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Die Wahrheit · 1932-01-15 · Heft 3 (15.1.1932) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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«ehe 6 DIE WAHRHEIT UNION ÖSTERREICHISCHERN JUDEN Bezirksorganisation Leopoldstadt nie Not des jfldlsdien nitlelsfandes Darüber spricht Dr. Lenk in einer am Montag, den 18. d. M., um halb 8 Uhr abends im Restaurant A. Barschak, II- Große Schiffgasse 3 stattfindenden Versammlung. Nur Eingeladene haben Zutritt VonWodke znWoehe Bombenwürfe in Palästina. Die palästinensische Polizei .ist mit der Fahndung nach den Urhebern von drei Bombenwürfen beschäftigt Eine Bombe wurde in eine Kolonie der deutschen Guttempler, eine zweite in eine Arbeiterhütte in Jad Jur in der Nähe von Haifa, dem Schauplatz des verlustreichen Ueberfalls auf jüdische Arbeiter während der Pessachzeit des letzten Jahres, die dritte in die Haifaer jüdische Vorstadt Hadar Hakarmel geworfen. Tote sind nicht zu beklagen, der angerichtete Schaden ist gering. Juden auf der britischen Ehrenliste. Die am 1. Jänner in der „London Gazette" erschienene britische Ehrenliste bringt Nachricht über die Verleihung von insgesamt drei neuen Baronet-Titeln, von denen zwei den beiden jüdischen Parlamentsmitgliedern Percy Alfred Harris (liberal, früherer Vizevorsitzender des Londoner County Council) und Arthur Michael Samuel (konservativ, früherer Parlamentssekretär beim Departement für Ueberseehandel und Finanzsekretär beim Schatzamt) verliehen wurden. Die Stadt Budapest für die jüdischen Notleidenden. Außer der Verteilung von Lebensmitteln. Kleidern und Heizmaterial verabreicht die Stadtverwaltung von Budapest in 98 Volksküchen "täglich an 50.000 Personen je eine Mittagsmahlzeit unentgeltlich. Anschließend an diese hauptstädtische Notstandsaktion schuf der Präsident der Pester Israelitischen Kultusgemeinde Hofrat Samuel Stern auf Anregung des früheren Stadtrates Desider Korein eine jüdisch-soziale Zentralkommission, an deren Spitze der Gemeindevorsteher Dr. Emffl Zahler steht Desider Koreün vertritt die Kommission gegenüber der hauptstädtischen Behörde. Seine Bemühungen hatten großen Erfolg, indem Oberbürgermeister Dr. Franz Ripka und Vizebürgermeister Andreas Liber die Vorschläge betreffend rituelle Verköstigung notleidender Juden akzeptierten. Der Oberbürgermeister stimmte der Aufstellung von 15 rituellen Speisehäusern zu. die auf Kosten der Stadt täglich an 3000 jüdische Erwachsene und 12.000 Schulkinder je ein Mittagsmahl unentgeltlich verabfolgen. Die durch die rituelle Versorgung entstehende Spesendifferenz tragen die Kultusgemeinden. — Diese rühmenswerte Haltung der Budapester Stadtbehörde gegenüber den berechtigten Ansprüchen der notleidenden jüdischen Bevölkerung sollte den Führern der übrigen Weltstädte als leuchtendes Beispiel dienen. New York. Das Metropolitan Museum of Art in New York teilt mit daß der am 7. April 1930 verstorbene Colonel Michael Friedsam, Leiter des berühmten Altmann-Warenhauses in New York, dem Museum eine Kunstsammlung im Werte von rund zehn Millionen Dollar testamentarisch vermacht hat und daß das Museum diese wertvolle Sammlung seinen Beständen «inverleibt Die Sammlung besteht aus 135 Gemälden «nd Skulpturen meist alter Meister und 200 anderen wertvollen Kunstgegenständen. Die Friedsam-Sammlung wird dem Wunsche des Verblichenen gemäß als eine Sondersammlung bestehen und im November 1932 zur öffentlichen Besichtigung freigegeben werden. Colonel Michael Friedsam führte ein zurückgezogenes Leben und widmete sich fast ausschließlich der Leitung 4e$ von seinem Onkel B. Alt man begründeten großen Warenhauses. Daneben hatte er ein starkes Interesse für das Kunstleben und war Direktor einer Anzahl Kunstmuseen und Akademien. Er betätigte sich auch im jüdischen sozialen Leben, war Vorsitzender des Komitees der „Million Dollar Days". des Verbandes zur Unterstützung der jüdischen Wohlfahrtsgesellschaften in New York und förderte finanziell das Werk der Jüdischen Erziehungsgesellschaft JVaßenfeeira amWewfr Der Hamburger jüdische Friedhof geschändet. In