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Die Wahrheit · 1932-03-04 · Heft 10 (4.3.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 10 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 6)
Language
German
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OIE WAHRHEIT iiiiMffiiiitiiir'iiiiifi„ 3a^a^Btm^m^s&&'^&i^smit ,E^r Humanitäre .fraueovereln Josefstadt gibt „hierait tief erschüttert Nachricht von -dem.'»am 27a v. M. erfolgten Ableben seiner Präsidentin Frau JOHANNA DECK Die Verewigte hat sich durch jahrzebotejange hingebungsvolle- Wirksamkeit unvergängliche Verdienste -um, den -Verein erworben, . die. ihr ein immerwährendes lehrendes und dankbares Andenken -sichern in den Herzen aller, die ihr schlichtes, ihr offenes Wesen zu schätzen Gelegenheit hatten, , .; Der Vorstand des Humanitären Frauenvereines Josefstadt ■ -rr; ■. " ' "HV'fiin-:^-'-^ Jfaftenßreire ämÜ^il Ö**»7 ZJ* rv»i" w p ^»ai'»;« - ,1-*-■ . ie Essener Synagoge geschändet, jt* i<i>^Tt '«v■1ni* i r * f—-*» ' ■ Vfcü , In einer Nacht der yergaiiirerieri Woche wurde Essener Synagoge, das Meisterwerk Prozessor,K,3,r(n\ers, -dierals. die schönste nnd monuinje.i^iajlgte fres Reiches, nr;airs£h«ibhftJi JE$ür*>pa,s, gelten kann, geschändet ,1a.riesigen Lettern wurde über dem Portal tidie Inschrift „Juda. verrecke!" aiii^Bu3ii.i^.ijntet iial in weiiei Kreisen £pf ,ße y ö44erjun;g. ,E jtjitö r U-jug. her.y, ge rufen. Mari ist den Tätern, die in nationalsozialistischen Kreisen zu suchen sind, auf der Spur. i'.'^ i...-...-:. t,."*'l. i i'' ' / .] Die Suche nach iiidischen Hpraks, wird .eingestellt -Wie die „Wahrheit" bereits meldete, .wurden in denJelzten -Wochen, in der Slowakei in etwa 15 Fällen jüdische Bürger unter der Beschuldigung verhaftet in den Umsturztagen des Jahres, 1918 Morde vollbracht zu haben. ..Nur in zwei Fällen wurden. Enthärtungen bekannt. Jn dieser .Angelegenheit .wurde,: .nachdem in der Vorwoche der jüdische Abgeordnete Dr.. Angelo Goldstein und der- Präsident der Jüdischen Partei, Dr. Emil M a.r. g-u I i e s, beim. Justizminister . Doktor A. .Meissner vorgesprochen hatten, Abg. .Dr. Goldstein am 28. v. M. vom Innenminister Doktor Juraj-SlAvik, dem die Gendarmerie, unterstellt ist, empfangen. Wie die Jüdische Partei mitteilt, erklärte der Minister, daß keine weiteren Verhaftungen dieser Art mehr , vorgenommen werden würden, und gab die binden.äe Zusage, daß alle diese Affären einer raschen Liquidierung zugeführt werden und daß niemand Unrecht erleiden wird. .V»*-*J k*. Gemeinde ~ €fironift - ' - r , , . Mailaad. Der Oberrabbiner von Mailand, Cavajiere Alexandra da Fa,no, hat am 26..v. M. unter.allgemeiner Teilnahme seinen 85. Geburtstag begangen, zu dem ihm auch u. a. Papst Pius XI. gratulierte. Verein für Jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 7. d. M., H8 Uhr abends, findet im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), ein Vortrag des Herrn Dr. Nissan Goldstein: „Aus dem jüdischen Recht" (Ethisches und rechtliches Sollen) statt. Eintritt frei. Gäste willkommen. Im Rahmen der Veranstaltungen des Vereines sprach am 22. v. M. Herr Hofrat Dr. Siegmund Fuchs über »Aberglaube bei den Juden". Schon der Titel des Vortrages, der die Behandlung eines ziemlich entlegenen Gebietes der jüdischen Literatur ankündigte, war vielversprechend. Dies trat erst recht in Erscheinung in der Art des