Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2 (8.1.1932)
- Date
- 1932-01-08
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 DIE WAHRHEIT DER SOHAR «las neilig«: Buch «l«r Kabbcda liegt zum ersten Male in seinen bedeutendsten Teilen in deutscher Sprache vor. Der Sohar übertrifft an Tiefe und Schönheit alle Schöpfungen des Judentums seit der talmudischen Zeit. Er zeigt den Weg des Aufstieges des Einzelmenschcn und der Menschheit. Ueber alle Schrecknisse und Rückschläge sieht er die Befriedung und Beglückung für alle Völker näherkommen. Ein erstaunliches, ein wissendes Buch. Die Kabbala wird seit Jahrhunderten erforscht; nun ist sie auch dem Laien zugänglich. Vom mittelalterlichen Menschen wurde sie mit Recht als neue Offenbarung empfunden. Im 15. und 16. Jahrhundert, dem Zeitalter der Renaissance, galt sie bereits als grundlegendes Werk. Im 18. Jahrhundert, der Zeit der Aufklärung, entbrannte ein heftiger Streit um sie. Für den modernen Menschen ist ihr Wissen vom Leben des Menschen und der Menschheit durch diese Uebersetzung ein gelöstes Rätsel geworden. Ein starkes, ein optimistisches Buch. Ein Hauptwerk der jüdischen und der Weltliteratur, das in jedes jüdische Haus gehört. Diese erste umfangreiche Uebertragung der Lehren des Sohar ins Deutsche ist ein Meisterwerk der Uebersetzungkunst. Sie enthält eine ausführliche Einleitung und Erläuterungen vom Herausgeber Ernst Müller. Die Ausstattung ist von erlesenem Geschmack; der Buchschmuck stammt von dem bekannten Maler Uriel Birnbaum. Preis in Leinen S 34.—, M 20.—, Frcs. 25.—. Wir erbitten Ihren telephonischen Anruf. Das Werk wird auch für einige Tage zur Ansicht gegeben. Verlag Dr. Heinrich Glanz, Wien VIII., lff,!?tt2e.,X:„V B ■ ■ B B B B B B B ■ B B ■ sie alle einig: der unflätige Pöbe 1 - und Radauantisemitismus bedeutet eine Kulturschande, einmütig wurde Protest erhoben gegen die allzu duldsame Weise, in der große, an. sich nichtantisemitische Schichten des Volkes diese systematische Hetze zuließen. Die Teilnehmer zeigten ein ungeheures Interesse an der Aussprache, und mancher von ihnen hat etwas gelernt Das zeigte sich vor allen Dingen in der gespannten Aufmerksamkeit und den anerkennenden, wißbegierigen Aeußerungen nach der so interessant verlaufenen Diskussion. Gewiß könnte man einwenden, daß hier doch nur ein kleiner, gebildeter Kreis sich beteiligte. Das stimmt schon, aber irgendwo muß schon der Anfang gemacht werden. Den Wert dieser Veranstaltung beweisen die Artikel in der Lübecker Presse. Der „Lübecker Volksbote" z. B. brachte einen spaltenlangen interessanten Artikel über diese Diskussion. Noch immer Ritualmordmärchen. ■ Vor dem Geschworenengericht von Urhiew (Rumänien) hatte sich der jüdische Landwirt Jizchak Tutmann aus dem Dorfe Ziganescht wegen fahrlässiger Tötung eines 13jährigen Knaben zu verantworten. Tutmann hatte den Knaben, der in einem Heuhaufen versteckt schlief, beim Aufladen des Heus mit der Aufladegabel durchstochen. Der unglückliche Zufall wurde von einer Gruppe antisemitischer Bauern zum Anlaß genommen, eine Ritualmordhetze zu entfachen. Auch vor Gericht versuchten einige Zeugen, den Unglücksfall als einen aus rituellen Motiven begangenen Mord hinzustellen. Die Verhandlung endete mit dem Freispruch des Angeklagten. „Ruhe und Ordnung gesichert". Die „Leipziger Studentenschaft" teilt mit, daß sie unter anderem folgenden Beschluß gefaßt hat: „Zur Wahrung der Ruhe und Ordnung an der Leipziger Universität und innerhalb der Studentenschaft wird den einzelnen Aemtern der Studentenschaft nahegelegt, zu Vorträgen keine Juden zu bitten." Der Leipziger jüdische Student darf also zwar weiterhin seinen Zwangsbeitrag entrichten, aber einen jüdischen Redner wird er für seine Groschen nicht mehr zu sehen bekommen. Auch dann nicht, wenn irgendeine „Fachschaft" gerne einen zufällig jüdischen Forscher bei sich sprechen lassen möchte. Es. wird „nahegelegt", darauf zu verzichten, weil sonst