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Die Wahrheit · 1932-01-01 · Heft 1 (1.1.1932) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1932
Issue
Heft 1 (1.1.1932)
Date
1932-01-01
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Sette für den Bestand und die Erhaltung eines Israelitischen Friedhofes, für die immerwährende und unantastbare Erhaltung bestandener und aufgelassener israelitischer Friedhöfe und für die, dem Ritus entsprechende Beerdigung der Verstorbenen. Wir können es nicht unterlassen, auch Auszüge einer Rede des damaligen Oberrabbiners s. A. zu zitieren, die am 4. April 1917 anläßlich der provisorischen Eröffnung des neuen israelitischen Friedhofes gehalten wurde: „Was heißt denn, einen Friedhof einweihen, und worin besteht diese Einweihung? Einen Friedhof einweihen, heißt erkennen und feierlich aussprechen, was er bedeutet. So stumm die Friedhöfe sind, ein so tiefes Schweigen sie bedeckt, so führen sie doch die lauteste und beredteste Sprache für den. der diese Sprache versteht In diesem Verständnis ist ihre Weihe, ihre Heiligkeit, ihre Unverletzlichkeit begründet Denn wo die Erde ihren Mund öffnet — und jedes Grab ist solch ein Mund — da vernimmt das kundige Ohr die Stimme der lauteren Wahrheit, wie es heißt: „Die Wahrheit bricht aus der Erde hervor." Darum befinden wir uns auf dem Friedhof in der „Welt der Wahrheit-'. Diese Wahrheit ist die Geschichte. Das Archiv der jüdischen Gemeinde sind die jüdischen Friedhöfe. Deshalb ist für uns der Friedhof keine Stätte des Todes, sondern das „Haus des Lebens", keine Stätte der Vergänglichkeit, sondern das „Haus der Ewigkeit". Ja, schon in der Tatsache, daß der Friedhof überhaupt ein Haus genannt wird, ist der tiefere Sinn enthalten, daß er kein Trümmerhaufen ist, sondern daß die Steine, die sich auf den Gräbern befinden, sich zu einem Haus, zu einem Tempel auftürmen und vereinigen, in dem, wie unsere alten Lehrer sagen, „die Lippen der Dahingeschiedenen sich bewegen", um für die Lebenden, wenn sie in Not und Sorge sind, ihre Bitten, wie einst zu ihren Lebzeiten, zu Gott emporzusenden. Aus jedem Grab ruft die Stimme des darin Ruhenden seinen Teueren zu: „Ich schlafe, aber mein Herz ist wach." Aber auch unsere Religion hat uns das älteste und herrlichste Weihelied geschenkt, das auch hier seinen Sinn erfüllt Es heißt zwar das „Weihelied des Hauses", aber da auch der Friedhof ein Haus genannt wird, so findet jener Psalm auch hier Anwendung. „Ewiger. Du führst meine Seele aus der Gruft empor, Du belebst mich wieder, nachdem ich in das Grab gesunken war." Aus all' diesen Worten und Gedanken läßt sich die jüdische Auffassung eines Friedhofes klar erkennen. Und deutlicher als jedes Gesetz sagt uns das Gefühl, daß die Erdbestattung schon durch die Ueberlieferung geheiligt ist. Zu den ergreifendsten Kapiteln der Geschichte unseres Volkes gehört der Heimgang unserer Altvordern, wie ihn die Bibel uns in charakteristischer mich doch nicht in Aegypten. Wenn ich entschlafen bin zu meinen Vätern, dann trage mich hinauf von Aegypten ünd begrabe mich in der elterlichen Begräbnisstätte." Als dann wirklich Jakob starb, so wird uns der Leichenzug, die Trauerfeierlichkeit in der Bibel genau geschildert: „Es war eine bedeutende Trauer für ganz Aegypten. (70 Tage beweinten ihn die Aegypter.) Aber die Söhne Israels taten alles so, wie es ihnen ihr Vater befohlen hatte. Es trugen ihn seine Söhne ins Land Kanaan und begruben ihn in der Höhle des Feldes Machpelah, welches Feld Abraham zum Erbbegräbnis von dem