Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 12 (18.3.1932)
- Date
- 1932-03-18
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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WAflKtlfcli 3«H« 4 Beim Einkauf von Palästinaweinen achte man auf die Marke Karmel - Original auf der Etikette (nur vierfarbig), Kapsel, Plombe und Kork. Vor Falsifikaten wird gewarnt. Die aus den am Karmel im Jahre 1889 gegründeten ältesten palästinensischen Weinkellereien der Firma S. Friedmann & Söhne stammenden wohlgepflegten acht Sorten Weine sind den feinsten französischen und spanischen Natur weinen ebenbürtig. Rotweine: Alicant 1 und Alicante extra; goldgelbe Süßweine, Hasahron-gold. Malaga. Muscat und Zionsperle. Weißweine: Haute-Sautern. artig. Medizinalwein: Barsei, eisenhaltig. Alleinberechtigt zur Führung der Marke KarmeJL Original ist .uiiöä*'^ -:-. "'■ N. Spindel. L. Laurenzerberg 2. Telephon-Nr. R 29-7-34. STEIN INDUSTRIE CARL BENEDICT Zentrale: III.. Rennweg 112, Tel. U 15-0-52 GRABSTEINLAGER: Zentralfriedhof, 3. Tor, Tel. U10-4-53 Unsterblichkeitsgedanke in alttestamentlicher Auffassung in den „Wahlverwandtschaften", Koheleth- •motive im „Maskenzug" und in Gedichten, die jüdische Vergeltungslehre des Ueberwiegens des Segens über dem Fluche in der „Iphigenie". Eine besondere Stellung in der Verwendung biblischer Motive nimmt Goethes Lebenswerk, der 'AFaust", ein, an dem der Dichter 60 Jahre hindurch gearbeitet hat. Höhne beziffert die Gesamtzahl der Parallelstellen aus der Bibel einschließlich des Neuen Testaments auf über 200. Am wichtigsten wurde Goethe bei der Arbeit am „Faust" das •Buch Hiob, dem er die Einführung des Teufels nicht nur als Widerpart, sondern vielmehr als Diener Gottes entlehnte, wodurch er erst die Möglichkeit fand, das „Fragment" nach vieljähriger Pause zu vollenden. Den großen Einfluß der Mosesgestalt auf den „Faust" hat Burdach nachzuweisen versucht, nicht in der Gestaltung der Bibel allein, sondern in der Ausschmückung der midraschischen Literatur, wie Goethe sie dtarch Herder kennengelernt hatte. Der Sonnenaufgangsmonolog zu Beginn des zweiten Teiles erinnert an II. Buch Moses, Kapitel 33 und 34, Fausrs Vermächtnis und Tod an Mosis Abschied vom Leben. Auch die Gedankenwelt des „Weisesten der Könige" hat ihn unablässig beschäftigt. Zwar betrachtet Goethe den Eingangssatz des Koheleth. „Alles ist eitel!" nicht als Leitmotiv, das in der tiefgründigen biblischen Abhandlung bewiesen werden soll, sondern als Thema, dessen Widerlegung sich der Denker zur Aufgabe gestellt hat und an zahlreichen Stellen seiner Werke kommt er zu dem rückhaltslos optimistischen Schluß: „die Welt ist gut" und unterschreibt unter Zitierung des Bibelwortes den himmlischen Ausspruch: Gott sah, daß die Welt gut ist. Dankbar hat der Dichter undi der Weise alle- •zfet den Einfluß der Bibel hervorgehoben: „Ich Bin überzeugt, daß die Bibel immer schöner wird, je mehr man sie versteht, das heißt je mehr man einsieht und anschaut, daß jedes Wort, das wir allgemein auffassen und im besonderen auf uns anwenden, nach gewissen Umständen, nach Zeitung Ortsverhältnissen einen eigenen, besonderen, unmittelbaren individuellen Bezug gehabt hat."