Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 46 (13.11.1931)
- Date
- 1931-11-13
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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ME WAHRHEIT Salti»» George Göetz weist in seinem interessanten Artikel, der bezüglich seiner Anwendung auf österreichisch-jüdische Verhältnisse hier zur' Diskussion gestellt sein mag, "auf eine Reihe anderer solcher Fragen, wie Planwirtschaft, Währungsreform usw. hin und schließt: „Die Gefahr nationaler und kultureller Absonderung kann vermieden werden, wenn deutlich gemacht wird, daß eine religiöse Gruppe nicht nur im Namen ihrer besonderen Lebensbedingungen, sondern im Zusammenhang mit diesen und mit den Bedingungen des ganzen deutschen Volkes, im Namen ihrer Religion zu den Tagesfragen Stellung nimmt, um Religion, Ethik und Vernunft im Leben wirksam zu machen.... Nicht nur fordern wir dann, für uns Juden die Gleichberechtigung nämlich, sondern wir geben und leisten auch, schalten uns ein in den einheitlichen Zusammenhang des großen Lebens und werden solcherart auch selber ein Faktor in diesem großen Leben..." Hochschulantisemitismus in Permanenz. Das Martyrium der polnischen jüdischen Studenten nimmt kein Ende. Lemberg und Krakau waren vorangegangen und nun erneuern die nationaldemokratischen Studenten der Warschauer Universität täglich, ja stündlich ihre antisemitischen Angriffe. Ja sie haben sogar, nachdem sie tagelang ohne jegliche Behinderung in den dem Studium der Wissenschaft geweihten Räumen der Warschauer Hochschule wie wahre Vandalen gehaust hatten, ihr „Arbeitsfeld" in das dortige jüdische Viertel verlegt, wo sie am 6. d. M. geradezu eine Straßenschlacht inszenierten, die sie in dien nächsten Tagen systematisch wiederholten. Ueber die Exzesse am 6. d. M. weiß die J. T. A. folgendes zu berichten: Während eine Gruppe von mehreren hundert mit Stöcken bewaffneten antisemitischen Studenten und Studentinnen des Warschauer Technikums und der landwirtschaftlichen Hochschule im Gebäude der Warschauer Universität ihr Unwesen trieben, jüdische Studenten und Studentinnen in barbarischester Weise mißhandelten und mörderisch schlugen — zwei jüdische Studentinnen erhielten tiefe Kopfwunden —, hatte sich eine andere, ebenfalls mehrere hundert Köpfe zählende antisemitische Gruppe nach dem jüdischen Viertel Warschaus begeben. Im Sächsischen Garten, der am Wege liegt, fielen sie über jüdische Frauen und ihre Kinder her. Mehrere Frauen wurden mißhandelt, die Kinderwagen wurden umgeworfen, so daß die Kinder auf das Pflaster und den Rasen fielen. Die Panik war unbeschreiblich. Die Schreie der verzweifelten Mütter wurden weithin gehört Erst als alle jüdischen Frauen mit ihren Kindern den Park geräumt hatten, begaben sich die Studenten zum sogenannten Eisernen Tor, wo sie zahlreiche jüdische Passanten schwer mißhandelten und mehreren von ihnen bluwollten; die Allmacht der Liebe blieb die alle Argumente bezwingende Siegerin, wenn es auch mit dem dauernden Bruch mit ihren Familien endete. Mein Vater erreichte die Versetzung in eine andere Garnison und niemand im neuen Domizil ahnte die Verschiedenheit der Herkunft und Abstammung dieses glückstrahlenden jungen Ehepaares. Die Vergangenheit schien begraben, die Ahnen schJummerten in der fernen Familiengruft. Uns Kindern war das strahlende Elternhaus die trauliche Heimstätte ungetrübten Familienglückes und die lachende Gegenwart verwischte die Schatten des Erlebten. Das ist das Schicksal jeder liebenden Mutter, daß sie ihren Kindern jeden Schmerz ersparen wäll und nur von dem tiefsten das Kinderherz nicht verschonen kann, wenn sie unfreiwillig von dannen geht. Was mußte diese gütige, stets heiter scheinende Frau heimlich gelitten haben, welches Martyrium, einer Mater dolorosa gleich ertragen haben» um uns jeden seelischen Konflikt zu; ersparen, doch wie stark und mächtig, wie nachhaltend und junveriöschlich muß die Religion sein, daß dieser Glaube, trotz aHer Bedrängung und Verdrängung noch in der Stunde des Todes wach und lebendig bleibt! Verstehen