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Die Wahrheit · 1932-03-18 · Heft 12 (18.3.1932) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 12 (18.3.1932)
Date
1932-03-18
Page
– (sequence 9)
Language
German
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tfflg WAHBHEnf beitc 9 des Herrn Oberkantors Fischer und seiner Gemahlin vom Präsidenten Aranyi gegebenen festlichen Empfange erschien auch der Rektor des Wiener Rabbinerseminars, Herr Professor Dr. Samuel Krausz. Oberkantor Fischer und Frau wurden vom Präsidenten Aranyi auf das herzlichste begrüßt und speziell für die ergreifend isüsgcführte Funktion am Jörn kippur koton-Abend sprach der Präsident seine ganz besondere Anerkennung aus. Tags darauf, am 8. März, hielt Prof. Krausz im Venetianer Kultusverein einen wissenschaftlichen Vortrag über dit? bereits im 17. Jahrhunderte unter der Führung des Rabbi Juda Hachossid erfolgte Wanderung der Juden nach „Erez Israel", der mit anhaltender Spannung angehört und mit großem Beifalle aufgenomrnen wurde. Professor Dr. Barta und Oberrabbiner Dr. Friedmann feierten den Rektor als großen Gelehrten und dankten ihm dafür, daß er ihnen die. Ehre erwiesen habe, in ihre Mitte zu erscheinen, um einen historisch so interessanten »nd wissenschaftlich so hochstehenden Vortrag zu halten. Zum Abschluß dieser Feierlichkeiten iand dann im Hause des Herrn Oberrabbiners Doktor Friedmann eine gemütliche Zusammenkunft statt, an der auch mehrere Wissenschaftler teilnahmen. Eine schöne Doppelfeier fand am Samstag, den 12. d. M., in der Familie des bekannten und weithin geschätzten Kaufmannes Moritz Michael Gottfried statt. Sein Sohn Bernhard feierte an diesem Tage die Barmizwah und aus diesem Anlasse waren viele Verehrer der Familie im Pazmanitentempel erschienen. Auch der Gesamtvorstand des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" unter Führung des Obmannes Oskar Schramek und die stark vertretene Bezirksorganisation II der „U n i o n" hatten die schöne Gelegenheit benützt, um Herrn M. M. Gottfried, der für jüdische Angelegenheiten stets ein warmes Interesse bekundet, ihrer herzlichsten Sympathien zu versichern. Bernhard Gottfried trug die Haftarah mit viel Verständnis vor, ein Beweis für die gute religiöse Erziehung, die er in seinem wackeren Elrernhause genossen. Rabbiner Dr. Zwi Taubes rühmte in seiner gehaltreichen Ansprache den edlen Sinn für die jüdische Gemeinschaft, der die Eltern des Barmizwah, Moritz Michael Gottfried und seine Gattin Rosa, beseelt und ermahnte ihn, diese schöne Tradition in Ehren fortzusetzen. Oberkantor J. Müller rezitierte einen feierlichen Mischeberach sehr wirkungsvoll. — Am gleichen Tage fand auch die Promotion eines Neffen des Herrn M. M. Gottfried, des Herrn Fritz Gottfried1, Sohn des Ehepaares Max und Fanny Gottfried, zum Doktor der Rechte statt. So konnte in dem gastfreundlichen Hause eine Doppelfeier begangen werden, an der dessen zahlreiche Freunde innigen Anteil nahmen. ..Hasimrah". Organisation der Wiener Vereinstempelsänger. Dirigenten und Organisten. Für das am 23. d. M.. Uhr abends, im Großen Konzerthaussaale, vom Chorverband© „Hasimrah" der Wiener Vereinstempelsänger gemeinsam mit der Wiener Jüdischen Konzertvereinigung unter dem Protektorate des Pazmanitentempels stattfindende große liturgische Konzert, macht sich bereits im Publikum äußerst lebhaftes Interesse bemerkbar. Dieses Konzert, dessen Reinerträgnäs einer Winterhilfsaktäon zugunsten der schwernotleidenden Vereinstempelsänger verwendet werden soll, ist in diesem Rahmen das erste seiner Art und durch seine Darbietungen ganz darnach ansetan. eine musikalische Sensation ersten Ranges zu - werden. Neben den auserlesensten Chören jüdischen Tempelgesanges, die unter der Leitung der bekannten Dirigenten B. Hirschmann, H. Schorr und H. Oesterreicher stehen, ist es gelungen, die