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Die Wahrheit · 1932-03-11 · Heft 11 (11.3.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 11 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Sfthf 6 DI£ WAHRHEIT Dr. Ernst Feidsberg in markanten Ausführungen au die Frauen appelliert, ihre Pflichten als Mütter und Erzieherinnen in jüdischem Geist zu erfüllen. — An einem anderen Abend waren die Mitglieder des 3. Bezirkes der Frauen-Union in das Wiener Studio von Frau Dr. Else Hoffmann eingeladen, wo sie deren fesselnden Ausführungen über „Wohnkultur" lauschten. Unterstfitzt durch viele gutgewählte Lichtbilder, gab Frau Dr. Hoffmann einen Ueberblick über die Entwicklung der „Wohnkunst" in den letzten Jahrzehnten, wobei sie besonders den bedeutenden Anteil der Wiener Künstler an der Herausbildung eines neuen Wohnstils betonte. Naturgemäß weckten die lebendigen Ausführungen der Rednerin das größte Interesse bei den erschienenen Damen, was sich auch in der anschließenden Debatte kundtat F.-T. JCaftenßr eus am Wew& Die polnische Regierung sanktioniert den Antisemitismus. Abgeordneter Qrünbaum hat im Namen des jüdischen Klubs im Sejm eine Interpellation an den Ministerpräsidenten, Kriegsminister und Vc4ksbüdungsminister P i 1 s u d s k i eingebracht, in welcher darauf hingewiesen wird, daß der Kriegsminister Marschall Pilsudski die Ehrenmitgliedschaft der „Jugend-Legion" angenommen hat, obwohl diese Vereinigung eine scharfe antisemitische Politik betreibt und erst in diesen Tagen einen Aufruf zur Verfolgung und Boykottierung der Juden auf allen Gebieten und zur Organisierung eines „Antisemitismus der Tat" veröffentlicht hat In der Interpellation wird gefragt, wie sich die Uebernahme der Ehrenmitgliedschaft einer radauantisemitischen Vereinigung durch den Kriegsminister mit der vom Innenminister Pieracki am 8. Februar im Sejm abgegebenen Erklärung, daß die Regierung, jeden Versuch, Konflikte zwischen den Nafionalitäten hervorzurufen, streng ahnden wird, verträgt. In der Interpellation wird erwähnt, daß der im November v. J. stattgefundene Kongreß dieser Jugend-Legion von keinem geringeren als dem Premier Slavek begrüßt worden ist. Die Annahme der Ehrenmitgliedschaft dieser Legion durch den Marschall Pilsudski, heißt es zum Schluß der Interpellation, könnte im Auslande als Sanktionierung des antisemitischen Programms dieser Legion durch den Marschall verstanden werden und schädliche Folgen für Polen haben. Gabriel Dukes alsJubilar. Einem vortrefflichen Menschen wird es durch Gottes Gnade Samstag, den 12. d., beschieden sein, den achtzigsten Geburtstag zu erreichen. Es ist dies ein Mann, dem die Sympathien aller jüdischen Bewohner und vieler nichtjüdischen Bürger des 21. Bezirkes, aber auch weit darüber hinaus, restlos gehören: Gabriel Dukes. Nicht weniger als drei schwerwiegende Ehrenämter bekleidet derselbe; die Obmannschaften der Bezirkskommission und des Tempelvorstandes (im 21. Bezirke miteinander vereinigt), sowie der Chewra Kadischa in FIoridsdorf. Von letzterer nahm seine dem öffentlichen Wohl gewidmete umfangreiche Tätigkeit ihren Ausgang. 45 Jahre sind es, seitdem er dem Vorstande der heiligen Bruderschaft zunächst als Kassier und Obmannstellvertreter angehörte, um später die volle Leitung derselben zu übernehmen. 