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Die Wahrheit · 1932-01-15 · Heft 3 (15.1.1932) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 3 (15.1.1932)
Date
1932-01-15
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Pffi WAHRHEIT Safte? Gemeinde ~ Thronitz Zw Nachahmung empfohlen. In allen Wiener Bezirken herrscht jüdische Not, insbesondere in jenen Bezirken, die auch in normalen Zeiten zu den sogenannten „proletarischen" zählten. Dies gilt vornehmlich für den X. Wiener Gemeindebezirk, in dem das jüdische Elend immer ärger wird. Ihm zu steuern, haben sich einige hochherzige Glaubensgenossen in diesem Bezirke zusammengetan, um den Aermsten der Armen wenigstens in dieser furchtbaren Zeit des Winters Nahrung zu geben. Am 6. d. M. hat die Eröffnung der Ausspeisung, X., Van der Nüllgässe 40, stattgefunden. In Vertretung der Kultusgemeinde war Amtsvorstand Emil Engel erschienen, sämtliche jüdische Vereine Favoritens hatten Abordnungen entsandt, u. a. war auch Rabbiner Dr. Albert W e i n e r mit seiner Gattin anwesend. Schon bei der ersten Ausspeisung wurden über 200 Personen verköstigt, die Zahl der Petenten ist seit damals womöglich noch gestiegen und dennoch vermag die neugeschaffene Institution allen Anforderungen gerecht zu werden. Dies ist vor allem das hervorragende Verdienste des Obmannes der Fürsorgekommission für den IV., V. und X. Bezirk. Herrn Alfred T o n e 11 e s und seiner edlen Gattin Tini, die in Gemeinschaft mit Frau Oberkantor Schlesinger die Leitung der Ausspeisung übernommen und für ihre Einrichtung und Ausgestaltung sich werktätig bemüht haben. Diesen Menschenfreunden gebührt Dank und Anerkennung. Lobenswert sei auch festgestellt, daß täglich abwechselnd zwei Vorstandsdamen des Jüdischen Frauenvereines Favoriten sich zur Bedienung der Armen zur Verfügung stellen. Barmizwahfeier. Im Hause des Kultusvorstehers Michael Sternfeld fand jüngst die Barmizwahfeier seines Sohnes Norbert unter imposanter Beteiligung statt. Der Vortrag des Barmizwah fand den ungeteilten Beifall aller Anwesenden. Verlobungen. Im Hause des Kommerzialrates Moritz Leitner fand kürzlich die Verlobung seiner Tochter Stella mit Herrn Alex Steiner statt. Die Mitglieder der beiden Familien sowie zahlreiche Freunde des Herrn Kultusvorstehers Leitner hatten sich zur Verlobungsfeier eingefunden. — Fräulein CäcMie Eibenschütz, Tochter 4es Amtsleiters der Israelitischen Kultusgemeinde Wien XXL Herrn Jonas Eibenschütz, hat sich mit Herrn Oskar Sofer, Kaufmann in Korneuburg, verlobt Trauungen. Sonntag, den 17. Jänner, findet um 12.30 Uhr mittags im Pazmanitentempel die Trauung des Fräuleins Liey Schönherz, Tochter des bekannten Ehepaares Isidor Schönherz, mit Herrn Otto Do n neb au m, Sohn des Ehepaares David Donnebaum, Mährisch-Weiß- Mrchen, statt. — Sonntag, den 17. Jänner 1932, um %3 Uhr nachmittags, findet im Tempel XVI., Hubergasse 8, die Trauung des Fräuleins Grete Deutsch, Tochter des Herrn Samuel Deutsch und seiner Gattin Lotte, geb. Fischer, mit Herrn Fritz Scheu statt. 