Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 50 (11.12.1931)
- Date
- 1931-12-11
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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«rite 6 DIE WAHRHEIT nichrjüdischen Vereinigungen und politischen Parteien sichtbar zum Ausdruck kommt, an der Seite der Männer mitzuarbeiten und mitzukämpfen, um die der Gesamtheit des Judentums und insbesondere der heranwachsenden Generation durch den organisierten Terror der Antisemiten drohenden Gefahren abzuwehren. Frau Fischer-Treu führte unter anderem aus: Fanatismus, Perfidie und Feigheit haben ein Bündnis geschlossen, um den Juden an Existenz und Kragen zu gehen. Und da heißt es: sich wehren! Wenn wir alle Macht, allen Einfluß, die bei Juden liegen, in dieser Stunde der Gefahr vereinigen, dann wäre das ein nicht zu unterschätzender Machtfaktor, der, richtig angewendet die Drachensaat ersticken helfen könnte, ehe sie uns allen über den Kopf wächst. Hier liegt die erste große Aufgabe der Union. Um diese Aufgabe zu erfüllen, brauchen wir alle Kräfte — alle Kräfte der Männer nicht nur, sondern auch alle Kräfte der Frauen. Auch sogar unsere Gegner, -die jm übrigen eine unverhüllte Verachtung der FTau zur Schau tragen, legen großen Wert darauf, sich die Mitarbeit der Frauen zu sichern. Site wissen, welcher Einfluß der Frau zur Verfügung steht. Mit der Bekämpfung des Antisemitismus ist freilich die große, brennende Judenfrage noch lange nicht gelöst. Zu ihr nimmt die Welt eine ganz falsche Stellung ein — auch wenn es keine feindselige Stellung ist Sie betrachtet eben die Lösung der Judenfrage als eine Sache, die nur die Juden allein angeht Die Lösung der Judenfrage ist aber eine der großen Gegenwartsaufgaben, die alle Welt angeht: ja, es gibt wenige Fragen, die so sehr die gesamte zivilisierte Welt angehen wie gerade diese. Die Judenfrage wird immer zu schmerzhaften Reibungen und Störungen des Gleichgewichtes führen, und da die Welt das heute noch nicht einsieht, so ist es unsere, der Juden. Aufgabe, es so oft zu sagen, bis sie es begriffen hat Wohlgemerkt das kann nicht etwa eine spezielle Aufgabe der „Union" sein — wie das die Bekämpfung des Antisemitismus ja auch nicht ist —, aber jeder an seinem Teil muß dafür arbeiten, das heißt, auch dafür gerüstet sein. Wenn wir uns also fragen. „Was wir wollen', so ist es nicht zum mindesten: Der jüdischen Frau eine Plattform «eben, wo sie die ganzen in ihr schlummernden starken Kräfte für das Judentum auswirken kann. Die „Union" hat eine große Aufgabe — eine womöglich noch größere hat die Frauenvereinigung der „Union". Sie muß sich kräftig und stark eingliedern in die ..Union". In der anschließenden Debatte wurde allseits der tiefen Beschämung darüber Ausdruck gegeben, daß in dieser Zeit des radikalsten Antisemitismus auf sozialem und wirtschaftlichem Gebiete tausend und abertausend jüdische Frauen aller Gesellschaftskreise indolent abseits stehen, sich an diesem in unser aller Interesse gelegenen Abwehrkampfe nicht beteiligen, sondern es für gut finden, ihre freie Zeit und ihr verfügbares Geld oberflächlichen Vergnügungen zu widmen. „Unionu>Chanuka-Eeier. Die „Union ö st e r r eichis ch er J ud en" hat dem jüdischen Wien und insbesondere den Wiener jüdischen Vereinigungen ein Beispiel gegeben, das hoffentlich recht zahlreiche Nachahmung finden wird. Sie hat als eine der ersten das Reinerträgnis ihrer am 5. d. M. im Restaurant Tonello stattgehabten großen Chanuka- F e i e r die von der Bezirksorganisation II und von der Jugend-Union