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Die Wahrheit · 1931-11-13 · Heft 46 (13.11.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 46 (13.11.1931)
Date
1931-11-13
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite 6 DIE WAHRHEIT» * ' \-\ i $ u >i t. :< i-1 f »j ' H . *i ^1 i f fto *Mf •Jill 8 .! 13 # Bs ( t! * ^! k 1. t&i \ t1 V i. ,f i \ t ». , 1~:! ' » 1 « r ► f ' ' " * ( J'J \ 'S 1 1 " 1.. -I. .Jf 3. •s - 4, ■ i>*i t Verfügung des Landgerichts Altenburg und des Öberlandgerichts in Jena der Zeitung unter Strafandrohung verboten, das Kaufhaus zwecks Feststellung der Besucher und Käufer überwachen zu lassen oder die Namen der betreffenden Personen direkt oder andeutungsweise zu veröffentlichen. Gemeinde - €fironift Amerika, da hast es doch besser ... Der hervorragende jüdische Jurist und Sozialpolitifcer Samuel O. Levy wurde mät 247.111 Stimmen zum Präsidenten von Manhattan, dem Hauptfcezirk von New York, gewählt Er schlug seinen republikanischen Gegenkandidaten, Colone! Edward Caringtoa, mit einer Mehrheit von 181.219 Stimmen. Samuel D. Levy ist heute 69 Jahre alt Seit Jahrzehnten ist er im Öffentlichen Leben New Yorks tätig und widmet auch einen großen Teil seiner Energie dem jüdischen Wohlf ahrts wesem. Er war 10 Jahre Richter am Jugendlichen-Gericht. Von 1881 bis 1895 war er Direktor der vereinigten jüdischen Wohlfahrtsanstalten, 29 Jahre leitete er das Jüdische Waisenasyl, 10 Jahre war er Kurator der jüdischen Gemeindeinstitutionen von New York. Als Spezialist für Ktoderwohlfahrtswesen genießt er in Amerika Autorität. Als Mitglied der Bnei Britii betätigt er sich führend1 in deren Wohtfahrtswerk. — Louis Marcus, früher einer der bekanntesten Filiinproduzenten, wurde mit 26.364 Stimmen zum Bürgermeister von Salt City gewählt. Er ist der erste Jude, der Burgermeister dieser Stadt wurde. Dagegen: Jüdische Wirtschaftskrise in Amerika. Die Vereinigung der jüdischen Institutionen für soziale Fürsorge in den Vereinigten Staaten hielt kürzlich in Boston eine Konferenz ab, um über Mittel und Wege zur Besserung der Lage der jüdischen Wohlfahrtsinstitutionen zu beraten. Richter Proskauer teilte in der Konferenz mit, daß die jüdischen Krankenhäuser New Yorks eine Unterbilanz von nicht weniger als zwölf Millionen Dollar aufweisen. — Wie aus New York gemeldet wird, hat Otto Kahn, der bekannte Bankier, den Vorsitz des Direktorenrats der Metropolitan-Opera- Company niedergelegt. Er begründet seinen Schritt mit beruflichen Verpflichtungen. Die Wirtschaftskrise gefährdet also auch das Mäzenatentum in Amerika. Auf Vorschlag Kahns wurde Paul Cravath zu seinem Nachfolger gewählt. Kahn bleibt weiterhin Mitglied des Direktorenrates. Auch die Anglo-Jewish Association in Finanz- Schwierigkeiten. In einer Versammlung der Anglo-Jewish Association teilte deren Präsident Leonard G. Montefiore mit, die Association müsse sich auf ihre Hauptaufgabe, die Unterstützung erzieherischer Institutionen, beschränken;für andere Zwecke stehe kein Geld zur Verfügung. Die Association hat durch eine starke Entwertung ihrer Kapitalsanlagen Verluste erlitten, außerdem sei mit einer Verringerung der Einkünfte im Jahre 1932 um etwa 14.000 Pfund zu rechnen. — Auf Antrag von Dr. Daiches wurde beschlossen, den Chief Rabin des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz zu seiner Arbeit und seinen Erfolgen in dem Kampf um den jüdischen Sabbath im Zusammenhang mit den Kalenderreformplänen zu beglückwünschen. Die indischen Gemeinden Polens Im Kampf um ihre Rechte. Auf Einladung der Warschauer jüdischen Gemeinde sind in Warschau am 3. <L M. Vertreter der 13 größten jüdischen Gemeinden Polens zusammengetreten, um über Maßnahmen zur Abwehr der neuen Regierungsverordnung betreffend die jüdischen Gemeinden, die die Autonomie der Gemeinden vernichtet und ihre Lebensexistenz untergräbt, zu beraten. Die Verordnung schränkt das Besteuerungs- und Budgetrecht der Gemeinden in einer einschneidenden Weise ein. Auf Grund derselben haben bereits