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Die Wahrheit · 1932-02-19 · Heft 8 (19.2.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 8 (19.2.1932)
Date
1932-02-19
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Jude. Ich soll hier weggehen, wo der Name Jude und alle, die ihn tragen, fortwährend bespien und geschändet werden, und soll unseren Feinden das Feld räumen, um in Palästina meinen Kohl zu bauen? Nein, nicht zehntausend Pferde bringen mich von hier fort, bis ich an dem Untergang der Judenfeinde meine Rache und Freude erlebe." Das waren die letzten Worte, die wir miteinander gewechselt haben. In dieser Stimmung schrieb ich mein „Nationaliudentum". Herzl meinte, in einer Entgegnung in der ^Oesterreichischen Wochenschrift", daß ich die Schrift im Auftrage des Vorstandes verfaßt hätte. So wenig kannte er mich und den Vorstand. Die Schrift hat kein Vorsteher vor ihrem Erscheinen gelesen und vielleicht auch später nicht Herzl meinte, alle beim Kragen nehmen zu können, und er hat wahrscheinlich auch von mir geglaubt, daß ich unter äußerer Beeinflussung stand. Wenn auch nach Erscheinen meines „Nationaljudentums" meine Beziehungen zu Herzl aufhörten, so will ich ihm doch die Anerkennung nicht vorenthalten, daß er auch später mir höflich und teilnehmend immer begegnete. Er hatte nur einmal seinen Pariser Adlatus gegen mich gehetzt ... Er selbst hatte eine zu feine Natur, als daß er sich zum Haudegen geeignet hätte. Ich glaube auch, daß diese Ausartung seiner Umgebung ihm Kummer bereitete und mit zu seinem frühzeitigen Tode beigetragen hat. Ehre seinem Andenken! * * * In einer Richtung war der Zionismus von Nutzen. Der Ziongedanke war aus dem Bewußtsein der gebildeten Juden verschwunden und in den fortschrittlichen Gemeinden hatte man ihn aus dem Gebet ausgeschaltet, so daß, als man im Jahre 1871 diese Ausschaltung auch hier versuchte, ich mit meinem Einspruch allein blieb .... Wie ein Blitz aus heiterem Himmel winkte später die Wiederaufnahme des Zic-ngedankens durch Herzl und seine Scharen. Man hatte sich diese nicht träumen lassen, am allerwenigsten durch Journalisten und andere sonst dem Judentum fernstehende Gemeindemitglieder. 30 Jahre später wurde .... das laute Schemone Esre wieder aufgenommen. Aber jetzt war Zion wieder modern geworden — und selbst Nichtzionisten schämten sich seiner nicht mehr. Wie segensreich hätte daher der Zionismus wirken können, wenn er diesen Gedanken in seinem ursprünglich religiösen Flußbett belassen und nicht in das nationale abgeleitet hätte. Aber man wollte zugleich Jude und — Freidenker, d. h. Jude und Nichtjude sein. (Herzl hatte mir gegenüber seinen Freidenkerstandpunkt immer betont.) Eine contradictio in adjecto! Der Kampf um Palästina. Wenn nicht alle Anzeichen trügen, steht hinsichtlich der Palästinafrage eine Wendlung bevor, die geeignet sein könnte, dieses Problem auf ein neues Geleise zu lenken. Vor kurzem hat der Führer der Revisionisten, M. Großmann, sensationelle Enthüllungen über eine Aktion gemacht, eine arabisch-jüdische „round-table-Konferenz" abzuhalten, bei der es zu einer Verständigung zwischen Arabern und Juden kommen sollte — jedoch in einer Weise, die geeignet wäre, die weitgehenden zionistischen Aspirationen auf absehbare Zeit zunichte zu machen. Darnach sollte Palästina ein arabischer Staat werden, wobei derjenige Teil des Landes, in dem die Juden die Mehrheit bilden, eine gewisse Autonomie erhalten sollte, dabei soll jedoch die Hauptstadt Jerusalem, obwohl die Juden dort die Mehrheit bilden, hiervon ausgeschlossen bleiben. Die ganze Macht im Staate würde in die Hände der Araber übergehen, die auch über die weitere jüdische Einwanderung usw. zu entscheidien hätten. Mit einem Worte: die Juden wären im Lande ihrer Väter einfach im — Golus! Diese Enthüllungen erregten großes Aufsehen und die Leitung der „Jewish Agency" beeilte , sich zu erklären, daß diese Pläne ihr woM bekannt sind, daß sie jedoch keineswegs so weitgehend seien, und daß demnächst diesbezüglich authentische Mitteilungen veröffentlicht werden würden. Inzwischen hat jedoch die „Ita" den Wortlaut eines Dokuments veröffentlicht, das seit einigen Tagen in gewissen Londoner Kreisen im Umlauf ist und das angeblich Vorschläge des Ex-Khediven von Aegypten zur Schaffung einer Grundlage für eine arabisch-jüdische Zusammenarbeit enthält Das Dokument betont einleitend, daß es sich um eine Aktion handelt, die im Einverständnis mit dem Mufti von Jerusalem unternommen werde. Der Inhalt desselben besagt unter anderem: „Araber und Juden müssen zu einein restlosen Einverständnis über die Angelegenheiten gegenseitigen Interesses gelangen, bevor sie gemeinsam daran gehen können, die Neubelebung Palästinas als eines selbständigen Staates herbeizuführen. In Jerusalem oder in einem anderen beiden Teilen genehmen Orte soll eine Round Table-Konferenz zwischen den arabischen und den jüdischen repräsentativen Führern abgehalten werden, in der unter dem Vorsitz einer von beiden Parteien akzeptierten und von der englischen Regierung gebilligten Persönlichkeit alle Differenzpunkte zwischen den beiden Gemeinschaften behandelt werden. 