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Die Wahrheit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Städtische Vcrsicherunasaitstalt t^&mmimmällVMimBaaammmmm Direktion: Wien I., Tuchlauben Nr. S Telephon U Alle Vers.cheriiitqszweiqe als geistige Waffen besitzt der Schwache nicht. Möge der eine oder der andere aus dem Kreise dieser Jugend auch dieses Buch, das fast in jeder größeren Bücherei zu haben ist, zur Hand nehmen und sich darin vertiefen. Wo immer man es aufschlägt, gibt es Belehrung, Anregung, Ermutigung und neue Kraft Ich verweise nur noch auf eine einzige Stelle dieses Buches, die Engel als eine der schönsten der deutschen Sprache bezeichnet: ein Ausspruch von Ernst Moriz Arndt, der da lautet: Wo dir Gottes Sonne zuerst schien; wo dir die Sterne Gottes zuerst leuchteten; wo seine Blitze zuerst seine Allmacht offenbarten und seine Sturmwinde dir mit heiligem Schrecken durch die Seele brausten: Da ist deine Liebe, da ist dein Vaterland! Gelten diese Worte nicht auch trotz aller Anfeindungen von zwei Seiten — bewußt und unbewußt — für die Juden, die auf deutscher Erde das Licht der Welt erblickten? Regierungsrat Dr. Emil Weinberg. Veröffentlichungen der „Union'* Antisemitischer Wirtschaftsboykott Die „U n i o n" hat einen bedeutenden, hoch zu veranschlagenden Erfolg zu verzeichnen. Es ist ihr gelungen, dem verletzten Rechte Geltung zu verschaffen. Wir haben in unserer Nummer vom 11. Dezember davon Mitteilung gemacht, daß in einer österreichischen Landeshauptstadt durch mannshohe Plakate und durch Flugzettel die christliche Bevölkerung zum Boykott jüdischer Geschäftsleute aufgefordert wird. Das Einschreiten der „U n i o n" bei der Oberstaatsanwaltschaft in Wien und beim Justizminister Dr. Schürff hat nun den Erfolg gezeitigt, daß die Staatsanwaltschaft die Plakate konfisziert und das Strafverfahren gegen die schuldtragenden Täter eingeleitet hat. Es ist uns während des nun schwebenden Verfahrens untersagt, die Angelegenheit näher zu besprechen, doch zwei Feststellungen wollen wir machen: Erstens daß die Hakenkreuzler der verschiedenen Färbung nunmehr wissen, daß ihr wirtschaftlicher Boykott gegen die Juden nach Anschauung der Staatsanwaltschaft gegen das Strafgesetz verstößt, und zweitens daß die Gesamtheit der österreichischen Judenschaft neuerdings Gelegenheit hat, die Bedeutung ihrer einzigen österreichisch-jüdischen Schutzgemeinschaft, fler „Union österreichischer Juden" tu erkennen. Ortsgruppe Salzburg. Am 17. Dezember sprach der Syndikus des Landesverbandes Bayern des Centrai-Vereines, Herr C a h n e m a n n, auf Einladung der rührigen Ortsgruppe Salzburg der „Union österreichischer Juden" im Hotel Habsburger Hof über das Thema „Die deutschen Juden im Kampf um die Gleichberechtigung". Die Versammlung war von über 80 Personen, d. i. nahezu die ganze Gemeinde, besucht. Auch Rabbiner Dr. Marguli es war anwesend. Dr. Stefan Zweig hatte sich entschuldigt. Der Referent ging in seinen interessanten Ausführungen von der Darlegung der gegenwärtigen politischen Lage in Deutschland, wie sie sich nach den Hessen-Wahlen darstellt, aus. Er erwähnte die Bedeutung der einzelnen Parteien im politischen Leben und ihre Beurteilung vom jüdischen Standpunkt aus. Des weiteren ging er auf die Rolle des Centrai-Vereins in der Oeffentlichkeit