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Die Wahrheit · 1932-02-05 · Heft 6 (5.2.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 6 (5.2.1932)
Date
1932-02-05
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seile 6 Dffi WAHRHEIT VonWodke zuWodke Die palästinensischen Schulen noch immer geschlossen. Das Zentralkomitee des hebräischen Lehrer Verbandes (Merkas hamorim) hat beschlossen, den von der Stadtverwaltung in Tel Aviv gemachten und von der Jewish Agency bereits akzeptierten Vorschlag zur Beilegung des Lohnkonfliktes zwischen der Jewish Agency-Executive und den Lehrern nicht anzunehmen; der Lehrerstreik dauert fort und die Schulen der Jewish Agency bleiben geschlossen. Der Vorschlag der Stadtverwaltung von Tel Aviv ging dahin, daß den Lehrern die Zusicherung der Barzahlung der Qefaälter für elf Monate des laufenden Schuljahres gegeben und Schuldscheine für an sie schuldig gebliebene Gehälter für vier Monate des vergangenen Schuljahres ausgefolgt werden sollte, wobei die Stadt Tel Aviv versuchen wollte, den Lehrern die Beträge, auf die die Schuldscheine lauten, in bar zu beschaffen. In der diesen Vorschlag ablehnenden Erklärung des Lehrer-Zentralkomitees heißt es: Da die Executive der Jewish Agency nichts weiter tut, als nur ihren früheren Vorschlag zu wiederholen und ein weiteres Entgegenkommen verweigert, sind wir nicht in der Lage, den Vorschlag anzunehmen. Die Arbeitseinstellung in den Schulen wird aufrechterhalten. Geplanter Bombenanschlag auch in Jerusalem. Auf dem Jaffa Road zu Jerusalem, gegenüber dem Büro des Oberrabbinates, wurde am Sonntag, den 24. Jänner, eine Bombe gefunden, die, wie man annimmt, irgend einem Anschlag hätte dienen sollen. Die Bombe wurde von der Polizei entfernt. Eine Untersuchung wurde eingeleitet. Die jugoslawischen Juden ein Bestandteil des jugoslawischen Volkes. In der Adreßdebatte ergriff Senator und Großrabbiner Dr. Isak Alkalay das Wort und erklärte vor beiden Häusern des jugoslawischen Parlaments: Die Juden Jugoslawiens sind bestrebt, mit allen Kräften, innigst und aufrichtig, am Aufblühen ihres Vaterlandes Jugoslawien mitzuarbeiten. Auf Grund ihrer Erziehung und Religion, ihres Lebens und der Liebe zum Vaterlande, fühlen sich die Juden als Bestandteil des jugoslawischen Volkes. Die Kalenderreform. Der Völkerbundsrat befaßte sich in seiner Sitzung am Montag, den 25. Jänner, mit dem Bericht der Konferenz für Transit und Verkehr, in dem ein großer Raum der Frage der Kalenderreform gewidmet ist In dem Bericht sind die Verhandlungen der Kalenderreform - Konferenz, unter anderem auch die Darlegungen der Vertreter des jüdischen Komitees betreffend Kalenderreform, wiedergegeben. Der Völkerbnndsrat stimmte den Schlußfolgerungen der Konferenz zu, denen gemäß eine baldige Stabilisierung der beweglichen Feiertage zu erstreben, jedoch von einer irgendwie grundlegenderen Aenderung des Gregorianischen Kalenders im Hinblick auf die religiösen und andere Bedenken vorläufig abzusehen sei. Somit ist der Plan der Einführung der den Sabbath gefährdenden Blanko-Tage für diese Zeitepoche gefallen. JKoßenßreius amWerß Der karpatbonissiscfae RituahnordprozeS vor dem Ende? Wie aus Karpathorußland gemeldet wird, hat das Bezirksgericht in Velka Berezna nach wiederholten Vertagungen den Prozeß in Angelegenheit der Ritualmordaffäre von Velka Simera nunmehr für den 16. Februar angesetzt. Es wurde gleichzeitig bekanntgegeben, daß die Staatsanwaltschaft von der Anklage gegen Steinberger und Liebermann zurücktrete. Es wird nur noch über den zivilen Strafantrag der Vertreter der unmündigen Kinder verhandelt werden. Diese Wendung bedeutet die offizielle Abkehr der karpathorussischen