Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 47 (20.11.1931)
- Date
- 1931-11-20
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Städtische Vmichciuitqsaiisfalt 4\ Direktion: Wien I., Tudilauben Nr. S Telephon U Alle Vcisithciunaszwciqc den, Angriffe von außen und innen mit Erfolg abzuwehren. Diesen Gedankengängen entsprach auch die Tätigkeit unserer Bezirksorganisation im abgelaufenen Zeitabschnitte. Die Leitung bemühte sich, die Ideen der ..Union" in weitere, bisher noch nicht erfaßte Kreise <Ier jüdischen Bevölkerung unseres Bezirkes zu tragen, und hebt mit Anerkennung die große Unterstützung hervor, die sie hierbei seitens einzelner, insbesonders verhältnismäßig neuer Mitglieder unserer Organisation gefunden hat. Aber gerade auf diesem Gebiete obliegt uns in den kommenden Monaten die Pflicht einer erhöhten Organisationsarbeit. Nach außen hin trat die Arbeit unserer Organisation hauptsächlich in den regelmäßig veranstalteten Zusammenkünften und Versammlungen zutage. Dem Programm unserer Vereinigung entsprechend, waren es vor allem kulturelle, ethisch-religiöse, jüdisch-politische und wirtschaftliche Fragen, die in diesen Versammlungen zur Erörterungen gelangten. Die Diskussionen, die sich regelmäßig an dem Vortrag anknüpften, standen auf einer beachtenswerten Höhe und verstärkten im besonderen Maße die Anziehungskraft unserer Versammlungen. Drei Veranstaltungen verdienen besondere Hervorhebung. Zunächst die Chanukafoier. bei der Doktor Feldsberg die Festrede hielt und Herr Oberkantor Müller die Chanukalichter entzündete. Wir benützen auch diesen Anlaß, um ihm sowie dem gleichfalls mitwirkenden Herrn Kantor J. Rosenwald unseren herzlichsten Dank für die gesanglichen Darbietungen auszusprechen. Wir danken Herrn Oberkantor Müller ferner für seine Bereitwiligkeit, auch unsere diesjährige Chanukafeier durch seine hohe Kunst verschönern zu wollen. Die zwei großen gesellschaftlichen Veranstaltungen, die Purimakademie im Hotel Continental und das Frühlingsfest am Konstantinhügel, um deren Gelingen sich besonders eine Reihe von Damen und Herren unserer Bezirksorganisation überaus verdient gemacht hat, legen einen unwiderleglichen Beweis dafür ab, welch guten Renommees sich in der jüdischen? Gesellschaft der Name „Union" erfreut. Der moralische wie der materielle Gewinn dieser beiden Veranstaltungen haben all unsere Erwartungen übertroffen. Mit besonderer Freude und Genugtuung können wie die im Frühjahr d. J. erfolgte Neugründung zweier Unterorganisation der „Union" begrüßen: des „U n i o n" - F r a u e n k 1 u b und der Jugend-Union. Wenn es sich auch hier um zentral geleitete Organisationen handelt, so dürfen wir doch mit Stolz konstatieren, daß die Initiative zu diesen Gründungen von Mitgliedern unserer Bezirksorganisation ausging und daß sich diese beiden Unterorganisationen auch der ganz besonderen Förderung seitens einer großen Reihe von Mitgliedern unserer Bezirksorganisation erfreuen." Nach dem mit Beifall aufgenommenen Rechenschaftsbericht legte Herr Wilhelm H e r z k a als Obmann des Wahlkomitees der Versammlung folgenden Wahlvorschlag für den neuen Ausschuß vor, den dieselben einstimmig und mit lebhaftem Applaus akzeptierte: Obmann: Dir. Gustav Kol min, Obmann- Stellvertreter: Adolf Back, Kultusvorsteher Edmund Hofmann, Schriftführer: Felix Wachsberg er. Schriftführer - Stellvertreter: Rosa Linden bäum. Kassier: Samuel Wechsler, Kassier-Stellvertreter: Wilhelm Herzka, Beiräte: Karoline Back, Max Back, Josef Brody. Dr. Josef Deutsch, Otto Feigl, Max Feiner. Anna Fischer, Wilhelm Fliegel, Dir. Joab Friedmann. Siegmund Fuchs, M. M. Gottfried, Alois Grünhut, Käthe Grünhut. Fritz Herrmann, Anny Hirschfeld, Sidonie Hirschfeld, Ing. Eugen Kerne, Nathan Koffler, Else Kolmin. Ernestine Lenk, Reg.