- Welch außerordentlichen Anteil die Bibel an der Forschung von Goethes Weltanschauung hatte, beweisen unzählige Aeußerungen von ihm über die Einzigkeit und Einheit Gottes, über Gottesglauben und Gottvertrauen, über Gottesverehrung, über die vollkommene Güte der Welt, über Freiheit im Oesetz, über Menschenliebe und Entsühnung. „Der Bibel allein war ich meine ganze sittliche Bildung schuldig. Ihre Begebenheiten, Lehren, Symbole und Gleichnisse, alles hatte sich tief bei mir eingedrückt und war auf die eine oder die andere Weise wirksam gewesen." Mit diesem einzigartigen Bekenntnis hätten wir gern diesen kurzen Streifztig durch Goethes Leben und* Schaffen im Lichte unserer Bibel beschlossen. Allein gewisse Strömungen in der Gegenwart, die in seltsamem Gegensatze zur Kulturhöhe einer Goethefeier stehen, zwingen zu ernstlicher Mahnung an alle diejenigen, die den finsteren Rassenhaß des Mittelalters neu entfachen wollen, sich in Goethes Ideenwelt zu versenken und seine Auffassung von altjüdischer Gedankenhöhe zum Maßstab für die Beurteilung jüdischer Wahrheiten zu wählen. Dankbar soll hier darauf hingewiesen werden, daß in diesem Sinne eine Stimme sich erhebt, die in gleicher Weise aus Liebe zu Goethe wie aus Liebe zur Bibel spricht: FAMILIEN - PENSION lButainttoo.HaffBi!iaos | täglich 5-Uhr-Tee i SEMF1EBIN6 TELEPHON 11 Hochstrafie 43 _ neben Hotel Panhans g Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.— aufwärts g Zentralheizung fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer, g AMtoMH: Win Tele»»«» D 27-C-24. g Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer Landgerichtsrat Raimund Eberhard, ein deutscher Richter, der schon wiederholt in Won und Schrift als überzeugter Christ gegen die Schmach des Antisemitismus eingetreten ist, hat „aus Liebe zu dem Alten Testament, dem er dk tiefsten religösen Eindrücke seiner Jugend und seines Jünglingsalters verdankt", und das ihn-, dem 60jährigen, „auch heute noch unendlich teuer ist", in gleicher Weise „auch aus Liebe zu Goethe"' das umfassende Material erneut zusammengetragen, das durch das Thema „Goethe und Jas Alte Testament*) umschrieben ist. Sein Buch soll, wie es in der Vorrede heißt, eine „Rettung im Lessingschen Sinne sein, indem aufgezeigt wird, wie die Religiosität Goethes, dieses wahrhaften Deutschen und zugleich Weltweisen — trotz gelegentlicher Ausfälle — bis in;dse letzten Fasern seines Wesens in diesem erhabenen Menschheitsbuche verankert gewesen ist. Ebenso wie Goethe aber ist unser ganzes deutsches Volk durch das Alte Testament hindurchgegangen, und zwar durch viele Jahrhunderte hindurch. Der Einfluß alttestamentlicher Religiosität ist einfach nicht mehr aus der Geistesgeschichte des deutschen Volkes herauszustreichen, wie er auch nicht aus der Religiosität Goethes herauszustreichen ist." Solch mutige Stimmen werden in der gegenwärtigen wildbewegten Zeit, da unsere Gemeinschaft wieder zum Spielplatz politischer Leidenschaften geworden ist, selten vernommen. Und es ist zu wünschen, diaß das Echo solch wahrer humanitärer Gesinnung ein weites sein möge, und daß darüber hinaus jene menschliche Gesinnung Goethes in die breiten Massen dringen möge, damit das Trugbild einer übermäßig verhetzten Gegenwart bald in ein Nichts zerflattert. Dr. L. Deutschländer. *) Das Buch von Landgerichtsrät Raimund