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Die Wahrheit · 1931-12-25 · Heft 52 (25.12.1931) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 52 (25.12.1931)
Date
1931-12-25
Page
– (sequence 2)
Language
German
Belongs to
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Sctte 2 die wAironen DAS IDEALSTE GESCHENK sind TEPPICHE "-T£PPICHH AUS S.I(HEINA.G. Ml Im BAUERNMARKT 12—14 gp» Kala« Filiale In Wian OIE BILLIGSTE EINKAUFSQUELLE an den Hochschulen erkennen und hieraus die sich ergebenden Schlußfolgerungen ziehen würden. Da wir nun einmal beim „Studentenrecht" sind, können wir nicht umhin, auch der merkwürdigen Haltung unserer Jüdischnationalen Erwähnung zu tun. Auch sie sind nun Gefangene ihrer eigenen Ideologie — auch sie leiden hinsichtlich dieses Problems an der gefahrvollen Zwiespältigkeit, auch sie können sich nicht zur Erkenntnis aufraffen, daß man den Mut aufbringen muß, einen Weg zu verlassen, der in eine Sackgasse führt. Mußten die „Alten Herren" der jüdischnationalen Verbindungen einen Beschluß fassen, der nur Wasser auf die Mühlen der Hakenkreuzler und ihrer Förderer ist? Wäre es nicht an der Zeit, die Gefahren zu erkennen, die das Spielen mit den sogenannten „nationalen Thesen" in sich birgt? Wollen unsere Nationalisten ebensowenig von ihren „Belangen" lassen, wie die Nationalsozialisten? Selbst die Gegner der „Union österreichischer Juden" müssen jetzt zugeben, daß vornehmlich diese es ist, die den Kampf gegen das „Studentenrecht" anführt. Sollte dieser Kampf zu einem Erfolg führen, dann wird es das Verdienst der von den Nationalen geschmähten „U n i o n" sein! Wir wollen uns darauf nicht viel einbilden; schließlich erfüllen wir nur unsere Pflicht und tun unsere Schuldigkeit. Aber die Judenschaft Wiens und Oesterreichs sollte jetzt die Bedeutung der „Union" als Vorkämpferin für das Recht der jüdischen Staatsbürger erkennen und, unbeschadet ihrer sonstigen Weltanschauung, alles daran setzen, dieses Instrument auszubauen und zu stärken. Wenn die anderen Gruppen in dieser ernsten Stunde ihre Anhänger aufrufen und zur Ralliierung auffordern, so sollten dies gerade die am meisten von den Ereignissen bedrohten Juden um so eher tun! Hinein in die „Union österreichischer Juden"! richters, unser armes Vaterland beschenken. Wir zweifeln nicht daran, daß es ein österreichischer Justizminister gewesen ist, der Herrn Dr. Peisser zum Bezirksrichter in Radstadt bestellte; wir hoffen nur, daß es auch einen Justizminister geben wird, der ihm bald einen Nachfolger verschaffen wird. Der Islam-Kongreß. Der in Jerusalem stattgehabte, vom Mufti Haj Amin el Husseini einberufene Islam- Kongreß, über dessen Tendenzen wir in unserer letzten Nummer berichteten, hat die folgende Resolution angenommen: Der Zionismus bedeutet ipso facto einen Angriff auf das moslemitische Wohl und hat sich als den moslemitischen Interessen schädlich erwiesen. Direkt oder indirekt verdrängt er die Moslems aus der Kontrolle ihres Landes und ihrer Heiligen Stätten. Der Annahme der Resolution ging eine Aussprache voraus, in der mehrere Delegierte England wegen seiner Orient-Politik angriffen. Einer der syrischen Delegierten, Riadh Bey, erklärte, England habe die Juden nach Palästina gebracht und sei deshalb für die den Islam bedrohende jüdische Position in Palästina verantwortlich. Mit seinen imperialistischen Zwecken dienenden Mandaten und seiner ganzen Kolonialpolitik habe EnglandUnruhe inden Orient gebracht. Schließlich proklamierte die Konferenz den Boykott aller Waren palästinensisch-jüdischer Provenienz in allen moslemitischen Ländern. Dieser Boykott soll „ein Mittel sein, die Omar-Moschee vor jüdischem Zugriff zu schützen". „Wenn es den Juden in Palästina gelingt", heißt es in der betreffenden Resolution weiter, „ihre Industrie zu entwickeln, so werden sie in der Lage sein, immer mehr Boden zu erwerben; es könnte dann so weit kommen, daß auch die Moschee vor ihrem Zugriff nicht sicher ist." Wie angesichts solcher Beschlüsse der .. bekannte englische konservative Politiker und Publizist Winston Churchill, der soeben in New- York zu einem Besuch der Vereinigten Staaten eingetroffen ist, dem Vertreter der Jüdischen Telegraphen-Agentur gegenüber die folgende Erklärung abgeben