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Die Wahrheit · 1932-02-26 · Heft 9 (26.2.1932) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 9 (26.2.1932)
Date
1932-02-26
Page
– (sequence 3)
Language
German
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ME WAHRHEIT Satte a Zentren weit entfernt ist. Der Uebergang in das „Minus" ist ebenfalls mit außerordentlichen Schwierigkeitein verbunden, da die Entfernung vom ursprünglichen Verbannungsort in das „Minus" manchmal tausende von Kilometern beträgt und die Verbannten den Weg auf eigene Kosten machen müssen. Aber auch im „Minus" ist das Leben der Verbannten nicht weniger unerträglich; sie bleiben vom Kulturleben der Stadt ausgeschlossen, werden stets von Spionen verfolgt und jede Fühlungnahme mit der Umgebung führt zur Verhaftung. Viele der Verbannten werden wegen irgend einer Kleinigkeit wiederum nach Sibirien verschickt und ihre Leidensgeschichte beginnt von neuem. So werden Menschen behandelt, die sich nichts anderes zuschulden kommen ließen, als an ihren Weltanschauungen festzuhalten----Die Kulturwelt aber schweigt und sucht lieber mit den Moskauer Machthabern „Geschäfte" zu machen... Die in Palästina erscheinende hebräische Wochenschrift „Ketuwin" hat vor kurzem eine Sondernummer, „Sowjetrußland", erscheinen lassen, in der alle Daten und Tatsachen über die Lage der Juden im Sowjetreiche angeführt werden. Es ist ein furchtbares Bild, das da entrollt wird____Wie lange soll dieses Gewaltreghne noch dauern?... S. L. 1 VORNEHME EAMUIEN - PENSION |BntairatloMBllniiaB täglich 5-Uhr-Fee iSErlFICIllN« TELEPHON 11 [Hochstraße 45 neben Hotel Panhans B Mäßige Preiset Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser Ü in jedem Zimmer. M AnskBBli: Wien TtiepMa 0 21-«-24. M Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer rzmw&*wj^i SIÄ^g tfiilBlmp w ''*-3hiTÄ Jim unsere StauBensBwUdew und ~sdkn>estewnl Ein begrüßenswertes Hilfswerk wird geschaffen. Täglich fallen neue Opfer dieser harten Zeit, die keine Schonung kennt. Bevor noch die Körper von der immer weitere Kreise erfassenden Not verdorben werden, wird die Seele unserer leidenden Mitmenschen vom tobenden Elendsorkan erfaßt. Das Denken, die Sinne versagen dem Einzelnen, die fassungslos und ohnmächtig den auf sie einstürmenden Ereignissen mannigfaltigster Art gegenüberstehen. Die wenigsten besitzen die notwendigen seelischen Abwehrelemente, um allein auf sich selbst gestellt, dieser drohenden, eisigen Verzweiflungsumklammerung sich zu erwehren. Ist es da nicht heiligste Pflicht das Gebot der Menschlichkeit mitfühlender Zeitgenossen, derer, die von dieser fürchterlichen Elendsbrandung verschont geblieben sind, nach besten Kräften helfend einzugreifen? Von diesen und ähnlichen Erwägungen geleitet, vom Idealismus diktiert, ist eine Institution in die Wege geleitet worden, welche unter dem Titel „Erste jüdische Selbsthilfe für seelisch Notleidende" vorwiegend das eifrigste Bestreben pflegen wird, die vom Schicksal besonders hart angefaßten, an den Rand der Verzweiflung gedrängten Glaubensgenossen, durch hiezu geeignete Persönlichkeiten moralisch zu stützen, sie auf den Weg ruhigeren Denkens, klarerer Beurteilung ihrer Lage zu bringen. Auch Nichtjuden, sofern sie diese Hilfsstelle werden in Anspruch nehmen wollen: keinem Hilfesuchenden wird die Beratung versagt bleiben. Von dem Gedanken, dem erfahrungsgemäß die Richtigkeit nicht abgesprochen werden kann, ausgehend, daß es im Wesen, in der Chäraktereigentümlichkeit. in der Art der Verzweifungsempfindung des Juden gelegen ist. sich in seiner Bedrängnis, mit seinen Herzensqualen, genossen, in religiösen Fragen beim ehrwürdigen Rabbiner. Aerztinnen. Aerzte. Anwälte. Fürsorgeräte und auf verschiedenen Wirtschaftsgebieten Tätige, werden sich ehrenamtlich in den schweren Dienst dieser idealen Aufgabe stellen. Alle Gebiete seelischer Konflikte sollen der fachgemäßen Beratung zugeführt werden. Ratsuchende, in verzweifelten Situationen ihres Lebens, die unvermögend sind, aus dem Wirrnis ihrer eigenen Ideologie einen Ausweg zu finden. Aber auch diejenigen, die in ihrer fürchterlichen Vereinsamung und Ratlosigkeit, in der