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Die Wahrheit · 1932-03-04 · Heft 10 (4.3.1932) · page 1

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 10 (4.3.1932)
Date
1932-03-04
Page
– (sequence 1)
Language
German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Jüdisch e mit den Veröffentlichungen der „Union Österreichischer Juden" und den Amtlichen Verlautbarungen der Ersdieint jeden Freitag Israelitischen Kultttsgemeinde Wien »iiiiiniiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiMiM»^ Dl* UUrU Redaktion und Administration: Wien IL, Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 XLV1II. Jahrgang Wien, 4. März 1932 Nummer 10 Hindenburg oder Hitler! Brief aus Deutschland. Schwer lasten auf dem deutschen Judentum die Wirtschaftskrise und ihre Begleiterscheinungen. Aber noch schwerer lastet auf den Juden im Reiche die politische Krise, die gerade jetzt, angesichts der bevorstehenden Neuwahl des Reichspräsidenten in das entscheidende Stadium getreten ist. Die Fortschritte des Hitlertums in den letzten Monaten afs Folgen der fast unerträglich gewordenen wirtschaftlichen Verhältnisse, die Radikalisierung der Massen und das Treiben gewisser extremer Elemente von Rechts und Links, die im Trüben zu fischen hoffen, haben dem Nationalsozialismus weiteren Zulauf gebracht, obwohl dieser nach wie vor sich fortgesetzt um die Achse der eigenen inhaltslosen Phraseologie dreht und keineswegs imstande ist, nach irgend einer Richtung ein positives Programm zu bieten. Diese Erfolge ermutigten Hitler und Genossen, die Hand nach dem höchsten Amte im Staate auszustrecken, und nachdem Hitler im Wege eines „Drehs" zum dexitschen Staatsbürger „ernannt" worden ist, wird seine Kandidatur derjenigen Hindenburgs entgegengestellt und seine Anhänger rühmen sich mit Emphase, daß Hitler nicht nur Kandidat, sondern zukünftiger Reichspräsident ist... Vor sieben Jahren war Hindenburg der Kandidat der Rechtsparteien; heute aber sind es gerade diese, die seine Wiederwahl aufs heftigste bekämpfen, wogegen die Mittel- und Linksgruppen, mit alleiniger Ausnahme der Kommunisten, für Hindenburg eintreten. Diese Verschiebung der Fronten hat ihre guten Gründe. Während der sieben Jahre seiner Präsidentschaft hat sich Hindenburg im großen und ganzen nicht nur als Hort der Verfassung und der geltenden Rechtsordnung bewährt, sondern er hat auch diejenigen Lügen gestraft, die seinerzeit der Befürchtung Ausdruck gaben, der greise Feldmarschall werde nur allzusehr auf den Rat der alten Militärs hören und der Wegbahner für die Wiederherstellung des Kaisertums sein. Hindenburg hat aber weder das eine noch das andere getan, sondern sich derart verhalten, daß man selbst in Paris und London zu dem seinerzeitigem Oberbefehlshaber im Weltkriege das weitestgehende Vertrauen hegt und seine Wiederwahl nur begrüßen würde. Gerade deswegen ist er denjenigen ein Dorn im Auge geworden, die das Reich neuerdings in das Abenteuer außenpolitischer Verwicklungen stürzen möchten. Gerade deswegen ist er aber auch der Kandidat all derjenigen Schichten, die einer solchen Va-Banque-Politik abhold sind und, unbeschadet ihrer sonstigen parteipolitischen Einstellung, für eine Konsolidierung der Verhältnisse eintreten. Angesichts dieser allgemeinen politischen Sachlage konnte es keinem Zweifel unterliegen, welche Haltung die deutschen Juden bei dieser Wahl einnehmen sollten. Auch sie bekämpften vor sieben Jahren die Kandidatur Hindenburgs, dem damals ein freiheitlicher Kandidat gegenüberstand. Aber wenn sie heute die entgegengesetzte Haltung bekunden, so befinden sie sich in einer guten Gesellschaft. Sie müßten aber nicht nur als Bürger, sondern auch als Juden für Hindenburg eintreten. Was die Uebernahme der Macht im Reiche durch Hitler für die Juden zu bedeuten hätte, darüber wäre es wohl überflüssig, viel Worte zu verlieren. Diejenigen sind zweifellos im Irrtum, die meinen. Hitler werde sich, zur Macht gelangt, über Nacht mausern. Gerade, weil er außerstande ist, positiv etwas zu vollbringen, dürfte er sich zunächst darauf verlegen, sein „J u d e n p ro g r a m m" durchzuführen. Wir verkaufen und VERLEIHEN Elektr. Lichtbäder , Thermophore . 