Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 50 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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Dffi WAHRHEIT Seite 7 Gemeinde ~ Chronik Verein für jüdische Geschichte und Literatur in Wien. Montag, den 14. d. M., 'AS Uhr abends, im Klubsaale der „Hakoah", I., Wiesingerstraße 11 (Cafe Atlashof, eigener Eingang, Souterrain), Vortrag von Frau Esther Nies es: „Die moderne Bibelforschung und Exegese". Im Anschluß daran rezitiert Fräulein Margarete Bach aus der Bibel. Eintritt frei. Gäste willkommen. Am 16. v. M. sprach Herr Saul C h a j e s, Archivar der israel. Kultusgemeinde, über den „Dubnoer Maggid und seine Gleichnisse". Der Vortragende schilderte einleitend das Wesen des biblischen und talmudischen Gleichnisses und dessen Bedeutung fürs alte Judentum. Während des Mittelalters schwand die Parabel aus der Literatur der Tossafisten und spanischen Geiistesheroen. Erst mit dem 18. Jahrhundert, mit dem Auftreten des Chassidismus, jener Strömung im Judentum, die ausschließlich an das Gemüt des einfachen, ungelehrten Juden appellierte, tauchte das jüdische Gleichnis wieder, auf. Auf Grund von Bädern und Beispielen aus Talmud und Midrasch und nicht zuletzt auch aus Natur und Leben der damaligen Judenheit suchte man dem Volke die ethischen Grundlagen' der Religion zu erklären. Jakob Kranz, bekannt als „der Dubnoer Maggid", war zwar ein Gegner dieser Bewegung, hatte sich aber im Kampfe mit ihnen Ihre eigene Waffe, die Methode des Gleichnisses angeeignet, in der er bald Meister wurde. Mit Milte von leicht faßlichen durchaus originellen Beispielen aus dem Alltagsleben der polnischen Juden verstand er es, die Herzen des Volkes zu erobern. Geboren um 1740 in Wilna führte er ein Wanderleben durch viele Städte Potens; er war Maggid (Prediger) in Meseryczy. Zolkiew, Dubflo, Chelm und vielen anderen Orten und gehört zu den populärsten Typen ostjüdischer Kultur. Herr Chajes gab einige treffliche Proben aus der Art des Gleichnisses des „Dubnoer Maggid", die wegen ihres geistrekh-humoristischen Point das Publikum in Bann hielten. Herr Prof. Krauss dankte dem Vortragenden im Namen des Vereines sowie den zahlreich erschienenen Gäste für sein© ausgezeichneten instruktiven Ausführungen, die einen recht interessanten Ausschnitt aus dem früheren Leben des jüdischen Ostens darstellten. Am 30. v. M. fand ein Vortrag des Herrn Rabb. Prof. Dr. J. Drobinsky unter dem Titel „Aus dem inneren Leben der Juden im 16. Jahrhundert" statt. Der Vortragende schilderte die kulturellen Zustände des 16. Jahrhunderts im allgemeinen, um dann. des Näheren die innere Lage der Judenheit jener Zeit zu beleuchten. Besonders vom Leben der Juden in den osmanischen Ländern (Türkei) wurde ein ausführliches Bild entworfen. Man wurde ins Gemeindeleben orientalischen Kolorits eingeführt, lernte seltsame Bräuche, handelspolitische Perspektiven und jüdische Institutionen mannigfaltigster Art kennen. Es war auch interessant zu erfahren, in welcher Weise sich die inneren Kämpfe zwischen orientalischen und okzidentalen Juden, also Sephardim und Aschkenasim, austobte, welche politischen Hintergründe dieselben veranlaßt hatten u. v. a. Die überaus lehrreichen Ausführungen, die in formvollendeter Sprache ein ziemlich entlegenes Gebiet aus der jüdischen Geschichte behandelten, würdigte Herr Prof. S. K r a u ß. Präsident des Vereines, in seinem Schlußwort, in welchem er dem Vortragenden im Namen des zahlreich erschienenen Publikums den herzlichsten Dank