Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 5 (29.1.1932)
- Date
- 1932-01-29
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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QIF WAHRHP1T *M!ite 5 Städtische Veisichertinqsaitsfalf Direktion: Wien I., Tuchlauben Nr. S Telephon V2.7~5^40 Alle Versicherimaszwetae Literarische Sektion der Jugend-Union Dienstag, den 2. Februar, halb 9 Uhr abends, findet im Goidsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, ein AUTORENABEND des Romanschriftstellers Dr. LEOPOLD EHRLICH (Hichler) mit folgendem Programm statt: 1. Einleitende Worte: Redakteur Oskar Hirschfeld JL Leopold Hichler: „Lecho Daudi", Novelle Am Vorlesetisch: S. Taubes — Pause.— 3. Leopold Hichler: Aus dem Manuskript seines Romanos: „Heimweh nach Wien" Am Vorlesetisch: DER AUTOR Regiebeitrag: 50 Groschen, für Mitglieder der Jugend-Union 30 Groschen. Der Reinertrag fließt der Notstandsaktion der Wiener Kultusgemeinde („Winterhilfe") zu_ Vergnügungssektion der Jugend-Union Um das restlose Gelingen des Gründungsfestes der Jugend-Union zu sichern, veranstaltet die Leitung der Vergnügungssektion Sonntag, den 31. d. M„ 8 Uhr abends, tm Goldsaal des Cafe Silier, L, Schwedenplatz, einen geselligen Festkomitee-Abend mit Tanz. Jackson-Band. Gäste willkommen! UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN Bezirksorganisation Leopoldstadt Donnerstag, den 4. Februar, ^8 Uhr abends, spricht Kultusvorsteher Obermedizinalrat Dr. Heinrich HAASE über «Oberrabbiner Dr. Güdemanns Stellung zum Zionismus". In einer im Wintergarten des Hotel Continental, IL, PraterstraBe 1, stattfindenden ORTSGRUPPEN - VERSAMMLUNG. Aktuelle „Noblesse oblige". Eine Anregung. Von Rudolf Kraus. Eine größere Anzahl von Vereinen, welche in Ausübung ihrer Vereinszwecke auf die verschiedenste Weise Armen — jung und alt — Hilfe leisten, hat unter den Vorstandsmitgliedern oft alle Arten geistiger, kaufmännischer oder gewerblicher Berufe vertreten nnd unter diesen solche Persönlichkeiten, welche sich, um die Zwecke der Institution oder des Vereines zu fördern, bereit erklären, im Bedarfsfalle allerlei spezielle Arbeiten oder Anschaffungen zu besorgen. Wer unauffällig Beobachtungen anstellt kann bemerken, daß in Sitzungen Angestellte zeitweise die Gelegenheit benützen, einzelnen Damen oder Herren etwas einzuflüstern. Zu gelegener Zeit teilt dann ein Vorstandsmitglied mit, daß ihm vom Büro mitgeteilt wurde, der Verein benötige Neuanschaffungen von Papier für Briefe, Drucksorten, wie auch Einladungen für den vom Verein geplanten Vergnügungsabend — and schon erhebt sich der Vorsteher, der ein Buchdruckereibesitzer ist und schon öfter bereitwilligst diese Sachen geliefert hat, und stellt sich zur Verfügung, auch diesmal das Erforderliche zu besorgen. Eine Vorstandsdame, welche sich im Verein mit der Hauswirtschaft befaßt, berichtet, daß vielerlei für den Haushalt und die Küche nötig sei: Tücher, Geschirr, Bestecke u. dgl., und schon-ist der immer liebenswürdige Gönner des Vereines bereit, aus seinem Geschäftshause diese Lieferung zu übernehmen. Der Direktor meldet, daß bauliche Anschaffungen erforderlich seien, die Badeeinrichtung defekt, ein Kessel zu reparieren wäre und viele Fensterscheiben eingeschnitten werden müssen; der Vereinskassier ist aber nicht in der Lage, das hiezu notwendige Geld aufzubringen. Der Baumeister, der dem Vorstande angehört, ist in der Lage, infolge seines humanen Interesses und Wirkens durch sein Unternehmen diese Arbeiten ausführen zu lassen. Noch wären allerlei Bekleidungsgegenstände für die Vereinsschützlinge zu beschaffen, manche ärztliche oder zahnärztliche Behandlung nötig, rechtliche Angelegenheiten durch einen Anwalt zu ordnen und so mancherlei — für Sport, Vergnügen, Zerstreuung zu besorgen — so