Vortrages, der einen Querschnitt durch das jüdische Schrifttum des Altertums und Mittelalters darstellte. Der Vortragende wies auf die klare Tendenz der Bibel hin, den Aberglauben als Unglauben zu brandmarken und ihn, wie sie dies der Zauberei gegenüber unternimmt, zu verbieten. Königen Israels, die Schutz in abergläubischen Handlungen suchten, ward keine lange Herrlichkeit beschieden. Auch der Talmud ist in fast all seinen Lehren bemüht, abergläubische Bräuche hintanzuhalten, und selbst an Stellen, wo von übernatürlichen, mystischen Dingen die Rede ist, , stempelt er diese Partien durchwegs nicht zur Norm, zur Halacha, sondern will dem Lernenden in Form der phantasievollen, poetisch geschmückten Agada nach dem scharfsinnigen halachischen Disput Erholung gewähren. Denn die legendären Aussprüche, die wir im Talmud verzeichnet finden, sinändurciiaus derahVoIksmundcinicht?dem><äelehrtenstabe entlehnt: auch sind sie zumeist persischer oder babylonischer Provenienz, wie dies auf., Grund philologischer Untersuchungen festgestellt werden kann. Der Vortragende beschäftigte sich im-Gange der Fülle seines . Materials.. mit einer... Reihe . von. Bräuchen, die sich: bei . ups eingebürgert haben und "deren Erklärung eigentlich auf Aberglauben und Mystik beruht Der überaus lehrreiche und übersichtlich gehaltene Vortrag regte eine fruchtbare Debatte an, in der insbesondere über den ,iTaschlich"-Brauch sowie über die Frage eines jüdischen Mystizismus der Zahlenlehre. gesprochen wurde. Mit Recht konnte der Präsident des Vereines, Herr Prof. Dr. Kr-auli, dem Vortragenden für seine hochinteressanten Ausführungen den herzlichen Dank des zahlreich erschienenen Publikums übermitteln. Dr. Kriiger-Heim für Lehrmädchen und jugendliche Arbeiterinnen. Montag, den 22-.< v. M. fand im Heime,- IL JAalzgasse :7. die Generalversammlung dieser so segensreich arbeitenden Institution-unter Vorsitz des verdienstvollen Präsidenten Ober-Med.-Rat Doktor Krüger statt In Vertretung des Kultusvorstandes war Ober-Med.-Rat Dr. H. Ii aase, für die Jugendfürsorge der Kultusgemeinde ■ Frl. Schwarz erschienen, ferner sah,man, die, Herren Rabbiner Dr. Joel Po Hak, Chefredakteur Oskar Hirschfeld von der;.Wahrheit" und Amtsleiter Rudolf Kraus. Die Schriftführerin, Frau Bella - E h ren r e i c h, erstattete eüjen-: sehr, instruktiven Tätigkeitsbericht dem wir folgendes, entnehmen: . . s . . ... Die rituelle K o c h s c h u 1 e, die seit zwei Jahren besteht weist gute Frequenz auf. Mädchen aus allen Kreisen,.der .Wiener.-und -auswärtigen!. JudeMchait-ihaben gerne die Gelegenheit der Erlernung , der koscheren K«che>auf mqdt^nejsßnundlageTi ergriffen. jDjei ebepfalls vor »zwei -Jahren -begründete-B~e tIi- Jak o<b sc hu'le zeigt eine stetig steigende Entwicklung und ist in jeder Weise .geeignet, die internationale..J3edeutung. der Anstalt zu heben. Dieser Schule stehen die Herren Doktor Deutschländer und'Räbb. Dr. PolIak vor, sie wird .yon Frau Dozent Dr. Landsberger geleitet Im Juni 1930. fand: eine Ausstellung ^Der; jüdische.; gedeckte Festtisch" , statt, die von kultureller Bedeutung war und einen vollen Erfolg zeitigte. Üeber.Anregung des-Präsidenten-Dr. -Krüger wurde der Turnsaal allen hygienischen Anforderungen>; entsprechend adaptiert: und: an-eine; geprüfte. Tutnleluerin-! verpachtet die unter..anderem ■ die: Verpflichtung , übernommen. hat, sämtliche; Schülerinnen, des Heimes, zu "unterrichten. Es wurden Kurse-für-Engli-sch- und -Französisch eingerichtet, die von staatlich geprüften Lehrkräften, geleitet werden, ferner eine- Schreibmaschin- und S t e n.o g. r. a p. h i e s. c h-u 1 e, und : ein Kunstg e w e„ r b e k u r s, sowie eine Ausstellung . Jür jüdisches Kunstgewerbe eröffnet (Leitung Frau Papptenheim): Durchdie.