Mitwirkung der Oberkantoren M. Abrahamsohn, Budapest. J. Bor in. Breslau. G. Marguli es, L. Müller und . S. Landerer. Wien, zu sichern, die in ihrer Art nicht nur als Stimmphänomene, sondern auch als Interpreten kantoralen Gesanges Weltruf genießen. Die Klaviervirtuosin Grete Koller und der Geigenvirtuose Kurt Fuchsgelb werden die besten Stücke ihres Repertoires zum Vortrag bringen. Die mitwirkenden Chorsänger und Chorsängerinnen (80 Personen) stellen das Beste an Stimmaterial dar. das den Wiener Vereinstempeln zur Verfügung steht Alle diese hervorragenden Kräfte haben sich selbstlos in den Dienst der guten Sache gestellt. Dieses Konzert soll auch den Beweis erbringen, daß dem jüdischen Tempelgesange, dem eine zauberhafte Kraft innewohnt, auf das Gemüt der Menschen zu wirken und seinen Meisterkomponisten ein besonderer Platz in der MusikJiteratur sebührt. Barmizwahfeier. Samstag, den 19. d. M., 9 Uhr vormittags, findet im Pazmanitentempel, II., Pazmanitengasse 6, die Barmizwahfeier von Bernhard Baumgarten, Sohn des Herrn Prof. Dr. Camillo Baumgarten und seiner Gafh'n Beate, statt. Trauungen. Sonntag, den 20. d. M., 3 Uhr nachmittags, findet im Polnischen Tempel, II., Leopoldsgasse 29, die Trauung des Fräuleins Sophie Infolge Raummangels konnte in der dleswöchentl'cuen — ohnehin um 2 Seiten verstärkten — Nummer die Fortsetzung der Festrede des Herrn Präsidenten Dr. j. Ornstein nicht erscheinen. Mehr mit Herrn Oberkantor Jakob Wahrmann statt. — Die Hochzeitsfeier und' Trauung der Tochter des Herrn Johann Hofbauer in Baden bei Wien, des Fräulein Lily Hofbauer, mit Herrn Max Steiner, Zahntechniker, findet am 20. d. M., Uhr mittags, im Res taurant Schey, Annagasse, statt. ^chomra" - Konsumrabatt. Die Rabattaktion „Schomra". die der Verband der Sabbathfreunde ins Leben gerufen hat. hat in den weitesten Kreisen der jüdischen Bevölkerung Wiens stärksten Anklang gefunden. Schon der bisherige Erfolg wird als Beweis dafür betrachtet, daß die Einführung dieses Konsumrabattes einem vielfach empfundenen Bedürfnis entsprochen hat. Eine Anzahl weiterer Firmen haben um ihre Aufnahme in die ..Schomra"-Finnen gebeten, die auch in den nächsten Tagen erfolgen wird. Die zur Einlösung gelangenden vollgeklebten Büchlein werden zu einem späteren Zeitpunkte verlost werden, wobei Aussichten auf größere Gewinne vorhanden sind. Näheres wird noch verlautbart werden. Vexeinsnadkvi&ten Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrohom", IL, Pazmanitengasse 6. Sonntag, den 20. d. M., präzise ^10 Uhr vormittags, findet im großen Giebelsaale des Tempelgebäudes die 56. ordentliche Generalversammlung statt. Chewra Kadischa, XIX., Dollinergasse 3. Sonntag, den 20. d. M., präzise K10 Uhr vormittags, findet im Vereinslokal die 8. ordentliche Generalversammlung statt. ..Mathilde". Verein zur Bekleidung armer jüdischer Schulkinder, insbesondere Waisenkinder. Anläßlich des Purimfestes veranstaltet der Verein am Sonntag, den 27. März 1932. im Festsaale des Hotel Continental, Wien II., Taborstraße 4. eine Wohltätigkeits- Akademie mit anschließendem Tanz. Das Reinerträgnis fließt zur Gänze dem Fonds zur Unterstützung der bedürftigen armen jüdischen Schul-, insbesondere Waisenkinder zu. Programm: Richard Eybner, Burgtheater, Christi Chiampietro. Pavillon, Erich Kesacoff. Westminster. preisgekrönt als Wiens bester Jazz, und Liedersänger. Kitty Mattfuß.' Marlene Dietrich-Kopie. Sing-Sing Boys, die Urdrolligen. Max Geiger. Violinvorträge. Otto Demant-Dürer. Reinhardtbühne. Conferencier. Musik: Jazzorchester der beliebten Radibkapelle Max Geiger. Entree S 2.50. Beginn präzise 8 Uhr. Tanzbeginn 10X Uhr. Unterstützt die Aktion durch den Besuch der Veranstaltung! Karten sind im Vereinslokale. IL. Große Sperlgasse 41. Telephon A 43-5-19. erhältlich. Bs ist traurig, aber wahr, daß die Krankheitskurve aller Kulturnationen