Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1932-03-11 · Heft 11 (11.3.1932) · page 5

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 11 (11.3.1932)
Date
1932-03-11
Page
– (sequence 5)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
94% known words query
IRI
…/3062972-3064401-3064412--18761-3083825
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

UtE WAHRHEIT Seite ö Städtische VersicheiuiKisanstalt lsdiias, Rheuma, 6kht Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensaurebfider, Diathermie Heißluit, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr HellanataM ..rhermla" I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-87 Leiter: Dr. Wolf Somer 1895 kg. — Infolge Ablebens schieden aus der Anstalt 90 und durch freiligen Austritt 23 PflegJinge aus. Im Spi'tale der Israelitischen Kultussem e i n d e hat der durchschnittliche Belag im Jahre 1931 179 (160) Betten betragen. Hiervon entfallen auf die I. und II. Klasse 20.5 (25) Betten. Die Zahl der Verpflegstage belief sich insgesamt auf 111.474 (101.206). wovon auf Kranke 65.651 (58.437) und auf Personale 45.823 (42.769) entfielen. In diesen Ziffern sind die Betten des der Versorgungsanstalt zur Verfügung gestellten Krankensaales einbezogen. Auf unentgeltlich verpflegte Kranke entfielen im Jahre 1931 17.166 (15.508) Verpflegstage. Die durchschnittliche Verpflegsdauer eines Kranken betrug im Jahre 1931 25,7 Tage. Die durchschnittlichen Eigenkosten für einen Kranken stellen sich auf S 13.60. — Die Gesamtausgaben für die Anstalt haben im Jahre 1931 S 898.118 (917.735). die Gesamteinnahmen S 624.111 (617.527) betragen. Der Verbrauch in den wichtigsten Lebensmitteln stellt sich wie folgt: Rindfleisch 5963 kg, Kalbfleisch 7951 kg. Hühner 433 Stück, Butter 1912 kg. Pflanzenfett 2617 kg. Schmalz 698 kg. Milch 58.241 Liter. Mehl 6916 kg. Zucker 7665 kg. Eier 150.293 Stück. Kartoffeln 31.212 kg. Reis 1567 kg. Wein 1169 Litr. In der Kinderspitals-Ambulanz der Israelitischen Kultusgemeinde im Augarten wurden im Jahre 1931 insgesamt 8951 (11.051) Ordinationen unentgeltlich vorgenommen. Ueberdies wurden in der der Ambulanz angeschlossenen Sonnentagesheimstätte 308 tuberkulös disponierte Kinder zu je vierwöchentlichem Erholungsaufenthalte untergebracht. Die Zahl der Verpflegstage hät 7692 betragen. Der Aufwand der Kultusgemeinde für diese Institution belief sich auf S 30.215 (32.931). Im Unterstützungswesen hat der Aufwand 400.855 (378.881) betragen. Hiervon entfielen auf die „Jugendfürsorge" der Israelitischen Kultusgemeinde" S 196.112 (216.377). Die Intervention des Jugendfürsorge-Amtes hat in 19.181 (18.089) Fällen stattgefunden. Hiervon entfallen auf Jugendgerichtsfälle 1547 (1273) und auf Vormundschaftsfälle 1002 (1082). Mit Ende des Jahres 1931 standen 429 Parteien im Bezüge regelmäßiger monatlicher Beihilfen. Für die Verpflegung solche rjüdischer Insassen, im Lainzer Versorgungshause, welche auf Koscherkost reflektieren, wurden S 12.901 (12.470) verausgabt. (Fortsetzung folgt) beiden kleinen Kohlenherde, jeder für eine bescheidene Privatfamilie vielleicht ausreichend Da tauchen ungeahnte Probleme auf. etwa: Wie dünstet man Reis für eine Gästeschar von 250 Personen auf einem Herd für 10 Personen, und so, daß er (der Reis) weder roh bleibt noch katschig wird, weder anbrennt noch kalt zur Ausgabe gelangt?! Ein Problem, das vielleicht manchen Leuten komisch vorkommt, aber ganz bestimmt nicht denjenigen, die sich auf diesen Reis als auf ihre einzige Mahlzeit am Tage freuen. Ist es nicht wirklich ein Wunder, daß solche Probleme ständig gelöst werden? Ohne den Aufwand von Begeisterung, mit dem dort in der Quellenstraße gekocht wird, gibt kein Kochherd eine Leistung in so schroffem Mißverhältnis zu seiner natürlichen Kapazität her. Und nun eine kleine Episode aus dem Betrieb dieser