Als solche ist vor allem der Umstand zu betrachten, daß die Gesamtsumme der Rückzahlungen in der Berichtsperiode sogar um ein Geringes höher war. als die ausbezahlten Darlehen, ebenso, daß die Klagsfälle und Abschreibungen sich auch in diesem Jahre in den gewohnten Grenzen hielten. Erwähnenswert sei ferner der Umstand, daß beinahe 20 Prozent von den ausbezahlten Darlehen aufteile Kreditnehmer entfallen, was der Bericht als deutlichen Beweis sowohl der Notwendigkeit der Kreditkassa als auch der stets wachsenden Popularität derselben in den Kreisen des jüdischen Mittelstandes bezeichnet. Der Bericht hebt auch die überaus günstige Wirkung der Tätigkeit der Kreditkassa, speziell in den letzten Monaten des abgelaufenen Jahres und die uneingeschränkte Auf rechterhaltung ihrer Kredithilfe auch nach Erfassung der neuen Devisenordnung nachdrücklichst hervor. Dennoch habe diese Kredithilfe wie noch nie ihren Zweck erfüllt, indem sie den kapitalsarmen Kreditnehmern ermöglichte, ihre durch allseitige Einstellung der Warenkredite gefährdeten Existenzen aufrecht 2u erhalten, wobei ihnen diese Kredite trotz der enormen Steigerung der Bankrate zu den bisherigen Bedingungen erteilt worden seien. Aus der Fülle des interessanten Ziffernmateriales greifen wir die folgenden Einzelheiten heraus: In 13 Vorstandssitzungen wurden 811 Gesuche einer definitiven Erledigung zugeführt, dovan 739 in positivem Sinne. Von den bewilligten Darlehen gelangten in der Berichtsperiode 671 Darlehen mit einer Gesamtsumme von S 348.325.— zur Auszahlung, gegenüber 724 Darlehen mit zusammen S 381.410.— im Vorjahre. Die Höhe der Einzeldarlehen betrug in 79.4 Prozent der Fälle S 500.—. in 6.9 Prozent der Fälle unter S 500.— und in 13.7 Prozent der Fälle zwischen S 500.— und S 1000.—. Nach Berufskategoräen gegliedert, entfallen auf Kleinkaufleute 465 Darlehen (69,3%). auf Handwerker 120 Darlehen (17,9%). auf kleinindustrielle Betriebe 67 Darlehen (10%) und auf Angehörige freier Berufe 19 Darlehen (2,8%). Der Darlehensstand mit Jahresende beziffert sich auf S 189.728.92. Der Stand der Genossenschafter auf 1740 mit volleingezahlten 6238 Geschäftsanteilen ä S 10.—. Nach einer kurzen Aussprache sprach der Präsident des Aufsichtsrates Herr Dr. Löwenherz namens dieser Körperschaft seine vollste Zufriedenheit über die Geschäftsführung der Leitung und die erzielten Resultate aus und dankte besonders dem Obmanne des Vorstandes Herrn Börserat Glück für seine unermüdliche und umsichtige Leitung, worauf über Antrag des Herrn M. W e i n e r dem Vorstand und Aufsichtsrat das Absolutorium erteilt wurde. Nach den durchgeführten Ergänzungswahlen setzt sich der Vorstand aus den folgenden Herren zusammen: Karl Altmann. Aron Barschak. Max Eisner. Börserat Ignaz Glück. Direktor Ernst Goldschmidt, Rafael Halnorn, Edmund Hofmann, Doktor Siegfried Kantor. Dr. I. H. Körner. Oskar Rosner. Oberbaurat Ing. Robert Stricker und Feiwel Türkl. Dem Aufsichtsrat gehören an die Herren: Mendel Feigenbaum. Dr. Desider Friedmann. Gustav Goldmann, Dr. Armand Kaminka. Kammerrat Moritz Kohn, David Lessing, Dr. Josef Löwenherz, Samuel Preis. N. M. Racker, Kommerzialrat Moritz Reif und Max Schiffmann. Der Vorsitzende schloß die Generalversammlung mit den Worten des Dankes und der Anerkennung für die Beamtenschaft. Es staunt ein jeder, der's versteht, bei soldien Preisen die Qualität Glas, Porzellan, Metallwaren Gottfried, Taborstr. €1 Gemeinde - 'Chronik Ein „interkonfessionelles Gesetz" in Jugoslawien. In der Budgetdebatte des jugoslawischen Parlaments machte Justiizminister Bozo Maksimovic Mitteilungen über das fertiggestellte „interkonfessionelle Gesetz", das dem Parlament demnächst zugehen wird. Dieses Gesetz soll die Krönung der bereits bestehenden Gesetzgebung, welche