Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 49 (4.12.1931)
- Date
- 1931-12-04
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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MS WAHRHEIT Sctt» & daß die Jüdischnationalen durch' ihre jahrelange Propaganda für die „jüdische Nationalität" den Weg geebnet haben, der zu der „Studentenordnung" zwangsläufig führen mußte. Seit Jahren wurde vergebens versucht, die Jüdischnationalen darüber aufzuklären, daß ihre Taktik unbedingt zur Entrechtung dter Juden in diesem Staate führen muß. Es war umsonst. Und selbst heute, wo bereits die Gefahr der Entrechtung der Juden an der Wieher Universität vor der Türe steht, selbst heute besitzen sie noch nicht den Mut, die Fehler ihrer Politik einzugestehen. Noch immer wird die nationale „Judäa" in den Zeitungsartikeln als die Repräsentanz der jüdischen Studentenschaft an der Wiener Universität hingestellt. Es ist unwahr, daß die „Judäa" die Repräsentanz der jüdischen Studentenschaft ist Es gibt eine große Anzahl jüdischer Studenten, die nicht auf nationalem Boden stehen, die nicht Mitglieder der „Judäa" sind und daher diesen Hochschulausschuß nicht als ihre Vertretung ansehen. Durch die Vorschiebung der,, Judäa" als Vertreterin der jüdischen Studenten Wiens haben die Zionisten sich und jene Studenten, die auf dem Bodlen der unbedingten Gleichberechtigung stehen, in die Situation gebracht, heute um ihr Recht kämpfen zu müssen. Es kann die Tatsache nicht aus der Welt geschafft werden, daß die jüdSschnationalen Studenten an der Wiener Universität die Gleispach'sche „Studentenordnung" nicht deshalb bekämpft haben, weil sie eine „jüdische Studentennation" schuf, sondern nur deshalb, weil den Juden gewisse Nebenrechte an der Universität nicht konzediert wurden. Nunmehr, da der Antisemitismus in Oesterreich uns Juden immer mehr zurückdrängt, uns wirtschaftlich zu vernichten droht, der jüdischen Jugend die Tore der Wirtschaft versperrt, nunmehr beginnen auch die Jüdischnationalen die „Studentenordnung" zu bekämpfen. Sie tun dies aber nicht in der einzig möglichen Form, indem sie endlich ihre „nationale" Politik in diesem Staate zurückstellen, sondfern in der Form, daß sie sich einerseits als die Verfechter der Minoritätsrechte hjnstellen und auf der anderen Seite staatsbürgerliche Gleichberechtigung verlangen. Nunmehr ist es so weit, daß die Juden dieses Doppelspiel erkennen und einsehen, in welche Situation sie durch cfie politischen Irrwege des Nationalismus getrieben würden. Nunmehr wird auch die jüdische Jugend verstehen, daß sie. als Opfer einer nationalen Politik für Rechte kämpfen muß, die ihr nach der Verfassung zustehen. Die „Union österreichischer Juden" hat seit fünf Jahrzehnten für die Erhaltung und Verwirklichung d'er Gleichberechtigung gekämpft, jene Juden aber, die für das eigentliche Judentum, für den jüdischen Glauben, für die Idee der Ethik und der Moral nichts taten, sondern nur der reaktionären nationalen Idee huldigten, haben es bisher für richtig befunden, jeden aufrechten Juden zu verdammen, wenn er aus religiösen Erwägungen oder in Sorge um die Wahrung seiner staatsbürgerlichen Rechte den Nationalismus ablehnte. Nunmehr werden auch die Nationalisten einsehen müssen, daß sie sich in einer Situation befinden, aus der es für sie nur einen Ausweg mehr gibt: sie mögen heute noch von einer „jüdischen Minorität ohne Einschränkung aller staatlichen Bürgerrechte" stammeln, morgen werden sie gezwungen sein, in Oesterreich ihre Forderung nach Minoritätsrechten aufzugeben, wenn sie den Interessen der in Oesterreich lebenden Judenschaft werden dienen wollen. Die Stellung der Juden in den einzelnen Ländern muß von dem Plane des Aufbaues Palästinas losgelöst werdfen. Alle diejenigen, die dem Moloch des Nationalismus gedient haben, sollen heute — in 12. Stunde — erklären, daß sie einen falschen Weg gegangen sind. Der Weg, den die österreichische Judenschaft heute gehen muß, ist