Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 3 (15.1.1932)
- Date
- 1932-01-15
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 DDE WAHRHEIT JUOBND^UNION Jugendgruppe der Union österreichiscl&er Juden Samstag, den 13. Februar 1932, 9 Uhr abends, im Großen Saale des Volksgartens anläßlich des Gründungsfestes der Jugend-Union Künstler^Akademie mit Tanz Es wirken u. a. mit Anton Arnold, Staatsoper Walter Landauer, Radio Wien Richard Eybner, Burgtheater Dario Medina, Radio Wien Else Kaufmann Josefine Stransky Fritz Wiesenthal Conference: Erwin Engel Erstklassige Jazzmusik Eintritt: im Vorverkauf S 3.—, an der Abendkassa S 4.— Karten im Vorverkauf: Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Telephon A 19-2-77; Redaktion „Die Wahrheit", H„ Heinestraße 13, Telephon R 46-2-16; Zahnatelier Nat Kofüer, U., Josehnengasse 4, Telephon R 44-7-88, sowie bei allen KomtteemKgliedern. mimmiiiiiiiiiiHiitimiinmiit Ischias, Rheuma, öidif 14 tag ige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Kohlensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden taglich von 8-6 Uhr HellansloU „Thermia" L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer lieh wirken muß. Alle diese unbedingt tierquälerischen Tötungsarten erscheinen dem Tierschutzverein nicht so wichtig wie die Schächtfrage. Die maßgebenden Persönlichkeiten des Tierschutzvereins vergessen auch daran, daß das Jagen, das Schweinestechen, der Kopfschlag und die Benätzung des Schußbolzens jedem ohne vorhergehende Prüfung gestattet ist, daß aber das Schächten vom religiösen Standpunkte nur ganz bestimmten Personen erlaubt ist, die sich erst nach eingehendem Studium Prüfungen unterziehen müssen, die sie zur Vornahme des Schächtschnittes befähigen. All diese Fragen werden vom Tierschutzverein nicht in Erwägung gezogen, sondern es wird' gerade dort der Hebel angesetzt, wo man vermutet, daß die antisemitische Einstellung eines großen Teiles der Bevölkerung Schützenhilfe leisten. wird, einer Religionsgesellschaft die gewährleistete Ausübung ihrer religiösen Gebräuche zu verbieten. Es ist vielleicht noch zu verstehen, daß Andersgläubige diese Aktion des Tierschutzvereines unterstützen, es ist aber unbegreiflich, daß Juden mithelfen, derartige Angriffe gegen ihre eigene Glaubensgemeinschaft zu richten. Den jüdischen Glaubensgenossen darf wohl in Erinnerung gebracht werden, daß die Tierquälerei vom religiösen Standpunkt aus den gläubigen Juden verboten wird und daß sich das Erbarmen Gottes — wie es in unseren Psalmen heißt — auf alle seine Werke, also auch auf die Tiere erstreckt. Nicht erst Tierschutzvereine sind notwendig, um uns Juden die Liebe zu den Tieren zu lehren, sondern die Thora hat sie uns als ein jüdisches Gebot für alle Zeit mitgegeben. Wollen denn unsere Glaubensgenossen im Tierschutzverein nicht einsehen, daß sie hier wahrscheinlich aus überschwänglicher Objektivität eine Aktion fördern, die sich gegen das Judentum richtet. Man muß doch von unseren Glaubensgenossen verlangen können, daß sie in der Schächtfrage wahre Objektivität bekunden und daß sie den vom Tierschutzverein geführten Argumenten auch die Argumente von 118 Universitätsprofessoren der Physiologie, Anatomie und Hygiene entgegenstellen. Sind wiHciicli alle Schlächfhausdirektoren, alle Tierärzte und alle Universitätsprofessoren, die das Schächten nicht als Tierquälerei hingestellt haben, solche Menschen, bei denen es sich, um mit den Worten des Herrn Melkus zu sprechen, die Juden „gerichtet" haben, daß sie sich für das Schächten aussprechen? Haben es sich die Juden auch beim GemeindeTat von Paris gerichtet, der sich kürzlich mit der Schächtfrage befaßte und seiner Ueberzeugung Ausdruck gab, daß vom Standpunkte der Humanität gegen die rituelle Schächtweise kein Einwand erhoben werden kann? Haben die Juden auch den Präsidenten des französischen Tierschutzvereines Dr. Foveau de Coumelles beeinflußt, der im offiziellen Organ der Pariser Stadtgemeinde erklärt, daß sich auf Grund sorgfältiger Untersuchungen die rituelle Schächtmethode als die humanste Schlachtungsart erwiesen habe? Es ist Pflicht aller Juden, die dem Tierschutzverein angehören, der Art des Kampfes, wie sie der Tierschutzverein angekündigt hat, entgegenzutreten. Es ist ihre Pflicht, als Fürsprecher ihrer Glaubensgenossen zu erscheinen, es ist ihre Pflicht, dem Kampf gegen das Judentum, dessen Bekenner ohnedies in diesen Zeiten von allen Seiten verfolgt werden, die Spitze zu bieten, indem sie Herrn Melkus und seine Anhänger in jene Bahnen weisen, die sie zu gehen haben. Unsere Glaubensgenossen im Tierschutzverin müssen sich dessen bewußt sein, daß sie