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Was hat das Judentum mit Preußentum und Pflicht zu tun? Der Jude lobt alles, was Deutschland schadet, und er tadelt alles, was Deutschland zum Nutzen dienen könnte. Wenn die Juden glauben, sie brauchten sich nur in Hindenburgs Schatten zu verstecken, um vor unserem legalen Kampf gesichert zu sein, dann irren sie sehr! Die Juden Deutschlands hätten somit von einem Sieg Hitlers alles zu befürchten und es wäre wohl die kurzsichtigste Politik ihrerseits, wenn sie denen auf den Leim gehen wollten, die da raten, sich lieber nicht zu exponieren, um für den — allerdings höchst unwahrscheinlichen — Fall eines Sieges Hitlers diesen nicht noch mehr gereizt zu haben. Die Politik der Zurückhaltung oder gar der Neutralität, die besonders von gewissen jüdisch-nationalen Elementen empfohlen wird, wäre in diesem Falle die ungesündeste und unrealste, die befolgt werden könnte. Es mutet geradezu possierlich an, wenn von zionistisch-revisionistischer Seite in diesem Zusammenhang von einer Goluspolitik gesprochen und demgegenüber verlangt wird, die Juden sollen die „Deutschen" lieber unter sich lassen. Trotz aller Tiraden der Hitler und GenossensinddieJudenimReicheDeutsche im vollsten Sinne des Wortes und ihr Schicksal ist so sehr mit demjenigen der Gesamtbevölkerung verknüpft, daß das Schlagwort von einer „Politik auf weite Sicht" kaum Gehör finden dürfte. Wenn dem deutschen Volke zu allem Unglück, von dem es in der Nachkriegsperiode heimgesucht worden ist, noch die Gefahr droht, ein Hitler-Regime überstehen zu müssen, so wird diese Prüfung zweifellos furchtbar sein, vielleicht die furchtbarste alles bisher Erlebten, aber gerade deswegen können und dürfen die Juden nicht diejenigen sein, die sich zuerst mit einer solchen Entwicklung der Dinge befreunden und eine Taktik befolgen, die sie eventuell vor den alleräußersten Wutausbrüchen des Hitlertums bewahren könnte. Die Juden könnten auch unmöglich die Katastrophenpolitik des Kommunismus mitmachen, die darauf abzielt, Hitler zuerst abwirtschaften zu lassen, um dann dem Bolschewismus Tür und Tor öffnen. Vom Standpunkte der Juden als Bürger und noch mehr als Juden wären die Gefahren des Bolschewismus nicht geringer einzuschätzen, als die des Hakenkreuzes. Es darf weder das Hakenkreuz noch der Sowjetstern obsiegen und wenn sich um Hindenburg alle diejenigen scharen, die gegen Hitler und Thälmann sind, so dürfen die Juden nicht abseits stehen. Allerdings darf man sich der Hoffnung hingeben, daß diese Auseinandersetzungen mehr theoretischer Natur sind. So tief kann das deutsche Volk nicht gesunken sein, um Hitler zum Land'esvater zu erklären. Die „Iden des März" dürften den Beweis erbringen, daß die Bäume Hitlers nicht in den Himmel wachsen und daß der bevorstehende Wahltag ein Fingerzeig dafür sein werde, daß der Machttraum Hitlers — ein Traum werde ... Was die Juden ihrerseits dazu beitragen können, um diesen Entwicklungsprozeß zu beschleunigen, das werden sie entschlossen und unbeirrt tun. Austriacus. Mitglieder und freunde der „Union" Übertragen Lehensnnd Elemenlar- Verchherungen der Städtischen Versicherungsanstalt

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