vieles, das aus den knappen Vereinsmitteln nicht angeschafft werden kann. Für all dies finden sich in manchem Vorstand solche Persönlichkeiten, welche durch ihren Berui in der Lage sind, zu helfen oder die Sachen zu beschaffen; sie erklären sich bereit, nicht im geringsten an Vorteil denkend, dies zu tun, scheuen weder Zeit, Mühe, noch eigene Spesen und nützen dadurch wesentlich, wiewohl ihre Dienstleistung und Hilfsbereitschaft oft nicht als Vereinsspende vermerkt wird. Der Verein hat den Vorteil — der Lieferant seine Auslagen. Es wäre aber am Platze, sich solchen freiwilligen Spendern in irgend einer Weise für diese Noblesse ihrer Gesinnung erkenntlich zu zeigen. Anläßlich einer Vorstandssitzung in einem Verein berichtete der Vorsitzende, daß ein Vorsteher dem Vereine sehr wertvolle nützliche Gegenstände, die einen ziemlichen Ankaufsbetrag benötigen würden, unentgeltlich gegeben hat. Dies brachte mich auf den Einfall, welcher der heutigen Notlage aller Vereine gemäß sicher aktuell ist Ich meine, daß solche spontane Hilfsbereitschaft einen Anlaß zu näherer kameradschaftlicher Zusammengehörigkeit bieten sollte. Das Vorstandsmitglied, welches, wie dargelest, dem Vereine oder dessen Schützlingen — ob Kinder oder Greise — sich freiwillig und uneigennützig zur Verfügung stellt, sollte in Anerkennung seines Wirkens ein Aequivalent finden, welches gleichsam zeigt, daß auch „Kollegialität verpflichtet". Es wäre damit eine Gelegenheit geboten, indem die Vorstandsmitglieder eines Vereines daran denken sollten, auch ihren Bedarf aller Art — privat oder geschäftlich — wenn auch nur teilweise bei solchen Vorstandskollegen zu decken, weil diese dem Verein in gutherziger Gesinnung mit beachtenswerten Ratschlägen, wertvollen Hilfeleistungen oder nützlichen Warenbeschaffungen viel Gutes geleistet oder in sonst einer Weise ihre Anhänglichkeit an die Institution erbracht haben. Die heutige schwere wirtschaftliche Not aller Betriebe gebietet solche Annäherung, welche notwendig wäre, um viele gewerbliche Arbeiten gerade in den Kreisen von Freunden und Bekannten zu fördern. Wenn diese Anregung verwirklicht würde, so könnte unter den Vorstandskollegen manch gegenseitige Freundschaft entstehen, welche nicht nur den Bedürftigen von Vorteil wäre, sondern auch das Interesse für den Verein wachhalten und heben würde. Infolge Raummangels entfiel in der vorliegenden Nummer die Fortsetzung des Festvortrages des Herrn Präsidenten Dr. J. Ornsteln über das „Toleranzpatent". Itzig — eine> wahre Hundegeschichte. Das alltägliche Einerlei unserer Landeinsamkeit erfuhr eine Abwechslung. Eine Dame mit zwei Hunden zog in unser Quartier ein. Wohlerzogen alle drei. Sie, die Höflichkeit, ja Freundlichkeit in Person, wartete bei jeder Begegnung nicht erst unseren Gruß ab, sondern, obwohl offenbar erheblich früheren Jahrgangs, nickte sie uns von weitem lächelnd zu. Die beiden Hunde hörte man kaum. Eines Tages nach Tisch, als wir, meine Freundin und ich. ferienselig am See Siesta halten, fährt meine Partnerin plötzlich aus ihrem Streckstuhl auf. „Hast du gehört?" Ich rapple mich aus meinem Duseln auf und höre mit meinen leiblichen Ohren: „Itzig! Itzig!" Der Ruf kam aus dem Zimmer, das unser neuer Gast bewohnte, und galt offenbar dem einen Hund, der auch sogleich unter das geöffnete Fenster lief, an dem jetzt — es war weder eine akustische noch eine optische Täuschung — die freundliche Dame sichtbar wurde! Diese Höflichkeit, obwohl sie doch offenbar wußte, daß wir nicht auf Hitler schwören, sollte sie geheuchelt oder Ironie sein? Also, wir grüßten sie nicht mehr. Um so artiger kam sie uns mit ihrem Gruß zuvor, den wir natürlich nicht unerwidert lassen konnten. Endlich bei Tisch faßte sich meine Freundin einen irischen Mut. Vom erhabenen Pfuhl hub sie an: „Ich