Ausspeisung. Sie ist eigentlich eine rein jüdische Sache: von Juden für Juden geführt. Aber doch: da kommt beispielsweise letzthin ein Bub. um zu essen; auf zehn Schritte Entfernung sieht man ihm den Nichtjuden an. „Bist du denn ein Jude?" fragt eine Küchenhilfe. „Nein, ich bin kein Jude, aber ich bin hungrig!" Selbstverständlich hat er bekommen; selbstverständlich bekommt jeder Hungrige, solange etwas da ist: auf die Gefahr hin. daß er morgen „Juda verrecke!" schreit. Das liegt nun schon einmal so im hundsgemeinen jüdischen Charakter begründet. VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION. Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, I„ Schwedenplatz. Das Quellenstraßen- Wunder. Von Luise Fischer-Treu. Es sieht gar nicht nach einem Wunder aus. wenn man die schlichten Räume Ecke Quellenstraße und Van der Nüllgasse betritt und dort lange Reihen von Tischen und Stühlen sieht, die abends zwischen 5 bis 6 Uhr von einer Menge hungriger Menschen gestürmt werden. Das ist leider ein zeitgemäßer Anblick: leider muß man sagen, weil all diesen Menschen wohler zumute wäre, wenn sie sich in ihrem eigenen Heim vom selbstverdienten Geld ihre Nahrung bereiten könnten. Es ist aber eine traurige Tatsache, daß von den zweihundertfünfzig Menschen, die sich allabendlich zusammenfinden — gedacht hatte man bei Gründung der Ausspeisung an höchstens 100 — weitaus die Mehrzahl nur hier ein gut gewärmtes Zimmer und eine wenn auch einfache, so doch kräftig gekochte und nahrhafte Mahlzeit findet. Ganz aus privater Initiative geschaffen und erhalten ist diese Ausspeisung, und das ist wunderschön, wenn man bedenkt, daß hier das Wort „erhalten" in seinem strengsten Sinn zu verstehen ist: Frau Tini T o n e 11 e s und Frau Oberkantor Schlesinger verbringen von den sieben Nachmittagen, welche die Woche hat. sämtliche in diesen Räumen in der Ouellenstraße; denn, nicht wahr?, auch am Sabbath wird der Mensch hungrig, und die Austeilung der vorhandenen Speisen bedarf auch an diesem Tage der Vorbereitung und Ueberwachung. Einen Monat nach dem andern dies in größter Treue zur selbstgewählten' Arbeit und ganz in der Stille fortzuführen, ist wirklich keine kleine Angelegenheit. Daß ein Zufall mich nun doch in die Ouellenstraße wehte, ist eine Sache für sich: und das es so ist. will ich auch nicht so parteiisch sein, des männlichen Beistandes der Damen, des Herrn Alfred T o n e 11 e s, zu vergessen, ohne dessen rührige und geschickte Sammeltätigkeit nicht viel zu kochen vorhanden sein würde. Gut und schön ist das. aber doch kein Wunder! Nein. Zum Wunder wird es erst, wenn man auf den einfachen Gedanken kommt, daß ein Essen für 250 Menschen täglich doch auch irgendwo zubereitet werden muß. Wo wird hier gekocht? . . . Ach. du liebe Güte! Der kleine Gasrechaud, der jetzt vorhanden ist, stellt schon einen Fortschritt, eine Errungenschaft der letzten Zeit dar. Und vorher? Da. hatte man nur die UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN, Bezirksorganisation Leopoldstadt Montag, den 14. März, 8 Uhr abends, spricht im Klubsaal des Cafe Zentral, IL, Taborstraße 8, Reg.-Rat Dr. Max Lenk Uber „Die Bedeutung der deutschen Reichspräsidentenwahlen für das österreichische Judentum". Anschließend Diskussion. Gäste willkommen! UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN. Bezirksorganisation DI/XL Donnerstag, den 17. März, 8 Uhr abends, im Klubsaal des Caf6 Lovrana, III., Löwengasse 36, Werbeversammlung der Bezirksorganisation in Gemeinschaft mit der Jugend-Union. Reg.