und sein Wirken in juristischer und politi- Radio, Grammophone Sdrallplatten neueste Schöpfungen, auch Tausch, Zahlungserleichterung. uElphora'S 1., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 scher Hinsicht näher ein. Schließlich wurde die geistige Grundlage unseres Abwehrkampfes geschildert, die die Wahrung unserer staatsbürgerlichen Rechte auf der Grundlage deutscher Gesinnung einschließt. Diese deutsche Gesinnung stellt keinen Widerspruch dar, sondern eine Ergänzung zu der Forderung der inneren Stärkung unserer Gemeinschaft, der Ausmerzung aller Fehler, die wir uns haben zu schulden kommen lassen und an denen der Nationalsozialismus wie an den Fehlern der Regieruhgen und Parteien groß geworden ist. Die Wiedergewinnung der geistigen und seelischen Werte im Judentum und ihre Vertretung nach außen hin sei die stärkste Stütze unserer Gemeinschaft. Den Ausführungen, die ständig auch die Parallele zu den österreichischen Verhältnissen zogen, folgte eine Diskussion, in der zwei junge Zionisten, von denen der eine Revisionist ist, sprachen. Auch Rabbiner Dr. Margulies ergriff das Wort und betonte das allgemein Verbindende, das für alle Juden im Gedanken der Thora liegt Die Ausführungen des revisionistischen Redners waren sehr scharf im Ton, beruhten aber inhaltlich auf so vielen Mißverständnissen, wie es nur möglich ist, wenn man eine schon vorher einstudierte Oppositionsrede hält. Es war Herrn Syndikus Cahnemann daher leicht, im Schlußwort nachzuweisen, daß die Anschauungen, die der Diskussionsredner zur Sprache gebracht hatte, in fast allen Punkten mit einer kleinen Wendung den Anschauungen des Referenten entsprachen, so insbesondere da, wo eine klare und würdige Vertretung der jüdischen Gesamtheit gefordert wurde. Mit den Grundforderungen, das Judentum unter Verzicht auf einseitige Definitionen als eine geschichtliche Erscheinung eigener Art und geistiger Prägung zu verstehen und aus dem Gefühl heimatlicher Verbundenheit heraus dem Staat und Volk, in dessen Mitte wir leben, alles zu geben, was billigerweise verlangt werden kann, waren schließlich nahezu alle Anwesenden einverstanden. Der Führer der gemäßigten Zionisten, der sich vorher sehr reserviert verhalten hatte, erklärte, daß er die Ausführungen des Centrai- Vereins-Redners mit großem Interesse gehört hätte und daß er eine ähnliche Rede gerne wieder hören würde. Die Versammlung war sicher eine eindrucksvolle Werbung für unsere Gedankengänge. VonWodke xuWodke Tel Aviv verliert seine Polizeiautonomie. Der Bürgermeister der jüdischen Stadt Tel Aviv Mayer Dizengoff besuchte den neuen Oberkommissar von Jerusalem General Sir Arthur Grenfeil Wauchope und erhob ihm gegenüber Beschwerde gegen den Beschluß der obersten Polizeibehörde Palästinas, die bis jetzt autonome Polizei von Tel Aviv mit der allgemeinen palästinensischen Polizei zu verschmelzen. Dizengoff führte ins Treffen, daß die Abschaffung der jüdischen Polizeimacht von Tel Aviv, der einzigen in der Welt, deren Kommandosprache hebräisch ist, von der Judenheit als ein Schlag gegen die jüdische Entwicklung in Palästina empfunden werden würde. Eine königliche Botschaft. Für Freitag, den 25. Dezember 1931, war im holländischen Radio zwischen 4 und 5 Uhr ein Festgruß der Königin von Holland angekündigt Auf Ersuchen der Jüdischen Gemeinde