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Die Wahrheit · 1931-10-30 · Heft 44 (30.10.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 44 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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^eftc ~A DIE WAHRHEIT der vielen Aufsätze dieser Sudelpresse, in dem allgemeine Verleumdungen über das Judentum, enthalten sind, in einem jüdischen Blatte vollständig nachgedruckt werde, jedoch mit dem einen — Sölten wir sagen: feinen? — Unterschiede, daß überall dort, wo von „Juden" abfällig gesprochen wird, einfach das Wort „Christ" einzusetzen wäre. Wäre das wirklich so einfach? Was würde ' der Herr Pressestaätsariwalt zu einer solchen Verdrehung sagen, die gar kein „jüdischer Dreh" wäre, sondern nur der Versuch der Abwehr eines „antisemitischen Drehs", besser gesagt der fortwährenden hodenlosen Verleumdungskampagne dieser Hetzblätter. * Sprechen wir aber doch von dem Thema: -^Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen!" Da hat dieser Tage unser Herr Bundespräsident Miklas anläßlich des Empfanges der Vertreter der in- und ausländischen Presse eine wunderschöne Rede gehalten. Er richtete an die Frauen und Männer der Feder die ernste Aufforderung, nach besten Kräften mitzuwirken, unserem Volke den inneren Frieden zu geben und die Not der Zeit nach Möglichkeit zu lindern. Parteikämpfe und Meinungsdifferenzen — so sagte er — wird es immer geben, so lange es Menschen gibt. Aber eine Grenze muß es geben für den Streit der Parteimeinungen: Er darf nicht mit den Mitteln der Gewalt, nicht mit den Methoden-des Hasses ausgetragen werden. Ich wenigstens, erklärte der Herr Bundespräsident schließlich, lehne diese mit Entschiedenheit ab. Bravo Miklas! Keine „Methoden des Hasses!" — prachtvoll! Weniger prächtig ist es allerdings, daß der Herr Bundespräsident in der letzten Woche sowohl beim Vortrag des weltberühmten Gelehrten Albert Einstein, als auch beim Leichenbegängnis des repräsentativen österreichischen Dichters Artur Schnitzler durch Abwesenheit geglänzt hat. Die Vermutung besteht, und ist bis heute. nicht bestritten worden, daß dieser Affront — und es ist einer — dem Juden galt. Schon freut sich unsere Antisemitenpresse über dieses „rücksichtsvolle Einfühlen" unseres Herrn Bundespräsidenten in die Mentalität der antisemitischen Bevölkerung. Exempla trahunt. .0. H. Radio, Grammophone Sdranpiaitcn neueste Schöpfungen, euch Tausch« Zahlungsorleichterung. „Elphora", I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Ein unerhörter hakenkreuzlerisdier Willkürakt im österreichischen Schwimmverband. Es ist schon längere Zeit bekannt, daß der Erste Wiener Amateur-SchwimmWub. kurz Ewask genannt — nicht zu verwechseln mit den ehemaligen Amateuren, der heutigen Austria —, nicht bloß im eigenen Lager ganz offen den Antisemitismus predigt, sondern auch im Verband der österreichischen Schwimmvereine <Vös), den er infolge seiner zahlreichen Provinzsektionen majorisiert, seinen hakenkreuzlerischen Tendenzen Geltung zu verschaffen sucht. Den reinen Arierparagraphen im Vös einzuführen ist ihm allerdings noch nicht gelungen, da die Wiener Wasserballer in der Generalversammlung den Hakoahner Dr. Geiger zum Wasserballwart wählten und auch der vor kurzem zurückgetretene Präsident Direktor Weinberger und der Verbandsschriftführer, Herr Krippe! vom W. A. C. sich wenigstens bisher erfolgreich bemühten, Politik aus diesem Sportverband zu bannen. Bisher, denn gegen die auch in der Tagespresse berichteten Gewaltakte der letzten