sich seit vielen Jahren in stetig aufwärts steigender Linie bewegt. Man darf behaupten, daß durch die heutigen modernen Krankheiten, angefangen von der Tuberkulose, Anaemie, Rachitis. Skorbut. Beri-Beri bis zu der fürchterlichsten Geißel der Menschheit, der Krebserkrankung, in den letzten Jahrhunderten die Bevölkerung mehr dezimiert wurde als durch alle Kriege in der gleichen Zeit. Die fähigsten Köpfe aller Nationen, die hervorragendsten Leuchten der Wissenschaft und die berühmtesten Ernährungsforscher haben sich seit vielen Jahren mit diesem Problem beschäftigt und alle kamen zu dem gleichen Resultat, daß all die Ursachen dieser schweren Krankheiten auf Stoffwechselerkrankungen zurückzuführen sind, bedingt durch unsere heutige, unsachgemäße Ernährung. Durch unsere im Laufe der Jahrhunderte überfeinerte Lebensweise führen wir unserem Körper viel zu wenig Stoffe zu, die der Mensch zu seiner Gesunderhaltung und zum Aufbau seines Körpers unbedingt bedarf. Wir müssen also trachten, die uns entgehenden äußerst wichtigen Nährsalze und Vitamme anderweitig zu suchen und diese unserem Körper in natürlicher Weise zuführen. Und auf der Suche nach diesen Stoffen kam die Wissenschaft wieder auf unser allerwichtigstes Hauptnahrungmittel, auf unser „tägliches Brot", bzw. auf das Getreide. Dieses enthält alle Mineral-, Nähr- und Aufbaustoffe und alle diejenigen wichtigen Salze, deren der Mensch unbedingt bedarf. Aber nur durch sachgemäße Behandlung des Getreides können die darin enthaltenen wichtigen Stoffe in ungebrochener Kraft erhalten werden. In dieser Hinsicht kann der verstorbene MübJeningenieur Stephan Steinmetz als Bahnbrecher bezeichnet werden. Er legte den allergrößten Wert auf hygienische Behandlung der Brotfrucht. Das nach seinem Verfahren hergestellte Steinmetzbrot (Kraft- und Vollbrot) enthält aHein noch die im vollen Getreidekorn in ungebrochener Kraft aufgespeicherten, wichtigen Mineral- und Nährsalze. Dies wurde auch durch das Deutsche Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft und durch den Reichsausschuß für Ernährungsforschung festgestellt und es wurde bestätigt, daß ausschließlich nur im Steinraetzbrot noch der gesamte Vitamingehalt des verwendeten Getreidekornes enthalten ist Da Steinmetzbrot nunmehr auch in Oesterreich und speziell in Wien erzeugt und verkauft wird. Hegt es in Interesse der heimischen Bevölkerung, insbesondere der Hausfrau, die um die Gesundheit ihrer Lieben besorgt ist. sich diese Vorteile Deutscher Wissenschaft und Forschung zu Nutze zu machen. Sdiaare-Thora. Die Schmiedl-Mazzoth genießen Weltruf. Ob diese Berühmtheit ihre Berechtigung besitzt, davon kann nur der Augenschein überzeugen. Deshalb haben wir auch heuer wieder die bekannte SchmiedlrMazzothfabrik in Floridsdorf unangesagt besucht Wir wissen wohl, ihr Eigentümer. Herr Nathan Brodetzki, hat im jüdischen Wien einen sehr guten Namen, vor allem wegen seines eminenten Wohltätigkeitssinnes, den er bei jeder Gelegenheit zum Wohle jüdischer Armen und Waisen bekundet Sein Unternehmen nun, das er seit mehr als 30 Jahren mit rühriger Umsicht führt, setzt bei jeder Besichtigung neuerlich in Staunen und Begeisterung. Da sind in seinem eigenen Hause schöne lichte Räume, in denen zu arbeiten ein wahres Vergnügen sein muß. Man erkennt das auch an der guten Stimmung der 60 Arbeiter und Arbeiterinnen, die unter der Aufsicht der vom Rabbinat der Wiener Kultusgemeinde beigestellten Maschgichim tätig sind. Man bewundert den Produktionsprozeß, wie aus dem in einer separaten Kammer aufbewahrten Mehl durch Beimengung des den rituellen Bestimmungen entsprechenden Wassers (aus großen Kesseln entnommen) der Teig entsteht, der in einer amerikanischen Maschine geknetet wird Und nun geht überhaupt alles amerikanisch, d. h. am laufenden Band. Auf einer großen Maschine wird der plattgedrückte Teig den