konnte, ist uns schleierhaft: Der Islam- Kongreß kann keinerlei Wirkung auf die Entwicklung des Jüdischen Nationalheims haben. England verursacht dieser Kongreß keinerlei Kopfzerbrechen und so besteht auch für die Juden kein Grund, sich irgendwelchen Sorgen hinzugeben. ■■•■»■«MfIMMHIM Wir erhalten folgende Zuschrift aus Radstadt: An die Schriftleitung der Jüdischen Wochenschrift „Die Wahrheit". Sie veröffentlichen in Ihrer Zeitschrift, Ausgabe vom 18. Dezember 1931, Nr. 51, unter der Aufschrift: Der Bezirksrichter von Radstadt SS 99 eine Notiz. Ich ersuche Sie unter Bezug auf § 23 P. G. um Aufnahme folgender Berichtigung: Unrichtig ist: daß der Bezirksricliter von Radstadt sagte: „Den Juden muß man alles wegnehmen, nur die Läuse muß man ihnen lassen". Richtig ist: daß der Bezirksrichter von Radstadt erklärte: „Die vierzehntausend aus Galizien und Polen eingewanderten Juden mögen nachweisen, was sie außer ihren Läusen mit nach Oesterreich gebracht haben, das gehört ihnen; was sie nicht nachzuweisen vermögen, das gehört uns." Unrichtig ist: daß ein böses Mißgeschick die Ausübung der Gerechtigkeit in die Hände des Bezirksrichters Dr. Max Peisser gelegt hat Richtig ist: daß Dr. Peisser nach Ablegung der vorgeschriebenen theoretischen und praktischen Prüfungen und Absolvierung der Vorbcreitungszeit vom Bundesminister für Justiz zum Richter ernannt wurde Unrichtig ist: daß Bezirksrichter Dr. Max Peisser von Radstadt zu einer traurigen Berühmtheit gelangt ist und eine vereinzelte Erscheinung unter unseren österreichischen Richtern darstellt Richtig ist: daß er zu keiner traurigen Berühmtheit gelangt und keine vereinzelte Erscheinung unter den österreichischen Richtern darstellt Bezirksrichter Dr. Max Peisser. n Es macht uns ein wahres Vergnügen, die Berichtigung des Radstädter Bezirksrichters zu veröffentlichen. Zeigt sie doch erst recht, wes Geistes Kind er ist Er ist ein Musterknabe aus der Schule der Hakenkreuzler, er spricht seelenruhig nach, was er dort gelernt hat Woher denn sonst sollte er seine Weisheiten über die polnischen Juden nehmen. Zu Gesicht dürfte er noch wenige bekommen haben. Es könnte ihm wahrlich nicht schaden, ein wenig in die Schule von polnischen Juden zu gehen; von dort könnte er, was seiner Karriere als Richter, wenn auch nicht als Hakenkreuzler, nur nützen könnte, anständige Lebensführung und Pflichtgefühl, Menschlichkeit und Geistigkeit beziehen. Das haben unsere polnischen Juden mit nach Wien gebracht, immerhin Wertvolleres als die Importware, mit der die reichsdeutschen Hakenkreuzler, die Kampfgenossen dieses Bezirks- Seuitteton Der „Diamantenhändler" Israel Sarasohn. Eine chassidische Legende. Von J. KreppeL In seiner Vaterstadt, in dem kleinen litauischen Städtchen, kannte man ihn bloß unter dem Namen „Rabbi Jakob", obwohl er eigentlich ein angesehener Kaufmann war. Das Prädikat „Rabbi" erhielt er aber wegen seiner großen Frömmigkeit Rabbi Jakob war allerdings kein großer Schriftgelehrter; als Sohn einer armen Witwe, die sich schwer abrackerte, um den Lebensunterhalt für sich und ihn zu verdienen, mußte er, kaum 14 Jahre alt, den Kampf ums Dasein aufnehmen und ans Qeldverdienen denken, in einem Alter also,, in dem seine Altersgenossen im Städtchen noch im Chcder saßen oder, wenn sie besonders befähigt waren, bereits im Beth-Hamidrasch allein „lernten". Das bißchen, das er im Cheder lernte, geriet auch nach und nach in Vergessenheit, als Jakob fast zwei Jahrzehnte hindurch täglich 12 bis 14 Stunden in einem Lebensmittelladen als Gehilfe arbeiten mußte, um sein Brot zu verdienen. Aber fromm und gottesfurchtig blieb er dennoch; tagtäglich besuchte er morgens und abends die Synagoge und betete mit großer Inbrunst Sabbate und Feiertage verbrachte er immer last ganztägig im Chassidim- Stübel, rezitierte Psalmen oder lauschte den Legenden, die einige alte Chassidim immer von den großen Wunderrabbis zu erzählen wußten. Zweimal jährlich fuhr er auch zum Rabbi von L, der, als Enkel des berühmten Bai-Schern, bei ihm. besonders hoch im Ansehen stand. Als er endlich etwas Vermögen zusammenbrachte und zusammen mit der Mitgift seiner Frau einen eigenen Laden führen konnte, erhielt er den Titel „Rabbi Jaköb". Das Geschäft ging ziemlich gut und der