allen Juden streng vorgeschrieben, der Weg ist der Weg des Kampfes um die Erhaltung der vollen und uneingeschränkten Gleichberechtigung. Jeder, der versucht, diesen Weg durch nationale Ideen zu verrammeln, hilft den Antisemiten und schadet der Judenschaft. Die „Union österreichischer Juden" wird den Weg, den sie bisher gegangen ist, ruhig weitergehen. Die Zukunft, die bereits ihre Schatten vorauswirft, sie wird der österreichischen Judenschaft beweisen, daß der Weg der „Union" der einzig richtige war und! ist. Dr. Ernst Feldsberg, Mitglied des Exekutivkomitees der „Union" Ischias, Rheuma, eicht 14tägige Ischias - Schnellkuren (Itatienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Flehten-» Kohlensäurebäder, Diathermie Heifilnft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden taglich von 8- 6 Uhr HellonstaU ,.1lievmloM I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Vereidigung des neuen High Commissioners in Jerusalem. Bei Anwesenheit von etwa 300 Personen, den Leitern der einzelnen Verwaltungs-Departements der Regierung und den Repräsentanten der religiösen und zivilen Körperschaften des Landes, wurde der neue High Commissioner für Palästina. General SLr Arthur GrenfeM W a u c h o p e. am 19. November vormittags im Jerusalemer Regierungshause vor Antritt seines Amtes vereidigt. Nach der Vereidigungs-Zeremonie hielt der neue High Commissioner eine Ansprache, in der er ausführte: Kein Kampf kann so interessant sein, wie der Kampf zwischen der Wüste und dem Kulturland. Ich kam hierher aufgeschlossenen Geistes, ohne vorgefaßte Ideen, ohne fertige Pläne oder Entwürfe. Ich bin Soldat und habe in vielen von einander verschiedenen Ländern Dienst getan, überall war ich bestrebt. Kultur und Wohlstand zu vermehren. Unter Berufung auf Aussprüche des zweiten High Commissioners für Palästina. FeldmarschaHs Lord Plumer. der ebenfalls vom Heeresdienst zum Verwaltungsdienst kam. erklärte General Wauchope: Erstes Grundprinzip der Verwaltung sind Gesetz und Ordnung; Wohlstand und Frieden, guter Wille und Verständnisbereitschaft sind das zweite Grundprinzip: gegenseitiges Vertrauen. Glaube und Zuversicht zwischen der Regierung und der Bevölkerung sind die dritte Grundbedingung. Der Oberrichter Palästinas. Sir Michael Mac Donell, richtete an den High Commissioner eine Ansprache, in, der er erklärte. Palästina seiein „unglückliches Land", sehr oft ein Schlachtfeld: um hier erfolgreich zu sein, müsse man außer allen anderen Qualitäten noch die Geduld Hlobs haben. Dieses kleine Land nimmt einen großen Platz ein in den Gedanken von Millionen Menschen in der ganzen Welt, jede hier unternommene Aktion wird einer Berufen Sie sich auf die „Union bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstall Die Wirtschaftslage in Palästina- Soeben ist der offizielle Bericht der englischen Regierung über die wirtschaftliche Lage in Palästina erschienen. Der vom Direktor des Departements für Zölle, Akzise und Handel der Palästina-Regierung, K. W. S t e a d, abgefaßte Bericht stellt eingangs fest, daß Palästina noch immer an den Folgen derUnruhen im Spätsommer und Herbst des Jahres 1929 leidet; diese Ereignisse hätten das Land In seiner wirtschaftlichen Entwicklung zuriiekgeworfen. Die Einnahmen der Palästina-Regierung haben sich seit 1925 konstant vermindert und erreichten 1930 einen Stand, der um eine halbe Million niedriger war als der von 1925 (1925: Pfund 2,809.324; 1930: Pfund 2,389.546). Demgegenüber haben sich die Ausgaben seit 1925 von Jahr zu Jahr konstant erhöht. Während 1925 ein Ueberschuß von 800.000 Pfund erzielt wurde, verzeichnete man 1930 ein Defizit von 200.000 Pfund. Diese ungünstige Balance ist vornehmlich auf die Finanzkrise in den^Ver einigten Staaten und in Europa zurückzuführen, als deren Folge sich das Zuströmen ausländischen Kapitals in der Form von Beiträgen zu den lokalen Institutionen, von Investierungen durch Juden in Landwirtschaft und Industrie beträchtlich verringert hat. Auch der Touristenstrom ist schwächergeworden. Obwohl die Einfuhr noch immer ein Vierfaches der Ausfuhr ausmacht, ist in dieser Beziehung eine Besserung zu verzeichnen; die Importe haben sich seit 1929 beträchtlich verringert. Einigermaßen ausgeglichen wird die Handelsbilanz durch die unsichtbaren Importe (Kapitalseirrfuhr), worunter die Ausgaben der zionistischen Fonds, der Touristen, die Einwanderer-Kapitalien, die Investierungen aus fremden Ländern usw. die wichtigsten sind. Im Jahre 1926 zählte man 6000, im Jahre 1927 7400 jüdische Arbeitslose. 