S8e Jetzt meinen unumstößlichen Entschluß," schloß erschöpft der Erzähler. In tiefer Ergriffenheit hatte der Rabbiner mit immer wachsendem Interesse zugehört. Denn aus den Mitteilungen wurde es ihm bald klar, daß diese FanÄiengeschichte ihm nicht neu und fremd war. Der Enkel seines geliebten, längst verblichenen Jugendfreundes saß ihm gegenüber und eine gewisse Familienähnlichkeit war nicht zu verkennen. „Wie sonderbar und wunderbar sind doch die Wege des Herren," begann der Rabbiner bewegt zu sprechen. „Sie sind mir kein Fremder mehr. Die FamOSe Ihrer Mutter ist mir wohlbekannt. Sie zählt zu den würdigsten ihrer Heimat Sie dürfen auf diese. Ihnen bisher unbekannte Abstammung stolz sein, denn der höchste Adel des Geistes und der Gesinnung, ein Erbgut Ihrer Familie, darf sich messen mit einem gnädig verliehenen Adelsprädikat Ich wäre wahrEchein unwürdiger Diener meiner Religion," fuhr der Rabbiner fort, „wollte ich die heiße Wallung Ihres Gemütes, die Ihnen jetzt heiliger Ernst bedeuten mag, als Himmelsfügung auszulegen versuchen; unser Glaube, so reich an Opfer und Aufopferung, kennt kein Sühnopfer für die Schuld der Eltern. Tief in unseren Herzen wurzelt die Liebe zur Fanrilie. Diese Liebe wird Sie den rechten Weg finden lassen. Nur auf diesem Wege werden Sie Ihren Gott finden. Der Herr schenke euch Frieden." 0. N. P^jP^^pg ^lliifc ifplffia ^Dkmm^M tende Verletzungen beibrachten. Die Auslagefenster der jüdischen Geschäfte wurden mit Steinen und Stöcken eingeschlagen. Vom Eisernen Tor drangen die Studenten in den Theaterplatz ein. Dort wurde die Losung ausgegeben, das Nalewki- Vlertel, das jüdische HauptgeschäftsvlerteL zu stürmen. Als aber die Studenten dort eindrangen und ihr Werk der Mißhandlung und Zerstörung begannen, stellten sich ihnen jüdische Studenten, ArbeiterundFuhrleuteentgegen. Es entstand eine förmliche Straßenschlacht, bei der die Studenten die Unterlegenen waren. Inzwischen eingetroffene Polizei stellte die Ordnung her und verhaftete mehrere nationaldemokratische Studenten und natürlich auch einige Juden. Der Rektor der Warschauer Universität, Professor L u k a s z e w i c z, hat nach wiederholten Warnungen die Schließung der Universität verfügt, bezeichnenderweise erst in dem Momente, als in der Nähe seiner Universität seine eigene Frau, die für eine Jüdin gehalten wurde, |uiira«iiiM pORNCDMC FAMILIEN - PENSION iHBstaapatiou.BatfBBhaüS täglich 5-Uhr-Tee iSEMMEKlNti TELEPHON 11 iHochstraße 43 | _ neben Hotel Panhans 8 H Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts 3 f§ Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser B m in jedem Zimmer. B H Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer M slnM^^ von Nationaldemokraten schwer mißhandelt worden war, obwohl sie wie der Rektor selbst mit den Antisemiten offen sympathisiert. Auch die polnische Regierung mimt nun Energie. In der letzten Sitzung des polnischen Sejm hatte der Jüdische Klub eine Interpellation wegen der antisemitischen Ausschreitungen an den polnischen Universitäten eingebracht, in der ausgeführt wurde, daß die jüdischen Studenten an den Universitäten Lemberg und Krakau seit langem und an der Universität Warschau seit kurzem überfallen und blutig geschlagen werden. Obwohl die Be hörden immer rechtzeitig über die vorbereiteten Exzesse informiert sind, haben die Nationaldemokraten stets die Möglichkeit, ihre barbarischen Ueberfälle öffentlich auszuführen. In Beantwortung dieser Interpellation besprach Minister P i e r a c k i die Vorgänge an der Warschauer Universität und meinte, daß man für die bedauernswerten Exzesse weder die Gesamtheit der polnischen Universitätsjugend, noch die polnische Bevölkerung, die derartige Auftritte verabscheue, verantwortlich machen soll. Die ganze Aktion wurde lediglich von einer Gruppe unternommen, welche unter dem „ungesunden Einfluß gewisser parteidemagogischer Elemente" stehe. Diese Elemente, sagte der Minister, sind für die Verhetzung verantwortlich, die der KulturundderTraditiondespolnischenVoIkes widerspricht Die Behörden