Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 51 (18.12.1931)
- Date
- 1931-12-18
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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t^tte 6 DIE WAHRHPIT 3faßen£treii2 mnWexfi Karl Horak endgültig freigesprochen. Das Oberste Gericht der Tschechoslowakei in Brünn hat in geheimer Verhandlung die Nichtigkeitsbeschwerde der Staatsanwaltschaft gegen den Freispruch des Mörders Karl Horak durch ein Prager Geschworenengericht geprüft Und das freisprechende Urteil als rechtskräftig erklärt. Horak ist somit endgültig von der Anklage, einen siebenfachen Raubmord an Juden begangen zu haben, freigesprochen worden. Er hat bereits das Gefängnis verlassen. Für die Nichtigkeitsbeschwerde waren stichhaltige Gründe ins Treffen geführt worden, so daß das Erkenntnis des Obersten Gerichts in Brünn um so mehr Verwunderung erregen muß, da auch die Form des Geheimverfahrens in dieser Angelegenheit wenig zur Stärkung des verletzten Rechtsbewußtseins beitragen kann. Alle Umstände sprachen dafür, daß Horak nichts anderes als einen Raubmord bezweckt hat Sein Freispruch mußte als ein Zeichen des militaristischen Geistes unter den tschechoslowakischen Kleinbürgern, die die Geschworenenbank besetzt hatten, angesehen .werden; dieser militaristische antisemitische Kleinbürgergeist konnte es nicht über sich bringen, zuzugeben, daß ein in militärischer Uniform und unter patriotischer Bemäntelung an Juden begangenes Verbrechen seine Sühne findet Und das oberste tschechische Gericht schließt sich diesem Schandurteil an! Noch regiert nicht Hitler .... Die wiederholten unzulässigen AblehnungenjüdischerGerichtspersonen veranlassen nunmehr die Ministerien der einzelnen Länder, entsprechend dem Vorgehen Preußens, der reichsgerichtlichen Rechtsprechung mehr als bisher Nachdruck zu verschaffen. Sogar das hessische Justizministerium hat eine Rundverfügung erlassen, in der ausgeführt wird, daß es bei der Beurteilung eines Ablehnungsgesuches darauf ankommt ob der Angeklagte bei verständiger Würdigung der Sachlage Grund zu der Befürchtung hat der Richter werde in seinem Urteil nicht unvoreingenommen sein. Allgemeine Ausführungen, diedieGefahrderBefangenheit eines Richters wegen seines Glaubensbekenntnisses dartun sollen, können die Ablehnung nicht rechtfertigen. Weiter .heißt es in der Verfügung: Nach der Strafprozeßordnung hat der zur Ablehnung Berechtigte zwar das Recht, daß ihm auf Verlangen die zur Mitwirkung bei einer Entscheidung berufenen Gerichtspersonen namhaft gemacht werden. Unter dieser Namhaftmachung können aber Angaben über die politische Einstellung, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgesellschaft die Abstammung oder sonstige persönliche Verhältnisse der Richter nicht verstanden werden. Der Angeklagte kann daher nicht verlangen, daß die Gerichtspersonen (Richter, Schöffen, Geschworene) befragt werden, welcher Partei oder welchem Glaubensbekenntnis sie angehören oder welcher Abstammung sie sind. Gesetzliche „Erhaltung der Rassereinheit". In Leipzig tagte soeben der Reichsverband der nationalsozialistischen Aerzte und Apotheker. Es wurde über Maßnahmen beraten, die geeignet seien, in Deutschland die „nordischen" Menschen auch rein zahlenmäßig zum beherrschenden Typus zu machen. Prof. Dr. Stämmler (Chemnitz) führte u. a. aus: „Jegliche anders gerichtete Rassenmischung ist gesetzlich zu verbieten, und bei eigens zu schaffenden Rasseämtern wären für jeden Deutschen eigene Gesundheitsakten zu führen. Von den drei Gruppen, in die das Volk unter rassenhygienisch - eugenischen