Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1932
- Issue
- Heft 2 (8.1.1932)
- Date
- 1932-01-08
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHBHf r Seite 5 Städtische Versicheruimsanstalt 4\ Direktion: Wien I-, Tuchlauben Mr. S Telephon 1127-5^-40 Alle VcrsteheruiMiszweiqe keiten, als überaus geglückt bewertet werden. Der Leser der übersetzten Abschnitte findet sich leicht zurecht, auch wenn ihm bisher die Thesen der Kabbala nicht ganz geläufig waren. Die Auswahl der Abschnitte kann als gelungen bezeichnet werden. Die ganze Arbeit ist gewissermaßen ta- ■deüos. Dazu die überaus gefällige äußere Ausstattung des Buches, die flott gehaltene Einleitung, die den Schlüssel zum Buche abgibt und den Leser in den herrlichen Palast der heiligen Weisheit einführt. Das Werk bedeutet zweifellos eine überaus erwünschte Bereichemng der jüdischen und der allgemein-wissenschaftlichen Literatur. Reg.-Rat J. K r e p p e 1. Ein Opfer seiner Überzeugung. Hinrichtung des jüdischen Repräsentanten im persischen Parlament Schmuel Jecheskel Chaim. Nach mehr als fünfjähriger Gefangenschaft wurde in diesen Tagen in Teheran Herr Schmuel Jescheskel Chaim, der Vertreter der persischen Judenheit im Parlament Persiens (auf Grund der persischen Verfassung wählen die etwa 60.000 persischen Juden in einer besonderen Kurie einen Deputierten in das Parlament), hingerichtet. Er war auf Grund einer Beschuldigung, in eine Verschwörung gegen das Leben des Schah verwickelt gewesen zu sein, zum Tode verurteilt worden. Unter den Juden Persiens glaubt niemand, daß diese Anklage gegen Chaim irgendwie Tjegründet war, man glaubt vielmehr, daß Chaim ein Opfer seines jugendlichen Temperaments und seines aufrechten und mutigen Eintretens für die Rechte und Interessen der persischen Juden, das gewissen persischen Behörden unbequem war, geworden ist. Als Deputierter Schmuel Jecheskel Chaim verhaftet wurde, war er 35 Jahre alt. zur Zeit seiner Hinrichtung hatte er das 40. Lebensjahr erreicht. Er stammt aus Kermanschah in der Nähe der Irak-Grenze, besuchte in der Jugend die Schulen der Alliance Israelite Universelle, arbeitete während des Krieges im Büro der englischen Vertretung in Persien und kam, als die englischen Streikräfte Persieu verließen, nach Teheran, wo er sich Im öffentlichen Leben außerordentlich hervortat. Er leitete eine energische Kampagne für Neuorganisation der jüdischen Gemeinden. -der Schulkomitees und der Hilfskomi tees ein und wurde einer der Führer der Zionistischen Organisation. Die Judenheit Persiens entsandte ihn als ihren Vertreter in das Parlament, nachdem sie ihren früheren Parlamentsvertreter Dr. Loghman wegen seines Versagens in der Verfechtung der Interessen der jüdischen Bevölkerung aus dem Parlament zurückgezogen hatte. Deputierter Schmuel Jecheskel Cnaim wurde im Mai 1926 verhaftet, kurz darauf aus der Haft entlassen, aber im Oktober 1926 neuerdings verhaftet und, ungeachtet der von der Zionistischen Exekutiv« wiederholt zu seinen Gunsten unternommenen Interventionen, bis zu seiner Hinrichtung ununterbrochen gefangen gehalten. Die Zionistische Exekutive hatte Chaim im Mai 1926 auf Vorschlag der. Zionisten Teherans zu ihrem Vertreter in Persien in der Angelegenheit der Auswanderung persischer Juden nach Palästina ernannt. Als Chaim im Oktober 1926 zum zweiten Male in Haft genommen wurde, hieß es, die Polizei hätte Beweise in •der Hand, daß Chaim mit in eine Verschwörung verwickelt sei, die die Beseitigung des Schahs, des