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Die Wahrheit · 1932-01-22 · Heft 4 (22.1.1932) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 4 (22.1.1932)
Date
1932-01-22
Page
– (sequence 4)
Language
German
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JUGEND^UNION Jugendgrappe «ler Union ösleweidMscherJuden Samstag, den 13. Februar 1932, 9 Uhr abends, im Großen Saale des Volksgartens anläßlich des Gründungsfestes der Jugend-Union KünstieivAkademie mit Tanz Es wirken u. a. mit Anton Arnold, Staatsoper Walter Landauer, Radio Wien Richard Eybner, Burgtheater Dario Medina, Radio Wien Else Kaufmann Josefine Stransky Fritz Wiesenthal Conference: Erwin Engel Erstklassige Jazzmusik The Canada Band Eintritt: im Vorverkauf S 3.—, an der Abendkassa S 4.— Vorverkauf: Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Telephon A 19-2-77; „Die Wahrheit1', IL, Heinestraße 13, Telephon R 46-2-16; Zahnatelier Nat Josefinengasse 4, Telephon R 44-7-88, sowie bei allen Komiteemitgliedern. Karten im Redaktion KoKler, 11., weil man verhindern wollte, daß etwa ein Ueberlebender noch Aussagen mache. Tzichinowski hielt man für tot, sonst hätte man ihm auf der Stelle den Rest gegeben. Die Erregung über die sechsfache Mordtat in der Stadt Soroca selbst ist so ungeheuer, daß der Belagerungszustand über die Stadt verhängt worden ist. Das Begräbnis der sechs Opfer gestaltete sich zu einer erschütternden Trauerkundgebung der Judenschaft von Soroca und Umgebung. Zehntausende schritten hinter den Särgen. Während der Trauerfeier und der Bestattung waren alle Geschäfte der Stadt geschlossen. Der Militärkommandant, General Marcovoci, verlangte vom Ortsrabbiner von Soroca, Rabbi Sisser, die Garantie dafür, daß während der Bestattung die Ruhe aufrecht erhalten bleibt. Der Rabbiner lehnte eine solche Garantie ab. Es kam jedoch zu keinerlei Ruhestörung. König Carol hat den Gouverneur von Bessarabien, General Rischcanu zur Berichterstattung über den Fall zu sich befohlen. ■••■••••■•••••*• ••■»-»» DieJudengesetzgebungderKaiserin Maria Theresia und das Toleranzpatent Kaiser Josef II. Festrede des Präsidenten Dr. Jakob Ornstein. 15U Jahre sind seit der Erlassung des die Rechtsverhältnisse der Juden auf völlig neue Grundlagen stellenden Toleranzpatents Kaiser Josef II. vom 2. Jänner 1782 verflossen. Dieses Patent, das zu solch historischer Berühmtheit gelangt ist, wie selten ein Gesetzesakt, dem mehrmonatige Verhandlungen vorausgingen, wurde von den Juden der damaligen Zeit sehnsüchtigst erwartet und mit Jubel begrüßt Lob, Anerkennung und Bewunderung hefteten sich an den Namen seines Schöpfers, des unvergeßlichen Josef II. Und wir fragen uns zuerst: haben wir Epigonen auch heute noch Anlaß, die Erinnerung an dieses denkwürdige Patent festesfreudig zu begehen? Die Protestanten Wiens haben am 13. Oktober 1931 das 150jährige Jubiläum des für sie bestimmten Toleranzpatents durch eine solenne und würdige Feier in ihrer Kirche begangen. Und dies mit gutem Grund. Denn der Festredner des damaligen Abends. Prof. Dr. V ö I k e r, konnte dieses protestantische Toleranzpatent als „das Ende des Druckes und den Anfang der Freiheit gleichen Rechtes" bezeichnen. Nicht dieselbe Bedeutung kommt dem Judentoleranzpatent zu. AHein wir müssen mit tiefer Dankbarkeit anerkennen, daß es unsere Vorfahren aus dem physischen, und was noch höher wertet, aus dem geistigen Ghetto befreit hat daß es ihnen das Rüstzeug und die Mittel an die Hand gegeben hat die es ihnen ermöglichten, sich als gleichwertige Partner in die Zivilisation Europas einzureihen und diese durch ihre eigene Geistestätigkeit zu bereichem, zu vertiefen und auszuhauen. Und darum ziemt