Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 10 (4.3.1932)
- Date
- 1932-03-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seit« 5 Veröffentfidfungen der „Union" „Roma Israelitica". Dienstag, den 23. v. M., hielt in einer von der „Union österreichischer Juden'- und dem „Verein für jüdische Geschichte und Literatur" im Wissenschaftlichen Klub semeinsam veranstalteten Versammlung Ober-Med.-Rat Dr. H. Haase einen ungemein interessanten Lichtbildervortrag über die Geschichte der Juden in Rom. Der Abend war ganz ausgezeichnet besucht, der große Saal erwies sich als zu klein iür die gewaltige Menge von Zuhörern, die der Einladung der beiden Vereinigungen gefolgt waren. Man bemerkte u. a. Präsident Prof. Dr. Alois Pick mit zahlreichen Kultusvorstehern und vielen Beamten der Kultusgemeinde, die Vorstände der beiden Organisationen, die den durchaus gelungenen Abend veranstaltet hatten, mehrere Rabbiner und Gelehrte, viele Mitglieder der B.-B. u. a. m. Der schöne Besuch dieses Abends kam auch der Winterhilfe der Kultüsgemeinde zugute, für welchen edlen Zweck ein Regiebeitrag eingehoben wurde. Nach der einleitenden Ansprache des Vorsitzenden, Stadtrat Dr. Oskar Hein, ergriff Ober-Med.-Rat Dr. H Haase das Wort zu seinen tiefgründigen Ausführungen, deren Wert durch die von ihm gezeigten wunderschönen Lichtbilder noch gehoben wurde. Redner besprach an der Hand von L o e w i nsons „Roma Israelitica-' die markantesten Objekte, welche in Rom an Juden und Judentum erinnern. Zunächst die ägyptischen Obelisken, die, von den Kindern Israels schon im Lande Gosem bewundert, von römischen Kaisern in die Hauptstadt gebracht wurden; sodann die zahlreichen Ausgrabungen aus den iüdischen Katakomben, welche im Museum der Thermen und des Lateran aufbewahrt sind, was Dr. Haase zu einer kurzen Bemerkung über die ersten Ansiedlungen von Juden in Rom Anlaß gab. Er zeigte Proben von den kunsthistorisch hochinteressanten Mosaikbildern der Kirche S. Maria Maggiore. den Moses von Michelangelo, die erste Plastik, welche jüdische Wohnungen schmücken durfte und so zur Hebung des Kunstsinnes bei den Juden mächtig beigetragen hat, das Kolosseum, an dessen Bau Juden ebenso beteiligt waren, wie an den grausamen Tierkämpfen, das Forum mit dem für die Geschichte der Juden in Rom so bedeutungsvollen Titusbogen, ferner eine Gasse im alten Ghetto, wobei die Lebensverhältnisse der Bewohner desselben und ihre Behandlung seitens der Päpste geschildert wurden. Den Schluß bildete die Vorführung von besonders ausgewählten Bildern aus der „Bibel" Michelangelos und Raffaels aus der Sixtina und den Stanzen der Peterskirche, resp. des Vatikans. Der Vortragende gab der Vermutung Ausdruck, daß der Anschauungsunterricht, welchen die Bewohner Roms mit den zahllosen Darstellungen aus dem Alten Testament in ihren Kirchen durch so hervorragende Künstler, mit den Juden und Urchristen gemeinschaftlichen Martyrien, mit dem Ghetto, dessen Insassen Gregorovius ein so günstiges Zeugnis ausgestellt hat, genossen haben, mit eine Ursache dafür gewesen ist, daß es in der „ewigen Stadt" niemals zu Massenaustreibungen, niemals zu Massenmorden an Juden gekommen ist und daß auch das moderne Rom die Kulturschande des Antisemitismus nicht kannte und nicht kennt. Mit reichem Beifall dankte das Auditorium dem Referenten für seine Rede, die eine interessante Periode jüdischer Geschichte beleuchtet hatte. Die wirtschaftlichen und politischen Vorgänge in der Welt und insbesondere in Oesterreich lassen Aussprachen unter unseren Mitgliedern und Freunden in den äußeren Bezirken Wiens dringend notwendig erscheinen. Sind es doch immer wieder wir Juden, die in einer Zeit der Krise vor allem deren ungünstige Auswirkungen verspüren, die bedrückt und verfolgt, so leicht in Hoffnungslosigkeit versinken, wenn ihnen nicht aus dem Gefühl der Zusammengehörigkeit und Gemeinschaft neuer Mut zugeführt wird. Die „UNION ÖSTER¬ REICHISCHER JUDEN", die seit fast fünf Dezennien mit Erfolg bestrebt ist, die Rechte der Juden zu wahren, bietet ihnen alle Voraussetzungen für die Entwicklung und Stärkung des iüdischen Zusammengehörigkeitsgefühles. Die Bezirksorganisation XVI/XVII veranstaltet am Montag, den 7. März, K>8 Uhr abends, im Etablissement Gschwandtner. XVII., Hernalser Hauptstraße 41, die Bezirksorganisation X am Donnerstag, den 10. März, 'AS Uhr abends, in Franz Winzigs Restaurant, X., Favoritenstraße 111 (Eingang Quellenstr. 