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Die Wahrheit · 1932-03-04 · Heft 10 (4.3.1932) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 10 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 2)
Language
German
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seile i DIE WAHRHEÜ £s««t* .eämt^a. Die antisemitische Bewegung — ~m f%Mm mm* &m wfe** m »• *» vö' 6..-??!•.•• •'- Heinrich Mann warnt vor dem Spiel mit der 5?f! ti' i\ t v **;»i>* »?.' i'v.*.' Die Wochenschrift „Das Tagebuch" und die „AbwehrÖlätter" veröffentlichen '' einen längeren „Gut geartete Menschen" überschriebenen ■ Aufsatz von Heinrich Mann, in welchem der Dichter, der bekanntlicli Präsident der Deutschen Dichter- Akademie ist ungefähr ausführt:: '■' «''■ "•"' Die antisemitischen Bewegungen sind bisher mit einer seltenen Gleichförmigkeit erfolglos verlaufen — oder ' haben ungewollte-Erfolge gehabt. Die früheren russischen Judenverfolgungen toben allenfall«-bewirkt'-daß die Juden sich an der Revolution- -etwas stärker heiligen durften, ais ihnen zahlenmäßig zukam. Die Dreyfus-Affäre machte den Antisemitismus in Frankreich* unmöglich, sie führte zu einer außeroedent- Kchen tMttmg der Vernunft im Leben des Landes. Der Wiener Antisemitismus, einst besonders geräuschvoll, endete mit der viel ruhigeren Tatsache, daß dort dauernd die Sozialdemokraten regieren. In Deutschland aber muß man am Anfang der Neunzigerjahre die große Bewegung der Ahrwärdt und Stöcker schon mitangesehen haben, dann weiß man für das ganze Leben, was es heißt, Mißerfolg zu haben, sich an unfruchtbare Aufgaben zu verschwenden und neben den wirklich zeitgemäßen blind herzulaufen. Was will man eigentlich von der Rasse? Man tut, einzig und allein den Juden zu Ehren, a!s ließen sich die Mischvölker,' die Europa bewohnen, der Rasse nach bestimmen und trennen! Dann stellt man jeder der erfundenen fernen "Rassen den ebenso unglaubwürdigen reinen Juden entgegen und läßt den Unglücklichen sie alle niederzwingen, bis er sie beherrscht, bis sie nur noch sein Geschöpf und Abbild sind. Man hat noch niemals die Bedeutung eines Menschentyps in dem' Grade übertrieben, wie der Antisemit seinen Juden übertreibt. Antisemitisch angesehen stammt der moderne Kapitalismus plötzlich nicht mehr von der Maschine,"sondern vom Juden. Die Großstadt ist keine Schöpfung des Kapitals, sondern des Juden. Ausbeutung der Arbeitskraft und Zinswucher sind jüdische Erfindungen." Verelendung der Massen,'der sittliche-Verfall der Nationen begleiten den Schritt des Juden. Seine Werkzeuge sind sowohl der Liberalismus als die Demokratie, der Sozialismus nicht weniger als der Kapitalismus, vor allem aber die böse,- böse Vernunft, auch jüdischer Intellekt genannt. Es ist schrecklich. Ist es noch guter Glaube, wenn deutsche Antisemiten'in diesem Industrieland immer nur von der Macht der Banken wissen wolleh, nie aber von der Macht der Industrie? Die Banken sind im ganzen Tcerne jüdische Einrichtengrhingegeii sitzt in der Industrie,-wo sie am wichtigsten ist ' :: "; : .Entrechtung der Juden" ^:<i >'.■■■ tr .fri s -. -Mi 6^r> nicht einmal der kleinste Jude. >•; -,;f Uni-- Die rheinisch-westfälische Industrie, und kein Jude, hat den größten, zuletzt entscheidenden Einfluß "gehabt auf die Regierungen des Reiches, ob kaiserlich oder ob republikanisch. Sie hat das Wohl Deutschlands mit ihrem eigenen verwechselt und hat zum Schluß keinem gedient.!:'Iri Deutschland besteht die unbedingte Vorherrschaft einer nichtjüdischen Wirtschaftsgruppe und das Zurücktreten der Juden, sogar derer, die es vern-öchieii, 'sich stärker geltend zu machen. Ihre Presse erwehrt sich, nicht sehr heftig, des Antisemitismus. Im' übrigen neigen sie zum Nationalismus: nicht zürn' jüdischCT, sönderh '-zürn Seirtschen: Die Hauptsache Weibt"ihnen 'immer, eine Zeitung für alle zu sein, und dies nicht nur aus geschäftlichen Gründen, ebensowohl aus denen des Charakters. Sie sind lieber bei einer großen Mehrheit als allein. Ihre Presse hat eine höchst achtbare geistige Grundlage. Der Menschentyp der Großstadt: ist merklich derselbe geworden überall, Paris und Berlin haben einander nichts vorzuwerfen! 