Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 11 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Wien I., Seltenstettengasse 2, Tel. ü 28-1-28 XI., Zentralfriedhof, id» «tl i. tw, Tel. U18-0-85 ucugewählte Obmann in überaus anerkennenden Worten der langjährigen, verdienstvollen Tätigkeit des früheren Obmannes Kornmerzialrates Philipp Kohn, der infolge Uebersiedlung sein Vorstandsmandat zurückgelegt hatte. „Schomre Schabbos". Dienstag, den 1. d. M., fand im großen Saale des Hoiel „bayrischer Hof" unter Vorsitz des Herrn Moritz 1' e 1 s e n b u r g die Generalversammlung des Verbandes der Sabbathfreunde „Schomre Schabbcs" statt. Mehr als 1000 Personen waren anwesend, als der Vorsitzende die Versammlung eröffnete und Henrn Generalseketär David Türkl das Wort zur Erstattung des Tätigkeitsberichtes erteilte. Die Stellenvermittlung. Gewerbeförderung. Rabattaktion. Interventionen. Rechtsberatung. Winterhilfsaktion wurden mit Rücksicht auf den vorliegenden gedruckten Tätigkeitsbericht nur kurz gestreift. Der Referent richtete einen dringenden Appell an die jüdische Bevölkerung, die Arbeiten des „Schomre Schabbos", die lediglich den Wirtschaftsinteressen der strenggläubigen Judenschaft dienen, auf das kräftigste zu unterstützen und die Stellenvermittlung des .Schcmre Schabbos" in jedem Bedarfsfalle in Anspruch zu nehmen. In geistreicher Weise verstand es Oberrabbiner Dr. H. Carlebach, den Zuhörern einen Begriff über die heilige Schabbosidee zu vermitteln. Der Halacha. der praktischen Seite der Arbeft für den Schabbos folgte die Agada. die Aufklärung über Sinn und Größe des Schabbos. Der Schabbos als Kern des strenggläubigen Judentums, der Schabbos als Mittelpunkt, um den sich das jüdische Familienleben konzentriert, der Schabbos als der von Gort gegebene und gesegnete Ruhetag muß heute, mehr denn je. mit aller Kraft verteidigt und mit aller Macht der nächsten Generation erhalten bleiben. Mit nicht endenwollendem Beifall dankten die Zuhörer für die ausgezeichneten Ausführungen, die bei sämtlichen Zuhörern stärksten, nachhaltigsten Eindruck hinterließen. Die Versammlung hat eine Resolution angenommen, in der der Vorstand des Verbandes der Sabbathfreunde „Schomre Schabbos" beauftragt wird, mit aller Energie für eine Lockerung der bestehenden Bestimmungen über die Sonntagsruhe einzutreten. Die Versammlung verweist auf die gesetzlichen Bestimmungen in vielen Kulturstaaten, wo jenen jüdischen Geschäftsleuten, die ihre Läden am Samstag .«schlössen halten, das Oeffnen derselben an Sonntagen erlaubt ist. Die Versammlung richtet daher an die hohe Bundesregierung und den Nationalrat die dringende Bitte, auch in Oesterreich jenen jüdischen Händlern, die an Samstagen ihre Geschäfte geschlossen halten, das Oeffnen derselben an Sonntagen zu erlauben, wobei das Personal nicht mitbeschäftigt werden soll. — Unter arideren waren erschienen: Oberrabbiner-Stellvertreter Dr. Feuchtwang, die Gemeinderabbiner Doktor L e w i n. Dr. M e h r e r und Dr. R o s e n m a n n. die Rabbiner Schenk, Benedikt, Dr. Pollak, Rosen, der Direktor der Keren-Hathora-Zentrale Dr. Deutschländei) und als Vertreter der Kultusgeineinde Kultusvorsteher Viktor Bauminger. Israelitischer Tempel- und Schulverein Favoriten. Sonntag, den 6. d. M.. fand unter Vorsitz des Obmannstellvertreters Benjamin Scher die außerordentlich sut besuchte Generalversammlung des Tempelvereines statt Der Vorsitzende begrüßte unter anderen den Ehrenpräsidenten Jakob S. Straßberg, den Vertreter der Kultusgemeinde Dr. Leo Landau, den Obmann der Organisation der Tempelvereine Börserat i. Glück, ferner Rabbiner Dr. A. W e i n e r. die Vertreter des Tempelvereines IV/V, die Damen des Frauenvereines mit Präsidentin Dr. Anna Mandel an der Spitze, den Obmann des Humanitätsvereines Komm.