es uns wohl, diesem Patent eine Feierstunde zu widmen. Wenn wir die Bedeutung dieses Patents voll und klar erfassen wollen, müssen wir uns zurückversetzen in die Jahrzehnte, die seiner Schöpfung vorausgingen. Ich will das Leben und die Leiden unserer Vorfahren schildern, Leben und Leiden waren ja für uns Juden durch viele Jahrhunderte synonyme Begriffe. Ich will die Gesetzgebung schildern, unter der damals die Juden seufzten und schmachteten, und dann werden wir die gewaltigen Unterschiede zwischen dieser Gesetzgebung und dem Toleranzpatent erkennen und uns der großen Bedeutung dieses Patentes für die Entwicklung des Judentums der damaligen Zeit die weit und weit bis in die letzten Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts hineinreicht, bewußt werden. Es läge die Versuchung nahe, unseren Ausgangspunkt von den grausamen Verbrechen der letzten gänzlichen Judenaustreibung aus Wien vom Jahre 1670 zu nehmen, als Bürgermeister und Rat der Stadt Wien am 25. Juli 1670 jubelnd verkündeten, daß die gottlose Judenschaft von hier und aus dem ganzen Lande auf ewig ausgeschafft werde, und daß „zu ewigen Zeiten einiger Jud weder in dieses Land, noch weniger in gemeiner Stadt Burgfried zu handeln, zu wohnen und sich haushablich niederzulassen ist" Allein der heutige Abend würde für einen so gearteten Vortrag nicht reichen und so wollen wir uns auf die Regierungszeit Maria Theresias beschränken, als der Regierungsvorgängerin und Mutter Josef II., die sein Denken, Fühlen und Wollen gewiß ganz bedeutsam beeinflußt hat ' Der Kaiserin Maria' Theresia werden von der Geschichte große staatsmännische Eigenschaften nachgerühmt und sie hat sie auch als Schöpferin des Einheitsstaates und in ihren vieljährigeu wiederholten Kämpfen, in ihrem entschlossenen mutigen Streite gegen das Genie des großen Preußenkönigs Friedrich II. voll bewährt Aber in ihrem Verhältnis zu ihren jüdischen Untertanen erwies sie sich als eine konfessionell beschränkte, eifervolle und unduldsame Regentin, erfüllt, wie Professor Prlbram in der Einleitung zu seinem von der historischen Kommission der Wiener Kultusgemeinde herausgegebenen Werke „Urkunden und Akten zur Geschichte der Juden in Wien" bemerkt, von Haß und Verachtung gegen die Angehörigen des fremden Volkes. Dieses Streben nach Bedrückung und Unterdrückung der Juden, diese Verfolgungssucht durchzieht ihre ganze überreiche Judengesetzgebung und sie tritt nahezu programmatisch hervor in der Einleitung zu der ersten sogenannten Judenordnung vom 16. August 1753. Sie bezeichnet nämlich diese Judenordnung als eine Zusammenfassung aller auf die Juden bezughabenden Gesetze und erklärt von den sogenannten heilsamen Ausmetzungen Kaiser Ferdinands I.. der zu wiederholten Malen Judenausweisungen in seinen Ländern verfügt hat ausgehen zu wollen. Noch bezeichnender für diese ihre Gesinnung erscheint es, daß Kaiserin Maria Theresia das Jahr in dieser Einleitung bezeichnet, in welchem „diese Ausmetzungen ihren Anfang genommen haben", es ist dies das Jahr 1551, in welchem Kaiser Ferdinand die Schmach des gelben Fleckes über „die Jüdischheit" verhängte. (1. August 1551.) Aber auch Kaiserin Maria Theresia scheint die „öffentliche Kundmachung ihres Gesetzgebungswerkes" einige Besorgnis eingeflößt zu haben, denn sie befürchtet daß die Kundmachung „beim letzten Pöbel eine unanständige Lebhaftigkeit wider die Judenschaft verursachen dürfte", wenn dieser Pöbel wahrnehmen würde, wie die Herabwürdigung und Entrechtung der Juden von der obersten Spitze des Staates gefördert wird; deshalb will sie diese Kundmachung auf „die hiesige Jüdenschaft" und auf zwei namentlich benannte Behörden beschränken. (Fortsetzung folgt) ■fte* stfztfen I.