'nichts zu neiden. In Paris aber wird niemand behaupten, die geistige Luft sei jüdisch: Die Juden'sind vielleicht vom Bürgertum die einzigen," die sich noch erinnern, daß sie "auf Grund der Forderurigen' des Geistes eitis't alle ihre Gelegenheiten "bekömmen haben; und ein Rest der inneren "Verpflichtung gegen die deutsche Gesittung" lebt, wenn sonst nicht bei vielen mehr, verhältnismäßig oft in ihnen noch fort. Die Antisemiten betonen Ahnung, Gefühl, das Unbewußte, sie haben aber auch die Gewohnheit, ~STE ININ pp STRIE — C&BL Bfe'NEpJQT Zentrale: niVRennwegSlfc^ei; CJ >5-0-52 Zentrf Ifrieähöff 3?Tof.%^ U1Ö-4-53 den Inteüekt sowohl infam als jüdisch zu nennen, und hier muß ihnen 'gegenüber die Strengt beginnen; DaS' vernünftige' ©enken ist die "ehfscheidendö Eroberung,"';'die uns--zu Menschen^ macht. Shakespeare' und-Goethe 5Haben nichts :!geahiVf*und nicht gefühlt, was sie nicht erst lebensfähig gemacht hätten durch das Denkeriü „Jüdischer I n te l lekt", das ist kein Angriff auf «ine Schicht, es ist weit darüber hinaus die ...,,>■ Verleumdung unseres Menschlichsten. Man will sich der itierischlicheh"' Verantwortung entheben, dann beschimpft man den-Intellekt; *' Mit dem Intellekt steht und fällt das sittliche Empfinden. Es wird durch ihn erst wirksam und man unterdrückt es zugleich mit ihni. "Nur eine geistig ''ünempfmdHche*Menscherärt'ehtieäigt sich einer Verpflichtung gegen andere und verlegt sich auf Entrechtungen. Wer mit Entrechtungen erst angefangen hat, hört bei den Juden nicht auf. Gewalt und Unvernunft' liegen auf der sei be'n'E bebe; 'man 'kann nicht gegen die Vernunft sein, ohne gewalttätig zu handeln. Eye Antisemiten machen sich mitschuldig'an allen sittlichen Unmöglichkeiteii, die " auf die Entrechtung der Juden noch folgen werden. Beklagenswerter als die Juden wären die Deutschen, die als einziges Volle des westlichen Europa im Antisemitismus noch' immer' eine ernste Verführung fänden. Wesen und Ziele der Gemeindeverwaltung. Der Vorsitzende des Vorstandes der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Dr. h. c. Wilhelm Klee mann, leitet das letzte Heft des "Gemeindeblattes mit einem „W e s e n u n d Z i e I e der Gemeindeverwa 11ung" überschriebenen Aufsatz ein, der u. a. folgende Betrachtungen enthält, die äucii"für Wien'volle Gültigkeit besitzen sollten: ';Es hat eine Zeit gegeben, in der die GemeiniJeverwaltüng 4ih 'Rühe " und' Zurückgezogenheit ihre Arbeit leisten konnte. Es waren die Jahre, in denen Deutschland und seine Reichsliauptstadt sich gesicherten Wohlstandes und stetig ' fortschreitender wirtschaftlicher- Entwicklung erfreuten. Mit Reich und Stadt "wuchs" und gedieh auch" die Berliner' Jüdische Gemeinde. Die Gemeindemitglieder zahlten^ gerne die -geringen Steuern, die von ihnen verlangtwurden; um die Verwaltung oder die Angelegenheitender Gemeinde kümmerten sie sibli-'hföht'H'odeV doch nur m ganz 'geringem r'Maße?{DieaMrfst6lIiflfe' 'Häf Gemeindeverwaltung änderte sich aber mit einem Schlage, als die-wirtschaftliche Not über unser Vaterland und damit auch über die Gemeinde hereinbrach. In der Haltlosigkeit der Zeit suchten die Menschen nach einer inneren Verankerung, und wo anders sollten die Juden diese finden als in der Jüdischen Gemeinde. Hieraus entwickelte sich ein immer lebhafter werdendes Interesse an der Gemeindearb e i t. Die Gemeindeverwaltung hat diese- Bekundung der Anteilnahme anihren Arbeiten immer mit Freuden begrüßt. Sie war und ist glücklich, wenn ihre Leistungen vonden Gemeindemitgliedern anerkannt würden und werden, und auch jedes'Wort sädilicher Kritik hatte beim Vorstarid immer''wfllfges Gehör gefunden. Je mehr sich die wirtschaftliche Krise zuspitzte, je tiefer die seelische Not in uns brannte, desto dringender wurden die Hilferufe, die' zu uns kämen/Von allen Seiten wurden Forderungen an die'Gemeinde gestellt. Siesollte helfen und Jeuiliet&m Besuch in Weimar. Im Goethejahr 1932. Von G. (Schluß.) Und wie stellt es mit dem anderen Argument für Schülers angebliche Judenfeindschaft, seirier „Sendung Mosis"? Istes eüi-Pamphlet des Judenhasses?'