Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 11 (11.3.1932)
- Date
- 1932-03-11
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite :< einen Antisemiten nennen. Wehe der zukünftigen Welt, wenn ihr lauter solche „Friedensaposteln", wie es Herr Belloc ist, erstehen würden. Dann wird es keine „Schönere Zukunft", sondern nur ewigen Krieg geben. Die jüdische Mission erwartet eine — schönere Zukunft! Armin Wilkowitsch, Eger. Eine aufschlußreiche Statistik. Von cand jur. Hans Rosenberg, Berlin. Täglich können wir in den Spalten der nationalsozialistischen Presse in mehr oder weniger verhüllter Form lesen, daß an dem ganzen deutschen Wirtschaftselend letzten Endes doch nur die Juden die Schuld tragen und daß sie die eigentlichen Nutznießer der allgemeinen Notlage seien. Wer aber versucht, sich objektiv über die wirtschaftliche Lage der deutschen jüdischen Bevölkerung zu unterrichten, dem muß schon die große Zahl der allein von der Gemeinde Berlin betreuten jüdischen Erwerbslosen und verarmten Familien zu denken geben. Gibt es aber einen eindringlicheren Beweis für das Vorhandensein einer jü/Jischen Not als die Tatsache, daß eine große Anzahl deutscher Juden, deren Menge in keinem Verhältnis zu ihrem Anteil an der Gesamtzahl des Volkes steht, durch einen freiwilligen Tod dem unerträglich gewordenen Dasein zu entrinnen sucht? Die nach Religionen geteilten Selbstmorderhebungen des Preußischen Statistischen Landesamtes sprechen für sich. Sie ergaben z. B. für das „Konjunkturjahr 1928": Protestanten 6865 Katholiken 1825 Juden 175. zirka 28 bis 29 evangelische Christen,;;irka 13 bis 15 katholische Christen, zirka 51 bis 53 Juden. Das überraschende Ergebnis dieser Untersuchung zeigt, daß unter den Juden fast doppelt (bzw. mehr als dreimal) soviel Selbstmörder zu finden sind als unter den Angehörigen der beiden andern Religionen. Daß das Statistische Landesamt das religiöse Bekenntnis der Selbstmörder nach jenem Konjunkturjahr 1928 nicht mehr festgestellt hat, ist in diesem Zusammenhange sehr zu bedauern, dürfte doch durch die seither verschärfte Wirtschaftskrise bei den einzelnen Bekenntnissen eine Vermehrung der Freitode eingetreten sein. Es gilt nun statistisch als erwiesen, daß die wirtschaftliche Not das zahlenmäßig stärkste Selbstmordmotiv darstellt. Wenn auch nicht alle jüdischen Selbstmorde durch wirtschaftliche Not veranlaßt wurden, ist man gerade hinsichtlich der jüdischen Selbstmorde versucht, von einer seelischen Not zu sprechen — mau denke nur an Schlagworte, die, bevor sie eine ökonomische Wirkung zeitigen, auf die Psyche des Angegriffenen wirken, an Schlagworte, wie „Geht nicht zum jüdischen Arzt", „Kauft nicht in jüdischen Geschäften", „Numerus clausus gegen jüdische Studenten, Rechtsanwälte usw." — von einer seelischen Not, deren Wurzel in der geistigen und wirtschaftlichen Boykottbewegung zu suchen ist. Brief aus Czernowitz. Von unserem Korrespondenten. Die Schulpolitik in Rumänien, namentlich jene betreffend die Minoritäten, war niemals auf der Höhe ihrer Aufgabe. Und seitdem die ökonomische Krise den Staatssäckel eingeschnürt und die Einnahmen einen größereu Ausfall verzeichnen, läßt naturgemäß auch das Unterrichtswesen immer mehr zu wünschen übrig. Paradox im höchsten Maße klingt es aber, wenn man