70. Geburtstag. Herr David Bischofswerder, ein angesehenes Mitglied der Wiener Kaufmannschaft und der Adass Jisroel, feierte vor einigen Tagen in voller geistiger Rüstigkeit den 70. Geburtstag. Goldene Hochzeitsfeier in der Versorgungsanstalt. Am Samstag, den 9. d. M., vormittags, fand im Betsaale der Israelitischen Versorgungsanstalt die goldene Hochzeitsfeier der Pfleglinge Siegmund und Rosa Blau statt. In dem von Verwandten und Freunden des Jubelpaares, sowie von vielen Mitbewohnern der Anstalt stark besuchten Betsaale wurde ein feierlicher Gottesdienst abgehalten, in dessen Verlauf Rabbiner Doktor Schwarz eine herrliche Ansprache hielt. Namens des Kultusvorstandes beglückwünschte Herr Börserat Glück das Ehepaar und überbrachte nebst einer schriftlichen Gratulation des Präsidium eine schöne Ehrengabe der Israelitischen Kultusgemeinde. Das Jubelpaar war Gegenstand der herzlichsten Beglückwünschungen seitens der vielen erschienenen Festgäste und dankte gerührt für die zahlreichen Beweise von Wertschätzung und Liebe. Nach dem Gottesdienst wurden die zwei alten Menschen in ihr schön geschmücktes Zimmer geleitet, wo ihrer viele Ueberraschungen harrten. Nachmittags erschien in Vertretung des Bürgermeisters Herr Stadtrat Linder, begleitet von städtischen Funktionären des 9. Bezirkes, in der Anstalt, beglückwünschte das Jubelpaar auf das herzlichste und überreichte ihnen ein Gratulationsschreiben sowie eine Ehrengabe der Stadt Wien. Als Pilegling des Versorgungshauses der Israelitischen Kultusgemeinde war es mir beschieden, das Fest der goldenen Hochzeit mit meiner Frau zu feiern. Wie soll ich-allen danken, welche dieses unser Fest so glänzend gestaltet haben? Dem löblichen Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde, der durch eine hochherzige Spende und innige Worte des Herrn Börserat Glück uns auszeichnete. Dem löblichen. Magistrat, welcher durch die übliche Spende und die herzlichen Worte des Herrn Stadtrates L i n d.n e r uns eine große Freude bereitete. Dem Herrn Oberverwalter Popper, der sich ebenfalls die allergrößte Mühe gab, das Fest schön zu gestalten. Auch Herrn Adolf Baim. Kaffeesieder, IX., Rossauerlände, danken wir bestens für die schön arrangierte Gratisiause. Siegmund undi Rosa Blau, Isr. Versorgungshaus, IX., Seegasse 9. Todesfälle. Im Kaufmännischen Spital ist dieser Tage der Bürgerschuldirektor Albert Mandl-Maiden gestorben. Er war ein überaus beliebter Schulmann, der auch als Schriftsteller bekannt war. Seine pädagogischen und methodischen Artikel in Fachzeitungen. Skizzen und Novellen in Tages- und Wochenschriften waren wienerisch und volkstümlich gehalten und ließen in ihm einen Menschen mit viel Gefühl erkennen. Von ihm sind auch eine Reihe von Novellenbüchern. Erzählungen für die reifere Jugend erschienen. Der Verstorbene, der ein Alter von 72 Jahren erreichte, hinterläßt eine Witwe, die ebenfalls viele Jahre als Bürgerschuldirektorin tätig war, einen Sohn im kaufmännischen Beruf und eine Tochter, die Tänzerin Steffy Maiden. — Nach schwerem Leiden ist Siegmund Schlesinger. Bundesbahninspektor i. R., am 28. v. M. im Alter von 66 Jahren gestorben. SSegmund Schlesinger, dessen Vater viele Jahre als Oberkantor in Ottakring verdienstvoll wirkte, war in Jüdischen Kreisen durch sein karitatives Wirken sehr bekannt. Eine besonders segensreiche Tätigkeit entfaltete er im Verein der „Kinderfreunde" zur Bekleidung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk, der vor kurzem das Jubääum seines fünfzigjährigen Bestandes begangen hatte. Durch 18 Jahre bekleidete Schlesinger, der die Feder meisterhaft zu führen verstand, daselbst die Stelle eines Schriftführers in vorzüglicher Weise. Durch sein unermüdliches, rastloses Arbeiten brachte er den Verein zu großer Blüte. Anerkennenswert war sein Pflichtgefühl, sein Eifer und sein Fleiß für diese humanitäre Sache. Den armen Schulkindern zu dienen, galt diesem anspruchslosen Manne über