64), WERBE-VERSAMMLUNGEN, in denen Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union" Referate über „WIRTSCHAFTLICHE und POLITISCHE TAGES¬ FRAGEN" (wie Einfuhrsperre, Devisenpolitik, Creditanstalt. antisemitische Boykottbewegung, Studentenrecht. Gemeinderatswahlen usw.) halten werden. Im Namen der Jugendgruppe der „Union" werden deren Leitungsmitglieder die aktuellen Fragen vom Standpunkte unserer Jugend beleuchten. Jugend-Union. Am 28. v. M. fand im Klublokal (Goldsaal des Cafe Silier, 1., SchwedenplatzD, wieder eine Klub-Akademie mit Tanz statt, die einen glänzenden Besuch aufwies. Der Abend wurde durch die Mitwirkung einiger, durch den bewährten Conferencier der Vereinigung Walter Steiner stimmungsvoll eingeführter, ausgezeichneter Kunstkräfte gekrönt, unter denen das Mitglied der Jugend-Union, Herr Erich H a 1p e r n, durch seine stilvoll vorgetragenen Lieder auffiel. Den Glanzpunkt des Abends bildeten die Gesangsvorträge des Herrn Max H ö n i g. Dieser feinsinnige Künstler setzte durch seine jüdischen Lieder, zu denen er sich selbst begleitete, das Publikum in helles Entzücken und nicht endenwollender Beifall zwang ihn zu unzähligen Zugaben. Die ausgezeichnete Stimmung, die auch auf diesem Abend der Vergnügungs-Sektion (Leitung Nat K o f f 1 e r) vorherrschte, legte Zeugnis von der Beliebtheit ab, deren sich die mk Tanz verbundenen Klub-Akademien der Jugend-Union erfreuen, deren nächste am Samstag, den 12. März, 'A9 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, unter Mitwirkung erstklassiger Kunstkräfte stattfindet. VonWodke zuWoche Zionisten und Araber sind — „einig". Der Leiter der Jewish Agency-Exektttive in Palästina Dr. Chaim Arlosoroff gab gegenüber Vertretern der jüdischen Presse im Namen der Jewish Agency eine Erklärung ab des Inhalts, daß weder die Jewish Agency, noch — wie er versichern zu können glaubt — die englische Regierung, die Palästinaregierung oder die arabische Führerschaft irgend etwas mit den Vorschlägen betreffend eine jüdisch-arabische Round Table- Konferenz zu tun haben. Es handelt sich bei den diesbezüglichen Veröffentlichungen um ein anonymes Machwerk, das ein indisch-moslemitischer Journalist in London einem jüdischen Journalisten übergeben hat und wovon Abschriften an eine Anzahl Personen, unter ihnen auch an die revisionistische Führung, zugeleitet wurden. Der Präsident der arabischen Exekutive Palästinas Mouza Kazim -Pascha hat nach Schluß einer Tagung der Exekutive eine Erklärung veröffentlicht, in der bestritten wird, daß die arabische Exekutive irgend einen Entwurf betreffend eine jüdisch-arabische Round Table-Konferenz gebilligt oder daß ihr ein solcher Entwurf auch nur vorgelegen hat. Das Ganze sei reine Erfindung, Die arabische Exekutive habe den Wunsch, klarzustellen, daß weder das Büro der Exekutive noch einzelne Mitglieder derselben je über einen solchen Plan beraten haben. Die panarabische Bewegung breitet sich aus. Das Büro Reuter verbreitet ein Telegramm seines Jerusalemer Korrespondenten, der erfahren haben will, daß in kurzem ein panarabischer Kongreß nach Mekka einberufen werden wird mit dem Ziele, einen arabischen Völkerbund zur Bekämpfung des westlichen Imperialismus und zur Befreiung der arabischen Länder aus der Kontrolle der Mandatsmächte zu bilden. Wie die .ITA hierzu erfährt, gewinnt der Plan des Mekka- Kongresses in der Tat immer festere Formen. Bis jetzt war Mekka als Tagungsort eines panarabischen Kongresses nicht in Betracht gezogen worden, weil König Ibn Saud vom Hedschas und Nejd eine Teilnahme an einem panarabischen Kongreß oder an der panarabischen Bewegung abgelehnt hat. Seine Gegnerschaft gegen den König des Irak, Feisal, stand einem Zusammengehen der mittelasiatischen arabischen Länder in der panarabischen Frage im Wege. In der letzten Zeit aber haben sich die Beziehungen zwischen Feisal