hört. daß. während auf der einen Seite die Bildung und Kultur durch Auflassung vieler Schulen beschränkt wird, auf der anderen Seite eine erhebliche Steuer auf Ansichtskarten eingeführt wird, deren Fonds zur Förderung der Kultur dienen soll. Kurz gesagt: Mit einer Hand wird die Bildung beschränkt, weil kein Geld vorhanden ist. und mit der anderen Hand nimmt der Staat wieder Geld ein, um die Kultur zu fördern. Unter solchen Umständen bleibt daher nichts übrig, als dem liebe! aus privaten Mitteln abzuhelfen. Die Minoritäten und auch manche Kreise der autochtonen Bevölkerung mußten also aus eigenen Mitteln Schulen begründen und solche auch selbst erhalten. In Czernowitz hatte der frühere Präsident der Judengemeinde, Dr. Strauch er, die Initiative zur Begründung einer welchen ein Teil der jüdischen Jugend erfaßt ist... Eine Gruppe von jüdischen Intellektuellen mit ihren Rabbinnern an der Spitze sucht nun neue Wege. Die Bewegung geht von einigen Gemeinden aus, die nach den Gesetzen des Staates gebildet sind und unter Kontrolle der Behörden stehen, so daß sie auch gute Aussicht auf Erfolg hat. Sie sind auch die Berufenen, das nationale Leben ihrer Glaubensgenossen zu leiten, denn die •religiösen Gemeinden sind die Zeilen, aus welchen jene konfessioneile, kulturelle und nationale Autonomie hervorgehen kann, welche ihnen die Freiheit im Sinne ihrer tausendjährigen Aspirationen sichern soll____Darum glauben wir. daß die neue Strömung, die sich in der jüdischen Gesellschaft zeigt, als Zeichen kommender, besserer und ruhigerer Zeiten anzusehen ist. Die jüdische Gemeinde in Czernowitz hat die Initiative zur Errichtung eines konfessionellen Gymnasiums, das sie aus eigenen Mitteln erhalten will, ergriffen. In dieser Anstalt sollen die Schüler die gebührende religiös-moralische Erziehung nach den Vorschriften ihrer Ahnen erhalten. Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt Diese Anteilsfeststellung besagt jedoch noch nichts über die Selbstmordhäufigkeit bei den einzelnen Bekenntnisarten. Um zu einer richtigen Betrachtung zu gelangen, muß man diese Ergebnisse in Beziehung zu der Zahl der Lebenden gleichen Bekenntnisses bringen. Tut man das unter Berücksichtigung der Ergebnisse der letzten Volkszählung, so ergibt sich, daß in diesen Jahren auf 100.000 Lebende der gleichen Religion an Selbstmorden entfielen: VORNEHME offen selbst angesichts eines neuen Pogroms, spat erst wird er zum Sohnesmörder, nein, schwingt er sich dazu auf, den Sohn seinem Gotte zu opfern, von dem Baruch abgefallen ist Ein Akt, der sicher das Verständnis und die Billigung seiner Chassidim finden wird, deren einer ßaruch sich auf den Weg macht, den Sohn zu suchen, der allein den Weg ins Vaterhaus und ans Vaterherz wiederfindet. . Von Interesse dürfte auch die Idee sein, daß die Sowjetregierung die Juden Rußlands nicht zu den Semiten zählt, sondern in ihnen Nachkommen der alten Chazaren sieht, die früher das Judentum angenommen haben. „ . _ ... Die Unwahrscheinlichkeit. daß ein Rabbi seinen Sohn ermordet, kann meines Erachtens nicht die Wirkung des Kampfes und des Stückes abschwächen, das im Abschluß der einzelnen Szenen im Erlebnis und in der Spannung ergreifende Rührung mit freudiger Erregung sich paaren läßt. Die Aufführung wurde in der Hauptsache