gemeinsam veranstaltet wurde, der Notstandsaktion der Kultusgemeinde gewidmet. War es dieser Zweck, der den zahlreichen Mitgliedern und Freunden der „Union" besonders unterstützenswert schien, war es die große Anziehungskraft, die die geselligen Veranstaltungen der „Union" und vornehmlich ihrer Jugendgruppe heute auf immer weitere Kreise ausübt, genug an dem, der Abend war von einem distinguierten Publikum so glänzend besucht, daß die beiden großen Säle des Etablissements sich als zu klein erwiesen und manche, ohne Einlaß zu finden, umkehren mußten. Die Zuhörer, unter denen sich viele Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union" und mehrere Kultusvorsteher befanden, waren des Lobes über die gelungene Veranstaltung voll, die mit dem Lichteranzünden des Herrn Oberkantors J. Müller ihre stimmungsvolle Einleitung fand. Dann hielt Professor Dr. C. Baumgarten die Festrede, die zeitgemäße Beziehungen zwischen den Heldenkämpfen der Makkabäer und dem schweren Ringen unserer Tage herstellte. Es folgten Begrüßungsansprachen des Obmannes des gemeinsamen Veranstaltungskomitees, Herrn Adolf Back, des Obmannes der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union", Herrn Direktor Gustav Kol min, sowie des Obmannes der Jugend- Union, Herrn Sekretär Oskar Hirschfeld, der auch die Conference des nun anschließenden künstlerischen Teiles der Veranstaltung besorgte. Hilde D u 1 i t z k a j a gab ungemein hübsche Proben ihres großen Könnens als Interpretin des jüdischen Volksliedes zum Besten. Stürmisch gefeiert wurde Fräulein Margarete Bach, die man heute ruhig als die glänzendste jüdische Vortragskünstlerin bezeichnen darf; ihre Einfühlung in die Welt des Dichters ist eine so verständnisvolle und den Zuhörer packende, daß wirklich diese hervorrragende Meisterin der Sprache schwer übertroffen werden kann. Schließlich las noch Gustav C h a r 1 e heitere jüdische und wienerische Skizzen, die ebenfalls Beifall fanden. Das Programm bewies in seiner Zusammenstellung viel Geschmack und auch die zahlreich anwesende Jugend kaum auf ihre Rechnung, denn es folgte eine Tanzunterhaltung, die erst früh ihr schönes Ende fand. Die Chanuka-Feier der „Union", um deren schönes Gelingen sich, abgesehen von den leitenden Funktionären, auch mehrere Damen der Bezirksorganisation Leopoldstadt, so insbesondere Frau Reg.-Rat Dr. L e n k und Frau Irene W e c h s- 1 e r, sowie mehrere Mitglieder der Leitung der Jugend-Union, vornehmlich die Damen Martha Back und Gerti Grün, sowie die Herren N. Koffler, Siegfried Mauner, Walter Steiner und Erich Wechsler bemüht haben, hat der „Union" und ihrer Jugendgruppe wieder neue Anhänger geworben, denn allgemein war die Ansicht, daß trotz der vielen Chanuka-Veranstaltungen, die dieses Jahr an allen Ecken und Enden Wiens geboten wurden, die Chanuka-Feier der „Union" zu den schönsten dieser Art zählte. Es sei noch erwähnt, daß am Abend die dort vorgenommene Ausstellung von jüdischen Kunstgegenständen aus dem Krüger-Heim unter Leitung der Vorstandsdame Frau Paula Pappenheim sowie der Reklametisch der jüdisch-hebräischen Buchhandlung L. D. H i r s c h 1 e r & C o m p. (I., Rabensteig 6), viel Interesse und Zuspruch fanden. Rumäniens Judenschaft kommt zur Besinnung. In der letzten Sitzung des rumänischen Senats gab der der Regierungspartei angehörende jüdische Senator Jancu Finkelstein eine sensationelle Erklärung ab, in der er es als unabweisbare Notwendigkeit bezeichnete, daß die rumänischen Juden, die gemeinsam mit den übrigen Rumänen für die