34 Jahre wirkt er ununterbrochen in der Kultusverwaltung des 21. Bezirkes, wobei er nach erfolgter Vereinigung des Bezirkes mit der Wiener Kultusgemeinde zuerst an zweiter und sodann bis zur Stunde an erster Stelle erfolgreich wirken konnte. Als Kaufmann stand Gabriel Dukes immer integer da, von Geschäftskollegen und Kunden in gleicher Weise geachtet und respektiert, wie ihn auch die Behörden zur Vertrauensstellung eines gerichtlich beeidigten Sachverständigen berufen hatten. Wenn Jahreszahlen eine beredte Sprache führen, so ist es hier der Fall. Sie wird verständnisvollen Widerhall finden nicht bloß in herzlichen Glückwünschen, sondern auch in den mannigfachen Ehrungen, die dem allseits geschätzten Jubilare bevorstehen,, der sie vollauf verdient. |^. * Anläßlich des 80. Geburtstages des Herrn Gabriel D u k e s, des langjährigen und segensreich wirkenden Obmannes der Bezirkskommission, des Bethausvorstandes und der Chewra-Kadischa für den 21. Bezirk, findet Sonntag, den 13. d. M., nachmittags halb 4 Uhr, im Tempel Wien XXL, Holzmeistergasse 12, ein feierlicher Festgottesdienst statt. Die Lemberger Stadtverwaltung streicht.... Der neue Lemberger Stadtpräsident und frühere Vize-Wojwode Drojanowski hat den bisher von der Stadtgemeinde Lemberg für das Armenwesen der jüdischen Gemeinde geleisteten Zuschuß in Höhe von jährlich^.OOO Zloty gestrichen, ungeachtet dessen, daß die Juden in Lemberg 35 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen. Eine Intervention des Präsidenten der jüdischen Gemeinde, Sejmdeputierter Jäger, gegen diese Maßnahme blieb, ohne Erfolg. Zum Protest gab Degutierter Jäger seine Demission als Präsident der Kultusgemeinde. Die Gefahr eines Numerus clausus in Rumänien abgewendet Wie bereits gemeldet, wurde dem rumänischen Parlament ein Entwurf des Unterrichtsministers Prof. J o r g a für eine Studienordnung an den Universitäten unterbreitet, in dem eine Bestimmung enthalten war, durch die den Professorenkollegien jeder Fakultät das Recht willkürlicher Aus wähl der zur Inskription zuzulassenden Hörer für den Fall eingeräumt, wurde, daß sich mehr Hörer melden, als der vom Professorenkollegium zu Beginn des Studienjahres festgesetzten Hörerzahl entspricht In dieser Bestimmung wurde in jüdischen Kreisen die Gefahr eines verhüllten Numerus clausus erblickt. Oberrabbiner Dr. I. N i e m i r o w e r, der Vertreter des jüdischen Kultus im rumänischen Senat, hat nun in der Unterrichtskommission die Eliminierung dieser für die jüdische studierende Jugend gefährlichen Bestimmung durchgesetzt. Auf Grund des abgeänderten Entwurfs wird nicht mehr das Gutdünken der Professoren, sondern die Klassifikation bei der Baccalaureatsprüfung (Abitur) für die Auswahl der aufzunehmenden Universitätsbehörden maßgebend sein. Der Referent für das betreffende Gesetz, Prof. Danila, hat sich der Auffassung Dr. Niemirowers angeschlossen und wird im Plenum die Annahme der abgeänderten Bestimmung über die Auswahl der Hörer beantragen. Die Bezirksorganisation Floridsdorf der „Union" (Obmann Dr. Julius Grünwald) veranstaltet in Gemeinschaft mit der Zentrale der „Union" zu Ehren des Herrn Gabriel Dukes am Sonntag, den 13. d. M„ 8 Uhr abends, im Restaurant Tonello, IL, Lilienbrunngasse 2, ein Festbankett, für welches Anmeldungen (reichhaltiges Menü pro Person S 5.