Chiter „Efron" gekauft hatte." Die Familientrauer um den Dahingeschiedenen war. wie es noch heute Vorschrift, siebentägig. (Schiwoh.) Aber auch Josef, dieser Fürst in Aegypten, der Retter der Nation, wollte nach einfachem, altem, jüdischem Ritus in der Heimat beerdigt werden. Und noch in seiner Todesstunde hatte er keinen anderen Wunsch, den er seinen Brüdern offenbarte, wie es im Kap. 50, Vers 24, heißt: „Josef sprach, zu seinen Brüdern: ich sterbe und Gott wird Euch einst wieder bedenken und Euch aus diesem Lande hinaufführen in jenes Land, das er einst zugeschworen hat Abraham. Isak und Jakob. Josef beschwor Israels Söhne: wird Gott Euch einst wieder bedenken, so habet Ihr meine Gebeine mit Euch hinaufzuführen." Und Josef starb und wurde seinem letzten Willen gemäß in Aegypten in einen Oraun (Sarg) gelegt, um dereinst in seinem Sinne von seinen Brüdern in die Heimat überführt zu werden. Dieses Wort „Oraun" ist ein sinniger Ausdruck für Sarg, es kommt nur noch bei den Gesetzestafeln §1111 II VORNEIHIE FAMILIEN - PENSION iHestaupation.HaffBcbiius täglich 5-Uhr-Tee SEMMER1NG TELEPHON 11 Hochstraße 43 neben Hotel Panhans Mäßige Preise, Zimmer mit PensionS 12.—aufwärts Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser in jedem Zimmer. Anshoali: Wien Telephon D 27-6-24. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein» Besitzer IIIÜIIIIIIUIIIHIIIIIIIIIIUIIIUII!!i vor. Oraun ist ein Behälter, in welchem nicht etwas für ewig begraben, sondern für jemanden in Empfang genommen und wohlverwahrt liegen soll, wie das Gesetz für Israel. So ist, nach jüdischer Auffassung, auch der Oraun als Sarg ein Behälter, in welchem die irdische Hülle zeitweilig aufbewahrt bleibt Dieser letzte Wille der Väter, wie ihn dte heilige Schrift dokumentiert vererbte sich auf die Kinder Israels als geheiligte Tradition, eine ununterbrochene Kette von Werden. Sein. Vergehen. Das Erdbegräbnis stellt demnach die Bestattungsart dar, wie sie sich durch Jahrtausende in unserem Volk erhalten hat Der Friedhof war die zweite Heimat ihrer Lieben; denn das irdische Leben war. wie unsere Weisen sagen, eine Wohnung, in der man als Gast weilt Die dort ruhen und deren Seelen unabhängig von ihren irdischen Hüllen weiter leben, werden einst auferstehen, wenn die Posaune des Messias erschallt, wie wir ja auch im Schemonoh-Essreh-Gebet diese Ueberzeugung zum Ausdruck bringen. „Der seine Treue bewahrt den im Staube Schlummernden. Der König, der tötet und belebt und der es wahr macht, die Toten wieder zu beleben." Das Judentum hat deshalb die bei manchen Völkern gebräuchliche Feuerbestattung immer perhorresziert. Nach der Meinung der Bibelkommentatoren bezieht sich die Verbrennung, von welcher bei Saut (1. B. Samuel. K. 31, V. 12) und Assah (Isr., K. 34. V. 5) die Rede ist nicht auf die Leichen, sondern aut die Gebrauchsgegenstände der verstorbenen Könige (siehe Awodah surohil). Es bleibt ja der jüdische Friedhot nach wie vor eine messianische Hoffnung, wie sie in Ezechel. Kap. 36 geschildert wird: „Menschensohn, diese Gebeine das ganze Haus Israels sind sie. Siehe es ist. als ob sie sprächen, dürr geworden sind unsere Gebeine, geschwunden ist unsere Hoifnung, einsam und verlassen sind wir. Deshalb sprich im Namen des Herrn, siehe ich öffne Eure Gräber und führe Euch empor aus Euren Grüften und bringe Euch heim in das Land Israels. Und ich lege meinen Geist in Euch und Ihr lebet fort und ruhet aus in Frieden.'