die Angelegenheiten einzelner Konfessionen regelt, sein. Unter dem Protektorat des Staates genießen sämtliche Konfessionen Jugoslawiens Gleichberechtigung und staatliche Subventionen, wodurch feste Grundlagen für einen „wahren Frieden unter den Konfessionen und für religiöse Toleranz" geschaffen worden sind. Oesterreich zur Nachahmung empfohlen! Allgemeiner Kranken und Unterstützungsverein „Monteßore". Am 9. ,& M. wurde die Generalversammlung im Sitzungssaale des Magistratischen Bezirksamtes, IL, Karmelitergasse 9, abgehalten, die sehr zahlreich besucht war und an der auch das Ehrenmitglied Präsident Dr. Jakob Ornstein teilgenommen hat. Die Vereinsleitung berichtete, daß am 23. März 1882 dieser Verein gegründet wurde und daß der Vorstand die 50. Jahreswende benützen wird, um eine solenne Feier zu veranstalten. Die näheren Details werden noch veröffentlicht werden. Bei der hierauf stattgefundenen Wahl wurden die Herren Adolf Bader, Dezsö Friedmann, Josef Halporn, Edmund Hofmann, Jacques Juris. Dr. Edmund Kaliszer, Josef Ornstein, David Schneider, Samuel Stern, Adolf Traub, David Wagner, Hermann Wassermann einstimmig wieder in den Vorstand gewählt. Herr Dezsö Friedmann, Kassier des Witwenundi Waisenforids, würdigte die besonderen Verdienste des Herrn Kultusrat Edmund H o f m a n n, der seit 25 Jahren Obmann des Vereines ist, und beglückwünschte ihn zu diesem seltenen Jubiläum. Hierauf ergriff Ehrenmitglied Präsident Dr. Jakob Ornstein das Wort und dankte der Vereinsleitung, die trotz der schweren Wirtschaftskrise dem Verein, dessen segensreiches Wirken zu Genüge bekannt ist, auf hohem Niveau erhalten hat. Nach dieser mit großem Beifall aufgenommenen Rede wurde die Versammlung geschlossen. Bei der Generalversammlung des Witwen- und Waisenfonds-Verein „Montefiore" wurden folgende Herren einstimmig in den Vorstand gewählt: Ignaz Freund!, Josef M. Glückselig. Rudolf Marktstein, Jakob Nagel, Nathan Neugasser, Rudolf Weiß, Adolf Weiß und A. Bomse. Debrecen. Am „Sabbath Parascha Sch'kolim'- jährte sich zum 25. Male der Tag, an dem Oberkantor Heinrich Fischer zum Oberkantor an der neuerbauten großen Synagoge in Debrecen bestellt wurde. Dieses Amt bekleidete er durch 14 Jahre. Einer an ihn ergangenen Einladung Folge leistend, reiste Oberkantor Fischer mit seiner Frau nach Debrecen, um diesen Gedenktag weihevoll zu begehen. Nach seiner Ankunft erschien bei ihm eine Deputation unter Führung der Herren Ignaz Großmann. Samuel Fried. Jenö Feldmann und Armin Mezö, um ihm für sein Kommen zu danken und ihn auf das herzlichste zu begrüßen und zu beglückwünschen. Am 6. März wurde ihm zu Ehren im Sitzungssaale der Kultusgemeinde, ein Begrüßungsabend abgehalten, bei dem der gegenwärtige Vizepräsident des seinerzeit von Oberkantor Fischer gegründeten jüdischen Gesangvereines Herr Professor Simon Szekely die Verdienste des Jubilars in den wärmsten Worten schilderte. In geistreicher und humorvoller Art dankte Oberkantor Fischer für die ihm dargebrachten Huldigungen und sang dann über wiederholte allgemeine Aufforderung zwei eigene Kompositionen — Ribono schel olom und Altaschlichenu — l'es-Sikno — auf der Orgel begleitet von dem genialen Chordirigenten E. Rottmann, unter nicht endcnwollendem stürmischen Beifall. * Ujpest. Auf Einladung des Präsidenten Adolf Aranyi fuhr Oberkantor Fischer auch nach Ujpest. in welcher Gemeinde er seinerzeit ebenfalls gewirkt hatte. Am Montag, den 7. März, zelebrierte er im dortigen überfüllten Tempel (es waren auf die Nachricht von seinem Kommen auch aus der Umgebung und Nachbargemeinden Budapests zahlreiche Kantoren und Besucher herbeigeeilt) einen feierlichen und weihevollen „Jörn kippur koton". der einen tiefen und nachhaltigen Eindruck auf alle Anwesenden machte. Bei dem zu Ehren