1. Die Round Table-Konferenz erörtert die künftige Verfassung Palästinas; 2. setzt die Bedingungen fest, unter denen arabische und jüdische Vertreter zu einer Zusammenarbeit bereit wären; 3. erörtert die Möglichkeit einer Sicherung a) der Geschlossenheit Palästinas, b) des Ideals eines Nationalheims für die Juden, c) der Wahrung der Rechte und Privilegien von Arabern, die seit mehreren Jahrhunderten das Land besaßen. 4. Zu den zur Erwägung zu stellenden Vorschlägen gehört ein Vorschlag, der sich mit der Einteilung Palästinas in administrative Gebiete auf einer neuen Basis befaßt, dergestalt, daß die Interessen der Juden in einer Verwaltungseinheit konzentriert werden, die das Nationalheim der Juden genannt wird. 5. Dieser Distrikt wird einen Teil des Staates Palästina bilden, wird unter einer Verfassung stehen, die der jüdischen Gemeinschaft volle Autonomie ihrer inneren Angelegenheiten sichert, gleichzeitig ihr ihren angemessenen Anteil an der Regierung des Gesamtlandes garantiert 6. Sind die arabischen und jüdischen Repräsentanten bereit diese vorläufige Basis zu akzeptieren, dann ernennt die Round Table-Konferenz ein Subkomitee zur Festsetzung der Grenzen, des Distriktes, der für das Jüdische Nationalheim reserviert werden soll. 7. Gegenwärtig besteht innerhalb der arabischen Exekutive eine scharfe Differenz hinsichtlich der Frage. ob das zu reservierende Gebiet genau mit dem Verhältnis der jüdischen zur arabischen Bevölkerung, wie es durch die letzte Volkszählung ermittelt wurde, übereinstimmen soll. Die arabische Exekutive wünscht, diese Fragen mit ihren Freunden zu erörtern und die Ansicht des Komitees in England zu erfahren. 8. Erklären sich die Repräsentanten damit einverstanden, so sollte. die Provinz-Administration des jüdischen Distriktes nach den Richtlinien der für Indien entworfenen Provinzverfassung, wie sie der arabischen Exekutive von dem Moulana Schauka Ali dargelegt wurde, gebildet werden. 9. Die vom Völkerbund aufgestellten Hauptprinzipien für die Behandlung von Minderheiten sollten auf die Minderheitengemeinden im jüdischen wie im arabischen Distrikt angewandt werden. 10. Die Einwohner sollten die freie Wahl haben, innerhalb einer von der Round Table-Konferenz festzusetzenden Frist aus dem einen in das andere Gebiet überzuwandern. 11. Nach Ablauf dieser Frist ist der Status der Minderheiten automatisch ein solcher, als ob sie die Verfassung samt den Bürgschaften für die Minderheiten akzeptiert hätten. 12. Unter keinen Umständen wird bei Behandlung von Personen ein Unterschied hinsichtlich Isdiias, Rheuma, öidit Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-» Sool-, Fichten-, Koblensanrebäder, Diathermie Heifiluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr BeHanstfaU „Thermla" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer „UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN" „VEREIN FÜR JÜDISCHE GESCHICHTE _UND LITERATUR."_ _ EINLADUNG zu dem am 23. Februar d. J., im Saale des Wissenschaftlichen Klub, VI., Getreidemarkt Nr. 7 (Eingang Dreihufeisengasse 1), präzise 8 Uhr abends stattfindenden Vortrag des Herrn Obermedizinalrates Dr. Heinrich Haase „EOBÜA ISJEAUMnriOA" Kultur- und kunstgeschichtliche Führung mit Lichtbildern. Beitrag zugunsten der jüdischen Winterhilfe 50 Groschen. des Weizmann-Lehrstuhles für internationales Recht und Frieden an der Universität ernannt wurdle, ist durch Revisionisten erheblich gestört worden. Die Revisionisten brachen bei Erscheinen von Bentwich in feindliche Rufe gegen ihn aus, warfen Stinkbomben, riefen: „Nieder mit Bentwich, er möge dem Mufti Frieden predigen!" usw. Die Störung war von einigen Führern der revisionistischen Jugend, unter ihnen Achi Mayer, arrangiert worden. Nachdem der Tumult etwa eine Viertelstunde gedauert hatte, erschien Polizei und verhaftete zwölf der Ruhestörer. Die