die Regierungskommtissare in Lodz und in anderen Städten Budgetposten der Gemeinden für dringende jüdische Wohlfahrts- und Kulturzwecke gestrichen: Der Präsident der Warschauer Gemeinde Mazur begrüßte die Vertreter der Gemeinden, hielt hierauf ein sehr eingehendes Referat über die neue Regierungsverordnung und stellte fest, daß das Kultusministerium es unterlassen hat, die Gemeinden zu befragen, bevor es diese schädliche und zerstörende Verordnung erlassen bat Er erörterte die einzelnen Teile der Verordnung und schlug vor, eine Kommission zur Ausarbeitung eines Memorandums einzusetzen, in welchem die Schädlichkeit der neuen Verordnung nachgewiesen und die Grundzüge für eine andere Verordnung niedereefegt werden sollen. Es folgte ein Referat von M. Feldstein, der nachwies, daß die Geaneindeverordnung in Widerspruch zur Staatsverfas* sung steht. Die Gemeradevertreter wiesen darauf hin, daß die Verordnung nicht allein in der Theorie eine vollkommene Aufhebung der Selbstverwaltungen bedeutet, sondern auch in der Praxis die Wirksamkeit der Gemeinden derart einengt, daß,die Gemeinde zu einem Schatten einer Organisation whxL Am .schlimmsten wirkt sich die Einschränkung des Steuerrechts der Gemeinden aus. Laut der neuen Verordnung zahlen Angestellte■ höhere Kultussteuern als Baitkiers und Industrielle. Präsident Jäger, Lemberg, unterbreitet die folgende Resolution zur Abstimmung: 1. Die Gemejndekonferenz beschließt, den Kultiismnrister persönlich und durch ein Memorandum über die katastrophalen Auswirkungen der Regierungsverordnung auf die Gemeinden zu informieren und ihm die Forderun. gen der. Gemeindenhmsicbtfich ihrer Autonomie - zu - unterbreiten. 2. Der Genieindetag beschließt einen Kon- " greß afler Gemeinden einzuberufen, der über ein der Regierung zu unterbreitendes Gemeindegesetz usw. beraten soll Die Gemeindekonferehz setzte eine Konunissioh ein, die die Interessen der Gemeinde bis zum Zusammentritt des Gemeindekongresses zu vertreten und den-Kongreß vonzubereiten haben wird. Zersplitterung der jüdischen Gemeinden Rumäniens. Das Tribunal von Oradea Mare (Großwar de in), wo bisher, wie in den meisten Städten Transsylvaniens, zwei jüdische Gemeinden, eine neologe und eine orthodoxe, bestanden, hat soeben die Registrierung einer dritten jüdischen Gemeinde, einer sephardischen, auf Grund des vom seinerzeitigen Minister für Kultus und Unterricht Aurel VI ad gegen den Widerstand der berufenen Vertreter des rumänischen Judentums erlassenen jüdischen Gerneindegesetzes vorgenommen. Die Entscheidung des Tribunals vom Oradea wird allgemein als ein verhängnisvoller Anfang der von der Judenschaft Rumäniens als Folge des Vladschen Gesetzes befürchteten Zersplitterung der jüdischen Gemeinden angesehen, denn sie schafft einen gefährlichen Präzedenzfall, indem sie vor Erlaß der Ausführungsbestimmungen zu dem Vladschen Gesetze die Gründung von Splittergemeinden zuläßt. Es ist zu befürchten, daß Elemente, die sich ihren materiellen Verpflichtungen gegenüber den schwer kämpfenden jüdischen Gemeinden entziehen wollen, sich nunmehr des Vladschen Gesetzes für diesen Zweck bedienen werden. 75. Geburtstag. Dieser Tage vollendete der vormalige Direktor der Wiener Universitätsbibliothek, Hofrat Professor Dr. S. F r a n k f u r t e r, sein 75. Lebensjahr. Der Jubilar, der sich völliger geistiger und körperlicher Frische erfreut, ist ein Schüler des Akademischen Gymnasiums. Nach Absolvierung seiner Studien an der Wiener und Berliner Universität . wirkte er an der Wiener Universitätsbibliothek, deren Direktor er schließlich wurde. Neben dieser Stellung entfaltete er eine umfangreiche Tätigkeit im Verein „Carnuntum", im Verein der Freunde des humanistischen Gymnasiums und im „Eranos Vindobonensis". Ministerpräsident Graf Stürkh berief Dr. Frankfurter im Jahre 1909 zu außerordentlicher Dienstverwendung in Mittelschul- und Bibliotheksangelegenheiten ins Ministerium für Kultus und Unternugieni$dic$ Königsllcht Seit vielenjahren das anerkannt beste lizii 03^- rntww Man achte auf die gm. gesch. Mark« uHyglan. Könlgslldit" und Name Schulz Fabrik und Büro: IMcit XIV., Braunhlrschengausa 3 Telephon R 33-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Könlgsllchf Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt WIEN IX., BERaaMSB NR. 1» PlUJUli XVIII., WAhRINURSTBASSE «T; Telephon Nr. A 17-3-99 and A 1S-9-34 LJ*farant fUr Hallanstaltan Abteilungenrar Koscherfleisch Hriir Aufsieht 0mm abrät. Rabblaataa dar lar. Kallaagaaiaiada Wlaa. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Märktpreisen richt, in welchem er jetzt noch alsKonsulent fungiert. Auch als Mitglied der Verwaltung des Jüdischen Museums und als Obmann der Bibliothekskommission der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde hat er sehr verdienstvolle Arbeit geleistet,, wie er überhaupt jüdischen Fragen stets warmes Interesse entgegenbrachte. Eine große Anzahl von Werken entstammt seiner Feder und noch heute, und hoffentlich auch weiter recht lange, widmet er sich mit großer Regsamkeit allen wissenschaftlichen und kulturellen Bestrebungen. Ein seltenes Jubiläum. Samstag, den 14. d. M., begehen Herr Alois und Frau Therese Stlassny das Fest der Goldenen Hochzeit und zugleich das Jubiläum des 50jährigen Bestandes ihres allbekannten Buchdruckereiunternehmens. Der Polnische Tempel in der Leopoldsgasse, zu dessen Gründern der Jubilar zählt, wird am kommenden Samstag vormittags den Rahmen der religiösen Festesfeier bieten. Die vielfachen Ehrungen, deren Gegenstand das Jubelpaar bilden wird, werden Zeugnis dafür ablegen, welch großer Sympathie und Freundschaft sich das Ehepaar Stiassny in weiten Kreisen Wiens erfreut. Der Brigittenauer israeL Tempel-Verein veranstaltet am Sonntag, den 22. November 1931, um 6 Uhr abends, im Tempel. XX., Kluckygasse 11, anläßlich des dreißigjährigen Bestandes dieses Gotteshauses, unter Mitwirkung des Oberkantors I. Mann aus Brünn, einen Festgottesdienst mit folgender Vortragsordnung: Musik: Zionsphantasie von Lindemann unter der gefälligen Leitung des Herrn Ernst Eppinger. — Ma- Tauwu: Oberkantor Landerer. — Ansprache: Rabbfner Dr. Murmelstein. — Maariw-Gebet: Oberkantor I. Mann. — Rezeh: von Gottschaö. Oberkantor I. Mann. — Kodausch attoh, Oberkantor L Mann. — Adaun Atom, Oberkantor I. Mann. — Psalm: Mismaur schir chanukath, Oberkantor Landerer. — Rezeh wesecheseno von Schloßberg. Oberkantor Landerer. — Musik. Ghor unter Leitung des Dirigenten Reisenmann. Karten um 2—6 Schilling erbältlich in der TempelkanzJei, XX., Khickygasse 11, an jedem Wochentag zwischen 4 und 6 Uhr nachmittags. Telephon A 41-1-82. 60. Geburtstag. Am 12. d. M. feierte Herr Obermedizinalirat Dr. Heinrich Loewenstein seinen sechzigsten Geburtstag, aus welchem Anlaß dem Jubilar zahlreiche Ehrungen aus dem großen Kreise seiner Freunde und Patienten zuteil wurden. Dr. Loewenstein, Organisator der Krankenkasse der Wiener Bankbeamten, betätigt sich seit einem Menschenalter verdienstvoll im Fürsorgedienst. Er gründete däe erste Sektion „Wiener Kinder in die Schweiz" und hat als Leiter der dänischen Hilfsaktion 23.000 Wiener Kinder zur Erholung nach Dänemark gebracht. Todesfälle. Kaum vier Wochen ist es her, daß Herr Lektor S. Rubin den Heimgang seiner Gattin zu betrauern hatte. Und nun hat ihn und seine Familie ein neuer furchtbarer Schlag getroffen. Der jüngste seiner Söhne, Immanuel Rubin, ist letzten Samstag mittags nach kurzem Leiden verschieden. Mit ihm ist ein zu den schönsten Hoffnungen berechtigender junger Mann, der in den nächsten Tagen das Doktorat der Philosophie erlangt hätte, dahingegangen. Vor wenigen Wochen las der junge Wissenschaftler im Kreise der „J u g e n d - U n i o n" aus seiner Dissertationsschrift ein Kapitel über den Anteil der Juden an der Revolution des Jahres 1848 und erweckte Anerkennung und Bewunderung ob der Gründlichkeit seiner Forschungsarbeit und der Tiefe seiner Beziehet und veFbreitet Die Wahrheit!

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