Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Völkerbund, Cuza und Hitler. Brief aus Rumänien. Von unserem Korrespondenten. Cernauti, Mitte Dezember. In jüngster Zeit gab es im rumänischen Parlament bewegte Debatten. Gelegentlich der Verhandlungen über das Budget des Außenministeriums hat auch der Antisemitenfübrer Cuza seinerseits an demselben Kritik geübt und die Abberufung der Vertretung Kumäniens beim Völkerbunde gefordert. Vom Standpunkte des Parlamentarismus wäre das nicht zu bemängeln, wenn nicht Herr Cuza den Rahmen des eigentlichen Themas überschritten hätte. In den wenigen Wochen seit Beginn der Tagung des rumänischen Parlaments .hat Abg. Cuza öfters schon gegen .die Juden losgezogen. Und so hat auch diesmal der Antisemitenhäuptling in seiner blinden Wut gegen die Juden und unter Mißbrauch der parlamentarischen Redefreiheit im rumänischen Abgeordnetenhause den Völkerbund als eine uabewährte, jüdische Institution bezeichnet und sich als Anhänger Hitlers deklariert, zu welchem er in engen Beziehungen stehe. Diese Erklärung konnte Herr Cuza. welcher zu den engsten Freunden des Ministerpräsidenten Jorga zählt und der Regierungsmajorität angehört, ungehindert zum Ausdrucke bringen, ohne vom Vorsitzenden, den Majoritätsabgeordneten oder gar von den Ministern zur Ordnung gerufen, bzw. eine Unterbrechung erfahren zu haben. Einzig und allein die Opposition und insbesondere dei; demokratische Bauernführer Dr. Lupu hat die Rede Cuzas durch Zwischenrufe und sachliche Bemerkungen unterbrochen und ihre Fortsetzung verhindert. Selbstredend entstanden heftige Tumultszenen, wobei es auch an persönlichen Beschimpfungen und Beleidigungen nicht fehlte. Trotzdem Dr. Lupu den Präsidenten auf seine Pflichten aufmerksam machte, blieb Cuzas Hetzrede ungerügt und selbst der Minister des Aeußeren rührte keinen Finger, weshalb Dr. Lupu dem Ackerbauminister zurief: ,Jierr Ackerbauminister übernehmen Sie die Stelle des Außenministers, denn ich sehe, daß er stumm ist" Tatsache ist aber, daß Rumänien treu zum Volkerbund hält und daß die Beziehungen zu ihm die denkbar besten sind. Als Beweis möge auch der Umstand dienen, daß Großrumänien sich einer außerordentlichen Bevorzugung seitens des Völkerbundes erfreut, indem der Gesandte Titulescu bereits zweimal zum Präsidenten dieses Völkerbundes gewählt wurde. Die Regierungskreise begründen ihr passives Verhalten Herrn Cuza gegenüber damit, daß derselbe bereits im Greisenalter von 73 Jahren stehe und seine Reden und Handlungen überhaupt nicht mehr ernst zu nehmen seien. Darauf hat auch vor einigen Tagen der Innenminister durch eine ausdrückliche Bemerkung hingewiesen, indem er bei einem Ausfalle Cuzas sagte: „Laßt ihn nur reden. Dies kann ohnehin niemand ernst nehmen." Anderseits ist es aber allgemein bekannt daß der Ministerpräsident Universitätsprofessor Jorga, zu seinem Kollegen Prof. Cuza in engen freundschaftlichen Beziehungen steht und den letzteren sogar anläßlich verschiedener Reden öfters beglückwünschte. Dadurch und durch die sonstigen Beziehungen des Majoritätsabgeordneten und Führers des antisemitischen Parlamentsklubs zur Regierung kann seinen unbedachten Reden im Parlamente eine gewisse Bedeutung nicht abgesprochen werden, auch wenn man sie ins Lächerliche zieht Und mit seiner letzten Rede hat der „Patriot" Cuza unserem Vaterlande keinen besonderen Dienst geleistet und auch das Prestige desselben keinesfalls gehoben. Da üben die Juden schon wirksamer und nachhaltiger den Patriotismus! Nach den Erfahrungen sind die Prinzipien Herrn Cuzas allerdings höchst schwankend und sein