alles, darin erblickte er seines Lebensaufgabe. Er gehörte zu den tüchtigsten, opferwilligsten und gewissenhaftesten Vorstandsmitgliedern dieses Vereines, zu dessen Gründern sein Vater zählte. Der Verein wird den Namen Siegmund Schlesingers, in Ehren halten und seiner selbstlosen, gemeinnützigen Tätigkeit stets in Dankbarkeit gedenken. Auch die Zentralfürsorgekommission der Israelitischen Kultusgemeinde hat ihn zur Mitarbeit eingeladen und bot sich ihm, wenn auch leider nur für kurze Zeit Gelegenheit, als Fürsorgerat seine Fähigkeiten und sein Organisationstalent in den Dienst der Kultusgemeinde zu stellen. Unvergessen bleibt auch seine Tätigkeit alsSekretärdesOttakringer Tempelbau-Vereines, dessen Obmann Rabbiner Prof. Dr. Bach an Schlesinger einen pflichteifrigen Mitarbeiter hatte. Wenn die Ottakringer einen so herrlichen Wintertempel zu ihrem Besitzstand zählen, so gebührt ein gut Teil des Verdienstes dem VerMichenen. Altes in allem: Schlesmger war ein integrer Charakter, von großer Bescheidenheit, korrekt und ehrenhaft, dessen Herzensadel und Herzensgüte es bewirkten, daß er ein Helfer und Retter der notleidenden Menschen geworden ist. —R— Grabsteinstellung. Sonntag, den 10. d. M., wurde der Grabstein, den die W i e n e r K u 11 u sgemeinde dem vor Jahresfrist verstorbenen Herrn Regierungsrat Direktor Dr. Salomen Krenberger und seiner ihm im Tode bald nachgefolgten Gemahlin gewidmet hat, feierlich eingeweiht. Oberkantor Einhorn versah ergreifend die kantorale Funktion; gefühlvolle Ansprachen hielten Rabbiner Dr. I. Taglicht, Vizepräsident der Kultusgemeinde Dr. Jakob Ornsteilt, Moritz Felsenburg, Präsident der „Einheit". Zum Schlüsse trug Oberkantor Einhorn das Kaddischgebet vor. In der herzlichen Anteilnahme der Freunde und Verehrer der Verewigten an dieser Feier spiegelte sich die ungewöhnliche Wertschätzung, welche sich Herr und Frau Regierungsrat Krenberger, diese herrlichen Menschen, durch ihr vorbildliches Leben und Wirken erworben haben. VercinsnafAridkten Ch. N. Bialik in Wien. In den nächsten Tagen trifft in Wien Ch. N. Bialik ein. Anläßlich dieses Besuches wird in Oesterreich eine „Bialik-Woche" veranstaltet, in der eine intensive Aktion zugunsten des hebräischen Buches durchgeführt werden soll. Am 26. Jänner tritt Bialik zum ersten Mal mit einem Vortrag vor das Wiener Publikum. Der Brigittenauer Israelitische Frauen-Wohltätigkeitsverein (XX., Dresdnerstraße 77, Telephon A 41-6-12) veranstaltet am Sonntag, den 17. d. M., präzise 4 Uhr nachmittags, Im Festsaale des Hotels Continental, IL, Taborstraße 2, eine Akademie mit anschließendem Tanz. Angesichts der großen üchengeräte sind doch die besten und billigsten Hochzeitsgesch enke Gottfried & Co., ll.,Taborstr.6l Vorbereitungen, die die rührige Vereinsleitung auch für diesen künstlerischen Nachmittag getroffen hat, ist mit seinem vollen Gelingen zu rechnen, wozu nicht nur die gewonnenen hervorragenden Kunstkräfte, sondern auch die erstklassige Jazz beitragen werden. Es werden u. a. Suse Micha- 1 e k, der Komiker der „Jüdischen Künstlerspiele" Zelniker, die jugendliche Tanzkünstlerin Lisi. Weinberger mitwirken. Karten im Vorverkaufe (S 1.50) bei allen Leitungsmitgliedern erhältlich. Der Verein zur Ausspeisunx armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk in Wien. XVL Wurlitzergasse 11, veranstaltet Samstag, den 23. Jänner d. J.. um halb 9 Uhr abends in den Prachtsälen des Votksgarten-Restaurants, I.. Burgring, ein Maskenfest unter Mitwirkung