Mitglieder der Executive der Jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff, Dr. Maurice B. Hexter und Dr. Berkson, die der Vorlesung beiwohnten, bemühten sich, die wie wild sich gebärdenden jungen Leute zum Schweigen zu bringen. Die Revisionisten riefen: „Entfernt die Polizei aus dem Saale!" Der Kanzler der Universität Dr. J. Magnes versprach, die Polizei zum Verlassen des Saales zh bewegen, wenn die Fülirer der Tumultuanten sich verpflichten, für Wiedereinkehr dler Ruhe zu sorgen. Schließlich trat Ruhe ein. Norman Bentwich, der diesen Vorgängen ruhig lächelnd zuschaute, nahm nun die Vorlesung auf und sprach eine Stunde lang über die Aufgabe seines Lehrstuhles. Als er mit dem Vorschlag endete, Jerusalem zum Zentrum der Weltfriedensbewegung zu machen, spendeten ihm die mehr als 600 Zuhörer enthusiastischen Beifall. ihrer Rasse oder Religion gemacht. 13. Kern die Interessen der Araber oder der Juden berührendes Gesetz wird angenommen, wenn ihm nicht die Mehrheit der Repräsentanten der betreffenden Gemeinschaft zustimmt. 14. Alle aus irgend einem Interessen- oder Meinungskonilikt sich ergebenden Fälle werden einem besonderen von der Regierung Palästinas einzusetzenden richterlichen Tribunal unterbreitet; eine Berufung kann an den Völkerbund nur hinsichtlich der juristischen Seite geleitet werden. 15. Palästina wird Mitglied des Völkerbundes unter den gleichen Bestimmungen wie der Irak. 16. Die Verfassung des jüdischen Distriktes hat die gleiche bindende Kraft wie die Gesamtverfassung Palästinas und kann nicht abgeändert werden. 17. Die Palästina-Verfassung wird nach den Richtlinien der Selbstverwaltung entworfen, die Macht liegt in den Händen der gewählten Volksvertreter. 18. Die Araber und die Juden werden ihrer Bevölkerung gemäß vertreten sein, wobei durch gegenseitige Zustimmung hinreichend normierte Bürgschaften für jüdische Interessen festgesetzt werden. 19. Sache der Round Table-Konferenz wird es sein, die provinziellen und die zentralen Angelegenheiten zur Erleichterung der Administration voneinander zu trennen. 20. Das Problem Jerusalem bleibt das schwierigste. Eines ist klar: Jerusalem muß die Hauptstadt Palästinas bleiben. Die Lösung dieses Problems muß Gegenstand einer besonderen Ueberlegung sein." In zionistischen Kreisen bewertet man dieses Dokument als eine Fälschung oder als eine — Provokation! . . . Man darf die weitere Entwicklung der Dinge mit Spannung verfolgen. Stinkbomben an der Jerusalemer Universität Die am 10. Februar nachmittags an der hebräischen Universität zu Jerusalem stattgefundene Antrittsvorlesung des früheren Oberstaatsanwaltes Palästinas Norman Bentwich, der zum Inhaber KONZERTDIREKTION OSKAR GRONNER _(Kartenzentrale), I., Oraben 28_ Donnerstag, den 25. Februar 1932 präzise halb 8 Uhr abends KLEINER KONZERTHAUSSAAL Vortragsabend MARGARETHE BACH Mitwirkend: Prof. Josef Zlmbler Karten in der Kartenzentrale Oskar Qronner, I., Graben 28 _Telephon U 22-4-45. — OeSffnet von 9 Ms 19 Uhr._. Der Kanzler der Universität Dr. J. Magnes veröffentlichte nach Beendigung der Vorlesung von Bentwich die folgende Erklärung: „Ich bedauere es unendlich, daß sich heute nachmittags aus Anlaß der Antrittsvorlesung des Herrn Bentwich an der hebräischen Universität in Jerusalem, der Stadt des Friedens, Zwischenfälle solcher Art ereignen konnten. Ich habe sofort eine Untersuchung über Ursache und Urheber der Störung angestellt und kann auf Grund derselben feststellen, daß es sich bei den Störenfrieden nicht um Studenten der Universität, sondern um Eindringlinge, die nicht Studenten sind, handelt. Ich erachte es als von Wichtigkeit, daß dies der Oeffentlichkeit in Palästina und im Auslande zur Kenntnis gebracht wird." Die Schulen in Palästina wieder eröffnet Der Verband der hebräischen Lehrer Palistinas hat beschlossen, die vom Waad Leumi gemachten Vorschläge zur Beilegung dfer Differenzen zwischen den hebräischen Lehrern und der Executive der Jewish Agency anzunehmen undden Lehrern zu empfehlen, den Unterricht an de« Schulen sofort wieder aufzunehmen. Nachdem infolge des Lehrerstreiks die Schulen mehr als vier Wochen lang geschlossen waren, wurde am Mittwoch, den 10. Februar, der Unterricht an allen Schulen wieder aufgenommen. Vo« den Streitfragen blieb eine einzige noch unbe* reinigt, nämlich die Frage, ob auch für die Streikperiode die Lehrergehälter zm zahlen sind. Die Entscheidung über diese Frage wurde auf einen späteren Termin verschoben.

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