den Anforderungen des Dichters, der eine sehr genaue Szenerie angab, gerecht. Der Dichter und dementsprechend auch die Schauspieler bemühten sich vor jeder Uebertreibung, sei es in der Sprache, der oft jiddischen Redensarten, sei es im äußerlichen Verhalten, der Händebewegung, der Scbläfenlocken oder der Kleidung. Rabbi Mendel, gegeben von Eduard Peter, hatte dadurch vielleicht ein — Sit venia verbo — etwas schäbiges Aussehen und stach in seiner Magerkeit und ein wenig ungepflegten äußeren Art von der Wohlbeleibtheit und der würdevollen Tracht und Haltung — nur äußerlich gemeint — des Popen Dionys ab. Aber seine Worte und Gedanken, sein Mienen- und Gebärdenspiel, nahmen für ihn ein und ehrten den Träger, für den er sprach. Rolf Salberg — ein beliebter jüdischer Schauspieler — gab gut den Schmelke Abramowitsch. Auch die anderen jüdischen Rollen fielen gut aus. Der Gesamteindruck des Stückes war ein imposanter. Mehrmals wurden der Dichter, die Schauspieler und der Oberspielleiter Tügel vor die Rampe gerufen. Der Beifall wollte kein Ende nehmen. Der ewige Kampf um den Glauben wird auch hier geführt, und die Palme des Sieges wird dem alten Geschlechte der Gottgläubigen schließlich doch gereicht werden. Bleibt uns dieser Kampf erspart? Auch hier fallen Söhne von den Vätern und vom väterlichen Glauben ab. Und doch! „Wer wollte mit dem Baumeister rechten?" Dr. A. Pos n er. Kiel. FAMILIEN - PENSION MfliratioMafftibaBS täglich 5-Uhr-Tee SEMMERING TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Auskuali: Wies iaepn«a 0 27-6-24. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer! Lehrerbildungsanstalt ergriffen, in der Voraussetzung, daß die jüdische Schule sich zumeist auf das konfessionelle Lehrpersonal stützt, welches der Jugend den Unterricht im konfessionellen Sinne vermitteln soll. Inzwischen wurde Dr. Straucher durch Intrigen seiner jüdischen Gegner seines Amtes enthoben und auch das jüdische Gymnasium wurde zur Auflösung verurteilt, welche Auflösung aber infolge energischer Intervention der jüdischen Parlamentarier bis Ende des Schuljahres aufgeschoben wurde. Die an dieser Anstalt studierende jüdische Jugend läuft daher Gefahr, schon im nächsten Jahre ihr Weiterstudium unterbrechen zu müssen. Um dem vorzubeugen, hat die Repräsentanz der Judengemeinde sich entschlossen, ein jüdisches Gymnasium aus eigenen Mitteln zu begründen und dasselbe auch zu erhalten. Unabhängig von dieser Aktion hat die jüdischorthdoxe Bevölkerung die Beth-Jakob-Töchterschulen ins Leben gerufen, um die jüdischen Töchter über das Wesen des Judentums und über die Bedeutung und die Aufgaben der jüdischen Frau zu belehren. Diese kulturellen Bestrebungen haben nicht nur bei der jüdischen, sondern auch bei der rumänischen Oeffentlichkeit lebhafte Befriedigung ausgelöst. Nur Dr. Ebner ist — besonders mit der Beth-Jakob-Schule — unzufrieden, indem er die Aguda und ihr politisches Verhalten einer abfälligen Kritik unterzieht. Naturgemäß fehlte es auch nicht an einer Replik und die jüdische Bevölkerung gewinnnt immer mehr Einblick in die Unaufrichrigkeit und Zweideutigkeit der jüdischnationalen Politik. . . . Während nun im jüdischen Lager überflüssige Meinungsverschiedenheiten bestehen, die nur geeignet sind, das jüdische Ansehen zu untergraben, erblicken