—) noch Freitag, den 11. d. M., vormittags, im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4. Tel. A 19-2-77, entgegengenommen werden. Die Arbeit der Beth Jakob-Mädchenschulorganisation. Man hört in diesen schweren Zeiten so viel von Elend und Niedergang, daß es sicherlich Freude bereiten wird, einmal von Gelingen und Aufstieg zu erzählen: vom Aufstieg des Beth Jakob-Werkes. Wir geben nachstehend einen kurzgefaßten Bericht über das abgelaufene Jahr. Polen. Das Zentralinstitut in Krakau ist fertig erbaut und von 120 Seminaristinnen bewohnt. Das fünistöckige Haus fand bei der Prüfung durch die zuständige Behörde wegen der Schönheit und Zweckmäßigkeit seiner Anlage vollstes Lob. Helle, sonnige Lehr-. Wohn- und Schlafräume. Wasch-. Tusch- und Badezimmer. Wirtschaftsräume, ein Dachgarten mit dem Ausblick in die Weite, so steht das Haus am Ufer der Weichsel, der Luft und der Sonne freigegeben. Wieder haben 35 Mädchen das Seminar verlassen und wieder konnten 35 neue Schulen gegründet und 2000 Kinder dem Schutze und der Fürsorge von Beth Jakob zugeführt werden. Aber noch Hunderte von Städten verlangen dringend nach Lehrerinnen, wie sie in unserem Zentralinstitut ausgebildet werden, wissenschaftlich gebildet und gefestigt in ihrer jüdischen Weltanschauung. Die pädagogische Leitung hegt in den Händen von Fräulein Dr. Judith Rosenbaum und der Lehrbetrieb ist auf voller Höhe. Es ist eine junge Arbeitsgemeinde, die in wundervoller Ideengemeinschaft schafft: junge, wissensdurstige Mädchen, geführt von jungen Frauenpersönlichkeiten, denen Werden und Wachsen der Jugend vertraut ist. Zentralinstitut in Wien für die Sukzessionsstaaten. Vor Jahresfrist äst das Dr. Krüger-Heim, eines der ältesten Wiener Erziehungsinstitute für Mädchen, an die Beth Jakob-Zentrale mit einem Kooperationsantrag herangetreten, und seither besteht eine aV GROSSFLEISCH HAUEREI tIEGM, KORNMEHL WIEN IX., BERQGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WÄHRINQERSTILftSSE »7 Telepho» Nr. A 17-349 and A 1*«-M Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfflrKoscherfleisch unter Aufsieht des ehr«. Rabblnatea der ler. Kultuagameiada Wian. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen harmonische Zusammenarbeit dieser beiden Institutionen. Die gesamte pädagogische und religiöse Aufsicht liegt in den Händen der Vertreter von Beth Jakob; zu den Kosten der Wirtschaitsiührung steuert die B. J. Zentrale bei Besucht wird das Wiener Zentralinstitut von jungen Mädchen aus allen Sukzessionsstaaten. Rumänien. Die ersten, vor nicht allzu langer Zeit gegründeten Schulen in Rumänien erfreuen sich allgemeiner, uneinschränktester Anerkennung. Geplant ist noch für diesen Winter eine Zusammenkunft aller rumänischen Komitees, die neue Schulen eröffnen lassen wollen. In C z e r n o w i t z hat die Gemeinde offiziell Schulräume bewilligt, und ein Komitee aus allen Schichten der Stadt hat das Patronat über die Schule übernommen. Sobald die ersten Absolventinnen des Wiener Seminars examiniert sein werden, ist eine beträchtliche Ausbreitung des Schulnetzes in diesem Lande sicher. Slowakei. Eine besonders prinzipielle Bedeutung hat die Eröffnung der Schule in K a s c h a u. Die Ostslowakei gehörte bisher zu den Gegnern der Beth Jakob-Bewegung. Nachdem nun in Kaschau ein Stützpunkt errichtet worden ist. hat die Zentrale eine Lehrkraft aus Deutschland entsandt und hofft, daß. sobald