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Die Wahrheit · 1932-01-22 · Heft 4 (22.1.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 4 (22.1.1932)
Date
1932-01-22
Page
– (sequence 6)
Language
German
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«<>4te 6 DIE WAHRHEIT Veröffentlichungen der „Union *t Popper-Lynkeus9 offenes Bekenntnis zumJudentum. Anläßlich des 10. Todestages des berühmten Philosophen und Sozialethikers Josef Popper- Lynkeus hielt Rabbiner Dr. K. Kupfer am 14. d. M. auf Einladung der Bezirksorganisation 1II/XI der „Union" im Goldsaal des Cafe Silier einen fesselnden Vortrag, der von der zahlreich besuchten Versammlung mit starkem Interesse und großem Beifall aufgenommen wurde. Nach den herzlichen Begrüßungsworten des Obmannes der Bezirksorganisation, Herrn Ing. Hugo Koditsch ek, ergriff der Referent das Wort zu seinem eingehenden, quellenmäßig durchgearbeiteten Vortrag, aus dessen Inhalt wir folgendes entnehmen: Popper hat eine echt jüdische Kindheit im böhmischen Ghetto verlebt Er lernte Bibel und die Mischna kennen. Der Eindruck des Pentateuch, der prophetischen Bücher, des Kohelet und der Sprüche der Väter war unverwischbar und drückt seinem Leben einen unauslöschlichen Stempel auf. Ein christlicher Rezensent sagt über ihn: „Lynkeus besitzt das seit Jahrhunderten geschulte Denken des jüdischen Gehirns, die spinnwebfeine und dabei eisenstarke Dialektik und die innere geistige Disziplin alter Rabbiner." Er muß sehr schwer um sein Dasein kämpfen. Da er das Renegatentum verabscheute, blieb ihm jede Karriere verschlossen. Trotz des überragenden Wissens «ines Hochschullehrers konnte er nicht einmal Assistent oder Mittelschullehrer werden, während gleichzeitig die Wiener Akademie der Wissenschaften seine Schriften publizierte und als wissenschaftliche Glanzleistungen bezeichnete. Popper war ein großer Erfinder nnd ein halbes Leben verbrachte er mit den epochemachenden Erfindungen auf dem Gebiete der Physik, Maschinen- und Elektrotechnik, wie der Aerodynamik. Auch diese Arbeiten sichern ihm Unsterblichkeit Bei der Betrachtung des Nutzeffektes der Mechanisierung der Welt und bei der Ohnmachtserklärung der menschlichen Denkkraft gelangt er zu seiner eigenartigen Ethik, die in seinen unsterblichen Werken „Das Recht zu leben und die Pflicht zu sterben" und in der „Allgemeinen Nährpflicht" niedergelegt ist Die „Phantasien eines Realisten" sind ein gewaltiges Dichtwerk in Prosa. Sie waren nach ihrem Erscheinen in Oesterreich konfisziert worden. Als sein tiefstes Werk, den Höhepunkt seines Schaffens bezeichnet Dr. Kupfer das schöne Werk: „Das Individuum und die Bewertung menschlicher Existenzen". Poppers Argumente gegen den Antisemitismus, die er in seinem Werke über den Antisemitismus veröffentlicht hat sind die besten der Welt aber trotzdem hielt er nicht viel davon. Der Antisemitismus ist, seiner Ansicht nach, ein Trieb, eine Krankheit die man heilen, aber nicht widerlegen kann. Er legt den Juden die Pflicht auf, durch Selbstdirziplin und Geistesvorzüge sich dagegen zu wehren. Popper-Lynkeus ist der Verkündet der Nächstenliebe, des biblischen Ursatzes, im modernsten Gewände. Er predigt die Alltoleranz in Dingen der Religion und der Nation. Seine Ideen, da sie keiner politischen Partei huldigten, wurden oft angegriffen, aber sie gehören der Zukunft und sind die