Tage waren die genannten Funktionäre vollkommen machtlos. Bei den Meisterschaften in Linz im Sommer dieses Jahres hatte der Wasserballwart eine Mannschaf» aus sämtlichen Vereinen zusammengestellt, um gegen die Provinzler ein Propagandaspiel vorzuführen. Da erklärte ein Mitglied des Ewask, Hans Staudinger heißt der Held, mit Juden nicht in einer Mannschaft spielen zu wollen. Nun möchte man glauben, daß das hierfür zuständige Gaugericht für diese Bemerkung eine verdiente Strafe und Sühne gefunden hat. Es ist zwar fe diesem Gaugericht ein Hakoahner vertreten, aber dieser genügte nicht, um einen 2:1-Beschluß zu verhindern, der Hans Staudinger noch ein Diplom für seine bübische Bemerkung ausstellte, indem er vollkommen freigesprochen wurde. Nicht mehr ganz so verwunderlich klingt dieser Freispruch, wenn man erfährt, daß einer der Gaurichter, und zwar der Vorsitzende, der sattsam bekannte Heimwehrführer Dr. H. Hamböck gewesen ist. der zwar früher als Mitglied dem W. A. C. angehörte, aber dort längst den Laufpaß erhalten und nunmehr stark zum Ewask gravitiert Die Taktlosigkeit des Gaugerichtes wurde aber sicherlich durch die „taktvolle" Handlung des Ewask übertroffen, der vor zirka 14 Tagen in einem Meisterschaftsspiel Hans Staudinger gegen die Hakoah antreten ließ. Es ist begreiflich, daß die empörten Zuschauer ihrem Protest gegen diese Geschmacklosigkeit laut Ausdruck verliehen. Aber „Pfui"-Rufe sind bei Sportveranstaltungen in letzter Zeit nichts Seltenes: seltener ist es, daß ein Verbandsfunktionär auf einen Pfuirufenden losschlägt, wie es Herr Dr. Hamböck getan hat, der seiner Würde bewußte Richter, wobei er allerdings bei dieser Exekution vom Geschäftsführenden des Ewask. Herrn Z i mmermann, dem allgewaltigen Verbandsschwimm- Wart Eywo — einem Hakenkreuzler allerärgsten Ka- JSbers — und einer Schar wackerer Ewask-Mannen, nach dem bewährten hakenkreuzlerischen Duellverhältnis zehn gegen einen, unterstützt wurde. Einige beherzte Hakoahner befreiten den Bedrohten, so daß die Ruhe bald wiederhergestellt war. Was tat nun der „unpolitische" Verband österreichischer Schwimmvereine? Er stellte ohne Untersuchung ein Verschulden der Hakoah an den Vorfällen fest — wohlgemerkt, es war nicht etwa eine Veranstaltung des jüdischen Vereines, wo dieser für Ruhe und Ordnung Sorge. zu tragen gehabt hätte, sondern eine Verbandsveranstaltung — und bestimmte ganz einfach, daß das Internationale Meeting des Schwimmklubs Hakoah am 31. Oktober und 1. November im Dianabad unter Ausschluß der Oeffentlich- W e i t stattzufinden habe. •Herr Präsident Wein berger ersparte es sich, bei diesem Beschlüsse mitzuwirken, denn er ist bereits vor der Sitzung zurückgetreten. Herr Weinberger ist bekanntlich der Direktor des Dianabades, das zum Großteil jüdische Besucher bat. und hat in dieser Eigenschaft dem besagten Hans Staudinger, der auch sonst jüdische Badebesucher anstänkert, Badeverbot für das Dianabad angedroht. Mit seinem Rücktritt dokumentierte er . aber auch, daß er mit den unsportlichen Praktiken des Schwimmverbandes nichts der Verbandsschriftführer dem der Beschluß der unterschreiben. So trugen Verantwortung für dieses zu tun haben wolle. Auch weigerte sich, den Brief, in Hakoah mitgeteilt wurde, zu zwei Ewask-Leute allein die unerhörte Vorgehen. Der nunmehr seines Präsidenten beraubte Verband wandte sich telegraphisch an den Vizepräsidenten Herrn Direktor Khorr in Linz, der zwar selbst ein Antisemit ist, aber sportliche Fragen stets von Politik zu trennen wußte. Herr Direktor Knorr kam