Eberhard „Goethe und das Alte Testament" erscheint in diesen Tagen im Verlag C. Barth. Wien, i'nd sei auch von uns auf das wärmste empfohlen. D. Red. Der Jüdische humanitäre Hilfsverein ..Tre«« Brüder", Sitz Cate Buchsbaum. IL. Kleine Pfarr- Kasse 21. nimmt Gesuche um Naturalien (Mazzoth) für die Pessachhilfsaktion nur bis 25. März entgegen. Spätere Anmeldungen können nicht berücksichtigt werden. so ergäbe sich: aus B mache ich nach demselben Rezept N, a bleibt, b verdoppele ich. so erhalte ich Nab(o)b, ,dann bin ich reich. Setze ich an die Stelle von loni, so ergibt sich Nini und, da 9 1 b sein soll, Ninib, bzw. wenn ich be ausspreche Ninibe. Wir hätten nur das „Und neun ist eäns" uns vor „dann ist's vollbracht" zu denken. Einfach als Zahlenrebus ohne Buchstabenunterlegung ließe das Rätsel etwa folgende Deutung zu. Aus 5 und 6 mach' „7 und 8" wäre in dem Sinne zu fassen: 56 7 X 8. IX 1. wenn X 0. Zu 10 + 2 + 3 15 wäre an die Zauberzellenquadrate zu erinnern, wie sie bei Chinesen, Muhammedanern und in der jüdischen Magie beliebt waren. Zum mindesten muß ein solches Goethe auf dem Stiche „Melancholia" seines Lieblings Dürer aufgefallen sein. Eines der bekanntesten waren Quadrate mit drei Zahlen, die horizontal wie vertikal die Summe 15, also so viel wie der Gottesname J"h ergeben. „Und drei mach' gleich" wäre dann auf die von rechts ausgehende Diagonale zu beziehen, die aus 3X3 bestehen würde. „Dann bist du reich" hätte den Sinn: Nun bist du im Besitz des magischen Namens, mit dem du dir Schätze herbeizaubern kannst. Uebrigens paßte hierzu auch „Verlier die vier", d. h. subtrahierst du die 4 von 15, so bleiben 5 und 6. Fraglos sind alle diese Vorschläge problematisch. Sicher ist aber der kabbalistische Charakter der Methode, nach der Goethe hierbei verfuhr. Deutlicher tritt sie hervor in der Stelle Faust II Vers 1651: Hier, diesen Schlüssel, nimm, folg' ihm hinab. Er führt dich zu den Müttern. Louvier weist in dem genannten Buche S. 51 auf J. J. Wagners „Mathematische Philosophie", Erlangen 1811, S. 336, hin, wo die Dinge, die „sitzen, gehen, stehen und liegen", vielleicht unter Bezugnahme auf Plutarch, als „Mütter", die Prozesse als Väter be- |«jichnet werden. Goethe kannte diese Stelle, daß er aber mit seinen Müttern die „Mütter" der Kabbala, und zwar des Buches Jezira, gemeint hat, nämlich die Elemente A(-wir Luft), M(-ajim Wasser). Sch(esch Feuer), dafür sprechen folgende Momente. Vers 1681 liest man: Berühr den Dreifuß mit dem Schlüsse*. Er schließt sich an, er folgt als treuer Knecht Nun zitiert Ad. Franck, La Cabbale (deutsche Uebersetzung von Gellinek S. 113) einen Arzt, der die Funktionen der den „Müttern" (Luft, Wasser, Feuer) entsprechenden Dreiheit Kopf, Herz und Magen den „Dreifuß des Lebens" nennt. Es ist anzunehmen, daß dieser Ausdruck Goethe begegnet ist. Ferner zu liegen scheint eine andere Vermutung. „Hier, diesen Schlüssel" sagt Mephisto. Auf dieses „Hier" legt Louvier Gewicht, und zum Beweis, daß Goethe mit Etymologien zu spielen liebt, führt er, von M. Mendel darauf aufmerksam gemacht, das Gedicht „Etymologie" (Goethes Werke, Cotta 1869, Bd. 2, S. 147) an, in dem auf die Bedeutung von Ar(e)s im Griechischen, Lateinischen und Deutschen angespielt wird. Das „Hier" an unserer Stelle, französisch