der Nacht zum 5. Jänner ist auf dem israelitischen Friedhof in der Rentzelstraße zu Hamburg eine schwere Grabschändung ♦erfibt worden. Ein Ordnungspolizist konnte einen UNION OESTERREICfflSCHER JUDEN Ueber das, zumal für uns Juden hochinteressante Thema: „Spengler osd die HulfiiPn-pise der Begenwart" spricht Prof. Dr. Richard K o r n in einer am Donnerstag, den 21. Januar, 8 Uhr abends im Goldsaal des Cafe Silier, I., Schwedenplatz, stattfindenden Versammlung der „Volon" Es handelt sich um ein Problem, das mit dem Schicksal der heranwachsenden Jugend aufs innigste verknüpft ist. 28jährigen Heizungsmonteur und einen 25jährigen Motorenschlosser, die beide Mitglieder der Nationalsozialistischen Partei sind, festnehmen, als diese eben über die Mauer des Friedhofs kletterten. Die beiden Festgenommenen hatten sich schon am 6. d. M. vor dem Schnellgericht zu verantworten. Sie gaben an, in betrunkenem Zustand über die Friedhofsmauer geklettert zu sein, „um den Weg abzukürzen". Die zehn großen Grabsteine, die sie vom Sockel gestürzt haben, sind nach ihren Angaben „umgegefall en, als sie in der Dunkelheit versehentlich daran stießen". Die beiden Täter, der 28iährige Ludwig Krautsdorier und der 25jährige Franz von Jordan, Sohn eines amtierenden Ministerialrats im Reichsfinanzministerium, gaben an, sie sympathisieren nur mit der nationalsozialistischen Partei, gehören ihr aber nicht an. Das Gericht verurteilte nach längerer Beratung Krautsdorfer zu neun, von Jordan zu sechs Monaten Gefängnis. Die Täter haben in der einen Reihe fünf schwere Grabsteine umgelegt, darunter das Grabdenkmal des Predigers des Israelitischen Tempelverbandes Dr. Salomon. Bei einem dieser Denkmäler wurde das eiserne Gitter vollständig weggerissen und der Granitsockel des Denkmals heruntergeworfen, so daß kaum anzunehmen ist, daß die beiden ertappten Täter allein am Werke gewesen sind. In einer anderen Reihe wurden fünf Kindergrabsteine umgeworfen und weitere Grabsteui^<4urch,:Sterowürfe beschädigt. ■ Ein fester Pakt zwischen Hitler und Cuza? Die Kischineffer jiddische Tageszeitung „Unser Zeit" will aus verläßlicher Quelle erfahren haben, daß anläßlich der Anwesenheit des Hitler- Delegierten Karl Motz in Bukarest zwischen diesem und führenden Persönlichkeiten der „Liga für national-christliche Verteidigung" eine feste Abmachung betreffend eine enge Kooperation zwischen deutschen Nationalsozialisten und rumänischen Cuzisten getroffen wurde. Auf Grund einer längeren Beratung sei ein 16 Punkte enthaltendes Protokoll verfaßt worden, in dem u. a. die Unverletzlichkeit der rumänischen Westgrenzen garantiert wird. Dieses Protokoll wurde namens der „Liga für national-christliche Verteidigung" von sechs angesehenen cuzistischen Führern unterzeichnet. »Die polnische Regierung verurteilt entschieden . . Auf eine Interpellation des Vorsitzenden des Jüdischen Parlamentsklubs Abg. J. Grünbaum betreffend die Ausschreitungen gegen die jüdischen Studenten an den polnischen Hochschulen erteilte der polnische Unterrichtsminister auch im Namen des Innenministers die folgende Antwort: Die Regierung Polens verurteilt entschieden die Exzesse gegen die Juden. Dank des energischen Einschreitens der Universitätsbehörden wurden die Unruhen liquidiert Die Propaganda für die Exzesse war durch unverantwortliche Faktoren von außen in die Universität hineingetragen; dieser Umstand erschwerte die Untersuchung und die Liquidation der Geschehnisse. Dank der energischen Haltung der Universitäts- und Schulbehörden, sowie der Sicherheitsbehörde konnten 425 Studenten und Schüler verhaftet werden, von denen 100 der Staatsanwaltschaft überstellt wurden. Unter den Angeklagten befinden sich einige Juden. Gegen alle Verhafteten würde ein Disziplinarverfahren eingeleitet Viele Studenten und Schüler wurden aus den Hoch- und Mittelschulen entfernt. Die Sicherheitsbehörde stand auf der Höhe ihrer Aufgabe. Gegen diejenigen Polizei- ~lk GROSSFLEISCHHAUEREI fllGM, KORNMEHL UnMIHMVHNMHHi^^^i^HBHVIHB WIEN IX.j BEROOASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., WAHRINOERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 164-34 Usteraat für HallanstalteB AbteilungenffirKoscherfleisch aatar Aufsicht das ahm*. Rabslnatas dar Ist*. Kultuaoatn*inda Was. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich; Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen b e a m t e n, die ihre Pflicht vernachlässigt haben, wurde eine Untersuchung eingeleitet. Ich bin überzeugt, schloß der Minister, daß solche beklagenswerte und unzulässige Ausschreitungen sich nicht mehr wiederholen werden (?), und stelle fest, daß, wenn infolge erneuter Hetze ähnliche Ausschreitungen wieder vorkommen sollten, ich alle Mittel zum Schutz der Bürger ohne Unterschied von Religion und Nationalität ergreifen werde, so daß jeder seinem Studium ohne Störung wird obliegen, können. Polnische Jugendbildner. Der judische Parlamentsklub sandte ein Schreiben an den Unterrichtsminister, in welchem auf das Martyrium jüdischer Schüler in polnischen Volksschulen und insbesondere auf die Lage in der staatlichen Volksschule des Städtchens Baranow hingewiesen wird, wo der Schulleiter Kryk auf dem Kopfhaar eines jüdischen Schülers mit der Schere ein Kreuz ausgeschnitten hat. Auf diese Weise lieferte er den Schüler dem Spott seiner Kameraden aus. Der jüdische Parlamentsklub ersuchte den Minister, gegen solche moralische Perversitäten an den polnischen Schulen einzuschreiten. Dem Brief war eine Photographie des jüdischen Schülers, auf der das Kreüz im Kopfhaar deutlich zu sehen ist, sowie andere Dokumente beigelegt Kein Mittel ist ihnen zu schlecht. Das Präsidium der antisemitischen Studentenorganisation Ungarns wird wegen einer Dokumentenfälschung. die zu antisemitischen Hetzzwecken vorgenommen wurde, zur gerichtlichen Verantwortung: gezogen. Die Vorgeschichte ist folgende: Vor einiger Zeit wurden in den ungarischen Städten antistaatliche Aufrufe verbreitet, die die Unterschrift trugen r •.Verband kommunistischer jüdischer H och schul er". Die Polizei, die der Angelegenheit nachging, stellte fest, daß ein kommunistischjüdischer Studentenverband nicht existiert und daß dcb Aufrufe von der antisemitischen Studentenorganisation in Ungarn herrühren. Die Polizei nahm die Führer dieser Organisation ins Verhör, und diese gestanden, daß sie (nach dem bewährtem Muster Windischgrätz) zu „patriotische» Zwecken", nämlich um die jüdischen Studenten als staatsfeindlich zu diskreditieren, den Aufruf mit kommunistischem Inhalt verfaßt haben und verbreiten Beßen. Gegen die Fälscher wird wahrscheinlich die Klagewegen Fälschung. Betrug und Aufreizung der Konfessionen gegeneinander erhoben werden. „Rache für den Kurlürstendamm." Am 4. Oktober 1931 überfiel der 19jShiige Nationalsozialist Griesche gemeinschaftlich mit einem unermittelten Täter in Meseritz ohne jeden Anlaß den 26jährigen jüdischen Kaufmann Riesenburg. Die Hitler-Leute beschimpften Riesenburg und riefen ihm zu: „Euretwegen haben unsere Kameraden in Berlin zwei Jahre für den Kurfürstendamm bekommen, heutemachen wir dich fertig und bekommen gar nichts!" Nach diesen Worten zog Griesche seine Jacke aus und stürzte sich auf Riesenburg. Er und sein Kamerad schlugen Riesenburg nieder und hieben mit der Faust und mit dem Riesenburg entrissenen Stock auf den am Boden Liegenden ein und traten ihn dann mit Füßen. Riesenburg erlitt einen sehr schweren und komplizierten Beinbruch, der ihn drei Monate ans Krankenbett fesselte. Vor Gericht konnte Griesche eine Erklärung für seine brutale Tat nicht geben undT wollte auch seine Mittäter nicht nennen. Sein Verteidiger erklärte die Tat damit daß Riesenburg „Angehöriger jener Rasse sei, der der Erfinder der Klassenkampf- und Klassenhaß-Theorie Mardochai oder Mordochai entstamme" (gemeint war Marx). Obwohl der Vertreter des Nebenklägers Riesenburg. Rechtsanwalt Dr. Reichmann-Berlin, ebenso wie der Staatsanwalt ausführlich nachwiesen, daß hier der Schulfall einer gefährlichen Körperverletzung verwirklicht sei, verurteilte das Gericht Griesche nur wegen einfacher Körperverletzung und Beleidigung zu zwei Monaten und einer Woche Gefängnis.

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