« für die heule stattfindende ZlelamMntf der großen WOHLFAHRTSLOTTERIE der Barmherzigen Brüder und des Roten Kreuzes Banpfireller: ein Aflfo oder ein Weekendhans Zu haben In «Hm Tmflk»n isdiias, Rheuma, Gidil Utägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango , Schlammpackungen, Moor-, Schwe« fei-» Sool-, Fichten-, KoblensBurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden tfiglich von 8-6 Uhr HellanstaU „Thermia" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-87 Leiter: Dr. Wolf Somer Friedhofschändung. Sie sind wie eure Toten allem Sein entrückt. Nur leise überhaucht der Wind die stillen Stätten, Darin sie schlafen frei von ird'schen Ketten, Die sie im Leben oft geschmerzt, bedrückt. Wenn je ein Anblick Ehrfurcht uns gebeut, So ist's tier Garten dieser vielen Toten. Und selbst die sonst Verstockten und Verrohten Erfassen hier das Wort „Vergänglichkeit". Und nun dies Werk von schnöder Bubenhand. Zerbroch'ne Tafeln und gestürzte Steine, Zerwühlte Gräber, rings verstreut Gebeine. Schmachvolle Tat in deutschem Land Gerichtet seid ihr; o du stolzer Ruhm, Wehrloser Frieden zu bekriegen, Die hier gebettet sanft zum Schlummer liegen. Ihr aber nennt das Ganze „Heldentum". Freut euch, wenn euer feiges Werk gedeiht. Ihr trefft die Hüllen nur die leeren. Dem Jenseitsflug könnt ihr nicht wehren Der Seelen, die hinüberzieh'n zur Ewigkeit. Beate Baumgarten. Jugend, zurück zur Synagoge! Ein Großteil der jüdischen Jugend von heute steht dem' Gottesiiause fern.'' Neben der allgemeinen areligiösen Stimmung der Gegenwart bewirken diese Einstellung bei der jüdischen Jugend vor allem die Tendenzen des nationalen Judentums. In konsequenter Weise wurde vom politischen Zionismus die Loslösung vom Religiösen gefördert und gar bald tauchte das Schlagwort von der Verweltlichung des Judentums auf. Das Versammlungslokal wurde für die Zionisten der ausschließliche Schauplatz des jüdischen Lebens, dessen Inhalt das Katz- und Mausspiel Englands mit den Juden ausmachte. Der Aufbau Palästinas wurde In diesen Kreisen zum jüdischen Heiligtum, eine Idee? deren Romantik die Jugend gar leicht erlag. Es fiel den Zionisten gar nicht ein, daß ohne Religion die leidensvolle Geschichte der Juden sinnlos und die Weiterexistenz in der Zukunft zwecklos wäre. In dem Maße nun, als der Zusammenbruch des Zionismus klar wurde, mußte die Ernüchterung in den zionistischen Köpfen eintreten. Im besonderen Maße muß die zionistische Jugend inne werden, daß für sie bisnun der Aufbau Palästinas gleich Judentum war. Einem Gebote der Stunde Folge leistend, faßte der verehrte Vizepräsident der „Union" und Obmann der Schulkommission der Israelitischen Kultusgemeinde, Dr. T i c h o, den Plan, den Versuch zu unternehmen, die reifere Jugend in die Synagoge zurückzuführen, vor allem gestützt auf die Erfahrungen mit der „Jugend-Union", die in der kurzen Zeit ihres Bestehens ohne politisches „Schlagwort" viele Jugendliche vereinigt hat, die an wahrem Judentum interessiert sind. In zwei Besprechungen wurde dieser Plan erörtert. Am erfreulichsten wirkte die Erklärung des Vertreters eines zionistischen Jugendbundes, der die Uninteressiertheit seiner Kameraden am Religiösen bedauerte und diese treuherzig mit oberflächlichem Denken entschuldigte. Es war für alle Teilnehmer dieser Besprechung von allem Anfang klar, daß der Jugend, die dem Tempel fernsteht, kein Gottesdienst mit Predigt in landläufigem Sinne geboten werden dürfte. Es wurde die Form der Tempelfeier beschlossen, wie sie in Berlin sehr häufig ist, wo auf neutralem Hoden, in der weihevollen Stimmimg der Syn-

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