haben alles, was in ihrer Macht steht, getan (?), um die Sicherheit der jüdischen Staatsbürger zu gewährleisten und um die Exzesse zu unterdrücken. Solange die Exzesse in den Räumen der autonomen Universitäten vor sich gingen, waren die „Behörden gewissermaßen behindert" (Ueberau dieselbe Ausrede.) Der Minister erklärte schließlich nach bewährtem Muster, daß die Regierung entschlossen sei, mit aller Energie jeden Versuch, die Exzesse zu wiederholen, unterdrücken werde, wenn das Ischias, Rheuma, eidil Mtägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Sehwefei-, Sool-, Fichten-, Koblensllurebäder» Diathermie, Helfttuft, Höhensonne Parafffln-E ntfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglleh von 8-6 Uhr Hellonstfa» ..ftaermlaM L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-87 Leiter: Dr. Woll Somer Gefühl des Rechtes, der Würde und des Staatswohls die Jugend von der unverantwortlichen Agitation nicht abbringen sollte. Bedauerlich ist, daß die so schwer geprüfte polnische jüdische Studentenschaft, die natürlich in ihrer großen Mehrheit sich zum Zionismus bekennt, in dieser Stunde furchtbarster Gefahr uneinig ist. Sogar in einer Protestversammlung der jüdischen Studentenschaft Warschaus gegen die Umtriebe der nationaldemokratischen Studenten kam diese Uneinigkeit zum Ausdrucke. Bei der Beratung über den Text einer Protestresolution entstanden schwere Meinungsverschiedenheiten zwischen den zionistischen und bundistischen Studenten. Ein dadurch ausgelöster Tumult gab der im Saale anwesenden Polizei willkommenen Anlaß, die Versammlung schnell als geschlossen zu erklären. Sie drängte in brutaler Weise die Studenten aus dem Saal und hieb mit Gummiknütteln auf diejenigen ein, die nicht rasch genug den Saal verlassen konnten. Ob Wien, wo sich jetzt unsere Hakenkreuzstudenten wieder sehr kampflustig zeigen, ob Warschau oder W i I n a, überall dasselbe Spiel. Die jüdischen Studenten werden von den Antisemiten aus nichtigen und bei den Haaren herbeigezogenen Anlässen angegriffen und oft genug aufs schwerste mißhandelt, die Universitäts- und staatlichen Behörden versprechen eilfertig Abhilfe, ohne wirklich Energie gegenüber den Radauhelden zu bekunden; die jüdischen Studenten aber* sind in diesem Abwehrkampfe, der der Verteidigung ihres höchsten Rechtes, des Rechtes auf ungehinderte Lernfreiheit gelten sollte, infolge gewisser politischer Einflüsse zersplittert und deshalb vor allem vollkommen ohnmächtig. Es wäre höchste Zeit, daß die jüdische Studentenschaft in aller Welt, also auch die der österreichischen Hochschulen sich von diesen verderblichen Einflüssen freimacht und endlich den klaren Weg der Selbstbesinnung geht. Nur dann wird sie in dem ihr aufgezwungenen Kampfe ihren Mann stellen können. Protest der jüdischen Frontkämpfer Polens. Der „Verband der jüdischen Kämpfer für die Unabhängigkeit Polens", dem nur Personen angehören, die während des Krieges in den polnischen Legionen für die Befreiung Polens und nach dem Kriege in der Armee zur Abwehr der russisch-bolschewistischen A n g r if fe kämpften, hielt eine Protestkundgebung gegen die antisemitischen Unruhen an den Universitäten Krakau, Lemberg und Warschau ab. In einer Resolution wurde darauf hingewiesen, daß, als im November 1918 und zur Zeit der bolschewistischen Invasion der Ruf an die polnische Jugend erging, die jüdischen Studenten die Hochschulen verließen und an die Front gingen, um für Polens Freiheit zu kämpfen. Die Gefallenengedenktafeln in der Aula der Warschauer Universität weisen sehr viele jüdische Namen auf. Angesichts dieser Tatsache müssen die Losungen der Nationaldemokraten für Beseitigung der Juden aus den pomischen Hochschuten als unwürdig bezeichnet werden. Wie Hann maaCeli ersparen» Indem man aas aliCB Krawatten m«BU«B machen 120t. Fleckige oder beschädigte «erden vereinigt eventuell gewendet. Haltbarste Fason Pieis pro Krawatte S 1-— __ KRAWATICN-MINIK OK0M II., Taborstraße 76». II. SU.ge, II. Stock, Tflr 22 TELEPHON R 41 »69 Abholung nnd Zustellung von 5 Stück aufwärts gratis.