Flucht vor ihrem bisherigen Glaubensbekenntnis sich Erleichterung versprechen. sollen vor ihrem endgültigen Entschluß den erfahrenen Rat des hiezu Berufenen einholen können. Wir haben versucht, in diesem engen Rahmen die wesentlichen Punkte unseres Programmes festzuhalten. Darüber hinausgehend, sollen alle Erscheinungen des sozialen Lebens prüfend beobachtet werden, um nach Möglichkeit überall dort anregend wirken zu können, wo Verbesserungsnotwendigkeiten sich ergeben. Der gestellte Betätigungskreis ist groß, getreu dem Grundsatz: „Wer Vieles will, kann Manches auch erreichen." Der hilfsbereite Eifer der freiwilligen Mitarbeiter ist gesichert. Gelingt es, eine große Anzahl von materiellen Helfern als Spender. Förderer und Mitglieder des Vereines und sukzessive auch das Vertrauen aller Beteiligten zu gewinnen, dann sind die Grundlagen dieser immerhin neuartigen Wohlfahrtsinstitution sicher fundiert. Der verelendete Teil unserer Glaubensgenossen wird um eine soziale Einrichtung bereichert, die einen hoffnungs- Ritter v. Wertheimer, des ersten Präsidenten der neu konstituierten und demnach neu geschaffenen israelitischen Kultusgemeinde in Wien, vor deren Konstituierung die Juden Wiens keine Gemeinde bilden durften. Die materiellen Verhältnisse der Wiener Juden müssen aber vom Jahre 1753 an sich bedeutend verschlimmert haben, weil in einem Vortrage des Direktoriums in publicis et cameralibus vom 23. November 1761 festgestellt wird, daß der Eingang an Toleranzsteuer nur mehr 5525 fl. betrug. Diese Verschlechterung ihrer ökonomischen Lage wurde von der Regierung auch durch eine Verordnung vom 23. März 1754 anerkannt, nach welcher von der bis zum Jahre 1753 bezahlten Gesamtsumme an Toleranzsteuer per 14.000 fl. künftig 6000 fl. nachzulassen seien; allein im Jahre 1761 ergab sich ein weiterer Abgang an dieser Steuer von 3132 fl., zu dessen Deckung von der niederösterreichischen Regierung eine Erhöhung der Toleranzsteuer vorgeschlagen wurde, jedoch der Referent in Judensachen bei dieser Regierung, Johann Friedrich von Eger, und der städtische Kommissär erklärten, daß „die wenigsten Juden" eine Erhöhung der Toleranzsteuer aushalten würden. Allein im folgenden Jahre beantragte die vereinigte böhmisch-österreichische Hofkanzlei dennoch eine „Erhöhung der Judentoleranzgelder" zur Deckung dieses Fehlbetrages von 3231 iL; denn die Toleranzsteuern „seien viel zu gering bemessen" (22. März 1762). Die Kaiserin genehmigte den Antrag auf Deckung dieses Mankos durch die Judenschaft, indem sie in ihrer Resolution vom 17. Dezember 1763 harte Worte gegen die Judenschaft gebrauchte: es wäre derselben „zu bedeuten, daß die Juden, wenn sie dieses Quantum nicht aufbringen können oder wollen, dieselben dahier in der Residenzstadt ganz unnötig wären, zumal man von ihnen durch lange Zeit keine nützlichen Dienste iür den Hof erfahren hätte": in diesen Worten war wohl deutlich eine ernste Warnung und ein Hinweis auf die Mittel enthalten, durch welche die Juden auch weiterhin die Erhaltung ihres Wohnrechtes erkaufen Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt vertrauensvoll an hilfebietende Glaubensgenossen zu wenden, wurde bei Schaffung dieser Institution in erster Linie an hilfsbedürftige Juden gedacht. Schließlich bildet diese allgemeine Schreckenszeit, die fürchterliche Wirtschaftskrise, von welcher nur selten jemand verschont bleibt, eine nicht zu übersehende Notwendigkeit, ja, unerläßlich ist es geworden, im Rahmen der Religionsgemeinschaft, aus eigener Kraft ein Selbsthilfewerk der Seelenhilfe zu schaffen. Hier findet eine nicht hoch genug einzuschätzende Idee Verwirklichung. Es gibt glücklicherweise eine stattliche Anzahl jüdischer Wohlfahrtsvereine, die alle eine segensreiche Aufgabe erfüllen und mit denen wir im engsten Kontakt arbeiten wollen. So unbedingt notwendig auch die materielle Hilfe ist. die ja nach Maßgabe der Möglichkeit von dieser Hilfsstelle ebenfalls geleistet werden soll, so notwendig, ja. in vielen Fällen ganz unentbehrlich, ist die seelische Beratung der Hilfesuchenden, für welche diese moralische Stützung oft Lebensrettung bedeuten kann. . Der Zeitpunkt wird wohl nicht allzu