-Rat Dr. Max Lenk, Frau Hofrat J. Löwy, Max Mark, Hugo Mikolasch, S. Pick, Kommerzialrat Siegmund Planer, Medizinalrat Dr. I. Reiniger, Isidor Schönherz, Oskar Schramek, Richard Spiegier, Max Stern, Alois Stiassny, Friedrich Wechsler, Irene Wechsler, Regierungsrat Dr. Emil Weinberg. Obmann Dir. Gustav Kolmin erklärte im Auftrage des neueingesetzten Ausschusses die Annahme der Wahl und versprach im Namen seiner Kollegen wie im eigenen Namen, alle Anstrengungen zu machen, um die Bezirksorganisation nicht nur auf ihrer jetzigen achtunggebietenden Höhe zu erhalten, sondern in politischer und organisatorischer Beziehung ständig auszubauen. Mit gewaltigem Beifall begrüßt, nahm nun Vizepräsident Dr. J. Ticho, der Obmann des Klubs der unionistischen Kultusvorsteher, das Wort zu seinem Referate „Die Tätigkeit der „Union" in und außerhalb der Kultusgemeinde". Er skizzierte in großen Umrissen und an Hand von interessanten Budgetziffern die schwierige Situation, in der sich die Gemeinde derzeit befindet. Diese Situation erheischt von den Gemeindemrtgliedern, die die Erhaltung unserer altehrwürdigen Gemeinde wünschen, große Opfer, aber auch gleiches Verständnis für die Lage von allen jenen, die mittelbar oder unmittelbar mit der Gemeinde in Kontakt stehen. In diesem Sinne müßten die Ersparungen aufgefaßt werden, an die der Kultusvorstand nun durch seine Ersparungskommission geschritten ist und von denen der Referent einzelne ausführlich besprach. Er stellte fest, daß die Gemeinde sich auch in dieser schweren Zeit vor allem von dem Grundsatze leiten lasse, daß ihre oberste Pflicht die Förderung von Thora, Awodah und Gemilus Chassudim sei. Auf diesen Gebieten leistet die Gemeinde trotz all ihrer Nöten Hervorragendes; die anschaulichen Mitteilungen Dr. Tichos über die Ausgestaltung des Gottesdienstes, insbesondere des Jugendgottesdienstes und des Bibelschulwesens wurden von der Versammlung mit lebhafter Zustimmung aufgenommen. Auch seine Hinweise auf die soziale Tätigkeit der Gemeinde, namentlich im Spital, Versorgungshaus und in der Fürsorgezentrale fanden starken Beifall. Insbesonders wurde der Standpunkt des Redners gebilligt, daß man in der gegenwärtigen Situation bei allen Widmungen genau die Zweckmäßigkeit derselben untersuchen müsse und unter Umständen auch ein entschiedenes Nein zu sagen habe, wo vielleicht unter normalen Verhältnissen ein Ja gesprochen werden kann. Dr. Ticho besprach schließlich im ersten Teil seiner interessanten Ausführungen das Stärkeverhältnis der Parteien in der Gemeinde, das Schuld an manchen in der jüdischen Bevölkerung übel aufgenommenen Zuständen ist, und appellierte an die Anwesenden, dabei mitzuhelfen, daß sich dieses Verhältnis im nächsten Kultusvorstand grundlegend zugunsten der „Union" verschiebe. Auf die Tätigkeit der „Union" als Abwehrverein, die Dr. Ticho mit verschiedenen Details illustrierte, übergehend, hob er zunächst die Wichtigkeit und Notwendigkeit des Bestehens einer solchen Organisation hervor. Er charakterisierte das Anwachsen des Antisemitismus an Ereignissen der letzten Tage, namentlich an der Stellungnahme gegenüber den jüdischen Beamten der Kreditanstalt, die nach berühmtem Muster als Sündenböcke für die Verfehlungen anderer büßen sollen. Gegenüber diesem organisierten Judenhaß vermag der Einzelne nichts auszurichten, hier kann nur eine Vereinigung Abhilfe schaffen, die für die Abwehr das gesetzliche und auf Grund ihrer großen Erfolge in der Vergangenheit und Gegenwart das moralische Recht besitzt. Es ist Pflicht der Judenschaft, der „Union" in diesem schweren Kampfe mit allen Kräften beizustehen! Nach dem mit stets wiederkehrendem lauten Beifall aufgenommenen Referat sprach Präsident Dr. J. Ornstein dem Vorstande der Bezirksorganisation Leopoldstadt, insbesondere dem Obmanne Dir. Gustav Kolmin den Dank des Zentralvorstandes für seine unablässigen Bemühungen im Interesse der Vereinigung aus. Auch