1929 zählte man nur noch etwa 1000 und 1930 1030 jüdische Arbeitslose. In den Jahren 1926 bis 1930 betrug der Ueberschuß der jüdischen Einwanderung über die Auswanderung rund 10.000 (29.165 Einwanderer und 18.029 Auswanderer). Die nichtjüdische Einwanderung war demgegenüber um 2000 niedriger als die Auswanderung (5425 Einwanderer, 7368 Auswanderer). Heute gibt es in Palästina rund 30.000 jüdische Arbeiter, von denen 7000 in der Landwirtschaft, 4500 im Bauwesen und bei öffentlichen Arbeiten, 4000 in den Fabriken und großen Werkstätten, 3000 in kleinen Werkstätten, 1500 im Transportwesen und 10.000 in anderen Fächern tätig sind. Rund 75 Prozent der jüdischen Arbeiter in Palästina sind gewerkschaftlich organisiert. 1929 wurden aus den Vereinigten Staaten nach Palästina für zwei Millionen Dollar Waren (5,13 Prozent des gesamten Imports) eingeführt. Der Prozentsatz des Imports aus England betrug im gleichen Jahre 16,66 Prozent, 1930 betrug der amerikanische Import nur noch 250.000 Dollar. Die Ausfuhr aus Palästina nach den Vereinigten Staaten betrug 1929 nur 1,24 Prozent, der Export nach England 37,7 Prozent des Gesamtexports. 1930 wurde nach Amerika für nur 110.000 Dollar exportiert. Bis 1929 stand Deutschland an der Spitze jener Länder, die Maschinen nach Palästina, einführen. Aber seitdem Industrien errichtet wurden, in denen britisches Kapital investiert ist, hat sich der Import von Maschinen aus England erhöht und nahm 1930 den ersten Platz auf der Maschineneinfuhrliste ein. mikroskopischen Prüfung unterworfen, und es wird scharf aufgepaßt, ob irgendeine Abweichung von irgendeiner Norm vorkommt. Palästina wird von Anhängern von einander abweichender Konfessionen und Angehörigen einander bekämpfender Nationen bewohnt: dies erregt die Leidenschaften und schafft Gefühlsgegensätze: deswegen ist die Aufgabe des High Commissioners in diesem Lande eine besonders ernste. Abgesehen von der Zitierung der Kabinettsorder betreffend die Ernennung des High Commissioners wurde in den bei der Zeremonie gehaltenen Rede kein Hinweis auf das Palästina-Mandat oder das jüdische Nationalheim gemacht. Die Reden wurden englisch gehalten und weder ins Arabische noch ins Hebräische übersetzt. Nur das königliche Ernennungsdekret wurde in allen drei offiziellen Sprachen des Landes verlesen. Die ganze Vereidigungszeremonie verlief sehr schlicht und entbehrte des bei den Vereidigungszeremonien anläßlich der Einführung der bisherigen High Commissioners entfalteten Prunks. Bei dem Empfang im Regierungshause waren von jüdischer Seite anwesend: Oberrabbiner Kook, der Kanzler der Hebräischen Universität Dr. J. L. Magnes, die Mitglieder der Exekutive der Jewish Agency Dr. Chaim Arlosoroff, Dr. Maurice B. Hexter und Dr. Werner Senator, der Leiter des Jüdischen Nationalfonds M. M. Ussischkin, und die Mitglieder des Waad Leumi. der Arbeiterführer J. Ben-Zvi, Dr. David Yellin, Joseph Meyuchas. AKADEMIKER (Historiker, guter Stilist) übernimmt Arbeiten, auch auf Schreibmaschine, Nachhilfeunterricht und Stundenbuchhaltungen. L. M„ XVIII., Karl Beckgasse 29/6. JflOlsfb- Heor&lsdie BndihaBtflinft L. D. HIRSCHLER & C? Wien 1. Rabenatelg 6 empfiehlt sein reichhaltiges Lager von ChanukaD - leadifcrn cnanuhüti Geschenken tflr Jung and Alt. Seiden-, n. WolMaicssira, Gcberoodier, raesBsoW, TellUm. OoMstKftcreicB, JanrzrlistabelleB. I<W« »IWWPWWtPPWWWWW