nach Wien, hörte von dem Beschlüsse, verlangte dessen Reassumier u n g und als er niedergestimmt wurde, legte auch er seine Stelle zurück. f ' . Die Ohrfeige saß und schmerzte gar sehr. Dfe Hakoah hatte mitüerweile verlauten lassen, daß sie sich diesen Gewaltakt nicht gefallen lasse und Ihr Meeting an diesem Samstag und Sonntag unter allen Umsiänden öffentlich abhalten werde. Die Wiener Vereine, der W. A. C der T o u r i n g c I u b (ehemals V i e ti n a) und die Austria, aber auch ausländische, wie- Preßburger und Budapester Schwimmer haben erklärt, daß sie das ungebührliche und ungesetzliche Vorgehen des Verbandes nicht billigen und ebenfalls am Meeting teilnehmen werden. Damit ist der Bruch im österreichischen Schwimmverband vollzogen, es dürfte bereits in den allernächsten Tagen zu einer Gründung eines Wiener Verbandes kommen und auch die Provinz will sich nicht mehr unter die Diktatur des Ewask nehmen lassen und einen eigenen Provinzverband gründen. Der allgewaltige Herr Eywo sieht sich von .allen Seiten verlassen und wird nervös. So entschlüpfte ihm in einer Verbandssitzung die Bemerkung, man müsse das Meeting der Hakoah untersagen, da sonst. 30* Hakenkreuzler einen Sprengungsversucb unternehmen werden. So habe er es „gehört". Ob da nicht der Wunsch der Vater des Gedankens war. Aber Herr Eywo irrt sich ganz gewaltig, wenn er glaubt, daß einige hundert Hakenkreuzler ungestört vor oder eventuell im Dianabad Radau schlagen können, um die Diktatur dieses kleinen Mussolini im Schwimmverband zu festigen. Er kann vollkommen beruhigt sein, daß die- Polizei, die von den Vorkommnissen genau unterrichtet ist alles zur Aufrechterhaltung der Ruhe und Ordnung unternehmen wird. Oder beunruhigt ihn vlelr leicht gerade dies? aaBaBaBaaaBsaBBBaaaaaaaaaaBBaBaaaaaaaaaaaaaaaaaaaaa ■•»»■■■■■»•■■»»■•» aaaaaaaaaaaaaa aaaaBaMaMaaaaar •aaaaaaaaaaaai Wo bleiben die österreichischen Frauen? Der deutscheZwcigderlnter nationalen Frauenliga für Frieden und Freiheit hielt vom 9. bis 12. d. M. in Frankfurt a. M. eine Jahresversammlung ab. Das Interesse, das auch die Kreise der jüdischen Gemeinschaft an der politischen und kulturellen Arbeit der Liga nehmen und nehmen müssen^kam schon rein äußerlich dadurch zum Ausdruck,^ daß unter den Begrüßungsschreiben, die der Tagung vorlagen, auch ein solches der Frankfurter Ortsgruppe des Jüdischen Friedensbundes sich befand und daß neben einem Delegierten der katholischen Glaubensgemeinschaft auch eine jüdische Vertreterin, Frau Paula Nassauer-Niedermeyor, den Willen des Jüdischen Friedensbundes zur Mitarbeit und zum Zusammengehen bei der Friedensarbeit der Liga zum Ausdruck brachte. Die sehr vielseitige und umfangreiche politische Tätigkeit der Internationalen Frauenliga, die auf die verschiedensten aktuellen Geschehnisse Einfluß zu nehmen suchte, war getragen von dem Bestreben, in allen politischen und sozialen Problemen das Prinzip der ..G e w a 111 o s i g k e i t" zu betonen. Aber nicht nur indirekt hat die Arbeit der Liga im Dienste von Aufgaben gestanden, die eng mit jüdischen Belangen verknüpft sind; sie hat z. B. auch den Verhältnissen in Palästina und dem damit zusammenhängenden Fragenkomplex ihr Interesse zugewandt und strebt zur Entgiftung der politischen Atmosphäre dort die Schaffung von Gruppen jüdischer und arabischer Frauen an. Die Frauenliga besitzt eine Sonderkommission zur Bekämpfung des Antisemitismus, der nur christliche Frauen angehören und die von Auguste Kirchhoff. Bremen, mit Tatkraft geleitet wird. Aus dem erstatteten Arbeitsberichte