Gerichtsbarkeit von der Version, als seien die beiden Kinder Bagdan und Kosrja zu Zwecken ritueller Blutentnahme verletzt worden. Völlig unaufgeklärt bleibt, wie der staatsanwaltliche Vertreter sich diesen Inhalt der Strafanzeige der Gendarmerie zu eigen und zur Grundlage einer Anklage machen konnte und wie es möglich war, daß das Justizministerium tatenlos den Vertagungsmanövern in dieser Angelegenheit, die über ein Jahr dauerten, zusah. Es ist bisher auch noch nicht bekannt, welche Maßnahmen das Justizministerium im karpathorussischen Richterdienst zu treffen beabsichtigt, um eine Wiederholung solcher Vorkommnisse unmöglich zu machen. Boykottpropaganda mittels Flugzeugen. Wie in anderen Teilen Polens wird seit kurzem auch in Krakau die antijüdische Boykottpropaganda mittels Flugzeugen geführt. Jüngst hat ein Aeroplan massenhaft Flugblätter mit Aufrufen der „Liga vom Grünen Band" auf die Straßen Krakaus geworfen. Auch die Städte Lublin und Biala-Podloska wurden mit Boykottaufrufen von Flugzeugen aus überschwemmt. Polnische Justiz. Das Wilnaer Kreisgericht verurteilte Bronislaw Szemiaszko wegen Teilnahme an den antijüdischen Ausschreitungen in Wilna zu einem Jahr Gefängnis. Szemiaszko wurde auf frischer Tat ertappt, wie er mit einem schweren Knüttel die Auslagenfenster in jüdischen Geschäften zertrümmerte und Waren raubte. Abgesehen von der Verurteilung eines Huligans zu sechs Tagen Gefängnis, die er nicht abzusitzen brauchte, ist dies der erste Fall der Verurteilung eines Nichtiuden wegen Teilnahme an dem Wilnaer Pogrom. Dagegen wurden bis jetzt im Zusammenhang mit den Wilnaer Ereignissen vier Juden zu je \% Jahren Gefängnis und einer zu einer kleineren Gefängnisstrafe wegen angeblicher Mißhandlung von Nichtjuden verurteilt Mehrere andere Juden verbrachten bis zu ihrem Freispruch durch die Gerichte mehrere Monate in Untersuchungshaft. * Das Gericht in Bydgoszcz (Bromberg) hat den angesehenen jüdischen Bürger Baruch Berliner, der in der Notwehr einen Schuß auf seine antisemitischen Verfolger abgegeben hat. zu anderthalb Jahren Gefängnis verurteilt Der Hergang war folgender: Am 24. August v. J. wurden zwei aus Kongreßpolen eingetroffene Juden in chassidischer Kleidung durch Bromberger polnische Huligans durch die Straßen um den Friedrichsplatz herum gehetzt; er wurde auch ein Schuß auf sie abgegeben. Der Bromberger Bürger Baruch Berliner versuchte durch Zureden die Huligans zu veranlassen, von ihren Opfern abzulassen. Die Huligans aber begannen mit Stöcken auf ihn loszuschlagen. Berliner flüchtete schwer blutend in ein Haustor. und als die Huligans ihm folgten, gab er aus seinem Revolver einen Schreckschuß ab. durch den gegen seinen Willen drei seiner Verfolger ganz leicht verletzt wurden. Jetzt erst trat ein Polizist auf den Plan, nahm Berliner den Revolver ab und brachte ihn ins Hospital. Die antisemitische polnische Presse begann eine scharfe Hetze gegen Berliner, der allein angeklagt und verurteilt wurde, während gegen die Huligans nugtcniHucs KOnigsllcht Seit vielenjahren das anerkannt beste lizeilt tssfrrmi Man achte auf die ges. gesell. Harke „Hyefen. Könlgilicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhlrschengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht* Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt GROSSFLEISCHHAUEREI SIEGM. KORNHEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., W&HRINGERSYRASSE »T Telephon Nr. A 17-3*9 and A 18-9-34 Umtarmnt für Heilanstalten AhteiiungenfurKoscherfieisch ■ater Aufsieht des ehr«. Rabbinates dar Isr. Kultusgemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen nicht einmal e tet worden ist. ne Untersuchung eingelei- Der