Gesichtspunkten dann zerfiele, wäre die mindestwertige ohne weiteres zu sterilisieren." „Deutsche Würde." Vor dem Breslauer Arbeitsgericht lehnte kürzlich, wie die Abwehrblätter berichten, ein deutscher Mann, der als Beistand seiner Tochter erschienen war. den Vorsitzenden Richter mit den stolzen Werten ab: ..Kein Deutscher hat die Pflicht, ein Urteil aus derHandelnesJudenenteegenzunehmen." Er wurde allerdings durch das Gericht eines Besseren belehrt. Sein Ablehnungsantrag wegen Befangenheit des Vorsitzenden wurde von Rechts wegen abge-- lehnt. Es bestünde kein Anlaß, auf dieses Vorkommnis einzugehen, wenn seine Begleitumstände nicht e'ne köstliche Illustration dafür böten, was derselbe deutsche Mann, der es mit seiner rassischen Würde für unvereinbar hält, ein Urteil aus der Hand eines deutschen Richters jüdischer Abstammung anzunehmen, in anderer Hinsicht mit dieser selben rassischen Würde für vereinbar hält. Das Gericht begründete nämlich die Ablehnung des Antrages wegen Befangenheit unter anderem auch mit dem Hinweis darauf, daß die Abneigung des Heldenvaters gegen das Jüdische so gar groß doch nicht sein könne, denn es sei gerichtsbekannt, daß sich seine Tochter, die Klägerin, für eine Klage, die sie kurz, zuvor vor der höheren Instanz durchzufechten hatte, einen jüdischen Rechtsanwalt bestellt hatte. Gegen die deutsche Würde geht es also zwar, sich "von einem Juden verurteilen zu lassen.. Dagegen ist es mit dieser Würde durchaus vereinbar, sich von einem Juden verteidigen und „herausdrehen" zu lassen. „Winterhilfe" — „Judensch windel". Die Polizei verhaftete in Berlin einen Nationalsozialisten, der über ein Plakat der Berliner Winterhilfe an einer Litfaßsäule einen Zettel mit Hakenkreuz und der Aufschrift „Judenschwindel" geklebt hat GROSSFLEISCHHAUEREI flEGM. KORNMEHL WIEK ex., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., W&HRINSERSTRASSE S? Telephon Nr. A 17 3-99 und A 16-9-34 Lieferant für Hellanstalten ÄbteilungenfürKoscherfleisch unter Aufsicht des ehr«». Rsbbinates der l»r. Kultussemeinife Wien. Samtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Chanuka-Feiern in schwerer Zeit. In unserer letzten Nummer haben wir in einer allgemeinen Betrachtung die erfreuliche Tatsache beleuchtet, daß trotz der Not der Zeit die in allen Wiener Bezirken veranstalteten Chanuka- F eiern auch heuer wieder einen sehr schönen Verlauf nahmen und insbesondere ihren wesentlichen Zweck, Bedürftige, vornehmlich Kinder zu beschenken, vollkommen erfüllten. Die folgenden uns zugekommenen Berichte illustrieren diese Tatsache. Raummangel zwingt uns leider zur knappsten Wiedergabe dieser Schilderungen*), so daß in manchem Falle die Kürze des Berichtes die Gediegenheit der Veranstaltung nicht restlos dokumentiert. Mit der prinzipiellen Feststellung, daß überall edle Menschen am Werke waren, um in schwerer Zeit ihren armen Glaubensbrüdern aus vollstem Herzen zu helfen, wird also die nachsiehende kursorische Veröffentlichung publiziert: Leopoldstädter Tempelverein „Aeschel Awrobom", IL. Pazmanitengasse 6. Im Rahmen dieses Tempelvereines hatte sich, wie wir bereits wiederholt berichteten, unter dem Protektorate des Herrn Obmannes Oskar Schramek, des Herrn Rabbiners Dr. Zwi Taubes und der Frau Bundesstaatlichen Fürsorgerat Ottilie Politzer ein Komitee gebildet, das es sich zur rühmlichen Aufgabe stellte, am Cbanuka-Fest . bedürftige »■■■■■■■■«■■■■■■»■■■■■■■■■■■■■■■■Jl fSABBATGESÄNGEj ■ 20 Gesänge für den Sabbatgottc sdienst ■ 2 Kantor-Rezitative mit Orgelbegleiiung ■ ■ Komponiert von ■ ■ Josef Wefflmann g Jj Oberkantor und dipl. Musikprofessor ■ ■ Zagreb, Jugoslawien, Gundu.iceva 35 ■ ■ Preis: S 15.