-Rat Dr. Max Lenk spricht über „Die Bedeutung der deutschen Reichspräsidentenwahlen für das österreichische Judentum". Im Namen der Jugendgruppe der „Union" wird Leitungsmitglied Walter Steiner die aktuellen wirtschaftlichen und politischen Fragen vom Standpunkte der Jugend beleuchten. UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN Zentrale: IX., Berggasse 4. Tel. A 19-2-77. Samstag, den 19. März, 8 Uhr abends, Purim-Feier der „Union" im Festsaale des Restaurant Tonello, IL, Lilienbrunngasse 2, Festrede: Rabbiner Prof. Dr. Arnold Frankfurter. Heiteres jüdisches Programm. UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN. Vergnügungssektion, Leitung: Nat Koffler. Samstag, den 12. März, ^9 Uhr abends. Große Klub-Akademie mit Tanz. Erstklassige Mitwirkende, darunter Radioliebling Viktor S t e r n a u, Hella Witt, Chansons. Alma Schöngut, Klaviervorträge. Lenka Marton, Gesangsvorträge. Otto Grosse, Humorist. Paul Lindenberg, Groteskkomiker. Conference: Walter Steiner. Jazz: Kandelmans Rhythmic Syncopaters. Karten im Vorverkauf zu S 1.50 bei den Leitungsmitgliedern der Jugend-Union und im Sekretariat, IX., Berggasse 4, Telephon A 19-2-77, an Abendkassa S 2.—. Dienstag, den 15. März, J49 Uhr abends. Kulturell-politischer Diskussionsabend. Das Mitglied der Jugend-Union cand. tag. Rudolf S t e 1 n e r spricht über .Die Juden in der deutschen Forschung Technik". Gäste bei allen Veranstaltungen willkommen. Anläßlich des 100. Todestages Goethes veranstaltet die „Union österreichischer Juden" am Dienstag, den 22. März, 8 Uhr abends, im Festsaale des Handelsmuseums, IX., Berggasse 16, einen Vortragsabend, auf dem Vizepräsident Dr. Karl Steiner das Referat erstatten wird. Hilfe für Frau Spritzer und ihre Kinder! Die Familie des ermordeten Bürstenbinders Spritzer in entsetzlicher Not. Die Familie des ermordeten Glaubensgenossen Leon Spritzer hat bei Verwandten im 9. Bezirk einen notdürftigen Unterschlupf gefunden. Die unglückliche Frau des Ermordeten hat einen vollkommenen Nervenzusammenbruch erlitten. Die gesamte Barschaft der Familie betrug zur Zeit der Ermordung Spritzers fünf Schilling. Die arme Frau mit ihren zwei Kindern, dem fünfjährigen Kurt und der elfjährigen Erna steht ganz verlassen da. Die Wohnung, in der Spritzer mit den Seinen bis zuletzt hauste, ein feuchtes Hofzimmer, bildet eine ernste Gefahr für die tuberkulosegefährdeten Kinder. Wir wenden uns an die Leser unseres Blattes mit der Bitte, sich der schwer heimgesuchten jüdischen Familie anzunehmen. Hilfe tut dringend not. Spenden wollen an die Redaktion unseres Blattes übermittelt werden. * Eine gelegentlich des letzten Diskussionsabends der „Jugend-Union", auf dem Herr Dr. Fritz F1 a n d r a k ein sehr interessantes Referat über die Todesstrafe erstattete, auf Anregung des Herrn Dr. Julius G r ü n w a 1 d durchgeführte Sammlung ergab den Betrag von S 40.—, der der unglücklichen Familie bereits überwiesen wurde. Die „Frauen-Union" veranstaltete in der letzte» Zeit zwei Vorträge von hohem kulturellen Wert. Am ersten dieser Abende sprach Frau Dr. Korn über „D a n t e". Nur ganz selten gelingt es einem Redner, ein Thema, das den meisten Zuhörerinnen doch schließlich ziemlich fernab lag. so lebendig zu gestalten und ein so lebhaftes Interesse dafür zu erwecken, wie es Frau Dr. Korn gelang. Mit ganz kurzen Worten wußte sie Dantes Lebensgang, soweit er zum Verständnis seines Hauptwerkes notwendig ist. darzulegen, sowie sein Weltbild, wie es sich in der „Göttlichen Komödie" zeigt, anschaulich zu machen. Die größte Schwierigkeit dieses, in der Form und durch seinen gedanklichen Inhalt unsterblichen Werkes ist bekanntlich, daß es immerfort Anspielungen auf zeitgenössische florentinische Ereignisse und Persönlichkeiten enthält, deren heute längst kein Mensch mehr gedenkt. Frau Doktor Korn verstand es meisterhaft, den Mut zur Lektüre des großen Werkes anzuregen und den Hörerinnen und Hörern gewissermaßen einen Leitfaden durch diese Schwierigkeiten zu bieten. Ihre Ausführungen fanden lebhaften und wohlverdienten Beifall. Vorher hatte Herr

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.