er beschäftigte sich mit der schwierigen Lage der Kultusgemeinde, die sich wahrscheinlich in den Ergebnissen des heurigen Verwaltungsjahres und bei Ansetzung des neuen Budgets besonders kraß manifestieren werde. Die Beweise, die Dr. Ornstein hierfür aus den Arbeiten der Kultusgemeinde erbrachte, ließen diese Ansicht leider nur zu berechtigt erscheinen. Das goldene jüdische Herz, schloß der Redner unter stürmischem Beifall, verleugnet sich aber auch jetzt nicht in unserer trostlosen Zeit und das läßt uns froh in die Zukunft blicken. Radio, Grammophone Schailplaftcn neueste Schöpfungen» auch Tausch» Zahlungserlefchterung. nKIphora'S!., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Als letzter Redner der wirklich imposant verlaufenen Versammlung appellierte Dr. Lenk» an die Anwesenden, den Gedanken der „Union" als Schutzgemeinschaft gegen alle äußeren Feinde in weiteste Kreise zu tragen und so mitzuhelfen, daß die jetzt gefährdeten staatsbürgerlichen und wirtschaftlichen Rechte der österreichischen Juden immer mehr gefestigt werden. '€tkamM&a~&eier der „Ifnion** Die Bezirksorganisation Leopoldstadt und df» Jugend-Union veranstalten am Samstag, den 5. Dezember, präzise %8 Uhr abends, in den Sälea des Cafe-Restaurants Tonello, II., Lilienbrunagasse 2, eine Chanuka-Feier. Programm: 1. Lichteranzünden durch Herrn Oberkantor J. Müller. 2. Festrede. 3. Künstlerische Darbietungen. 4. Tanz-Jazzkapelle Heilerschmiedt. Eintrittskarten zu S 1.— im Sekretariat der „Union" und bei allen Funkdonären. Der Reingewinn fließt der Notstandsaktion der Kultusgemeinde zu. VERANSTALTUNGEN DER JUGEND-UNION. Neues Klublokal: Goldsaal des Cafe Silier, Wies U Schwedenplatz. Samstag, den 21. November, %9 Uhr abends. Große Akademie mit anschließendem Tanz. — Erstklassige Kunstkräfte — Preistanzen — Jazzkapelle Heilerschmiedt. « Dienstag, den 24. November, %9 Uhr abends. Politisch - kultureller Diskussionsabendv Dr. Karl Steiner, Vizepräsident der „Union": „Abwehre« und Bekennen!" Gäste bei allen Veranstaltungen willkommen! Eine jüdische Untugend. Im Gremium der Jüdischen Kaufmannschaft, dem die Repräsentanz der im April des nächsten Jahres in Tel Aviw stattfindenden Levante- Orientmesse übertragen worden ist, bildeten in der am letzten Montag unter dem Vorsitze des Präsidenten A. M. Ehrlich abgehaltenen Gremialversammlung die Vorarbeiten für die Beschickung dieser auch für den Export Oesterreichs überaus wichtigen Messe das Hauptthema der Beratung. Im Laufe der Debatte wurde im Zusammenhang mit den Hakenkreuzlerumtrieben an unseren Hochschulen gegen den Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien der Vorwurf der mangelnden Aktivität und Energie zur Abwehr der antisemitischen Ausschreitungen erhoben. Das als Gast anwesende Mitglied des Zentralvorstandes der „Union", Herr Dr. Lenk, nahm Gelegenheit, diese gerade im vorliegende» Falle vollkommen unberechtigten Anwürfe gegen den Kultusvorstand in entschiedener Form zurückzuweisen, indem er auf die vom Präsidium des Kultusvorstandes und insbesondere vom Vizepräsidenten Dr. Ornstein unternommenen ernsten und energischen Abwehrschritte im Interesse der Wiener Judenschaft verwies, und hiebei auch all jener Aktionen gedachte, die seitens der einzigen jüdischen Abwehrorganisation, der „Union österreichischer Juden", aus Anlaß der Gleispachschen Studentenordnung, der wiederholten antisemitischen Studentenexzesse sowie der Ausschreitungen der Hakenkreuzlerpresse durchgeführt wurden. Derlei Aktionen pflegt man — im Interesse ihres Gelingens — nicht an die große Glocke zu hängen. Man begegne auch anderenorts in der jüdischen Bevölkerung Wiens so häufig der Klage über Untätigkeit und Energielosigkeit des Herren des Kultusvorstandes. Diese Pauschatanklagen seien nur ein bedauerlicher Beweis für die Oberflächlichkeit und Undankbarkeit gewisser Teile