— inkl. Zusendung ■ fiUBMBMHRHHHHBMBHaMaBBUiaS Kinder der Talmud-Thora-Schule des Vereines zu bekleiden und zu beschenken. Die Möglichkeit hierfür gewann das rührige Komitee durch die Abhaltung einer ganz glänzend gelungenen Chanuka-Feier im Tempel am 6. d. M.. deren Reinerträgnis dem erwähnten Zwecke zufloß. Das schöne Gotteshaus war sehr stark besucht, unter anderen war in Vertretung des Kultusvorstandes Herr Börserat I. Glück erschienen. Allgemeine Bewunderung fand die kantorale Funktion des Herrn Oberkantors J. Müller, der. unterstützt durch den von Herrn Chordirigenten Hirschmann trefflich geleiteten Chor, sowohl beim Rezitieren des Mincha- und des Maariw-Gebetes wie auch beim Vortrag der Festgesänge ganz hervorragende Leistungen bot. Den Höhepunkt der Feier bildete die inhaltlich wie rhetorisch meisterhafte Festpredigt des Herrn Rabbiner Dr. Zwi Taubes, der zunächst die Entwicklung des Chanuka- Festes zum Volksfeste sehr gedankenreich schilderte und hierauf die Aufgaben skizzierte, die der Tempelverein zu erfüllen bestrebt ist Die Feier verlief, wie gesagt sehr würdig und erreichte auch vollkommen ihren Zweck, so daß das Komitee, in dem. abgesehen von einigen Vorstandsmitgliedern des Vereines, wie den Herren Obmann Schramek. Neumann, N i w e s und Raschdowa'tz, insbesondere die Damen Ottilie Politzer und Irene Wechsler ungemein rührig wirkten, in der Lage war. nicht nur eine Anzahl von Schülern mit warmen Mänteln und guten Schuhen zu bekleiden, sondern auch im Anschluß an einen eigenen Gottesdienst zahlreiche Kinder mit Süßigkeiten zu beschenken. So wurde in diesem Kreise, der sich so oft schon auf humanitärem Gebiete bewährt hat, eine neue Aktion zum Wohle bedürftiger Glaubensgenossen glänzend durchgeführt. Kinderbewahranstalt Am 6. d. M. fand in den Räumen der Israelitischen Kinderbewahranstalt des Vereines „Wohlfahrt". IL. Schiffamtsgasse 15. die diesjährige Chanukafeier statt, welche von zahlreichen Gästen und Freunden der Anstalt besucht war. Unter anderen waren Kultusvorsteher E. H o f m a n n. Rabbiner Dr. A. K a m i n k a und für die „Union" die Herren Dir. G. Kol min. Ing. H. Koditschek. Frau Reg.-Rat Dr. Lenk und Sekretär O. Hirschfeld, mehrere Damen der Jüdischen Frauenvereines H. erschienen. In feierlicher Weise wurden von Herrn *) Aus dem gleichen Grunde mußten auch einige Berichte für die nächste Nummer zurückgestel't werden. ' i .1:; .' ■ Die Red. Oberkantor G. Margulies die Chanukalichter entzündet, worauf der Präsident. Herr Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d. der mit seiner Gattin aus Baden gekommen war. die Anwesenden herzlich begrüßte und die Bedeutung des Festes würdigte. In seiner Rede sprach er überdies der Leiterin der Anstalt. Frau Dir. Olga Fischer, die. in gewohnter Bescheidenheit, ihr 35jähriges Dienstjubiiäum in aller Stille begangen hatte,, warme Worte der Anerkennung und des innigsten Dankes für ihre ersprießliche Tätigkeit aus. Die Anstaltszöglinge führten sodann einige entzückende Spiele und Reigen auf. die lebhaften Beifall der Gäste fanden. Zum Schluß besichtigten diese die für 100 Kinder bestimmten, reichlich bemessenen Gaben, wie Schuhe. Mäntel und Kleider. Wäsche und Wolisachen, Süßigkeiten und Spielsachen, deren Verteilung dann vorgenommen wurde. Im Dr. Krüger-Heim fand die Chanuka-Feier am 6. d. M. in Anwesenheit des Gesamtvorstandes und einer großen Anzahl von Festgästen statt. Nach einer kurzen Begrüßung durch den Präsidenten Obermedizinalrat Dr. S. Krüger stimmten