die inneren Schwierigkeiten überwunden sein werden, auch hier weitere Schulen errichtet werden können. Man wird aus diesen Darlegungen ersehen, daß Beth Jakob pädagogisch und organisatorisch in stetem Fortschreiten begriffen ist. Aber die Ndt der Zeit drückt furchtbar schwer auf alle Institutionen. Gemeinde - €fironift Israelitischer Temoelverein für den 19. Bezirk. Sonntag, den 28. v. M., fand in den Räumen des Tempelvereines die 25. ordentliche Generalversammlung unter großer Beteiligung seiner Mitglieder statt. Der Obmann, Herr Bela Fränkl begrüßte die Anwesenden, insbesonders Herrn Rabbiner Dr. Arnold Frankfurter, den Vertreter der Kultusgemeinde Prof. Dr. Bernhard Geiger, die Vorstandsdamen des jüdischen Frauenvereines und die Herren des Vorstandes der Cliewra Kadischa für den 19. Bezirk. Nachdem der Vorsitzende der im Laufe des vergangenen Vereinsjahres verstorbenen Vereinsmitglieder pitätvoll gedacht und die verdienstvolle Tätigkeit einzelner Dahingeschiedenen gewürdigt hatte, erstattete er den Tätigkeitsbericht, der von der Versammlung mit Befriedigung zur Kenntnis genommen wurde. Der Kassaverwalter Herr Wilhelm Löwy gab ein anschauliches Bild über die finanzielle Lage des Vereines. Lieber Antrag der Revisoren, Herrn Kommerzialrates Heinrich Stein und Herrn Max S c h e y. wurde dem Vorstande das Absolutorium einhellig erteilt. Prof. Dr. B. Geiger sprach Worte der Anerkennung für Vorstand und Gemeinde. Namens der Mitglieder der Tempelgemeinde zollte Herr Edmund Trnka dem Verstände sowie allen Funktionären des Tempelvereines für ihre hingebungsvolle Tätigkeit im Dienste der heiligen Sache den wärmsten Dank. Hierauf ergriff Rabbiner Dr. Frankfurter das Wort, dankte Herrn Trnka für die anerkennenden Worte, rühmte die Opferfreudigkeit der Mitglieder und bemerkte, daß die gespendeten Beträge nicht als Ergebnis des vielfach überschätzten Reichtums der Judenschaft anzusehen seien. Wir Juden sind durch die Verhältnisse erzogen worden, für uns selbst zu sorgen und für die Erhaltung und Pflege der Religion größere Opfer als andeTe Gemeinschaften zu bringen. Er richtete an die Mitglieder die dringende Bitte, mit der Geldleistung auch die persönliche Teilnahme zu verbinden, und schloß mit dem innigen Wunsche, daß sich die Gemeinde weiter auf der Höhe, die sie in den vergangenen 25 Jahren erreicht hatte, zur Ehre Gottes behaupten möge. Die Generalversammlung nahm schließlich die Wiederwahl der ausgeschiedenen Herren Isidor Blatt. Mor Gäl. David Kleiner. Hans Kotänyi. Kommerzialrat Rubin Königfest. Doktor Viktor Neubrunn. Dr. Emil Neu spiel und Jakob W e i g 1, beiehungsweise Neuwahl der Herren Sigmund Parnes und Eduard Trnka vor. In der am 3. März stattgehabten Vollsitzung konstituierte sich der Vorstand, und zwar wurden folgende Herren wiedergewählt: Obmann: Bela Fränkl: I. Obmannstellvertreter: Kommerzialrat Rubin Königfest: II. Obmannstellvertreter: Sigmund Parnes. I. Tempelvorsteher: Michael Tauber; II. Tempelvorsteher: Leo Löwy. I. Schriftführer: Dr. Emil Neuspiel; II. Schriftführer: Dr. Viktor Neubrunn. I. Kassaverwalter: Wilhelm Löwy; II. Kassaverwalter: Mor Gäl. Kassakontrollor: David Kleiner. Hausverwalter: Isidor Löwenbein. Revisoren: Kommerzialrat Heinrich Stein und Max Schey. Nach der Konstituierung gedachte der

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