übermittelte. j. b. Budapest. Vor 25 Jahren kam Oberkantor Israel Tkats als Nachfolger des berühmten Oberkantors Jakob Buchmann nach Budapest in die große Synagoge der Rombachgasse. Er zeigte sich als würdiger Nachfolger seines Vorgängers sowohl gesanglich — er veriügt über eine Helden-Tenorstimme — als auch im Privatleben. Ihm zu Ehren wurde für den 7. v. M. eine solenne Feier anberaumt, aber schon am Vorabende füllte sich der Tempel mit Freunden und Verehrern. Nach dem Gottesdienste bereitete man ihm große Ovationen. Am 7. holten vor dem Mussafgebet deT Oberrabiner Dr. Benjamin Fischer und die Tempeivorsteher den Jubilar ms Bethaus und der verstärkte Chor empfing ihn mit einem Boruch habo. Man geleitete ihn auf seinem Tempelsitz, welcher mt Blumen und Kränzen dekoriert war. Der Jubilar wurde zur Thora aufgerufen und wurde dort mit dem für ihn verfaßten Mischeberach — in klassisch hebräischer Sprache — beglückwünscht. Nach dem Einheben der Thora begrüßte ihn Oberrabbiner Dr. Benjamin Fischer mit einer Festrede. Im Tempel waren vertreten der Gemejndevorstand unter Führung ds Präsidenten Hofrat Samuel Stern, Vizepräsident Dr. Marceil Hai du, Dr. Emil Zahle r, Dr. Miklos H a j d u, Generalsekretär Sandor E p p 1 e r, die Chewrah Kadischa durch Präses Max Kramer, Generalsekretär Dr. Simon En drei, Oberrabbiner Dr. Simom Hevesi, Dr. Zigmond Groszmann, Reichsratsabgeordneter Paul Sändor. Dr. Johann Väzsonyi. General Martin Zöldi Universitätsprofessor Dr. Emerich P o 11 a c s e k u. a. m., sämtliche Kollegen unter Führung der Oberkantoren Abrahamsohn und Linetzky, Vertretungen sämtlicher Tempel Budapests. Nach dem Gottesdienste empfing der Jubilar die Begrüßungen mehrerer Institutionen der Gemeinde und setner Verehrer. Abends wurde ein herrliches Bankett veranstaltet zu Ehren des beliebten Jubilars, dem viele Festreden und schöne Geschenke gewidmet wurden. Der Verein „Krankenbesuch" (Bikur Chaulim) veranstaltet am Sonntag, den 13. d. M.. 4 Uhr nachmittags, im Hotel Continental. II.. Taborstraße 8. eine Künstl'eT-Akademie mit Jause. Conference: Emmy W o 11 n e r. Auserlesenes ernstes und heiteres Programm. Das Reinerträgnis dieser Veranstaltung fließt der „Winterhilfe" der Kultusgemeinde zu. Entree inklusive Jause S 2.60. Karten an der Kasse und bei allen Vorstandsdamen. Telephon A 19-7-54. Todesfälle. Montag, den 7. d. M., verschied der 40jährige Herr Rudolf F a s s e 1, Gesellschafter der Papierwarenfabrik Adolf Reiß, Wien X. Trotz seines langen schweren Leidens war er bis in die letzte Zeit ein treuer und aufopfernder Freund seiner Umgebung, die durch das Hinscheiden dieses unvergeßlichen Edelmenschen einen nie zu ersetzenden Verlust erleidet. Das allgemeine Mitgefühl wendet sich seinem Gesellschafter, Herrn Kommerzialrat Adolf Reiß sowie der mit ihm so schwer betroffenen Familie zu. — Am 4. Dezember wurde das Vorstandsmitglied der Chewra Kadischa in Döbling. Herr Leopold Klein, der nach kurzer Krankheit im 77. Lebensjahre verschieden ist, unter großer Beteiligung zu Grabe getragen. In dem Verstorbenen verlieren seine beiden Töchter Frau Direktor S c h i c k I e r und Frau C h u m ihren geliebten Vater. Eine große Zahl von Trauergästen hatte sich in der Zeremonienhalle beim ersten Tor eingefunden, um dem Verstorbenen die letzte Ehre zu erweisen. Es waren unter anderen erschienen Vizepräsident Doktor 0 rnstein, Herr Gustav Oester reicher und Herr Amtsleiter Freistadt, in Vertretung der Mutter- Chewra Kadischa Herr Medizinalrat Dr. Winter und Herr N o s s i g als Vertreter der