Kronprinzen, hoher Offiziere und einiger Mitglieder des Parlaments, ferner die Bildung einer neuen Religion zum Ziele hatte. Die Polizei erklärte, die Verschwörung sei so gut organisiert gewesen, daß sie. wäre sie nicht rechtzeitig aufgedeckt worden, Erfolg gehabt hätte. Persisch-jüdische Persönlichkeiten erklärten demgegenüber, daß Chaim, mit dem sie ständig in Berührung gestanden hatten, zwar ein 1 e iden sejiaf tl ich er Politiker sei und als Jude ständig gegen die Verfolgung der jüdischen Bürger durch die Behörden protestiert hatte, daß er auch ein aktiver Zionist sei, daß er aber nichts mit irgendeiner politischen Verschwörung zu tun gehabt haben konnte. Offen wurde erklärt, daß die Regierung nur darum Chaim aus dem Wege räumen wolle, weil er allzu unerschrocken.die Interessen den verfolgten Juden vertritt. Die Zionistische Exekutive in London bemühte sich um d;e Freilassung Ohaims und unterbreitete der persischen Regierung durch den englischen Konsul den VorscHas. Chaim zu erlauben, nach Palästina auszuwandern. Alle diese Bemühungen waren erfolglos. Im Verlauf dieser Verhandlungen wurde von autoritativer persischer Seite erklärt, Chaims winkliches Vergehen war nicht Teilnahme an einer Verschwörung, sondern die Absendung eines Briefes an den Völkerbund, in dem er sich, als Mitglied des persischen Parlaments, bitter über die Behandlung der Juden in Persien beschwerte. Der Völkerbund harte auf diesen. Brief bin eine Anfrage an die persische Regierung gerichtet, woraufhin der Schah den jüdischen Deputierten zu sich kommen ließ und ihn auiforderte, dem Völkerbund mitzuteilen, daß hinsichtlich der Behandlung der Juden durch die persischen Behörden alles wieder in Ordnung sei. Deputierter Chaim erklärte sich bereit, ein solches Schreiben nach Erfüllung der folgenden Bedingungen abzusenden: Erstens solle der die Juden unterdrückende Polizeichef entlassen werden, zweitens solle mit der Unterdrückung der Juden in Persien wirklich ein Ende gemacht werden. Der Schah geriet über diese Forderungen in Zorn, um so mehr, als der von Chaim angegriffene Polizeichef ein naher Verwandter von ihm ist. Chaim wurde sofort verhaftet und wegen Verschwörungjgegen den Schah zum Tode verurteilt. *- , ' Nach der Verhaftung von Schmuel Jecheskel Chaim im Jahre 1926 schrieb ein prominenter persischer Jude über die Lage der Juden in Persien folgendes: „Unterdrückt, verfolgt, verachtet sind die persischen Juden in ihrem eigenen Lande, vergessen sind sie auch von den jüdischen Gemeinschaften in der Welt. Niemand kennt sie, keiner fragt nach ihnen, sie selbst haben weder Kraft noch Energie 'mehr, irgend was zum eigenen besten zu unternehmen. Die persische Judenheit ist ein abgestandenes Gewässer im jüdischen Leben geworden." Veröffentfidfungen der „Union *t Ein neuer Erfolg der „Union". Zu der durch die „Union" erfolgreich vereitelten antisemitischen Boykottpropaganda durch Flugzettel gesellt sich in jüngster Zeit auch die Plakatierung von Aufschriften gleich hetzerischen Inhaltes. Dem Sekretariat der „Union" sind in den letzten Wochen insbesondere aus den auswärtigen Wiener Bezirken Fälle solcher Plakatierungen bekanntgegeben worden, die gewöhnlich in der Aufforderung „Kauft nicht bei Juden!" gipfelten. So sind der „Union" nacheinander zwei Fälle aus der S t r o m s t r a ß e, XX. Bezirk, angezeigt worden, wonach auf Planken in dieser Straße die besagte Aufschrift angebracht wurde. Das Sekretariat der „Union" hat sich jedesmal mit dem zuständigen Polizeikommissariat