ferne sein, da man diese Institution in den Reihen der sozialen Wohlfahrtseinrichtungen nicht wird missen können. Persönlichkeiten auf dem Gebiete intellektueller Arbeit, beginnend beim geistigen Führer der Glaubensfrohen Lichtstrahl in die düstere Finsternis der bedrängten Gemüter dieser bedauernswerten jüdischen Brüder dringen lassen wird. Unsere Wirksamkeit wäre eine um so gedeihlichere, je mehr uns eine günstige materielle Lage ermöglichen würde, mit seelischer Aufrichtung auch ausreichende wirtschaftliche Hilfe bieten zu können. Ist doch in den meisten Notfällen das wirtschaftliche Elend von der Gemütsbedrängnis nicht zu trennen. Glaubensgenossen! Eurer Ooierfreude ist hier das denkbar würdigste Ziel gesetzt. Helfet nach besten Kräften, dieses jüdische Selbsthilfewerk zum Wohle bedrängter Brüder aufblühen zu lassen! Der Vorstand der ..Ersten jüdischen Selbsthilfe für seelisch Notleidende." * * ❖ Die „Erste jüdische Selbsthilfe für seelisch Notleidende" hält täglich, mit Ausnahme von Freitag, Samstag und Sonntag, abends von 6 bis S Uhr, in ihrem Bureau, II., Pazmanitengasse 6, I. Stock, ihre Sprech- und Beratungsstunden ab. sollten. Aber auch dieses kaiserliche Mißfallen vermochte den Gesamteingang an Toleranzgeldern nicht einmal bis zu jener Summe von 8000 fl. zu steigern, auf welche sie im Jahre 1754 herabgesetzt worden war. Im Hoikanzleivortrage vom 19. September 1777 wird festgestellt, daß die damals in Wien lebenden 25 tolerierten Familen, d. h. solche, denen das Privilegium des Wohnrechtes in Wien zugestanden worden war (s. unter a) jährlich 6865 fl. an Toleranzsteuer abzuführen hätten. Auch dieses beständige Sinken der Toleranzsteuer spricht eine deutliche Sprache, daß der größte Teil der Wiener Judenschaft in Armut lebte. (Fortsetzung iolgt.) Die Judengesetzgebung der Kaiserin Maria Theresia und das Toleranzpatent Kaiser Josef IL Festrede des Präsidenten Dr. Jakob Ornstein. (Fortsetzung.) d) Toleranzsteuer: Für die Erteilung des Privilegiums mußte der privilegierte Hausvater alljährlich eine besondere Steuer, nämlich die sogenannte Toleranzsteuer, bezahlen. Kaiserin Maria Theresia befaßte sich mit dieser Steuer zum ersten Male im Jahre 1751, und zwar veranlaßt durch einen Bericht „des städtischen Kommissärs" über die Verteilung der von den Wiener Juden in den Jahren von 1748 bis 1751 bezahlten Toleranzgelder. Maria Theresia verfügte nun in ihrer Entscheidung vom 23. Oktober 1751, daß es bei der bestehenden Ordnung der „Toleranzgelderzahlung der Wiener Juden" weiters zu verbleiben habe; ein etwaiger Fehlbetrag sei vom Oberkammeramte der Stadt Wien vorzustrecken. Mit ihrer Resolution vom 6. Jänner 1753 genehmigte die Kaiserin die von ihrer Regierung beantragte Verteilung der Toleranzsteuer im Gesamtbetrage von 14.000 fl. unter 12 jüdische Familien, und zwar in Beträgen von 50 fl. angefangen (diese geringste Steuer bezahlte die bereits genannte Witwe Sara Oppenheimer); die höchste von einer Familie bezahlte Toleranzsteuer belief sich auf 3350 fl.; je 2000 fl. bezahlten die Familien des Berent Gabriel Eskeles und des Adam Arnsteiner. Drei Familien Wertheimer, und zwar Low, Josef und Samuel Wertheimer, Abstämmlinge des Simson Wertheimer, des Zeitgenossen und Nachfolgers des in der Geschichte der Wiener Juden so berühmten Samuel Oppenheimers in seiner Eigenschaft als Bankier und in seinen Beziehungen zum Hofe, bezahlten zusammen 3400 fl. Low Wertheimer war ein Ahnherr des Josef VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION. Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, Wie» U Schwedenplatz. Dienstag, den 1. März, K-9 Uhr abends: Kultureller Diskussionsabend. Prot. Juliusz W o I f s o h n. „Juden in der Musik". * .. ♦ * Vergnügungssektion. Samstag, den 27. Februar, X>9 Uhr abends: Geselliger Tanzabend mit künstlerischen Einlagen. Jazz: Rhythmic Syncopaters. * * * Gäste bei allen Veranstaltungen herzlichst willkommen! DIE WIENER BROCKENSAMMLUNG für Obdachlose und Arme, VD., Kaiserstraße 92, bittet um alte Kleider, Schuhe, Möbel für ihre vielen Hilfsbedürftigen. Abholung kostenlos. Telephon B 37-3-48.

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