Errichtung des heutigen Staates gekämpft haben, nicht als eine Minderheit im Lande betrachtet werden. „Die rumänischen Juden", erklärte Senator Finkelstein, „bilden einen integrierenden Bestandteil der rumänischen Gesamtnation; sie sind Rumänen mosaischen Glaubens, nicht aber eine jüdische Minorität, als welche manche sie qualifizieren wollen." itQüienisdics KOnigsiicht Seit vielenjahren das anerkannt beste tD^-nötw Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht" und Name Schulz Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirachengassse 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. GROSSFLEISCHHAUEREI HEGM. KORNMEHL laaaBBMMMMiHMMnBilHaMMi WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., W&HRINGCRSTRASSE 9? Telephon Nr. A 17-3-99 „nd A 16-9-34 Lieferant für Hollanstalten AbteilungenfflrKoscherfleisch unter Aufsieht des ehr**. Rabblnates der Isr. Kullusgemeinde aflen. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Anläßlich der dreizehnten Wiederkehr des-.. Tages, an dem in Alba Julia die Vereinigung TTanssylvaniens mit dem Altreich feierlich verkündet wurde, fand in der rumänischen Kammer eine Festsitzung statt, in der Führer der verschiedenen Fraktionen die Bedeutung dieses historischen Akteswürdigten. Namens der Jüdischen Partei erklärte- Deputierter Dr. Samuel Singer, auch die jüdische Bevölkerung Rumäniens feiere diesen Tag mit tiefster innerer Anteilnahme. Auf den Schlachtfeldern Rumäniens habe sich das Blut jüdischer und rumänischer Krieger vermischt. Ihre Verbundenheit mit dem Vaterlande hätten die Juden mit ihrem Blute besiegelt. Die Ausführungen Dr. Singers wurden: von einem großen Teil des Hauses mit lebhaftem Beifall aufgenommen. Versuche des Antisemitenführers Prof. Cuza, Singer zu unterbrechen,, wurden von Abgeordneten verschiedener Parteien vereitelt. Jiafcenfrreuz am Werft Ausländerhetze an den tschechischen Hochschulen^ Im Prager Parlament forderte der tschechische Klerikale Vicanek Einführung eine» Numerus clausus für Ausländer und' insbesondere für die Juden. Er erklärte, die Tschechoslowakei gebe eine Menge Geld für ausländische Studenten aus, die die tschechoslowakischen Hochschulen besuchen und sich dann: als Aerzte oder Advokaten niederlassen, um der tschechoslowakischen Intelligenz das Brot wegzunehmen. Ueberdies bringen sie in das politische Leben der Studentenschaft Unruhe hinein und sind: darum ein unerwünschtes Element. Die Folgen dieser Hetzrede stellten sich sehr prompt ein: Hörer der juridischen Fakultät der Universität Preßburg erschienen jüngst in größerer Zahl im Gebäude der medizinischen Fakultät und nahmen: am Eingang zum Anätomiesaal Legitimierungen vor. Die aus der Slowakei stammenden jüdischen: Studenten wurden in den Saal gelassen, dagegen wurden alle aus Polen stammendenjüdischen Hörer am Betreten des Saales verhindert. Die slowakischen Studenten erklärten nach bewährtem Muster, sie seien zu ihrem Schritt „durch jüdische Provokationen veranlaßt" worden. Die zurückgewiesenen jüdischen Studenten legten beim Dekan Protest gegen das Verhalten der slowakischen Studenten ein, der ihnen aber auch in diesem Staate, der die „jüdische Nation" bekanntlich anerkannt hat,, wahrscheinlich wenig nützen wird. Mllllllllllllllllll mm iniiiiiiiiiHniiiiniminiiiiiiiinii VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION. Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, Wien L, Schwedenplatz. Dienstag, den 15* Dezember s/«9 Uhr abends Kultureller Dishyssionsabend Robb. Dr. A. KAN1NKA „Jo§ephus riawlus"