der Jazz-Salonkapelle I. G e iger. Seit 32 Jahren hat der Verein seinen Zweck erfüllt, daß es in den Bezirken Ottakring und Hernais kein einziges hungerndes Schulkind geben darf. Seit einigen Jahren werden auch täglich alte Männer und Frauen ausgespeist und. um das edle und gottgefällige Werk auch fernerhin ausüben zu können, bittet die Vereinsleitung im Interesse ihrer Schützlinge um recht zahlreiche Beteiligung. Eintrittskarten sind bei allen Vorstandsmitgliedern erhältlich. Israelitische KJnderbewahranstalt. Gerade die große Not der Zeit fordert verstärkte Hilfe für die Kinder der Aermsten. Der Vorstand der Israelitischen Kinderbewahranstalt richtet daher an edle Glaubensgenossen die Bitte, durch Besuch der im Großen Musikvereins-Saal, Sonntag, den 24. Jänner 1932, 8 Uhr abends, stattfindenden Akademie dieses soziale Hilfswerk zu unterstützen. Folgende Künstler wirken mit: Opernsängerin Fteiscbmann-Königsfest, Charlotte Waldow, Hermann Leopol d i-Betja, Milskaja, Richard Eybner (Burgtheater), Erwin Engel (Theater d. Komiker), ferner Professor N i I i u s mit dem Orchester des Wiener Konservatoriums, Jazzkapelle Pauscher mit 18 Tänzerinnen des Wiener Konservatoriums. Künstlerische Leitung und Conference: Hugo K n e p I e r. Karten von 2 bis 10 Schilling bei sämtlichen Vorstandsmitgliedern, an der Kassa der Konzertdirektion Dr. Hohenberg, an der Abendkassa des Musikvereines und im Sekretariat der Anstalt (Telephon Nr. A 45-0-79) erhältlich. Sämtliche Sitze sind numeriert! Wobltätigkeitskonzert. Sonntag, den 24. Jänner 1932, findet um ^8 Uhr abends im großen Konzerthaussaale zugunsten der Notstandsaktion der israelitischen Kultusgemeinde in Wien, ein großes Konzert statt« Mitwirkende sind: Herr Oberkantor Ingo Mann, Brünn, Herr Prof. Julius Isseriis und Herr Kurt Fuchsgelb. Kartenverkauf Wien I-, Seitens tettengasse 2, HI/23. Kunst und£iteratm Jüdische KtmsUerspiefe (Theater Reklame, IL. Praterstraßo 34). Gastspiel Ben Zwi-Paul Baratoff. Schalom Asch „Gott der Rache". Wieder werden Erinnerungen geweckt. Erinnerungen an einen anderen Großen im Reiche der Schauspielkunst, an Rudolf Schildkraut, den Heimgegangenen, der vor Jahren in der Renaissancebühne den Jankel Schapschowicz spielte. Zwischen Schildkrauts und Baratoffs Leistung besteht ein Unterschied, der Schapschowicz Schildkrauts man jüdischer gewesen sein, der Schapschowicz Baratoffs ist eindrucksvoller. Denn die Gebrochenheit dieses Hünen greift ans Herz. ihm. dem Lebensvollen glaubt man mehr die Empörung, die ihn zum Verstoß der innigst geliebten Tochter und zum Aufgeben Gottes, der. wie er glaubt, ihn verlassen, hat, treibt. Diese Schlußszenen des Dramas sind auch seine wirksamsten. Bis dahin fehlt manchmal die richtige Stimmung, obwohl Baratoff wie immer auch hier glänr zende Beweise seiner großen Kunst liefert und obwohl das Ensemble auch diesmal sich um eine effektvolle Aufführung redlich bemühte. An guten Einzelleistungen seien die treue Sure der Frau Clara M e i s e I s. die Ryfkele des Gastes Ola Schlifkowitz, der Schloime des stets bewährten Herrn M. Zelniker. insbesondere aber die prächtige Figur des gottergebenen Reb Eli. ausgezeichnet dargestellt von Herr B. Sigal. erwähnt. Baratoff. dem das dankbare Publikum neuerlich zujubelte, führte selbst die Regie, nicht zuletzt darauf ist wohl die abgerundete Gesamtwirkung zurückzuführen, die sich auch diesmal wieder bei dem Ensemble einstellte. r. d.

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