die Heim-Schützlinge ein Chanuka-Lied an und Herr Oberkantor L ö w i t zündete in weihevoller Weise die Lichtlein an. Der Schützling, Fräulein B e r n f e 1 d. trug in sehr ergreifender Weise ein Gedicht vor. Die Lehrerin. Fräulein Dozent Eva Landesberg, sprach in ihren „Worten zum Fest", tiefsinnig und gedankenvoll, gediegene hebräische Kenntnisse beweisend, von Chanuka. seiner Bedeutung und seinen Lehren. Die Festrede fand viel Anklang und herzlichen Beifall. Herr Ernst Friedländer, von seiner jungen Frau am Klavier begleitet, brachte in künstlerisch vollendeter Weise zwei jüdische Lieder von Stuischewsky auf dem Cello zum Vortrage. In prächtiger Ausführung sangen die Heim-Schützlinge unter Leitung des Herrn Oberkantor Löwit Sulzers Halleluja (Psalm 150). Nach einer kurzen Pause begeisterte Herr Oberkantor S. P o s t o 1 o w die Anwesenden mit dem Vortrag von zwei jiddischen Liedern, die er mit seiner herrlichen Stimme wirkungsvoll sang und dafür reichen Beifall erhielt. Nach zwei humoristischen Darbietungen von Schützlingen des Heimes spielten mehrere Zöglinge in lustiger Weise „Szenen aus der musikalischen Kochschule". Es war ein sehr gemütlicher Festabend, welcher mit einer guten Jause und der Verteilung von sinnigen und nützlichen Chanukageschenken erst spät seinen Abschluß fand. Es wäre zu wünschen, daß dieses Fest, um dessen ausgezeichnetes Gelingen sich insbesondere Kommerzialrat Smetana bemühte, auch den Anlaß geben möchte, das „KTüger- Heim". das so viel Gutes leistet, möglichst zu fördern. R. K. Fürsorgekomitee für jüdische Insassen in Lainz. Am 6. d. M. veranstaltete obgenanntes Komitee für die jüdischen Insassen in Lainz eine Chanukafeier, verbunden mit einer Akademie und einer Jause. Die bettlägerigen Pfleglinge wurden auf den Pavillons von den Damen und Herren des Komitees besucht und mit Backwerk beteilt Für die gesunden Insassen gab es nach Bewirtung von Schokolade und Backwerk sowie Rauchwaren noch einige freudige Stunden. Herr Präsident Karl A11 m a n n begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste, sowie die Männer und Frauen von Lainz. Der religiöse Teil der Feier wurde von Herrn Kantor Kriegsmann, Seelsorger der Lainzer Pfleglinge, in gefühlvoller Weise erledigt Herr Lerner als Conferencier leitete in humorvoller Weise die Vorträge ein. Herr Hugo Wiener aus der „Femina" erzielte Heiterkeit und Fröhlichkeit unter allen Anwesenden und wurde ihm reicher Beifall zuteil. Herr Konzertsänger Milek sang mit herrlicher Stimme Opernarien. Auch Fräulein Lotte Fasal hat durch ihre Klaviervorträge großes und reiches Können gezeigt Rasch waren die schönen Stunden dahin, Freude strahlte von den Gesichtern der Pfleglinge und man hatte das Gefühl, hier ein edles gutes Werk vollführt zu haben. Mit Dankesworten an den Präsidenten und an das Komitee für die reichliche Mithilfe schloß Vizepräsidentin Frau Fleischmann die herrliche Feier, worauf Herr Schulhof im Namen der Pfleglinge dem rührigen Komitee den besten Dank aussprach und die Bitte stellte, auch in Zukunft ihrer zu gedenken. Chanuka-Veranstaltungen im 18. Bezirke. Der rührige Frauenverein und dessen Vorsteherinnen bekleideten und beschenkten 80 Kinder und 80 Frauen. Ein Festgottesdienst, bei welchem Dr. Feucht, wang die Festrede hielt vereinte Jugend und Gemeinde in der Synagoge. Dreihundert Kinder, die alle vom Vorstande des Talmud-Thora-Vereines beschenkt wurden, nahmen teil. Bei einer Jause im Cafe Colosseum. dessen E'gentümer, Herr Vorsteher K a t z, Räume und Kaffee zur Verfügung stellte und den Kindern reichlich Obst und Gebäck ge-