in Verbindung gesetzt, das nicht nur eine Entfernung dieser provozierenden Aufschriften, sondern auch die Weiterleitung des Aktes an die Staatsanwaltschaft veranlaßte. Diese Vorkommnisse zeigen, wie notwendig eine rasche Verständigung der „Union" in allen ähnlichen Fällen ist. Einheirat H J Für feines, religiöses, bescheidenes Mädchen ■ ■ aus achtbarem Hause, mit eigenem Textil- ■ ■ und Kurzwarengeschäft nebst entspre- ■ ■ chender Mitgift, wird passende Partie gesucht. S ■ Zuschriften Chiffre „Nicht unter 35 Jahr e" £ £ an die Administration dieses Blattes. ■ Radio, Grammophone Sdiallplattcn neueste Schöpfungen, auch Tausch, Zahlungserleichterung. „Elphora", I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Zur Erinnerung an die 10. Wiederkehr des Todestages Popper-Lynkeus hält über Einladung der Bezirksorganisation III/XI der „Union österreichischer Juden" Prof. Dr. K. Kupier, Rabbiner des Tempels, III., Untere Viaduktgasse, am Donnerstag, den 14. d. M., 8 Uhr abends, im Goldsaal des Cafe Silier, I.,Schwed e n p 1 a t z, einen Vortrag über „Popper-Lunkens etfeies Dekeantnis zum Judentum". VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION. Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, Wies I„ Schwedenplatz. Politisch-kulturelle Sektion: Dienstag, den 12. Jänner, X-9 Uhr abends. Diskussionsabend. Dr. Ernst Feldsberg: „BETRACHTUNGEN DES ALLTAGS". * Vergnügungssektion: Samstag, den 16. Jänner, %9 Uhr abends, GROSSE KLUB-AKADEMIE MIT TANZ. Mitwirkend unter anderen: Charakterkomiker M. Zelniker, Jüdische Künstlerspiele — Vilma Wiegand, Deutsches Volkstheater. Erstklassige Jazz. Karten zum ermäßigten Vorverkauispreis von S 1.50 im Sekretariat der „Union", IX., Berggasse 4, Tel. A 19-2-77, und bei allen Funktionären. Gäste bei allen Veranstaltungen willkommen! Jia&enftreuz am Werk Eine amerikanische Abfuhr Hitlers. Adolf Hitler hat in seinem vor kurzem den ausländischen Pressevertretern in Berlin gegebenen Interview erklärt, Senator Borah sei der einzige Politiker in den Vereinigten Staaten, der sein Programm versteht. In einem Gespräch mit Herrn Karl Schwager, amerikanischen Korrespondenten deutscher Zeitungen, erklärte Senator William E. Borah, der Vorsitzende des außenpolitischen Komitees des Senats der Vereinigten Staaten: Ich habe von Herrn Hitler niemals, sei es direkt oder indirekt, irgendeine Mitteilung erhalten. Ich hege keinerlei Sympathie iür irgendetwas in der Welt, das den Charakter der Intoleranz gegen eine Nation oder Rasse oder den Charakter der Verfolgung einer Minderheit trägt. In Wien nicht möglich? Vor kurzem fand in Brodten an der Ostsee eine „Freizeit" der Lübecker Volkshochschule statt. Den Kern dieser Tagung bildete eine Aussprache über das Thema „Jude und N i c h t j u d e". Den national-deutschblütigen Standpunkt vertrat RA. Dr. Schumacher, der sein deutsches Volkstum erklärte und verteidigte. Ihm gegenüber wurde das strenggläubige Judentum vom Lübecker Zahnarzt Dr. Rothschild vertreten. Beide sprachen in einer recht fesselnden Art. Man kämpfte offen und rückhaltlos. Einen freisinnigen Redner hörte man im Redakteur des sozialdemokratischen Parteiblattes Herrn Doktor S o I e n i t z. Hart prallten die Meinungen aufeinander, doch alles hielt sich im Rahmen der ehrlichen, anerkennenden Gegnerschaft. Der jüdische Vertreter konnte besonders durch seine gereiften Ansichten und aufrechte Haltung wirken. Hier standen sich gleichwertige Vertreter ihrer Anschauungen gegenüber. In einem aber waren