* So zeigt uns jedes Wort und jede Auslegung der heiligen Schrift daß für die, die sich eins fühlen mit der traditionellen Ueberlieferung, der Ausklang ihres Lebensliedes mit dem Wunsche identisch bleibt, den Bileam verkündet: „Tomauss nafschi mauss jeschorim ueschi acharissi komauhu." Es sterbe meine Seele den Tod des Redlichen und mein Ende gleiche dem ihren. Oskar Neurath. Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt Ausführlichkeit schildert. In der Sidrah „Chaje-Soroh" wird uns erzählt: „Da starb Sarah in Kirjath-Arba, das ist Chebron, im Lande Kanaan. Und Abraham zog sich zurück, um Sarah zu beklagen und zu beweinen. Dann erhob sich Abraham aus der Gegenwart seiner Toten und sprach zu den Söhnen Chets: „Fremd und Beisasse bin ich bei euch, gewährt mir einen Grabbesitz bei euch, damit ich meine Tote begraben kann." So erstand Abraham das Feld und die darin befindliche Höhle. Dan erst begrub Abraham seine Frau Sarah in der Höhle „Machpelah". Dazu bemerken unsere Weisen: Die Oertlichkeit, von welcher die Höhle den Namen trägt, hieß „Machpelah" und dieser Name, von „Kupeldoppelt", weist auf eine gepaarte räumliche Gestaltung hin. Es scheint, daß die Oertlichkeit aus paarweise geschichteten Höhlen bestand, die sich also von selbst der Bestattung von im Leben wie im Tode vereinten Ehepaaren darbot Wie ja denn dort Adam und Eva, Abraham und Sarah, Isaak und Rebekka, Jakob und Lea ruhen. Der erste Besitz, den der jüdische Stamm in seinem Lande erhielt waren Gräber, die der erste Jude für sich und seine Nachkommen zu ewigem, unantastbarem Besitz erwarb. Noch in der nationalen Blüte der späteren Jahrhunderte stieg kein Tagesopfer auf den Moriah-Höhen in Jerusalem empor, bevor nicht der Priesterherold von den Tempelzinnen den Morgenstrahl über den Gräbern der Ahnen zu Chebron leuchten gesehen hätte. — Am Ende der gleichen Sidra wird uns erzählt: „Abraham verschied und starb in einem gesegneten Alter, reif und lebenssatt und wurde gesammelt zu seinen Vätern. Und es begruben ihn Jischmael und Isak, seine Söhne, in der Höhle Machpelah, im Felde Chebron. — Dort wurde Abraham und Sarah, sein Weib, bestattet" .... Der nächste Trauerfall in der Familiengeschichte unseres Volkes wird uns in der Sidra Wajischlach erzählt Kap. 35 V. 19.: „Da starb Rachel und wurde auf dem Wege nach Efrath, das ist Beth- Lachen begraben. Ihr Gatte Jakob stellte ein Denkmal auf ihr Grab. Es ist dies das Grabdenkmal Rachels bis heute." Alljährlich am Rausch-Haschonch hören wir gleichsam aus diesem Grabe, wie es die Haftorah schildert: „Eine Stimme ward von Ramah vernommen, Klage, bitterliches Weinen. Rachel weint um ihre Kinder". So lebt Rachel, die „am Wege starb", gerade durch ihr Grab am Tage des Gedenkens in jeder jüdischen Gemeinde fort In derselben Sidrah wird erzählt, Kap. 35, V. 29: „Da verschied Isak und wurde zu seinem Volke gesammelt alt und lebenssatt Und es begruben ihn Esau und Jakob, seine Söhne." Auch Isak wurde in der Höhle „Machpelah" beigesetzt So gegensätzlich die Lebensauffassung dieser beiden, einst feindlichen Brüder auch sein mochte, so einten sie sich in der Liebespflicht den alten Vater würdig zu bestatten. In der Sidra „Wajechi", berichtet uns die Schrift im Kap. 47, Vers. 39, „Israels Tage nahten sich dem Tode, da ließ er seinen Sohn Josef rufen, und sprach zu ihm: Uebe an mir höchste Gnade in Wahrheit Begrabe Hitler und Cuza. In Sibiu (ttermannstadt, Transsylvanien) tagte kürzlich der Kongreß der christlichen Studenten Rumäniens unter Beteiligung von etwa 4000 Delegierten und Gästen aus allen Universitätsstädten des Reiches. Der Kongreß erhielt