wurde der Vortrag, da zu dieser Stunde die jüdischen Gottesdienste stattfinden, schon auf 1 Uhr vorverlegt, damit auch die jüdischen Bürger ihn hören könnten. In holländischen jüdischen Kreisen wurde diese königliche Rücksichtnahme um so freudiger aufgenommen, als sie in einer Zeit erfolgte, da allüberall der Antisemitismus herrscht. Kein Wunder, daS sich die holländischen Juden mit Genugtuung sagen, daß so manches „demokratische" Land sich ein Beispiel an dem königlichen Holland nehmen kann. Rom. In der feierlichen Inauguralsitzung der Päpstlichen Wissenschaftlichen Akademie überreichte Papst Pius XI. persönlich dem jungen jüdischen Gelehrten Prof. Enriquez von der Universität Padua den diesjährigen PreisderAkademie für sein Werk über die Mendelschea Theorien. Der Papst hielt an den Gelehrten eine Ansprache, in der er sein wissenschaftliches Werk rühmte. Hakenkreuz omWerft Die Großen . . . Nach vierstündiger Beratung beschloß die Strafkammer des Berliner Landgerichtes, 17 Angeklagte des Helldorf- Prozesses aus dem Untersuchungsgefängnis zu entlassen. Zwei Angeklagte bleiben in Haft, der eine, weil er keinen festen Wohnsitz hat, der andere, weil er nach wie vor fluchtverdächtig ist. . . . und die Kleinen. In den Kreisen der S. A. wird, wie der Berliner „Vorwärts" berichtet, gegenwärtig ein Rundschreiben verbreitet, das von einer Reihe ehemaliger S. A.-Führer und -Funktionäre unterzeichnet ist. Darin heißt es: „Man hat uns als S. A.¬ Funktionäre und S. A.-Leute klar und befehlsmäßig in die Zusammenstöße, etwa auf dem Kurfürstendamm, hineingehetzt, um uns dann schmählich im Stich zu lassen. Am jüdischen Neujahrstag wurde mittags den S. A.-Führern der Dienstbefehl zugestellt, daß wir uns geschlossen am Abend an bestimmten Plätzen zu versammeln haben. Am Abend selbst erschien Graf Helldorf, gab uns diesen und jenen Befehl und dirigierte uns schließlich nach dem Kaffeehaus Reimann, das wenige Minuten später zerstört wurde. Ihr wißt, Kameraden, daß wir nur befehlsmäßig gehandelt haben, doch im Prozeß? Man überließ uns unserem Schicksal." Antisemitische Ausschreitungen In Stanislau. In Stanislau haben christliche Hochschüler, die aus Anlaß der Feiertage zum Besuch ihrer Eltern nach Stanislau gekommen sind, schwere antisemitische Exzesse veranstaltet. Geschmückt mit grünen Bändern, dem Zeichen für Judenboykott, marschierten sie in Gruppen durch die Straßen, vertrieben Käufer aus den jüdischen Läden und belästigten jüdische Passanten. Am Abend postierten sich Gruppen dieser Studenten vor den Kinos und mißhandelten alle jüdischen Passanten, deren sie habhaft werden konnten. In der Mickiewiczgasse, wo sich die angegriffenen Juden zur Wehr setzten, kam es zu einer großen Schlägerei, in deren Verlauf mehrere Juden verletzt wurden. Noch keine Ruhe in Posen. Aus Posen wird mitgeteilt, daß die durch grüne Streifen gekennzeichneten antisemitischen Boykottagitatoren die jüdischen Geschäfte blockieren und keinen christlichen Käufer die Geschäfte betreten lassen. Will ein Käufer doch in ein Geschäft hinein, so gehen die Agitatoren in der brutalsten Weise gegen ihn vor. Vereinzelte Ueberfälle auf Juden kommen in den verschiedenen Stadtvierteln immer noch vor. Auen werden in einzelnen jüdischen Läden die Scheiben,

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