- Unterbringung, der VoJJts- und Hauptschule . für Mädchen der Tasmudthqraschu.le . hofft der., .Verein . entsprechenden Nachwuchs für .alle seine Anstalten, insbesondere für die .- Frauen-Gewerbeschule heranzuziehen. Diese Frauen-Gewerbeschule bildet -: den Stolz >;und den- Kern der- Anstalt da sie in-den zehn Jahrenihres Bestandes emen vollen und uneingeschränkten Erfolg gezeitigt hat Seitens des Stadtsthulrates und aller. Schulbehörden -wurde der Anstalt-wiederholt die Anerkennung ausgesprochen, was auch: dadurch; .seinen Ausdruck fand, ., daß ihre .verehrte Vizepräsidentin zur-bundesstaatlichen Fürsorgerätin ernannt wurde» Ueber. Anregung des Herrn Komm.-Rat Smetana wurden durch die Küchenleiterin Frau Schwarz Kochkurse für die Heimsehfitzlinge .;reingerichtet sondaß sämtliche Mädchen den Internates Kochen., erlernen. Im Anschlüsse daran wurde in letzter Zeit beschlossen, kon- Königlich! Seit vielenjahren das anerkannt beste iritlt toyb-navi Man achte auf die ges. gesch. Marke „hysien. Königslicht1' und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Tclephen R ^-1-U7 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches KönigsLicht" Nummer. 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt GROSSFLEISCHHÄUER^I tIEGM. KORNMEHl WIEN IX., BERGOASSE NR. 19 riUALSt XVIII., WÄHRINQERSTRASSS »? Telephon Nr. A 17-3-99 und A 1G-9-34 Llafsrant fDr Hollanataltea Äbteii.utigenffir k oscheff ieisch unter Aufsieht, des ehr«. Rabbinatss dsr Isp. Kultusgemaind* .Wien., Sämtliche Fleischsorten von, ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen zessionierte Haushaltnngs- und-Kochkurse zit-.eröffnen, die gleichfalls unter Führung derFrau Schwarz abget halten werden sollen. Diese Schule soll den Mädchen die Möglichkeit geben,. auf Grund, von staatsgültigen Zeugnissen; sich als. Köchimien oder. ..Wirtschafterinnen fürprivateoder öffentliche Betriebe zu betätigen. Ueber behördlichen. Auftrag . ist der, Verein vor die Notwendigkeit gestellt worden, das ganze Hauszu adaptieren und herzurichten. Herr'Komm.rRat S m et a n a hates in' opferwilligster und: dankenswertester Weise übernommen, während der Sommermonate .diese Arbeiten durchführen1 zu lassen, alles, zu überwachen und geradezu großartig auszuführen, so ..daß; das Haus wirklich vom Keller-bis zum Boden, in i tadellosem Zustande sich befindet Der Kostenaufwand hierf&rj: betrug S 11.88444.' Es wurden die, üblichen Veranstaltungen für die Kinder abgehalten, und»zwar:; Sederfeieijnj Ghanukafeiern, Purimfeiern. Vize-Rräsidentin-i-iFrau Dr. K r ü g e r hat es zum Segen des Vereines und insbesondere der Schützlinge übernommen,': als geschäftsführende Vize-Präsidentin die wirtschaftliche?.und administrative -Leitung des Heimes, durchzuführen.- :Als Oekonomin1 des Heimes <wirkt Frau -Dr.v FI e s c-Ju ::Das Wirtschaftskomitee -besteht aus der Vize-PräsidentiB Frau Dir. -Friedmanrij Frau 'Dt;- Stein,, -Frau:dCzüczka und Dr.