Nationalsozialismus in Holland. Die kleine nationalsozialistische Partei Hollands entwickelt, von der Hitlerpartei in Deutschland unterstützt, seit einiger Zeit eine intensive Tätigkeit Im Haag hielt das nationalsozialistische Mitglied des Deutschen Reichstages, Dr. Hans Niel and, eine Rede über die Ziele des Nationalsozialismus, wobei er die antisemitische Politik der Hitlerpartei betonte und die Entrechtung der Juden im Dritten Reich ankündigte. In der holländischen Oeffentlichkeit fiel es außerordentlich auf, daß der deutsche Gesandte, Graf J. von Zech- Burkerrod'a, dieser Kundgebung beiwohnt«, obwohl in derselben scharfe Angriffe gegen den Reichskanzler Dr. Brüning gerichtet wurden. Im Hinblick auf die rührige antisemitische. Tätigkeit dieser Partei ruft die Amsterdamer jüdische Wochenschrift „De Vryjdagavond" (Der Freitag-Abend) die holländische Judenheit auf, eine festgefügte Ab w eh r o r ga n i sa tio n zu schaffen, und zwar nach dem Muster des Centrai- Vereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens. Wilhelm, der Judenkaiser. Es ist bekannt, daß gewisse arische ..Rasseforscher" es versucht haben, die teilweise jüdische Herkunft der Familie Hohenzollern „wissenschaftlich" nachzuweisen. Das Buch „Semi-Imperator Wilhelm II." bemüht sich um den Nachweis, daß die unheilvolle Rolle, die die Hohenzollern im Leben des deutschen Volkes spielten, auf den jüdischen Einschlag in ihrem Blute zurückzuführen sei. Insbesondere wili es die Reisewut des Exkaisers aus seinem „jüdischen Wandertrieb" erklären. Dieses antisemitische Werk gegen die Hohenzollern wird von nationalsozialistischen Buchhandlungen vertrieben. Major a. D. Curt v. Hake klagt darum in der „Kreuz- Zeitung": „Wenn die jetzt so einflußreiche nationalsozialistische Partei weiterhin die Rückkehr der legitimen Monarchie ablehnt oder ihr mindestens gleichgültig gegenübersteht, so verschüttet sie den Weg zu ihr immer mehr. ...Selbst wenn der Kaiser unzulänglich gewesen wäre, so ist für Monarchisten seine Ablehnung doch unstatthaft." Gemeinde - €Aroniß Warschau. Die Jüdische Gemeinde Warschau, die größte des Kontinents, besitzt keinen Oberrabbiner; innerhalb des vielköpfigen Rabbinats. welches eine geschlossene Körperschaft bildet, sind die einzelnen Mitglieder gleichrangig. Nunmehr gedenkt die Agudas Jisroel. die mit einigen anderen konservativen Gruppen die Mehrheit in der Leitung der Gemeinde hat, die Institution eines Oberrabbinats einzuführen. Als Kandidaten für das Amt eines Oberrabbiners werden der Rabbiner von Rzeszow. Sejmdeputierter Lewin, und der berühmte Wilnaer Gelehrte Rabbi Chajim Oser Grodzenski. Präsident des polnischen Rabbinerverbandes, genannt. Die Agudahmehrheit will auch 35 neue Rabbiner für Warschau ernennen. Versteigerung jüdischer Kultgeräte. Am 12. Februar findet bei Hugo H e I b i n g, München, im Rahmen einer Auktion von altem Kunstgewerbe und von Gemälden alter Meister die Versteigerung einer reichhaltigen Kollektion jüdischer Kultgeräte für Synagoge und Haus statt. Unter der Reihe der Thoraschilder ist vor allem die Arbeit des Mathäus Wölfl. Augsburg anfangs 18. Jahrhunderts hervorzuheben, um 1763 fertigte Samuel Bardet, Augsburg, die beiden Rimonim in Rocailleform. Im Osten, vorwiegend im ausgehenden 18. Jahrhundert, entstanden zwei reiche große Thorakronen, die verschiedenen Thoraschilder, die manchmal dazugehörigen Weiser und die Estherrollen. In den verschiedensten Gestaltungen treffen wir Chanukkaleuchter in Silber und Silberfiligran, Becher für den Sabbath und die Beschneidung; die reizvollste und größte Abwechslung walltet aber in der Formung der Gewürzbüchsen, es

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