Währinger Chewra Kadischa, sowie der Gesamtvorstand der Chewra Kadischa XIX. Nachdem Herr Kantor David W e i ß m a n n die rituellen Gebete mit Chorbegleitung, in vorzüglichster Weise verrichtet hatte, hielt Rabbiner Dr. Frankiurter einen tiefempfundenen Nachruf. Er rühmte die vorbildliche Liebe des Verblichenen zum Judentum, dessen frommen Eifer für die Werke der jüdischen Nächum Praktisch denken heifit | Porzellan ono Pias smenken perhalten Sie die schönsten Artikel, mit denen Sie den Beschenkten die größte Freude ^bereiten. OonrRiED. Ii.. Tahorsfr. Sf Telephon A 43-908 stenliebe, seine unvergänglichen Dienste um die Chewra Kadischa XIX. Bezirk. Hierauf nahm der Obmann der Chewra Kadischa XIX. Bezirk Herr Direktor Josef Brüll in bewegten Worten Abschied von dem Entschlaienen und dankte ihm für alle seine Liebe und Treue, die er der Chewra Kadischa angedeihen ließ. Die Vorstandsmitglieder der Chewra Kadischa XIX. hoben nun den Sarg und trugen ihren Bruder zur letzten Ruhestätte. In tiefster Rührung verließ die große Trauerversammlung das Grab. Eduard T r n k a. — In Ostpreußen ist der bekannte Rabbiner Dr. Ludwig Lazarus im 62. Lebensjahre plötzlich verschieden und wurde am Dienstag, den 1. d. M., in Memel begraben. Er entstammt einer bekannten Wiener Familie und war früher in Göding (C. S. R.) Rabbiner. — Samstag, den 5. d. M., verschied Frau Rosa Friedmann im 89. Lebensjahre. In der Verstorbenen verlieren Frau Risa Glinger und der Schwiegersohn Herr Adolf Glinger ihre Mutter. Ein großer Bekanntenkreis hatte sich in der Zeremonienhalle beim ersten Tor eingefunden. Die kantorale Funktion versah Herr Oberkantor Rudolf Kogan. Ttmtttdje VerfauWarungen der Jsraefitisdfen Xuftusgemeinöz Wien Kundmachung betreffend Gruft- und Gräberausschmückungen auf den israelitischen Friedhöfen. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien bringt zur Kenntnis, daß mit 31. Dezember 1. J. der mit der Gärtneriirma Leopold Deutsch, Wien XL, Simmering, bestandene Vertrag, durch welchen die genannte Firma als Kontrahentin der israelitischen Kultusgemeinde Gruft- und Gräberausschmückungen auf den israelitischen Friedhöfen durchzuführen hatte, zur Auflösung gelangt und auf Grund eines Gutachtens hervorragender Fachmänner ab 1. Jänner 1932 ein neues Kontrahentenkonsortium bestbewährter Friedhofsgärtner vom Kultusvorstande zur Durchführung dieser Agende bestellt wurde. Durch die neuen Maßnahmen ist unter Fixierung billigst erstellter Preise die einwandfreie Ausführung der Aufträge für die Gruft- und Gräberausschmückungen sichergestellt und es wird durch hiefür geeignete Fachorgane die Angemessenheit der Preise und die den Wünschen des Publikums entsprechende Durchführung der Schmückungen fortlaufend kontrolliert werden. Bestellungen von Gruft- und Gräberausschmückungen werden sowohl in den Gräberausschmückungskanzleien, die sich auf den israeliti- Schiff mann ¥olks-Bekleidungshalle ■>< ers»-« „» eiMB, 9,OB«n Werbeverkauf Für Mann und Frau und Kind, in Kleidarn, Mänteln, Schuhen und allen anderen Bekleidungsartikeln Plüntel: _ Schilling Habertns-Mäntel . ........n(tn Für starke Frauen .... S 14.50 9 ÖU Englischer Tweed-Mantel, oc. HUbscbe Fasson....... . . OD — Elegante Diagonal-Mäntel mit echtem Schakal-Kragen. Schafwoll rn, . watteliert...............O» — [ Schwarze Frauen-Mäntel mit reicher Petzverbrämung, ganz ge- /»o, füttert und watteliert.... . . . . . . OS — Vornehme Tuchmäntel m. echter Fuchsverbrämung, ganz ge- «o. füttert. 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