und Ibn Saud gebessert, so daß die Abhaltung des Kongresses in Mekka in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt ist. Die zionistischen Kreise beobachten diese neuen Vorgänge innerhalb der panarabischen Bewegung und die Kampagne für Abschaffung der Mandate mit großer Besorgnis. Die jüdische Sowjetpresse gegen die Pessach-Hilfe. Die jüdische kommunistische Presse in der Sowjetunion führt eine scharfe Kampagne gegen die Pessach-Hilfe für russische Juden^ die von HIAS of America m Riga, dem Verband der jüdischen HiffsgeseBschaf- Vfkm/Km 13. bis 19. März 1932 (Rotunde bis 20. März) SONDERVERANSTALTUNGEN: Möbebnesse / Reklamemesse / Sonderschau neuzeitlicher Gasgeräte / „Elektrizität im Haushalt'* „Die religiöse Kunst im Haus und Heim" Pelzmode-Salon / Wiener Strickmode INTERNATIONALE AUTOMOBIL- UND MOTORRAD-AUSSTELLUNO Oesterreichische Flugsportausstellung Bau- und Straßenbaumesse / Das wachsende Haus Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel / Burgenländische Sonderausstellung / Erfindermesse Oelfeuerungsmesse. Land- und forstwirtschaftliche Musterschau (Jubiläumsausstellung der N.-Oe. Landes-Landwirtschaitskammer) VVeizenschau / Gartenarchitektur / Baumschulartikel / Landwirtschaftliches Lehr- und Versuchswesen / Landwirtschaftliche Maschinen und Geräte / Landwirtschaftliche Bedarfsartikel / Kleintierschan. TIERMESSE (Pferde. Rinder, Schweine): 18. bis 20. März Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPREIS-ERMÄSSIGUNGEN! Messeausweise ä S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien Vii. Messeplati 1. — Eintrittskarten (zum einmaligen Besäen der Rotunde oder des Hessepalastes und der Neuen Burg) a S 2-50 bei den Kassenschaltern der Messehäuser. ten in London und anderen ausländischen jüdischen Stellen durchgeführt wird. Die in Charkow erscheinende Tageszeitung „Stern" schreibt, diese Hilfe komme den Parasiten, Faulenzern, Müßiggängern und Klerikalen zugute, die noch in der Sowjetunion ein Dasein fristen und von denen Fäden zu den „finsteren Kräften der faschistischen und klerikalen jüdischen Bourgeoisie" (!) im Ausland geknüpft werden. Diese Bourgeoisie nütze die Pessachkampagne zu konterrevolutionärer Propaganda (!) aus. Man müsse, die Massen über die Absichten der Konterrevolution aufklären und eine Atmosphäre gesellschaftlicher Aechtung gegen diejenigen schaffen, die diese ausländische Hilfe annehmen. New York. Herr Felwc M. W a r b u r g, der seit der Begründung des American Joint Distribution Committee im November 1914, also mehr als 17 Jahre lang, Präsident des Committee war, hat sich entschlossen, dieses Amt niederzulegen. Zu seinem Nachfolger als Präsident des Joint Distribution Committee wurde Herr Paul B a e r w a 1 d, der seit der Gründung des Committee dessen Schatzmeister war, gewählt. Herr Felix M. Warburg hat erklärt, daß er sich ungeachtet seiner Resignation als Präsident mit der Arbeit des Joint Distribution Committee weiter eng verbunden fühlt. Das Exekutivkomitee hat ihn zum Ehrenpräsidenten des Joint Distribution Committee gewählt. Die Jahresversammlung des National Council des Joint Distribution Committee wird am 26. und 27. März in New York stattfinden. Herr Felix M. Warburg, dessen Name als Präsident des Joint Distribution Committee mit der Geschichte der jüdischen Hilfs- und Aufbaubewegung in der Kriegs- und Nachkriegszeit für ewig verbunden sein wird, wurde 1871 in Hamburg geboren und 1900 in Amerika naturalisiert. Seine Gattin Frieda ist die Tochter des verstorbenen großen jüdischen Philanthropen und Politikers Jakob H. Schiff. Herr Felix M. Warburg ist Teilhaber des Bankhauses Kuhn, L o e b & Co. und eine der führenden Persönlichkeiten des amerikanischen Finanz- und Wirtschaftslebens. Neben Louis M a r s h a 11 war er der Organisator der erweiterten Jewish Agency; er wurde vom ersten Council der J. A. zum Präsidenten des Administrative Committee der Jewish Agency gewählt. Dieses Amt legte er zum Protest gegen das Paßfield-Weißbuch nieder. Bei besserer Familie ist ein KABINETf mit Klavier, Telephon und Bad zu vermieten. Zuschriften unter „Reinlich" an die Expedition dieses Blattes.