eine Ehrenpflicht gegenüber ihrer Glaubensgemeinschaft zu erfüllen haben. Sie müssen verstehen, daß sie jetzt Gelegenheit haben zu zeigen, daß sie nicht dulden werden, daß unter dem Deckmantel des Tierschutzes jüdische Rechte in Oesterreich gekürzt werden, denn die Juden waren die ersten, die zum Schutze und zur Schonung der zur Schlachtung bestimmten Tiere strenge Vorschriften aufstellten und einhielten, und sie würden die ersten sein, die sich der Tiere erbarmen würden, wenn wirklich ein besseres und sicherer wirkendes Mittel zur Betäubung gefunden werden würde, als gerade der Schächtschnitt ist. Dr. Ernst Feldsberg. Berufen Sie sich auf die „Union bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt Julius Rosenwald gestorben. Am 6. Jänner verstarb in seinem Heim in Chicago Herr Julius Rosenwald im Alter von 69 Jahren. Er galt als der reichste Jude der Gegenwart und als einer der größten jüdischen Philanthropen in der Geschichte. Julius Rosen wald wurde am 12. August 1862 in Springfield, im Staate Illinois, geboren. Er kam in jungen Jahren nach New York, wo er seine geschäftliche Laufbahn als Angestellter der großen Bekleidungsfirma Hammerslough Bros, begann. 1885 trat er in die Firma Sears Roebuck & Co. in Chicago, das größte Postversandgeschäft der Welt, ein und wurde 1910 deren Präsident. Seit vielen Jahren betätigte sich Julius Rosenwald auf jüdischem und nichtjüdischem sozialen Gebiete. Das American Joint Distribution Committee unterstützte er seit dessen Bestehen. 1925 spendete er für den United Jewish Campaign des J. D. C. eine Million Dollar, 1928 gab er fünf Millionen Dollar für das vom Agrojoint geführte jüdische Kolonisationswerk in Rußland, das unter der Leitung von Dr. Joseph Rosen steht Rosenwald wurde neben Felix M. Warburg Ehrenpräsident des Agrojoint Er betätigte sich auch auf dem Gebiete des jüdischen Rechtsschutzes, gehörte unter Louis Marshall dem Vorstand des American Jewish Committee an und wurde nach Marshalls Tode Vizepräsident des Committee. Für den Louis Marshall-Gedächtnisfonds des Jewish Theological Seminary of America spendete Rosenwald 500.000 Dollar. Julius R o s e n w a 1 d war auch eine jener führenden Persönlichkeiten im Joint Distribution Committee und im American Jewish Committee, die der durch Bemühungen von Louis Marshall und Felix M. Warburg geschaffenen erweiterten Jewish Agency nicht beitraten. Er vertrat die These, daß eine auf Subsidien basierte Einwanderung, wie die der Juden nach Palästina, nicht die erwünschten Früchte tragen könne und daß den Juden dort geholfen werden muß, wo sie sind. Von Rosenwalds Schenkungen für allgemeine philanthropische Zwecke sind besonders hervorzuheben: Zwei Millionen Dollar für die Universität von Chicago; drei Millionen Dollar für ein Chicagoer Museum für Industrie; eine Million Dollar für Hilfsarbeit in Osteuropa ohne Unterschied der Konfession; drei Millionen Dollar für Schulen in den Negerterritorien Nordamerikas, sowie unzählige kleinere und größere Beiträge für kulturelle, religiöse und soziale Zwecke in Amerika und in Europa. Am 1. Jänner 1928 wurde der von ihm gegründete „Julius Rosenwald Fund" durch Rosenwalds Schenkung von 100.000 Aktien der Sears Roebuck & Co. auf 22 Millionen Dollar gebracht. Dieser Fonds wird von Trustees verwaltet, die gehalten sind, das Kapital binnen 25 Jahren nach Rosenwalds Tode zu verteilen. Im August 1931 spendete er eine Million Dollar für die Errichtung einer Kinderzahnklinik in Berlin, die Berliner Stadtverwaltung hat Rosenwald für diese Stiftung den Dank der Stadt ausgesprochen. Julius Rosenwalds Dienste für die Menschheit wurden anerkannt durch die Verleihung der Harmon-Medaille für internationale Arbeit, und der G o 11 h e i n - M e d a i 11 e für die größten Verdienste um die Judenheit. Die am Krankenbett versammelten fünf Kinder Rosenwalds haben eine „Rosenwald Family Association" gebildet, deren Aufgabe es ist, die von Julius Rosenwald geschaffenen philanthropischen, erzieherischen, wissenschaftlichen und karitativen Institutionen, wie überhaupt das philanthropische Lebenswerk ihres Vaters fortzuführen. Die „Rosenwald Family Association" wird neben der Rosenwald Foundation getrennt bestehen, sie hat kein besonderes Programm aufgestellt, sie will die von Julius Rosenwald geschaffene Tradition fortsetzen und, seinem Beispiel folgend, Fonds schaffen, deren Kapital in einer Zeitdauer von 25 Jahren verausgabt wird. Der „Rosenwald Family Association" gehören die beiden Söhne Julius Rosenwalds, Lessing J. Rosenwald und William Rosenwald aus Philadelphia, die drei Töchter Rosenwalds, Frau Adele R. Levy aus New York, Frau Edith