die rumänisch-politischen Kreise in den neuen jüdischen Institutionen und in der jüdisch-religiösen Erziehung eine Erweckung und Festigung des Patriotismus bei der jüdischen Jugend. So ist es recht interessant, was der „Glasul Bucovinei", das Organ der Nationalliberalen Partei, darüber schreibt: „Seit einiger Zeit zeigen sich innerhalb der jüdischen Gesellschaft neue politische und besonders kulturelle Bestrebungen, die sich ein aufmerksamer Beobachter des öffentlichen Lebens nicht entgehen lassen soll. Die einsichtsvolleren Menschen unter der Judenschaft sind von einer tiefen Besorgnis gegenüber den subversiven Agitationen erfüllt, von Eine Gesellschaft Beth-Jakob. die als juristische Person anerkannt ist, bemüht sich. Kurse für die religiöse Erziehung der Mädchen einzurichten. Es ist gut so. daß die Jugend beider Geschlechter eine religiöse und moralische Erziehung unter der Autorität und Kontrolle des Staates erhält, als daß sie an Körper und Seele sich in den dunklen Lehren des Kommunismus verliert. Eine so geleitete jüdische Bewegung auf ihrem richtigen Wege, dem konfessionellen, aber auch gleichzeitig patriotisch rumänischen, hat viel Aussicht auf Erfolg. Bezüglich der Erwerbung der rumänischen Staatsbürgerschaft wird jetzt vom Justizminister Pop ein Gesetzesprojekt vorgelegt, welches bestimmt, daß „alle Einwohner, welche im Art 56 des Gesetzes über den Verlust und Erwerb der rumänischen Staatsbürgerschaft vom 24. Februar 1924 vorgesehen sind, werden um die Eintragung in die Staatsbürgerschaftslisten der zuständigen Gemeinde ansuchen können, wenn sie beweisen werden, daß sie während der Zeit vom I. Dezember 1918 bis zur Promulgierung des vorliegenden Gesetzes den effektiven Wohnsitz im Lande haben und selbst oder ihre Eltern alle öffentlichen Pflichten erfüllen. Außerdem müssen sie alle übrigen, vom Gesetze geforderten Bedingungen erfüllen." Wenn dieses Projekt zum Gesetze wird kann dadurch viel Unrecht an den Juden wieder gutgemacht werden. Und diese Erscheinung sowie der Ton und die Betrachtung des „Glasul Bucovinei" lassen darauf schließen, daß die regierenden Kreise die Juden als ein wertvolles Element einzuschätzen beginnen, was für uns jedenfalls von erfreulicher Bedeutung ist. Bernhard Rippei GROSSER KONZERTHAUSSAAL. Mittwoch, den 23. März, präzise lA& Uhr abends. Großes Utargisdies Homert unter dem Protektorat des Tempefvereraes „Aeschel Awrohotn" für die Winterhilfe der Vereins-Tempelsänser. Ausführende: Vereinigte Chöre „Hasimrah" und „Jüdische Konzertvereinigung (8a Personen). Dirigenten die Herren: B. Hirschmann. H. Schorr. H. Oesterreicher. Solisten: Die Herren Oberkantoren M. Abrahamsohn (Budapest). Ingo Mann (Brünn). .1. Borin (Breslau). L. Müller (Wien). S. Landerer (Wien). Klaviervirtuosin Gretl Koller. Geigenvirtuose Kurt Fuchsgelb. Am Flügel und Orgel: Kapellmeister Max Kundegraber. Künstlerische Leitung: Direktor Josef Koller. Karten von S 1.— bis 6.— an der Konzerthauskassa Lothringerstraße: an der Kassa des Cafe Carltheater, II.. Praterstraße 29; des Cafe Buchsbaum. IL. Große Sperlgasse 41; des Cafe Sächsischer Hof. IL. Taborstraße 46: Eugen Hirschel. XX.. Treustraße 1: in der Kanzlei des Tempels. II., Pazmanhengasse 6. sowie in allen Tempelkanzleien der übrigen Bezirke Wiens.