Wohlstand Rabbi Jakobs wuchs, bis eines Tages der Zorn des Ewigen die kleine Gemeinde heimsuchte. Ein furchtbarer Pogrom vernichtete das Hab und Gut aller dortigen Juden und auch Rabbi Jakob stand eines Tages ganz mittellos da. Im Städtchen setzte dann eine Emigrationsbewegung nach Amerika ein. fast alte Juden verkauften das Letzte und schifften sich nach dem Dollarlande ein. Auch Rabbi Jakob entschloß sich nach langem Zögern zu diesem Schritte. Frau und Kinder blieben im Städtchen, er aber griff zum Wanderstab und begab sich nach New York, wo einer seiner Verwandten bereits seit einem Jahrzehnt wohnte und es zu großem Wohlstand gebracht hatte. Rabbi Jakob war von Jugend auf an schwere Arbeit gewohnt. Auch im Dollarlande scheute er keine Arbeit und keine Mühe, um es auf einen grünen Zweig zu bringen. Aber das Glück blieb ihm versagt hauptsächlich deswegen, weil er auch in der Neuen Welt seiner Frömmigkeit treu blieb und es besonders mit der Beobachtung des Sabbat sehr genau nahm. Da mußte er allzu oft „feiern", verdiente auch sonst nur sehr mäßig, und da er einen Teil seines kargen Verdienstes an Frau und Kinder schickte, konnte er sich nur mangelhaft ernähren, kam physisch immer mehr herab und wurde schließlich ernsüich krank. Seine Landsleute und Freunde nahmen sich seiner an und unterstützten ihn eine Zeitlang. Aber immer mehr kam Rabbi Jakob zur Ueberzeugung, daß er sich für Amerika nicht eigne. So taten denn die Landsleute ein Uebriges, veranstalteten unter sich eine Kollekte und brachten das nötige Reisegeld auf, um Rabbi Jakob die Heimreise zu ermöglichen. Es war gegen Sommerende, als Rabbi Jakob den Dampfer bestieg, um in seine Vaterstadt zu Weib und Kindern, zurückzukehren. Die „furchtbaren Tage" rückten heran und Rabbi Jakob wolte diesmal wiederum das Neujahrsfest bei seinem Rabbi verbringen. Er hatte es sich genau ausgerechnet daß er vier Tage vor dem. Neujahrsfest in Hamburg ans Land gehen werde, hinreichend genug, um noch am Rüsttage des großen Festes beim Rabbi anzulangen., Aber der Mensch denkt und Gott lenkt Um billig fahren zu können, machte Rabbi Jakob die Ueberfahrt auf einem alten Kasten, der ziemlich langsam den Ozean überquerte. Der Fahrplan konnte ohnehin nicht genau eingehalten werden; dazu kam noch schlechtes Wetter, Nebel und Sturm, die den Dampfer mx Verlangsmiuns der Fahrt zwangen. Und so konnte Rabbi Jakob ausr gerechnet am Rüsttage des Rosch-Haschanah in Hamburg das Schiff verlassen. Seine Mittel waren sehr knapp und reichten kaum für die Bahnreise bis in die Heimat Müßte er noch irgendwo Halt machen, dann wird's nicht einmal soweit reichen. Am Dampfer wurde vor der Landung bekannt gegeben, daß unmittelbar darnach ein Sonderzug nach Berlin abgeht den die Schiffspassagiere um die Hälfte des Normalfahrpreises benützen könnten. Einen Moment lang kämpfte Rabbi Jakob gegen die Versuchung, diesen Zug zu benützen. Er würde nicht nur einige Mark ersparen, sondern auch in der großen Judengemeinde Berlin leichter Unterkunft finden können. Aber — dieser Sonderzug sollte erst gegen 7 Uhr abends in Berlin eintreffen, genau um die Stunde, da der Tag zu Ende geht und das große Fest beginnt Vielleicht hat er wiederum Pech und auch der Sonderzug werde eine Verspätung erleiden, dann würde er den heiligen Tag verletzen . . . Nein, das kann und darf nicht sein. Wollte er sich über die Sabbat- und Feiertagsruhe hinwegsetzen, dann hätte er ja in New York bleiben und es leichter auf einen grünen Zweig bringen können. Da zählte Rabbi Jakob seine Barschaft fand heraus, daß sein Geld ihm, wenn er in Hamburg ein billiges Logis nehmen und vielleicht noch mit Hilfe des Rabbinats eine billige Verpflegung finden werde, ausreichen würde, um bis nach Berlin zu gelangen. Dort wolle er lieber den Betrag für die Weiterreise zusammenbetteln, als gerade an dem „furchtbaren Tage" eine solche Sünde begehen. Rabbi Jakob verzichtete also auf die Begünstigung des Sonderzuges, erkundigte sich am Hafen nach einem billigen Hotel, brachte dort seine Bagage unter und machte sich auf den Weg, um die Adresse des Rabbiners zu erfragen und für Betgelegenheit sowie für rituelle Verköstigung Vorsorge zu treffen. (Schluß folgt)

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