- Rat C. Weis. Reg.-Rat Dr. Max Lenk für die ..Union". Chefredakteur Oskar Hirschfeld für „Die Wahrheit", die Vertreter der Bezirkskommission und Herrn Oberkantor Schlesinger. Nachdem der Vorsitzende in pietätvoller Weise der verstorbenen Vereinsmitglieder gedacht hatte, erstattete Schriftführer Adolf S p i r a den Jahresbericht, in dem er namentlich die feierliche Einführung des neuen Rabbiners Dr. A. Wein e r hervorhob, dessen segensreiche Tätigkeit sich insbesondere auf dem Gebiete der Jugenderziehung auswirke, was durch den relativ guten Besuch der Bibelschule und die starke Frequenz des Jugendgottesdienstes zu konstatieren ist. Die Redner der anschließenden Debatte befaßten sich hauptsächlich mit der Frage der Kultussteuerleistung, die in diesem ärmeren Bezirke den ansehnlichen Betrag von insgesamt S 32.000 erreicht. Aus dieser respektablen Höhe glaubten einige Redner Schlüsse auf die Subventionierung des Tempelvereines durch die Kultusgemeinde ziehen zu können. Dr. Leo Landau widerlegte diese irrige Ansicht, indem er auf die gewaltigen Leistungen der Kultusgemeinde auf dem Gebiete der Fürsorge hinwies, welchem Zwecke fast der ganze Steuerertrag — S 2,600.00 — zufließe. Auch Börserat I. Glück unterstrich in seinen temperamentvollen Ausführungen die horrenden Aufwendungen, die seitens der Gemeinde in dieser Zeit der Not für die Aermsften der Armen gemacht werden. Eine Million Schilling sind bis nun der Winterhilfe zugeflossen und die Anstrengungen werden auch weiter mit aller Energie fortgesetzt werden müssen. Beide Redner anerkannten die große Opferwilligkeit der Favoriiener Judenschaft für ihre Gemeinde und gaben der Erwartung Ausdruck, daß es gelingen werde, auch die Krisenzeit mit Anstrengung aller gemeinsamen Kräfte zu überstehen. Nachdem noch einige Redner, insbesondere Vorstandsmitglied Leopold Grünspan die schwierige Situation des Vereines beleuchtet und eine intensive Unterstützung durch die Gemeinde reklamiert hatten, wurde dem Vorstand einstimmig das Absolutoriura erteilt. Dem aus dem Vorstand ausgeschiedenen Obmann Max Berger wurde der Dank der Generalversammlung für seine Tätigkeit ausgesprochen. Frau Doktor Anna Mandel anerkannte namens des Frauenvereines. Komm.-Rat Carl Weis namens des Humanitätsvereines die hingebungsvollen Bemühungen des Vorstandes, die Nöten der Zeit zu überwinden. Der langjährige Schriftführer des Vereines. Herr Adolf Spira. wurde anläßlich seines 70. Geburtstages in Anerkennung seiner großen Verdienste zum Ehrenmitglied ernannt. Beim letzten Punkt der Tagesordnung entwickelte sich auf Grund von Anträgen des Herrn Samuel Mandl eine stellenweise sehr lebhafte Debatte, in der auch die Herren Ehrenpräsident Jakob S. Straßberg und Rabbiner Dr. A. Weiner das Wort nahmen, um die Bemühungen der Schulsektion, der Favoritner jüdischen Jugend einen gediegenen religiösen Unterricht zu ermöglichen, zvt unterstreichen. Es