finde es doch eigenartig, einen Hund .Itzig' zu nennen." Ganz harmlos und liebenswürdig kommt darauf die prompte Antwort: „Er heißt ja eigentlich nicht Itzig. Ischias, Rhcama, Oicht Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Flehten-, Koblensaurebäder, Diathermie Heifiluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8-6 Uhr Heilanstalt ..Itaermla" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Das ist nur eine Abkürzung. Sein Name ist genau Jtzig von Habsburg!' Ein feines Tier, hat einen Stammbaum und gefiel mir so. daß ich ihn sofort gekauft habe. Er ist aus der Zucht des Erzherzogs Max. Nun kann ich ihn doch nicht .Habsburg' rufen, und so rufe ich ihn einfach mit seinem Vornamen!" Allgemeine Entspannung, befreiendes Lachen. Wie doch ein armer Hund ganz unschuldig zu Mißverständnissen Anlaß geben kann...! G. VonWodie zu Worte Rosenwalds Testament. Das von dem verstorbenen großen jüdischen Philanthropen Julius Rosen wald hinterlassene Testament betrifft ein Vermögen von 20 Millionen Dollar, davon sind elf Millionen Dollar zur Fortführung der von Rosenwald geschaffenen Wohliahrtswerke bestimmt, während der Rest von neun Millionen Dollar unter die fünf Kinder za verteilen ist. Die palästinensischen Schulen noch immer geschlossen. Die Schulen der Jewish Agency in Palästina sind infolge des Lehrerstreiks immer noch geschlossen. Die Exekutive der Jewish Agency hielt gemeinsam mit Vertretern des Waad Leumi, der Histadruth, der Elternschaft und der Lehrerschaft eine Konferenz ab, in der versucht wurde, den Streitfall beizulegen, man fand aber bisher keine Lösung. Mord an einem Kolonisten in Balfouria. Am 16. Jänner um Mitternacht wurde in Balfouria im Emek Jezreel, der ersten Kolonie amerikanischer Zionisten in Palästina, der Kolonist Joseph Burstein vor der 1 ür seines Hauses, das ungefähr 50 Meter von der Straße Aiuieh— Nazaretlx entfernt gelegen ist, von unbekannten Tätern durch Schüsse in den Kopf getötet. Burstein hörte um Mitternacht ein Geräusch vor der Tür. Er stand auf und öffnete, in diesem Augenblick fiel ein Schuß und Burstein brach tödlich getroffen zusammen. Die Mörder versuchten dann, in ein Zimmer einzudringen, in dem der Sohn von Burstein schlief, sie wurden aber durch sich nähernde Stimmen verscheucht und ergriffen die Flucht, nachdem sie ein Bündel Kleider an der Mordstelle zurückgelassen hatten. Man fand eine nach Jenin führende Fußspur, die möglicherweise von den Mördern herrührt. Als der Täterschaft verdächtig wurden in der Nähe von Jenin sieben Araber verhaftet Man zweifelt nicht daran, daß es sich um einen Raubversuch handelt, wobei die Täter im letzten Augenblick aus Angst, erwischt zu werden, geflüchtet sind. Die Polizei zeigt sich eifrig bemüht, die Täter zu ermitteln. Im Emek herrscht über die Gewalttat tiefe Bestürzung. Die Bestattung Joseph Bursteins fand am 17. Jänner nachmittags unter sehr zahlreicher Beteiligung der Emek-Kolonisten statt. Die Bombenwürfe in Palästina. Der Präsident der Jüdischen Gemeinde Haifa, G. L e v i n, sprach beim DistriKtskommissar für Haifa, Keith Roach, vor, und gab ihm gegenüber der Besorgnis der jüdischen Bevölkerung im Hinblick auf die wiederholten Bombenanschläge Ausdruck. Er forderte eine sofortige energische Polizeiaktion. Der Distriktskommissar Keith Roach teilte die Ansicht Levins, aab es sich bei den Bombenwürfen in Haiia nicht um isolierte Fälle, sondern um planmäßige Akte einer obskuren Organisation handelt Keith Roach erklärte, die Polizei tue alles, was in ihren Krätten steht, um die für die anschlage Verantwortlichen zu eruieren. Man veriolge gewisse bpuren, aui die hinzuweisen es aber noch zu früh ist Keith Roach versicherte, daß er in dauerndem Kontakt mit der Polizei steht und den Verlauf der Angelegenheit persönlich überwacht