Antisemitismus sehr anfechtbar. So ist bekannt, daß Cuza mehrere Zinshäuser in Jassi besitzt für welche er als Einwohner nur Angehörige des von ihm gehaßten Volkes vorzieht und daß er oft auch für Juden interveniert wenn es sein Interesse erheischt. Einen besonderen Eindruck hat aber die Erklärung des Deputierten Calinescu hervorgerufen. Als Cuza seine Angriffe gegen die Juden und den jüdischen Völkerbund erhob, erklärte Herr Calinescu im Parlamente öffentlich, daß bei ihm vor einigen' Jahren, als. er noch Minister war, ein Abgeordneter intervenierte und von ihm hunderttausend Lei aus dem außerordentlichen Fonds zwecks Ankaufes eines Automobils für einen Juden in Pascani forderte, und dieser Abgeordnete war Herr Cuza! Was bleibt nun angesichts solcher Tatsachen für Cuza noch übrig als Gelächter? Es ist fürwahr die höchste Strafe für einen Menschen, der etwas gelten will, wenn all seinem Streben kein Ernst beigemessen und seine Taten ins Lächerliche gezogen werden. Charakteristisch für. Herrn Cuza ist noch folgender Fall: Vor einigen Jahren sollte seine Tochter in Jassi entbinden. Der Fall war aber sehr kompliziert und die nichtjüdischen Aerzte mußten einen erfahrenen Gynäkologen zuziehen. In Jassi gibt es aber nur einen solchen und der ist der Jude Dr. Brenner. Man konnte sich keinen Rat schaffen und die Aerzte bezweifelten, ob der Jude in das Haus seines Feindes kommen werde. Die Verzweiflung Cuzas hat auch nichts geholfen und man schickte doch um den jüdischen Arzt der sich ungesäumt beim Krankenlager einfand. Er begrüßte seine Kollegen, ohne den Antisemiten eines Blickes zu würdigen, und machte sich sofort ans Werk. Mit schwerer Mühe und nach längerem Zeitverlust gelang es ihm alles mit bestem Erfolge und in Ordnung durchzuführen. Freudestrahlend wollte nun der Großvater dem Retter seines Kindes danken und ihm auch ein entsprechendes Honorar ein- Isdilas, Rheuma, oifhf Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Metbode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie Heißluft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Hellmethoden taglich von 8-6 Uhr Hellansfoll ..Xlaermla" L, Franz Joseiskai 1 — Telephon R 29-1-87 Leiter: Dr. Wolf Somer händigen. Dr. Brenner hat aber alles zurückgewiesen, indem er mit wahrem jüdischen Edelmut erklärte: Er sei als Arzt dem Rufe seiner Kollegen gefolgt um seine hohe Mission zu erfüllen. Das Geld eines Antisemiten brauche er nicht Dann verabschiedete er sich von seinen Kollegen und ließ den Judenfeind beschämt stehen. Dieser Fall hat allgemeine Sensation hervorgerufen und bildete noch lange nachher das Tagesgespräch in ganz Rumänien. Diesen jüdischen Edelmut belohnt nun Cuza mit seinem antisemitischen Edelmut, der ihn überall nur dem Hohngelächter preisgibt .... Bernhard Rippel. Vom Weltverband für Sabbathsdwtz Schomre Sdiabbos. Das Echo des Sabbath-Welttongresses. der im Vorjahre in Berlin stattfand, ist noch nicht verklungen. Als gewaltige Manifestation der unter dem Zeichen des Sabbaths geeinten Judenheit ist er noch jetzt in lebendiger Erinnerung, zumal die jüdische Presse aller Parteien und Richtungen mit einiger Ausführlichkeit über seinen Verlauf berichtet hat. Vor allem haben die mehr als 200 Delegierten fast aller europäischen Länder (auch die Wiener Israelitische Kultusgemeinde war bekanntlich dort vertreten) sowie der Vereinigten Staaten von Amerika und des Heiligen Landes die Kunde des Kongresses verbreitet und den Gedanken der Organisierung aller Sabbathtreuen zur Festigung der Sabbathidee und praktischen Förderung der Sabba thheiligung in die fernsten Gegenden