wurden schließlich die Herren Leopold Drill. Gustav Fuchs. Benjamin Scher. Adolf Spira und Simon Steiner wieder- und die Herren Albert Bauer und Dr. Karl Neumann neugewählt. Dr. Krüger-Heim. In unserem vorwöchentlichen ausführlichen Berichte über die Generalversammlung dieser so segensreich arbeitenden Institution wurde auch die wohlverdiente Auszeichnung erwähnt, die die Vizepräsidentin des Vereines, Frau Direktor Qina Friedmann, durch Verleihung des Titels eines Bundesstaatlichen Fürsorgerats erfahren hat. Infolge eines technischen Versehens wurde der Name der in weitesten Kreisen mit Recht beliebten und geschätzten Dame ausgelassen. Promotion. Dienstag, den 8. d. M., fand die Promotion des Fräulein Lilly L i p s k e r, Tochter des Direktors des Ufa-Ton-Kinos Heinrich Lipsker. zum Doktor der Philosophie statt. Barmizwahfeier. Samstag, den 12. d. M., halb 10 Uhr vormittags, findet im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier von Bernhard Gottfried, Sohn des Ehepaares Moritz Michael und Rosa Gottfried, statt. Eine schöne Doppelfeier wurde am Samstag, den 5. d. M., im Döblinger Tempel festlich begangen. Vor der Thora erschienen die Schwäger Direktor Josef Brüll und Sandor Lehr, die beide an diesem Tage mit ihre Gattinnen, den Schwestern Hermine, bzw. Philippine, geb. Robitschek, das schöne Fest der Silbernen Hochzeit feierten. Rabbiner Dr. A. Frankfurter richtete an die Jubilare, die beide im Dienste der jüdischen Gemeinschaft mit Hingebung tätig sind, eine herzliche Ansprache. Insbesondere betonte er die Verdienste des Herrn Direktor Josef Brüll, der als Obmann der Chewra Kadischa XIX, sowie im Vorstand des dortigen Tempelvereines und der Bezirkskommission mit rastlosem Eifer arbeitet. Freunde und Verehrer der allseits geschätzten Familien nahmen die Gelegenheit wahr, um denselben ihre innigsten Sympathien zu bekunden. Die kantorale Funktion versah Oberkantor Bohomilny in ganz hervorragender Weise. Silberne Hochzeit Kommerzialrat Alexander Goldfarb feierte dieser Tage mit seiner Gattin Karoline die silberne Hochzeit. Kommerzialrat Goldfarb, der seit vielen Jahren Eigentümer der Kleinkunstbühne „Simplizissimus" ist, hat sich auf vielen Gebieten des öffentlichen Lebens durch seine überaus ersprießliche und rege Tätigkeit verdient gemacht. Todesfall. Am 1. d. M. fand die Beerdigung der am 27. v. M. verblichenen Präsidentin des Humanitären Frauenvereines Josefstadt, Frau Johanna Beck, unter außerordentlich großer Teilnahme statt. Es waren u. a. erschienen: das gesamte Präsidium der Kultusgemeinde, ferner Börserat Ignatz Glück und Amtsdirektor Reg.- Rat G. F u c h s g e I b, sämtliche Vorstandsdamen des Frauenvereines und zahlreiche Vorstandsmitglieder des Tempelvereines Josefstadt. Rabbiner Dr. M. Bauer hielt der Dahingeschiedenen einen warmen Nachruf, in dem er ihre hervorragenden Leistungen für den Frauenverein und ihre rastlosen Bestrebungen, den Armen, insbesondere den Kindern zu helfen, rühmend hervorhob. Die kantoralen Funktionen versahen in ergreifender Weise die Herren Oberkantor Landau und Kantor G r o b. Personalnachricht. Der Bundespräsident hat Herrn Max Weis, Vizepräsidenten des Hauptverbandes österreichischer Likörerzeuger, Gesellschafter der Likörfabriksfirmen D. Weis & Co., Wien X., den Titel eines Kornmerzialrates