befriedigende Lösung der quälendsten wirtschaftlichen und politischen Fragen. Popper-Lynkeus ist schließlich durch sein Leben, das mit seinen Lehren vollkommen übereinstimmte, der größte Bekämpfer des verwerflichen Gedankens des Austrittes, des Abfalles vom Judentum, da ein freies Denken ein treues Verharren im Judentum nicht hindert Popper liebte sein Judentum, dessen Ethik er in sich verkörperte, und außerdem liebte er es so, wie man eine eigene Familie liebt Seine unvergänglichen Worte können nicht oft genug zitiert werden: „Ich bin in das Judentum hineingeboren und besitze daher eine intimere Kenntnis seiner eigentümlichen Natur und Kultur, gerade so wie man sich für seine eigene Familie ganz besonders interessiert wiewohl man alle anderen Familien ebenfalls achtet" Der Vortragende schloß sein ausgezeichnetes Referat mit den Worten: „Popper war von der ewigen Wahrheitsquelle des Judentums überzeugt und durchdrungen, und da er auch das Judentum heiß und inbrünstig liebte, bleibt er so unser unvergängliches Vorbild." In dem gediegenen Vortrage hatten insbesondere die Ausführungen des Referenten über die Ansichten des großen Denkers Popper-Lynkeus bezüglich des Antisemitismus Interesse gefunden. Die folgende Debatte befaßte sich denn auch hauptsächlich mit dieser Frage und dem Problem der Bekämpfung des Judenhasses. Selbstverständlich rückte in den Mittelpunkt die jetzt besonders notwendige Abwehrarbeit der „Union", über die die Herren Kommerzialrat Gustav Stössler, Dr. Julius Grünwald und Ing. Hugo Koditschek interessant sprachen. UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN Bezirksorganisation Leopoldsiadt Die Lage der Jaden in Wien Darüber spricht Dr. Ernst Feldsberg in einer am Montag, den 25. d. M., um 'AS Uhr abends, in der Milchhalle K. Deutsch, IL, lierminengasse 10, stattfindenden Sprengelversammlung. Nur Eingeladene haben Zutritt. UNION ÖSTERREICHISCHER JUDEN Bezirksorganisarion III/XL Mittwoch, den 27. Jänner, H8 Uhr abends, im Cafe Lovrana, III., Löwengasse 36, BEZIRKS-VERSAMMLUNG Tagesordnung: „Der Wirtschaftsantisemitismus und die Not des jüdischen Mittelstandes." Referent: Dr. Max Lenk. Korreferent: Rabbiner Prof. Dr. K. Kupier. Veranstaltungen der Jugend-Union. Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, I., Schweden- _platz.__ Kulrurell-politische Sektion. Dienstag, den 26. Jänner, M9 Uhr abends, spricht Rabbiner Prof. Dr. B. Murmelstein über „Das Bankwesen in talmudischer Zeit". Gäste herzlichst willkommen! Literarische Sektion der Jugend-Union Dienstag, den 2. Februar, halb 9 Uhr abends, findet im Goldsaal des Cafe Silier, L, Schwedenplatz, ein AUTORENABEND des Romanschriftstellers Dr. LEOPOLD^ EHRLICH (Hichler) mit folgendem Programm statt: 1. Einleitende Worte: Redakteur Oskar Hirsch fei d 2. Leopold Hichler: „Lecho Daudi", Novelle Am Vorlesetisch: S. Taubes Pause. 3. Leopold Hichler: Aus dem Manuskript seines Romanes: „Heimweh nach Wien" DER AUTOR nggienlsdics Königlich! Seit vielenjahren das anerkannt beste EezißtietundverbrritßtDieWahrbeit! M^TTDtM Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Könlgslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Uflen XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R o3-I-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt GROSSFLEISCHHAUEREI S1EGM. KORNMEHL «■■■■MBMmaBanHMBB WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99and A 16-9-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenfürKoscherfleisch uutap Jlufsioht das ehna. Rabbinates dar Isp. Kultuagemeinde Wan. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen VonWo&e xuWothe Lehrerstreik in Palästina. Die Lehrerschaft an den hebräischen Schulen der Jewish Agency in Palästina — das sind 700 Lehrer! — trat am 14. Jänner in den Streik zwecks Durchsetzung der folgenden Forderungen, die sie an die Exekutive der Jewish Agency stellt: 1. Abschluß von Verträgen mit den Lehrern für das laufende Jahr bei gleichzeitiger Uebernahme der Garantie für Zahlung der Gehälter in 11 Monaten dieses Jahres; 2. Ausstellung von Sola- Wechseln an die Lehrer über den Betrag eines Viermonategehaltes, den die Jewish Agency den Lehrern aus dem vergangenen Jahre noch schuldet. Die Exekutive der Jewish Agency hat den Streikenden zugestanden, mit ihnen die Kontrakte für das laufende Jahr zu schließen und die Zahlung eines elfmonatigen Gehaltes in diesem Jahre zu garantleren, wünscht aber, daß die Frage der alten Schuld auf einen späteren Zeitpunkt verschoben wird. Das Zentralkomitee des Lehrerverbandes berät gegenwärtig über das Angebot der Agency-Exekutive. Die Bombenanschläge in Palästina. Nachdem im Verlauf der letzten Wochen an drei verschiedenen Stellen des Landes je eine Bombe explodierte, wurde am 14. Jänner im griechisch-katholischen Viertel von Haifa in der Nähe des Karmel-Bahnhofs eine Bombe geschleudert, die explodierte, aber ebenfalls keinerlei Schaden anrichtete. Für eine christlich-jüdische Gemeinschaftsfront. Im Jännerheft der von der Frankfurter Rabbiner-Hirsch-Gesellschaft herausgegebenen Zeitschrift „N a c h 1 a t h Z'w i" ergreift Obermedizinalrat Dr. I. Weigl, Verfasser des Buches „Das Judentum", ein strenggläubiger Katholik, das Wort für eine Zusammenarbeit zwischen Christen und Juden zur Bekämpfung der Gottlosenbewegung. Der Verfasser brandmarkt die mit antisemitischen Gedankengängen genährte Antischächtbewegung und schreibt, die Tierliebe mancher Personen wurde von Judenfeinden seit Jahren bis ins Sentimentale hochgezüchtet, damit danach in Versammlungen der Vorstoß gegen das Schächten erfolgen konnte, damit die jüdischen Mitbürger an einer empfindlichen Stelle, nämlich an der religionsgesetzlichen Fleischversorgung, getroffen werden sollten. Dr. Weigl fordert Aufklärung und Abwehr zur Bekämpfung^ des Antisemitsmus und schreibt zum Schluß: „Was heute ganz besonders nottut, ist die Bildung einer Gemeinschaftsfront der bewußten Angehörigen aller christlichen und des jüdischen Bekenntnisses gegen die Gottlosenbewegung und das Freidenkertum jeder Gestalt. ... Das große Einigende, das seit dem Ereignis am Sinai über die Menschheit leuchtet, ist die Offenbarung des Ewigen und sein heiliges Gesetz." Der Großrabbiner von Jugoslawien zum Senator ernannt. Durch einen königlichen Ukas wurde Dr. Isaak (ben Abraham) Alkalay, Großrabbiner von Jugoslawien, zum Mitglied (Virilistenj) des neuen jugoslawischen Senats ernannt. Dr. Isaak Alkalay ist der einzige jüdische Vertreter im jugoslawischen Parlament. Er ist einer der Begründer des jugoslawischen Rabbinerverbandes, der einmal im Jahre m Belgrad tagt und ein Jahrbuch „Jevreiski Almanach" mit wissenschaftlichen Beiträgen herausgibt.

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