and weitesten Kreise hinausgetragen. Vollends für den Einberufer, den Weltverband für Sabbathschutz Schomre Schabbos. wurde der Kongreß von grundlegender Bedeutung. Er gab die Verfassung, auf der heute die Organisation beruht, wählte die Personen, die seitdem den Verband leiten, und stellte die Aufgabe, die die Arbeit des KA1FNAO mit Kapital bietet sich die seltene Gelegenheit, altes, glänzend in Wien und Provinz eingeführtes Engrosgeschäft wegen vorgerückten Alters des Besitzers zu übernehmen. Unter „Sichere Existenz" an die Administration des Blattes. Verbandes bestimmen. An die Spitze der Organisation trat das Präsidium, das im Interesse einer stärkeren Aktivität auf Berlin konzentriert wurde, da auch von der deutschen Reichshauptstadt die Initiative zur Gründung des Wedtverbandes ausgegangen war. Unterstützt wird das Präsidium durch das Zentralkomitee, das aus 170 über alle Länder verstreuten Persönlichkeiten besteht Dem Präsidium gehören die folgenden Herren an: Dozent Dr; Samuel Grünberg (Präsident), R.-A. Dr. Paul S u 1 z b e r g e r und Dr. N. R a c hmilewitz (Vizepräsidenten), Heimann Abramczik, Rabb. Dr. Jacob Freimahn, Ministerialrat Hans Goslar, Willy Guggenheim, Marcus Hornstein, Rabb. Dr. Hermann Klein, Aron Löwenstein, Alfred Marcus, Abraham Prays. Dr. Werner Silberstein. Der Kongreß hat zunächst die organisatorischen Grundlagen des Verbandes verbreitert Schon die Vorbereitungen zum Sabbalh-Weltkongreß hatten Gelegenheit gegeben, die mannigfachen Auslandsbeziehungen, die zum größten Teil bereits im Jahre 1929 angeknüpft worden waren, zu festigen und weiter auszubauen. Der Kongreß vollends gab den unmittelbaren Anlaß zur Gründung einer Reihe neuer Landesverbände, insbesondere auch in Ländern, die bisher den universellen Bewegungen innerhalb der Judenheit fernergestanden hatten. Das Berliner Büro des Weltverbandes gewann Fühlung mit allen jüdischen Zentren der Welt im Norden bis nach Oslo (Norwegen), im Süden bis nach Johannesburg (Süd-Afrika), im Osten bis nach Kermanshah (Persien) und Bombay (Indien) und im Westen mit Montreal (Kanada) und den Hauptstädten der U. S. A. So stark war das Echo der Sabbathbewegung auch in den außereuropäischen Ländern, daß auch allgemeine religiöse und kulturelle Institutionen sich mit der Bezeichnung 2 T .an Der bekannte öü Dauer- Seidenstrumpf aus prima Waschseide VII d'Ecosse-§lrttmp(e 2"ZO mit Splfzferse o. Alour 2 20 bei ML Rosenkrani II., TaborslraBe 27, 3. Stieg«, 1. Stock „Schomre Schabbos" schmückten. So wurde in Alexandrien unter Leitung des Herrn Oberrabbiner Professor Prato eine Jeschiwah „Schomre Schabbos" gegründet. Insbesondere aber in Europa hat der Kongreß starken Eindruck hinterlassen und entscheidend dazu beigetragen, die Sabbathidee zu verbreiten und sie insbesondere auch Kreisen nahe zu bringen, die dem sabbathtruen Judentum fernerstehen. Der Propaganda diente darüber vor allem der vom Zentralbüro herausgegebene Nachrichtendienst, die vor drei Jahren begründete Sabbath- Korrespondenz (Sako), die den Schomre Schabbosvereinen der ganzen Welt, einer großen Zahl von Gemeinden und führenden Persönlichkeiten sowie mehr als 200 jüdischen Zeitungen des In- und Auslandes zugestellt wurde. Sie erwies sich nicht nur als geeignetes Mittel, den Konnex zwischen der Zentrale und den verzweigten Teilen der Organisation aufrecht zu erhalten, sie bot auch die Möglichkeit, die weitere Oeffentlichkeit über alle Ereignisse der Sabbathbewegung bestens zu informieren, zumal die Presse den Mitteilungen des Verbandes verhältnismäßig weiten Raum gewährte. Besondere Erwähnung verdient