verliehen. Kochgeschirre, Gläser, Kannen. Eßbestecke, Teller, Pfannen In Email, Alumin und Porzellan, Ohne Kaufzwang seh'n sich's an bei Gottfried, Tabontr»61 VereinsnaAviAtem Jüdischer Frauen-Wohltätigkeits-Verein Favoriten (Präsidentin Frau Dr. Anna Mandel). Sonntag, den 13. d. M., präzise 4 Uhr nachmittags, findet im großen Saale des Kursalons der Stadt Wien, I., Parkring 1. ein Fünf- Uhr - T e e mit Vorträgen und Taxa (Conference: Walter Steiner) statt, dessen Reinerträgnis den Schützlingen des Vereines und zum Teil der Winterhilfe zugute kommt, (o Anbetracht der großen Not bittet die Vereins-- leitung, diese Veranstaltung recht zahlreich zu besuchen und dadurch dem Verein neue Freunde und Gönner zu gewinnen. Erstklassige Jazz. Karten sind bei Frau L. Rosenfeld, X., Favoritenstraße 103, bei allen Vorstandsdamen und an der Kasse zu haben. Der Jüdische Frauen-Wohltätlgkelts-Vereh» XIX (Dollinergasse 3) veranstaltet Sonntag, dea 13. d. M.. präzise 4 Uhr nachmittags, im Kasino Zögernitz, XIX., Döblinger Hauptstraße 76, eine Akademie, bei der folgende Künstler mitwirken: Galimir-Quartett, Opernsängerin Rosa Fleischmann-Königsfest, Konzerttänzerinnen Elfryd und Liselott Auer und Burgschauspieler Richard E y b n e r. Außerdem Ensemble-Gastspiel der Kleinkunst-Bühne „Der liebe A ugus tin". Anschließend Tanz. Jazzkapelle Hermann Fuchs und Tanzmusikübertragung der Radiofirma S. Offner, I., Rathausplatz 2. Karten inklusive Jause S 3.— bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern. Anfragen Tel. Nr. B 11-704. Chewra-Kadischa XVI/XV11. Montag, dea 14. März d. J. (7. Weadar), um halb 8 Uhr abends, veranstaltet der Vorstand des genannten Vereine» im Tempel XVI., Hubergasse 8, für sämtliche verstorbene Mitglieder ein feierliches Requiem. Der Tempelverein und die Chewra-Kadischa für den 19. Bezirk veranstalten Montag, den 14. d. M., 7 Uhr abends, am Vorabende des Sterbetages Moses, im Gotteshause XIX., Dollinergasse 3, für die verstorbenen Mitglieder des Tempelvereines und der Chewra-Kadischa eine Trauerandacht, bei welcher Herr Rabbiner Professor Dr. A. Frankfurter die Trauerrede haltenwird. Der Humanitäre Frauenverein XIV (XIV., Storchengasse 21) veranstaltet Dienstag, den 15. d. M., 8 Uhr abends, in den Mariensälen, XIV., Reindorfgasse 3, eine Künstler-Akademie mit erstklassigen Kunstkräften. Anschließend Tanzunterhaltung. Kapelle I. und Max Geiger. Der Reinertrag fließt der Winterhilfe zu. Verein zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien. Die 30. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines findet Mittwoch, den 16. März d. J., um halb 8 Uhr abends, im großen Saale des Vereinshauses, Wien XVI., Wurlitzergasse 11, statt. Mitglieder und Gönner des Vereines werden hierzu freundlichst eingeladen. Tlmtficfie Verfautdarungen der Jsraefitisdfen Juftusoemeinde Wien Sabbathfeier für die reifere Jugend. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien veranstaltet am Freitag, den 11. Märe 1932, um 7 Uhr 15 Minuten abends, im Stadttempel, L Seitenstettengasse 4, eine Sabbathfeier für die reifere Jugend. Bei dieser Feier hält Herr Rabbiner Professor Dr. Kaiman Kupfer einen Vortrag Uber das Thema: „Israel unter den Völkern". * Israelitischer Jugendgottesdienst. Samstag, den 12. März 1932, findet in allen Gemeinde- und Bezirks-Synagogen der Jugendgottesdienst um 3 Uhr nachmittags statt.