dieser Kommission ergibt sich, daß in verschiedenen deutschen Städten mit den jüdischen Organisationen Redner ausgetauscht und in einzelnen Ortsgruppen der Liga auch jüdische Probleme wie die jüdische Ethik oder der Antisemitismus behandelt wurden. Auch für die Abwehr-Literatur bestand viel Interesse. Die» Kommission der Liga hat ferner anläßlich des Halsmann-Prozesses dem Verteidiger spontan stärkste moralische Unterstützung in seinem Kampfe um das Recht versichert und z. B. auch Jakob Wassermann für seinen „Offenen Brief an den Präsidenten der österreichischen Republik" Befriedigung und Genugtuung zum Ausdruck gebracht Als von den Nationalsozialisten seinerzeit im Sächsischen Landtag die Einführung des Numerus clausus für jüdische Studenten beantragt war, haben die Ortsgruppen Dresden und Leipzig der Liga eine P r oj e s t a k t i o n dagegen durchgeführt und hernach dem Landtag dafür gedankt, daß er einer solchen der Verfassung widersprechenden Beschränkung der akademischen Freiheit nicht stattgegeben habe. Auch . die Vorgänge in Thüringen, die Frickschcn Schulgebete wie die Verteilung vom „Schmähzetteln" und nationalsozialistische Radaukundgebungen bei einer Rede des Reichstagspräsidenten Löbe in Weimar waren für die Liga ein Anlaß zum Vorgehen. Ebenso wurde gegen einige besonders verleumderische antisemitische Pressedarstellungen eingeschritten. In der Löwenberger Sommerschule der Liga war ein eigener Abend einer mit großem Interesse aufgenommenen Erörterung über die Bekämpfung des Antisemitismus gewidmet. Die Versammlung beschloß, erneut eine Eingabe an die Regierung zu richten und sie zu Maßnahmen gegen die Schändung jüdischer Friedhöfe aufzufordern. In verschiedenen Städten sollen kleine Unterkommissionen errichtet werden, die konkrete Fälle antisemitischer Gewalttätigkeit festzustellen suchen, um sie zur Bearbeitung der Zentrale der Liga weiter zu geben. Die Vorsitzende richtete einen dringlichen Appell an alle christlichen Frauen, die Augen offen zu halten und die im Interesse des inneren Friedens so überaus wichtige Arbeit der Kommission zur Bekämpfung des Antisemitismus durch Beschaffung positiven Materials zu unterstützen. •niaMM«iiui«N** Das deutsehe Judentum - Unglaubliche Urteile deutscher Gerichte. „Gewisse Stellen im Talmud widersprechen den sittlichen Anschauungen, vogelfrei! Vor dem Nürnberger Sch w urgericht hatte sich der verantwortliche Redakteur der nationalsozialistischen Wochenschrift „Der S t ü rm e r" Karl Holz wegen Beschimpfungder jüdischen Religionsgesellschaft zu verantworten. Gegenstand der Anklage war ein Artikel: „Spezialarzt Dr. Wassermann, Berlin, Kurfürstendamm, läßt eine Nichtjüdin verbluten und schafft die Leiche in den Kohlenkeller." Der „Stürmer" hatte angebliche Talmudzitate gebracht und erklärt, diejüdischeRasseziehe aus ihren Geheimgesetzbüchern Talmud und Schulchan Aruch ihre Lehren. Die zitierten Talmudstellen seien B eweisdafür, von weichem verworienen Geist die Juden beseelt seien. Zur Gerichtsverhandlung waren drei Sachverständige geladen : Rabbiner Julius Eschelbacher, Düsseldorf, Prof. Dr. G ö t s b e r g e r, Beubiberg bei München, und der bekannte Antisemit und „Talmud- Forsch e r" Dr. Erich B i s c h o f f, Leipzig. Rabbiner Eschelbach er wurde vom Angeklagten als Sachverständiger abgelehnt, -er wurde vom Gericht nur als „sachverständiger Zeuge" vernommen. Dagegen wurden die Gutachten der Sachverständigen von Carl Holz, Bischoff und Götsberger, vom Ge-

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