in diesem Jahre ein besonderes Gepräge durch die Teilnahme einer Delegation von Hitler-Studenten aus Deutschland unter Führung von Karl Motz. Er stand also im Zeichen cuzistisch-hitlerischer Verbrüderung. Auf dem am Abend der Kongreßeröffnung abgehaltenen Festbankett sprachen Metropolit Balan, Bürgermeister Goris, der Vertreter des Kriegsministers (der Kriegsminister ist Ehrenpräsident der faschistisch-antisemitischen Organisation „Fratia de cruce") General Vasilescu Christea, der Präiekt des Departements u. v. a. Karl Motz toastierte auf die Befestigung der Freundschaft zwischen dem deutschen und dem rumänischen Volke und sagte, Cuza habe den gleichen Kampf durchzukämpfen wie Hitler in Deutschland. Er forderte die rumänische Studentenschaft auf, sich an dem Kampf der Nationalsozialisten in Deutschland ein Beispiel zu nehmen und brachte ein „Hoch!" auf die k ü n f t i g e n R egierungen in Deutschland und Rumänien aus, die unter der Führung Hitlers und Cuzas stehen würden. Es wurde beschlossen, an Cuza und Hitler Huldigungstelegramme abzusenden. Durch den Besuch der Hitler-Delegation beim Kongreß der christlichen Studenten in Sibiu hat auch die nationalsozialistische Bewegung unter den Siebenbürger Sachsen einen neuen Auftrieb erhalten. Anläßlich der Anwesenheit der deutschen Delegation in Hermannstadt fand eine von über 500 Personen besuchte Versammlung statt. Der Führer der deutschen Delegation Karl Motz, Privatsekretär Adolf Hitlers und Parteisekretär der N. S. D. A. P., hielt eine Rede, in der er erklärte, Aufgabe der Delegation sei es gewesen, sofortige Beziehungen zwischen der deutschen und der rumänischen Studentenschaft anzuknüpfen. Der Kampf um die Erneuerung Deutschlands richte sich gegen Marxismus, Kommunismus und Judaismus. Die gesamte deutsche Studentenschaft arbeite aktiv in der nationalsozialistischen Partei mit, die 12 Millionen Anhänger habe und binnen kürzester Frist die Macht in Deutschland übernehmen werde. Im Hinblick auf diese in letzter Zeit in gewissen Kreisen der rumänischen Oeffentlichkeit betriebene Stimmungsmacherei für den nun auch in Rumänien durch eine Hitler-Delegation offiziell vertretenen deutschen Nationalsozialismus und die von Cuza im Parlament wiederholt abgegebenen Sympathieerklärungen für Adolf Hitler nimmt ein Teil der rumänischen fortschrittlichen Presse energisch Stellung gegen die Duldung dieses Treibens durch die offiziellen Kreise. Aber auch an die deutsche Regierung wird die Mahnung gerichtet, endlich dem Nationalsozialismus gegenüber energisch durchzugreifen. So schreibt das offizielle Organ der liberalen Partei „Viitorul": Hitler hat die Atmosphäre in Deutschland vergiftet. Er hat Sturmtruppen organisiert, die eine Bürgerkriegsarmee darstellen. Er trägt die Hauptschuld an Deutschlands Mißgeschick, an der Kapitalsflucht und der Gefährdung der deutschen Währung. Wenn man ihn weiter gewähren lassen wird, dann wird das Unglück für Deutschland mit Riesenschritten wachsen, und nicht nur für Deutschland, sondern auchfürganzEuropa. Will die Regierung in Berlin Deutschland retten, dann muß sie in diesem Punkt ihre Pflicht erfüllen. Hitler hat durch Schaffung einer Bürgerkriegsarmee und durch direkt an die Regierung gerichtete Drohungen bewiesen, daß er zu allem fähig ist. Der ungünstige Eindruck, den diese Zustände im Ausland . hervorgerufen haben, muß die offiziellen Kreise Deutschlands endlich davon überzeugen, daß mit dem Hitler-Abenteuer Schluß gemacht werden muß.

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