Ruhe und Ordnung in der Studentenschaft gefährdet wären. Daß man der deutschen Studentenschaft auch hätte „nahelegen" können, sich ruhig und ordentlich zu benehmen, darauf sind die künftigen geistigen Führer anscheinend nicht verfallen. Es liegt nicht nahe genug! Da ist Wien schon weiter. Hier machen die Herren Hakenkreuzler persönlich „Ruhe und Ordnung", indem sie gleich die jüdischen Hörer hinauswerfen. tlilüknlsdits KOnigsiicM Seit vielenjahren das anerkannt beste Irziih! »yS-notM Man achte auf die ges. gesch. Marke «hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., BraunhlrachengaMS« 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt GROSSFLEISCHHAUEREI SliGM. KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVI6I., WAHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99und A 16-9-34 Lieferant «Gr Heilanstalten AbteilungenffirKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrw. ftabbinatos dar l»r. Kultuagemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Spanien und die spaniolischen Juden. Der spanische Unterrichtsminister Don Fernando de los R i o s empfing den Präsidenten der großen spaniolisch-jüdischen Gemeinde von Tetuan (Spanisch-Marokko) Ben A r o c Ii. In einer Ansprache an die jüdischen Führer erklärte der Minister: Das heutige Spanien und die spanische Regierung bedauern das den Juden im Jahre 1492 zugefügte U n r e c h t. Es gereichte Spanien nicht zum Segen, daß es seine jüdischen Bürger vertrieben hat. Die neue Republik hat diese Schmach ausgelöscht, indem sie die J uden als gleichberechtigt behandelt. Das heutige Spanien ist sich dessen bewußt, daß die Juden zu der spanischen Zivilisation Bedeutendes beigetragen haben. Ich hoffe, daß die Juden das Vergangene vergessen und an der Entwicklung der spanischen Kultur, die keine konfessionellen Unterschiede kennt, mitarbeiten werden. Gemeinde ~ Thronitz Bleib' bei der Gemeinde! In der jüngsten Ausgabe des Hamburger üemeindeblattes rechnet Oberrabbiner Dr. C a r 1 ebach, Altona, mit den „Austrittlern" ab. Er hält eine donnernde Philippika jenen, die aus Eigenbrötlerei oder gar aus finanziellen Gründen aus der Gemeinde austreten, und man hat alle Ursache, sich dieses geharnischten Protestes zu freuen. Wie ist es möglich, darf man mit Recht fragen, daß in einer Zeit, da Taufe, Mischehe, Indifferenz das Judentum zernieren, da der Antisemitismus den stärksten Zusammenschluß erfordert, Juden es fertig bringen, sich von ihrer Gemeinde zu trennen und in feiger Fahnenflucht ihren Artgenossen den Rücken kehren? Mit vollem Recht schleudert Dr. Carlebach, nachdem er diese Abtrünnigkeit nach Gebühr gekennzeichnet, diesen „Helden" den Vorwurf ins Gesicht, Hitlergenossen zu sein. Mehr als je zuvor erfordert die Jetztzeit den Zusammenhalt zwischen uns und nie zuvor war die Gefahr des Zusammenbruchs größer denn heute! Was ist des Soldaten erste Pflicht im Kampfe gegen den Feind? Daß er bei seinem Truppenteil ausharrt und nicht Reißaus nimmt, wenn die Situation brenzlich wird oder gar zum Feinde überläuft. Was aber tun jene, die heute aus der Gemeinde austreten? Sie üben Verrat an ihren Brüdern und setzen sich obendrein dem Gespött aller rechtlich Denkenden aus und selbst der Antisemitismus wird nur ein Hohnlächeln für solche Jammergestalten haben! John Jacobsohn. ' Der Verein Machsike Hadath gehört zu jenen jüdischen Ausspeisevereinen, denen gerade jetzt in der Zeit der furchtbaren Notlage unter der jüdischen Bevölkerung eine ganz besondere Bedeutung zukommt und die den hohen Anforderungen, die an sie gestellt werden, unter Anspannung aller Kräfte nachzukommen suchen. Derzeit werden täglich durchschnittlich 250 Personen ausgespeist, Alleinstehende, dist Dame, aber verarmt, sucht leeres Zimmer bei einzelner Dame oder Herrn gegen Führniis des Haushaltes, ist in allen häuslichen Arbelten versiert; ruhiger, gutmütiger Wesensart Referenzen vorhanden.. Aus Gefälligkeit Auskunft unter R 41-5-69.