die Schriftenreihe des Weltverbandes, die im April dieses Jahres mit einer ausführlichen Untersuchung von Dr. Joseph Stern, Berlin, über das besonders aktuelle, auf dem Sabbath- Weltkongreß viel diskutierte' Problem der fünfctägigien Arbeitswoche eröffnet wurde. Die zweite Nummer brachte das grundlegende Referat, das Herr Rabbiner Dr. Rosenthal, Köln, auf dem Sabbath-Weltkongreß zur Frage der Kalenderreform gehalten hat Das dritte Heft, das in hebräischer Sprache erschienen ist. enthält einen Bericht über den Verlauf des Kongresses und ist besonders gut geeignet, in die mannigfachen Probleme einzuführen, die den Weltverband zur Zeit beschäftigen. (Weitere Schriften sind in Vorbereitung.) Die laufende Arbeit der Zentrale erschöpfte sich jedoch nicht auf die Gebiete der Organisation und Publizistik, sie ist vielmehr zu einem guten Teil den praktischen Aufgaben des Sabbathschutz e s zugewandt Auch in dieser Hinsicht hat der Kongreß die Richtung der Arbeit vorgezeichnet Das Hauptinteresse galt der Bekämpfung der von der Kalenderreform her drohenden Gefahr eines wandernden Sabbath. Die gesamte Tätigkeit. des Weltr verbändes auf diesem Gebiete erfolgte. 11111 'ein einheitliches Auftreten vor dem Völkerbund zu ermöglichen, unter Hintanstellung aller Prestigefragen in engster Fühlung mit dem Londoner Sekretariat des Jüdischen Komitees. Das gilt insbesondere für die Sammlung der Gemeinderesolutionen, von denen ein großer Teil den Weg über Berlin nahm. Dank der internationalen Beziehungen des Weltverbandes hat die Sammlung auch ein befriedigendes Ergebnis gezeitigt, und die geschlossene Opposition der jüdischen Gemeinschaft hat nicht wenig dazu beigetragen, daß jüngst die zuständige Kommission des Völkerbundes die Vertagung der Kalenderreform beschlossen hat Als Mitglied des Jüdischen Komitees "legte auch der Präsident des Weltverbandes am 10. Juni 1931 den jüdischen Standpunkt vor dem vorbereitenden Ausschuß für die Kalenderreform, beim Völkerbund in Genf dar. Der Weltverband war auch bestrebt, wirtschaftliche Einrichtungen zu treffen, die dem sabbathtreuen Mittelstand unmittelbare Hilfe bringen sollen, doch konnten die starken Impulse, die der Sabbath-Weltkongxeß in dieser Beziehung gegeben hat, durch die außerordentliche- Verschärfung, die die Wirtschaftskrise bald nach dem Kongreß und zumal im Sommer dieses Jahres erfahren hat. nicht zur Auswirkung kommen. Besonders bemerkenswert ist der Aufruf, den das Präsidium des Weltverbandes anläßlich des Rausch- Haschonoh-Festes. dessen erster Tag diesmal auf einen Sabbath fiel, erlassen hat. Im Hinblick auf die zunehmende Bedrohung des Sabbaths durch die katastrophale Zuspitzung der wirtschaftlichen Lage und angesichts der bevorstehenden Entscheidung in der Frage der Kalenderreform forderte der Weltverband die Rabbiner in allen Ländern jüdischer Siedlung auf, ihre Ansprachen am ersten Rausch Haschonoh-Tage dem Sabbath zu widmen. Der Aufruf, der zugleich in mehreren Sprachen durch die gesamte jüdische Presse verbreitet wurde, fand weitgehend Beachtung. Die Rabbiner nutzten den Sabbath-Rausch Haschonoh, um in den jüdischen Massen die Liebe zum Sabbath zu festigen, um die Widerstandskraft gegen schwere Versuche zu stählen und die Solidarität der Schomre Schabbos zu stärken. So endete das Jahr, dem die Manifestation des Sabbath-Weltkongresses den Auftakt gegeben hatte, mit einem erneuten Bekenntnis derGesamtjudenheit zur Idee und Heiligkeit des Sabbaths. Stellenvermifflung' der „Union". Lehrjunge aus gutem x Hause wird für feine Herrenschneiderei aufgenommen. Salomon Zeil, Wien L, Postgasse 3/L