- •" Der Lichtgestalt Moses und der Bedeutung der von ihmverkündeten Ideen wird" der Dichter durchaus gerecht. Wenn er aber die weltgeschichtliche Aufgäbe des Judentums mit dem -nationalen Zusammenbruch- Israels "beendet glaubt, so entspricht diese Auffassung der ländläufigen, noch heute weitverbreiteten Konstruktion, die das Judentum nur als Vorläufer oder Unterbau des Christentums betrachtet Daß er im jüdischen Volke das „unreine Gefäß" sieht das zeHJröchen* wurde,' <«sobaidr>es: geleistet "wozu -es bestimmt war, war'•auch' nur .ein Element" der därriälsf MgefaeinÄ gültigen" religionsge^clfichtiicheri Anschauung. Schiller hatte eben damals noch nicht wie Goethe nachseinemA;<)beflrillerührtelii Geständnis, Gelegenheit, ein mit der Muttermilch eingesogenes Vorurteil durch seine persönlichen Erfahrungen mit Juden zu berichtigen. Vielmehr war -es "gerade^ eüi"-iüdischer^ Verleger, Michaelis in Streblitz, ' dessen' UngescnicklicMeit;'' "wöhlgemerkt:- nicht böse Absicht wie Schüler selbst anerkennt, dein Dichter "eme Unännelunlichkeit bereitet und dadurch "ihn m'seirief atigeborenen Voreingenommenheit gegen die Juden bestärkt "hätte. »Ein Judenfeind aber kann nicht ein Mann gewesen sein, der" wie' Schiller im Jahre 1801, "in seiner' Bearbeitungdes „Nathan" schreibt:' „Wahr ist's, auch-in unserem Zeitalter sind noch mänefie Ueberreste der Barbarei emgedruhgen," Geburten des Zufalls, der Gewalt die das Zehalter 'der Vernunft -nicht verewigen sollte." Der "Jude Ullmärih in Wedmär war Schillers' Bankier," än' seinen „Hören" arbeitete Ben David1 mit" Der' Roman „Rorentin" von'Mendelssohns Tochter" Poro'thea wurde in seinem 'Hause eifrig gelesen, Mendelssohns Sohn Josef und sein Freund "David Fried- Iärider wären zn 'Schiller Hi' Beziehungen getreten. Dem TVledäiUeur^Aifätiam Äbfäh^mss'ohh' lifeferte^er s'eni' PoftVät*• ^ur"1 iitöförtigtmlr1' einer -Denkmünze. Audi "der "erwähnte "Simon-«von Lämel hatte •ihn-«üi Weimar besucht. Daß-er •Mendelssohns Schriften, von deficit ei* emig&rdie üb^'Äesthelik in selmfr Bibliothek standen, kannte, eine vielleicht, wie bereits"'' ljJemerkfV "^in!-semeh - letzten Stünde^ ge* lesen hat ist gleichfalls nicht außer acht zu lassen. t- .. I-. „..£..; .,, [-V-... - Alle diese Beziehungen beleben sich in unserem Geiste'bei einem Besuche V/eimarsl Wie röcht riur der Moslem, der das Grab des Propheten"'besucht hat, :ächv,HäQscni neririt; söhdernräüclf de> Späniole'-nach einer Wallfahrt ins Land1 derVäter diesen arabischen T^tel seinem Namen beisetzt;'so wirkt'; aucfr'äüf 'den Meufsbhen':;Jüden/:;der'; den beiden Größen-von WeimarV;sich 'zftTJarik verpflichtbt' fühlt,' wie* sie selbst!m ihren"Werken jöälscheh Einfluß, Vor aUehrden der:Bibel/bekund;e1ri, tief und hacnbaltig eine'Einkehr in'die Stätte' ihres Wkkehs.'Wiähn dieser-Besuch1 auch*nicht;'wie7'bei jenen4" Wallfahrten/' inr 'uriserefn NämenVJ etnein dauernden Niederschlag findet,^ im Geist •und'för daV'Herz' bleibt' uns?än Ge'winhT den '"wir fecht mfeseri möchten, ein Lichtblick in düsterer Zelt.; ~, -: ■.-:•>> l-'.H : :5v;jC!>- Vk'-i' -* w 2^/' UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN. Zentrale: DI., Berggasse 4, Telephon A 19^2-77. .r. . «~'r » . ,' - * VORANZEIGE. Samstag, den 19. März, abends, Purim-Feier der „Union". T* _. v & v *7 - a w -y '* im Festsaale des Restaurants Toneilo* I »S fi<t Ii« *• % <>/ i "je-* mm'M't

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