- Flesch. Als Vize^Präsidentt ist .bei jeder Arbeit Kommerzialrat S m e t a n a .unermüdlich mittätiK. Der Verein umfaßt.nunmehK ........ ■-. ■ i., Internat für jugendliche Lehrmädchen und Arbeiterinnen. .i V, : . 2. Fraucageweibeschule für Schneiderei, Weißnähen und,Sticken, r. , . ,, 3. Koch-, und Haushaltungsschule. 4. Kochkurse.:, , ,;..„,,...»•., ni____ 5. Englische und. französische Sprachkurse. 6. Kunstgewerbeschule..; , . ' ,7. Maschia-!,,-und Stenographieschule. 8. Turnschule. , •„:.. - i, . .;.„i ... .. : 9. Volks- und Hauptschule für Mädchen (Talmud Thora). ,- :^t-. ■■: ■.-.■< -■ -.• . 10. Betli Jakobschule,. Religionslehr?Kursa ... : Nach; dem mit-großem Beifall auf genommenen, üjteressanteni Referate legte Direktor, Joab. Friedman n den Kassabericht vor, aus dem ..die schwierige finanzielle Situation ,hervorging,.in :der. sich ,der .Verein angesichts .der derzeitigen wirtschaftlichen. Verhältnisse befindet. Das Ersuchen des persönlich am Erscheinen verhinderten Revisors Gustav Plane r, dem rührigen Vereinsvorstande das Absolutorium zu erteilen; wurde einstimmig bewilligtl.. Öber-Med.-Rat Dr... H. H a a s e sprach, der. Vereinsleitung Dank und Anerkennung des Kultusvorstandes für ihr unermüdliches Bestreben aus. die schöne' Institution auf ihrer bisherigen-Höhe,zu;erhalten und womöglich, den Zeiterfordernissen entsprechend, noch zu vergrößern. Rabbiner Dr. Joel Pollak dankte dem Präsidium für dessen Bemühungen, die geistige Erziehung der im Heime untergebrachten Mädchen in gutjüdischem Sinne durchzuführen. Dber-Med.-Rat:Dr. S. Krüger betonte, daß die. schönen Erfolge der. Anstalt nur durch die Mithilfe aller Vorstandsmitglieder möglich waren, und hob insbesondere die unendlich' großen Verdienste hervor, -die sich Vizepräsident Komm.-Rat Sm e t am a. erworben hat. Mit emsiger Hingabe und großen persönlichen Opfern arbeitet Komm.-Rat Smetana an dem schönen .Werke mit, in dem er, wie in so vielen anderen Institutionen, hilfreich tätig ist Frau Dr. Krüger, die gleichfalls ihr Bestes für das Heim leistet charakterisierte die Notwendigkeit des Ausbaues seines Wirkungsgebietes in Anbetracht der derzeitigen Arbeitslosigkeit, durch die vor allem die jüdische Jugend betroffen ist. Israelitischer Humanitätsverein Favoriten. Sonntag, den 28. v. M. fand im Wintertempel des 10. Bezirkes die 54. ordentliche Generalversammlung dieses Vereines unter Vorsitz des verdienstvollen Obmannes. Komm.-Rat Carl Weis statt. Die Versammlung war sehr gut besucht, alle jüdischen Vereinigungen des Bezirkes hatten Vertreter entsendet Der Bericht des Vorstandes, der die ersprießliche Tätigkeit des Humanitätsvereines klarlegte, wurde mit großem Interesse aufgenommen. Die Generalversammlung faßte nach Durchführung der Wahlen den einstimmigen . Beschluß. Herrn Alfred T o n e 11 e s für seine Verdienste um die Gründung und Leitung der Ausspeisung der Notstandsaktion der Kultusgemeinde in Favoriten zum Ehrenmitglied zu ernennen. Obmann, Komm.-Rat. Carl Weis, Ober-Med.-Rat Dr. Kraus,- Ehrenpräsident Strassberg und Frau-Dr. Mandel würdigten die segensreiche Wirkung, der : Ausspejsung , und betonten die großen , Verdienste des Herrn . T.o n el 1 e s »und seiner treuen Mitarbeiterinnen Frau Sophie'Schlesinger und Frau Tini Tonelles,-'denen'decherzlichste Dank und. die. vollste Anerkennung für ihre Leistungen ausgesprochen wurde.

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