gefaßt, entspricht aber genau dem hebräischen AMSch (emesch gestern). AMSch (Awir Majim Esch) ist „dieser Schlüssel", der zu den „Müttern" führt, dem der „Dreifuß" sfeh anschließt. „Schlüssel" (Kleis) ist die gewöhnliche Bezeichnung tür Hermesbücher (Dietrich, Abraxas 161) In den „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde", Heft 5 S. 31 werden als die „vier Schlüssel, die öffnen und schlie- 3en , die aus dem Machsor bekannten (a)—n—k—t— m p—s—t— m p—ss—p—ss—j—m d—j—v—n—ss—j—m bezeichnet, die a. a. O. 58 als eine griechische r-ormel gelesen werden. Von mystisch kosmogonischen „Schiusseln" spricht auch der Talmud z B b. Taan 2 a: das Wort m—ph—t-ch (Schlüssel) wird gedeutet als rnatar (Regen) parnassa (Ernährung) t'chijja (Auferstehung) chajjim (Leben). Juden in Spanien hinterließen ihren Kindern Clavicula (Schlüssel) Salomonis usw. (REJ XX p. LVU). Noch 1865 erschien ein solches Zauberbuch unter dem Titel: Eliphaz Levi, Dogme et rituel de la haute magie (vgl. Amelineau, Essay sur Je gnosticisme egyptienne), ähnlich Berth. Auerbach in „Deutsche Rundschau" 1880, S. 294. Zauberspiegel wie der in der Hexenküche: im Maaasebuch (Mitt z. jüd. Volkskunde, II, S. 35. V 10). Kuhn-Schwartz. Norddeutsche Sagen 556, über das Verhüllen der Spiegel im Sterbezimmer und die Vorsicht, nachts nicht in den Spiegel zu erblicken: S. Rubin. Geschichte des Aberglaubens 56, 180 f. In den „Jüdischen Merkwürdigkeiten" des Frankfurter Rektors Schudt konnte Goethe finden: II 74 die Beschwörung des Feuers, II 198 die Erzählung, wie Elia durch Bohren in der Wand Wein herbeigeschafft habe (das Rezept, nach dem dies in „Auerbachs Keller" geschieht, ausführlich in „Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde" V 30), II 89 die Herrschaft über Ratten und Mäuse, die dort einem bekannten Rabbi zugeschrieben wird, das Ziehen des Zauberkreises (vgl. Schindler 145 „Ohne Creyss lies mich nicht laut"), — 197 das Bereiten von Liebesgetränken, 11208 Besenritt und Mantelflug. vgl. Bergmann. Legenden der Juden 139. 144 (Mantel des Wotan: Dahn bei Freimut, der Tillenberg 203). II 209 Beschwören schöner Frauen. Ueber Helena als Königin von Saba vgl. Görres, Die deutschen Volksbücher 240, Mitteilungen zur jüdischen Volkskunde V 11. „Die Königin von Saba" a. a. O. II 30. Freisautf. Salzburger Volkssagen 121. daselbst auch 61. 622 der schwarze Höllenhund, der bei Fr. Ranke, deutsche Volkssagen 53 groß wie ein Pferd wird, in Begleitung des Dr. Faust bei Schwab, Die deutschen Volksbücher (Reclam) S 20. Eine Parallele zwischen Salomo-Aschmedai und Faust-Mephisto hat schon S. L. Rappaport (Erich Miliin 242) gezogen. Näheres Mitt. zur jüdischen Volkskunde V 56, daselbst auch über Lilith, den Salamander, den fahrenden Scholasten, die Meerkatze. Mittet gegen Sommersprossen. Ariel, das Pentagramm, die magische Bedeutung des abnehmenden Mondes. Homunkulus erinnert an den „Golem" und andere Einzelheiten, die in dem Vortrage „Ueber jüdische Mystik" (im „Jahrbuch für jüdische Volkskunde". I 374 ff") ergänzt wurden, um den Einfluß der Kabbala auf den „Faust" aufzuweisen. „Wie Himmelskräfte auf- und niedersteigen", „Und Fels und Meer wird fortgerissen in ewig schnellem Sphärenlauf ' versteht man, wenn man die Kabbala zu Rate zieht.