gewünschten Formen entsprechend geschnitten und wandert in die gewaltige Heizanlage, wo in kürzester Zeit die fertige Mazzc erscheint und in den geräumigen Versandraum kommt, um in alle Welt verschickt zu werden. Und wie die Schmiedl-Mazzes heuer schmecken! Nicht nur die gewöhnlichen Mazzes, die in Wahrheit außergewöhnliche sind, auch die bekannte Spezialmarke „N. B.". das ist ein Hochgenuß, wie auch der Grieß und die Farvel der Schmiedlfabrik diesmal besonders gut geraten sind. Darüber sind wir alle einig, daß jeder Jude verpflichtet ist, die Produktion Palästinas möglichst zu unterstützen. Besonders die aus Palästina importierten bekannten gutgepflegten Weine mit der Marke .JCarmel- Original" dürfen bei keinem jüdischen Feste und keiner Gelegenheit auf der Tafel fehlen. Es kommt jeder Weinkenner bei diesem echten Naturwein, auf seine Rechnung. Man achte auf die Annonce „Karmel- Original". UmnUMH Ein hebräisches Lesebuch aus der Heiligen Schrift, mit Anmerkungen. Wörterverzeichnis und einer kurzgefaßten hebräischen Grammatik versehen. Von Dr. Manfred Papa I. Teil: Aus dem Pentateuefa. Phaidon-Verlag. Wien 1932. Es ist kein gefühlsmäßig angestrebtes Urteil in dem Lob dieses Lehrbuches enthalten. Die Sehnsucht nach einem Lebrbuche bestand schon sehr lange. Einer unserer besten Lehrer. Rabbiner Dr. Mandel s. A.. hat jeden Erfolg des Religionsunterrichtes an den Mittelschulen von einem ähnlichen Buche abhängig gemacht. Welches Vergnügen der strebsame, brave Schüler haben wird, wenn er an der Hand des Buches ernstlich an den hebräischen Unterricht herangehen wird, läßt sich kaum denken. Als Lehrer hörte ich oft Klagen der Schüler, die so gerne Hebräisch in einer ähnlichen Weise, wie man die alten oder gar die neuen Sprachen lernt, studieren wollten. Alles zerschellt an dem Mangel eines geeigneten Lehrbuches. Das Lehrbuch Prof. Papos. von dem der erste Teil uns vorliegt, wird vielem abhelfen. Für den Lehrer ist es endlich ein Buch, das ihm ein Regulativ sein kann, um ziel- und planbewußt das Pensum des Lehrstoffes zu bewältigen. Die Auswahl der Lesestücke ist identisch mit dem Lehrplan des israelitischen Religionsunterrichtes. Das Wörterbuch gibt dem Schüler die Möglichkeit, selbständig zu arbeiten, und geradezu technisch blendend ist die kurze, sehr leicht faßliche hebräische Grammatik. Wenn sonst ein Lehrer in seinen Stunden hebräische Grammatik unterrichtet hat und die Kinder ohne jeden Behelf zu Hause, nur vom Zuhören, lernen mußte», da häuften sich die Klagen und manche Eltern rannten sogar mit Klagen zur Kultusgemeinde oder zum Stadtschulrat Diese Schwierigkeiten wird das Buch beheben. Das Lesen ohne Verständnis, vielleicht die Hauptursache des Nichtlesenkönnens in der Schule, wird einem Begreifen, einem innigen Verstehen des Textes Platz machen. Zuletzt werden wir Prof. Papo noch einen übrigen Dank schulden. Unsere heutige Welt der Materialisierung, verbunden mit so viel Elend, wird anders. Die Kinder sehnen sich wieder nach alten, besseren Zeiten zurück, wie ich dies aus ihren Gesprächen und Schulaufsätzen entnehme. Das Buch Papos. das so schöne, ausgewählte Stücke des unsterblichen Pentateuch enthält, wird die Jugend zur Humanität der Bibel zurückleiten und das neue Geschlecht moralisch festigen. Heute herrscht bei uns in den Lehrerkreisen des Religionsunterrichtes völlige Eintracht. Wir befinden uns auch als Juden und als Menschen in vollkommener Harmonie mit den Bestrebungen unseres Inspektorates (Studienrat Redisch. Rabbiner Taglicht) und wollen unter seiner Leitung das denkbar Beste in der Erziehungsarbeit erreichen. Deshalb hoffe ich. daß alle Lehrer gerne dieses Buch einführen werden. Die Resultate werden nicht ausbleiben und auch unsere Jugend wird ihre Dankbarkeit in der Anhänglichkeit am Judentum beweisen.

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