Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 52 (25.12.1931)
- Date
- 1931-12-25
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
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Preis dieser Nummer 50 Groschen Die Wahrheit mit den Veröffentlichungen der /j »Union dsferreichisdier Juden" fe i and den ' Ämflidien Verlautbarungen der Erscheint jeden Freitag Israelitischen Ktritusgemeinde Wien Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße 13 — Telephon R 46-2-16 — Postsparkassenkonto Wien: A 100.918 ^■■^^■■MWB^^M^WBWB^BMBMMMl^BHMMMWMMMMWMMM^M^MMMMBBM^^BMWMB^M^MaWi^MMM^^M^^M^MMWWMMMMM XLVII. Jahrgang Wien, 25. Dezember 1931 Nummer 52 Burgfrieden ohne Burgerfrieden. Der Freispruch Dr. Pfrimers und Genossen kam wohl nicht überraschend. Angesichts der Stimmungen in Graz, der Zusammensetzung der Geschworenenbank und der anderen Begleiterscheinungen des Prozesses mußte man mit einem solchen Votum rechnen. Nichtsdestoweniger stehen wir einer Erscheinung gegenüber, deren Auswirkungen nicht unterschätzt werden dürfen. Wie immer man sich zu dieser Wendung stellen mag, die Tatsache, daß die Putschisten vom 13. September gewissermaßen einen Freibrief erhielten, dürfte sie am wenigsten davon abhalten, ihre Versuche, im Wege einer Ueberrumpelung die „Macht im Staate" zu ergreifen, zu wiederholen. Nicht einmal die lächerliche Rolle, die Pfrimer und seine Genossen beim Putsch vom 13. September spielten, und die ganze Kläglichkeit ihres Auftretens beim Prozeß dürfte für sie tödlich wirken. In Oesterreich ist eben alles möglich. Schon nimmt Starhemberg wiederum den Mund voll, schon erzählt Pfrimer, daß die Einigung zwischen den Heimwehren und den Nationalsozialisten trotz aller Schwierigkeiten und Hindernisse zustande kommen werde und daß Hahnenschwanz und Hakenkreuz „Schulter an Schulter" die österreichische Republik und die demokratische Staatsordnung in die Schranken fordern werden. Die Angst hat große Augen und nichts wäre gefährlicher, als diese Gefahr zu überschätzen. Aber nichts wäre auch verfehlter, als den- Kopf in den Sand stecken und die Gefahr übersehen zu wollen. Die Sozialdemokraten erkennen diese Gefahr voll und ganz und sie haben dieser Erkenntnis in ihrem Manifest nach dem Grazer Urteil offen Ausdruck gegeben. Auch die maßgebenden Faktoren sind scheinbar diesmal weit entfernt davon, eine Vogel-Strauß-Politik zu machen, und das bis zum 6. Jänner erlassene Versammlungs- und Aufmarschverbot zeigt, daß man in den Kreisen der Regierung entschlossen ist, energischer für die Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung Sorge zu tragen. Wir wollen hoffen, daß man diesmal wirklich Ernst macht und daß die staatlichen Machtmittel gegebenenfalls im vollen Ausmaße eingesetzt werden würden. Die schwere Wirtschaftskrise und ihre Begleiterscheinungen müßten jede Nachlässigkeit und jedes Durchdie-Finger-schauen geradezu zu einem Verbrechen gestalten. Die österreichische Republik kann und darf sich gerade jetzt nicht den Luxus eines kleinen Bürgerkrieges erlauben. Ruhe und Ordnung ist gerade jetzt mehr als sonst die oberste Pflicht nicht bloß der Bürger, sondern auch der maßgebenden Staatsfaktoren. Wenn diese tatsächlich dazu entschlossen sein sollten, diesmal mit der Aufrechterhaltung der Gesetzlichkeit und der staatlichen Ordnung Ernst zu machen, dann dürfen sie nicht übersehen, daß es ihre vornehmste Pflicht ist, nicht auf halbem Wege stehen zu bleiben und nicht anderseits durch Entgegenkommen an gewisse destruktive Elemente gleichzeitig die Zügel zu lockern. Die Regierung darf sich nicht einbilden, daß man den Bürgerfrieden „voll und ganz bewahren könne, wenn man gleichzeitig gewisse Exzesse und Uebergiffe toleriert, nur SILBERSftlQSSELN SlLBERKflNNEN NEUE FORflEN BUS"EIGENER WERKSTATT ENTWURFE BERÜHRTER KÜNSTLER OESTERREICH ER JUWELIERE U. SILBERSCtiniEbE I., WIPPLlNQERSTRdSSE N2 29 deswegen, weil sie gegen die — Juden gerichtet sind. Der Kampf um das sogenannte „Studentenrecht" ist in den letzten Tagen einigermaßen zum Stillstand gekommen; die Weihnachtsferien haben diesmal etwas früher als sonst eingesetzt, angeblich wegen gewisser Adaptierungsarbeiten an der Universität, in Wirklichkeit jedoch, um den Herren Hakenkreuzlern jede Gelegenheit zu nehmen, ihr Treiben gerade jetzt, während der kurzen Periode des „Burgfriedens", fortzusetzen, lnsofeme diese Annahme zutrifft, müßte man die löbliche Maßnahme der Regierung anerkennend würdigen. Was aber soll nach den kurz bemessenen Weihnachtsferien geschehen? Sollen dann die Hitlerbuben neuerdings den „Ordnerdienst" an SKI-SCHUHE, prima Watarprool9§•» •Mf" SfflalwollodenShiliose^n ■ M and Herren In allen OrSBen, S 1Q.8Q ■ <A> Lnmberjack, wasserdichter Zeltstoff mit Zippver- ■ M Schluß, a 2.SO Ski.Wälle-Socken, S X.— Ski-Walle ■ ■ Fäustling. mu 7.90Sid-nodciieiiid€B, 'Äf E Sportvatter Oft lM Wlppllngaritrat* Mr. mm%m der Universität mit Hilfe des Gummiknüppels und des Schlagringes besorgen? Soll der Herr Unterrichtsminister weiterhin der Gefangene der den Hakenkreuzlern gemachten Zusagen bleiben und den Standpunkt vertreten, daß „die Studentenschaften geschaffen werden müssen"? Wir begreifen wohl die peinliche Lage des Herrn Ministers Dr. Czermak, der sich den Nationalsozialisten und ihren Förderern gegenüber allzu weit festgelegt hat und nicht leicht wieder abblasen kann. Aber es handelt sich beim „Studentenrecht" keineswegs um eine einfache „Ressortangelegenheit", sondern um ein Poh'tikumersten Ranges, und wenn sich auch Herr Dr. Czermak festgelegt haben mag — das Gesamtkabinett ist noch frei von jeder Bindung und ist nicht gezwungen, zu allem Ja und Amen zu sagen. Tatsächlich hat ja der Entwurf des Herrn Unterrichtsministers noch nicht die Zustimmung des Ministerrates gefundten; tatsächlich dürften die Bedenken der katholischen Kreise gegen die „Rassigkeit" im geplanten „Studentenrecht" nicht ohne Wirkung geblieben sein. Da Ministerratsbeschlüsse eine Einstimmigkeit voraussetzen, hätten es diejenigen Kabinettsmitglieder,, die sich noch nicht ganz den Hakenkreuzlern verpflichtet haben, immerhin in der Hand, ihr Veto einzulegen. Wird Vizekanzler Dr. Schober seine ganze Vergangenheit verleugnen und der Schaffung der ominösen „Volksbürgerschaft" seine Zustimmung erteilen? Wird Handelsminister Heini, der erst vor Jahresfrist so energisch gegen das Treiben der Hakenkreuzler an der Hochschule für Welthandel einschritt, diesmal umfallen? Noch immer können wir uns das nicht gut vorstellen und noch immer wollen wir die Hoffnung nicht aufgeben, daß die maßgebenden Faktoren die Diskrepanz zwischen der Erlassung eines Versammlungs- und Aufmarschverbotes und der Duldung des Terrors Jüdische Hochschüler! Auf zum. Kampfe gegen das Es geht um unsere Rechte an den Hochschulen und unsere zukünftige Stellung im Staat! Sammelt Euch in der im Rahmen der „Union" bestehenden Ösferrcifflisdi-Jfldisdien AhadcmlKer-Unlon? Beitriffsanmeldangen Berggasse 4, Telephon A 19-2-77. Mitglieder und freunde der „Union" tUNXtragen Lebensand Elementar- Versidierungen der städtischen Versidieranösanslalt