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Die Wahrheit · 1931-10-30 · Heft 44 (30.10.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 44 (30.10.1931)
Date
1931-10-30
Page
– (sequence 3)
Language
German
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OTE WAHRHEIT Satt« ö sich insbesondere bei den ultraradikalen Antisemiten diese „nationale" Leidenschaft aus; kritiklos wird jede Phrase hingenommen und weitergeleiert, gedankenlos läßt man sich nie bewiesene und nie zu beweisende Behauptungen auftischen und auf Kommando brüllt man den Schlachtruf: „Juda verrecke!" Warum diese männermordende Phrase? Nichts ist leichter zu beantworten. „Wer hat den Krieg angezettelt?" „Die Juden!" „Wer hat dem siegreichen deutschen Heere den Dolch in den Rücken gerannt und wer ist infolgedessen für den unglücklichen Ausgang des Krieges verantwortlich?" „Die Juden!" „Wer hat das Versailler Diktat verschuldet?" „Die Juden!" „Wer hat die Inflation und den wirtschaftlichen Ruin herbeigeführt?" „Die Juden und das internationale Börsenkapital!" „Wer hat die letzte Finanzkrise heraufbeschworen?" „Die jüdischen Kapitalisten!" „Wer zerstört deutsche Kultur, deutsche Sitten, deutsche Kunst usw.?" „Die Juden!" „Wer erstrebt die Weltherrschaft?" „Die Juden!" Wer kann hierbei noch zweifeln, daß es sich entweder um Irresein oder Verfolgungswahn oder um beides zusammen handelt? Und deshalb, weil es sich offenbar um Kranke handelt, ist es einerseits leider oft erfolglos, ihnen gegenüber darauf hinzuweisen, daß ein solches „minderwertiges" Volk, das, über die ganze Erde verstreut, die Schlüsselstellungen des Weltgeschehens in Händen hat, nicht nur das Recht, sondern die Pflicht hat, getreu dem Grundsatz: dem Tüchtigsten die Welt, von dieser seiner ihm innewohnenden geistigen Macht unumschränkten Gebrauch zu machen. Wer könnte nämlich, falls die oben aufgezählten Leistungen wirklich zuträfen, die Juden hindern, eine Weltdiktatur zu gründen? Etwa die kleinen, bedeutungslosen, geistig inferioren Widersacher, die sich, obwohl sie die Sache durchschauen, gefallen lassen müssen, daß ihnen en plein iour die Felle wegschwimmen, die einer Minderheit solche weltbewegenden Tatsachen zutrauen, während sowohl Edelrassigkeit und potenziertes Herrenbewußtsein bankerott machen? Warum also der Lärm um nichts? geistig unreif, dorthin laufen, wo etwas „gemacht" wird und wo „etwas los" ist, oder solche, die gezwungen in den Reihen mitmarschieren müssen, weil sie sonst brotlos werden? Sollen wir angesichts dieser Tatsachen hoffnungslos die Hände in den Schoß legen? Nie und nimmer! Diejenigen, denen es um die geistige Zukunft geht, dürfen nicht erlahmen, irrenden und unreifen und verhetzten und verzweifelnden Menschen durch unermüdliche geistige Beeinflussung zur Klarheit, zur Wahrheit, zu gerechtem Urteil und anständigem Denken zu verhelfen. Dabei wollen wir etwas nicht vergessen: das Judentum bedarf unserer, der Christen Hilfe nicht. Eine Jahrhunderte alte Geschichte hat bewiesen, daß es einig in seinem Lebenswillen, einig int geistigen Widerstand gegen Verunglimpfung, Verrohung und brutale Gewalt und einig in religiöser Verbundenheit die schwersten Stürme der Zeit überdauert und siegreich überwunden bat Seien wir ehrlich und geben wir uns gewissenhaft Antwort: Was wäre aus dem deutschen Volk bei all seiner Begabtheit und Tüchtigkeit geworden, wenn es, von Gewalthabern aus dem Lande der Väter deportiert, ohne Heimat, jahrhundertelang unter fremden Völkern rechtlos, verfolgt und in Pogromen dezimiert wäre? Haben wir den Mut zur Selbsterkenntnis und Selbstbeurteihing! ffllHlHflllllHM^ lYORNEIinE FAMILIEN - PENSION j |HBstaapatioi3,RaffBBfiaos 1 täglich 5-Uhr-Tee S ISEM1ERINGI TELEPHON 11 M (Hochstraße 43 1 neben Hotel Panhans ü Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts j§ Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser M in jedem Zimmer. Zum Besuch ladet höflichst ein Eckstein, Besitzer l^p>»pp§sp -■^'^ll"' 11 .jikCSSi^ iÄilBS W^flÄl^ isddas, Rticnma, Oidii 14tägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-. Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensanrebader, Diathermie, Heißluft, Höhensonne Paraff in-E ntfettungskuren und alte sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8- 6 Uhr HellanttaM ,.ThermlaM L, Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolt Somer Vertreter, die „nicht wissen, was sie tun", verunglimpft und seiner Werte entkleidet wird; diejenigen schließen sich selbst aus, die lediglich Namenchristen sind. Wir dürfen ferner nicht zulassen, daß eine Minderheit, die selbstverständlich ein Recht auf Eigenleben hat, genau so wie unsere Landsleute in der Fremde, von einer Schicht, die sich ohne jegliche wissenschaftliche Begründung als „edelrassig" bezeichnet, angepöbelt, bedroht und tätlich beleidigt wird; solche Angriffe sind keine Zeichen von nationaler Stärke, sondern von nationaler Schwäche und Unsicherheit. Wir besudeln also unsere nationale Ehre, wenn wir uns zuchtlos erweisen und einer Minderheit gegenüber „deutsches, Heldentum" an den Tag legen. Wir sind es uns weiter als Förderer deutscher Kultur schuldig, die Juden, deren kulturelle Bedeutung wissenschaftlich längst erwiesen ist, als geistig ebenbürtige Mitarbeiter zu betrachten. „Der jüdische Geist", so urteilt der Münchener Rassehygieniker Professor Lenz, „ist neben dem germanischen die hauptsächlichste treibende Kraft der modernen abendländischen Kultur". Und schließlich — last not least — wollen wir Frontkämpfer das Andenken der gefallenen jüdischen Soldaten ehren, die Schulter an Schulter mit uns einer Welt von Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt . Aber — so sehr man am gesunden Verstände dieser verblendeten Nationalisten und Rassefanatiker zweifeln möchte — auch Kranke sind heilbar und verdienen deshalb unsere besondere Aufmerksamkeit. Und sind übrigens nicht recht viele der Mitläufer Unglückliche, Verzweifelte, deren Kräfte brachliegen und die mit ihrer Familie von kärglicher Unterstützung leben müssen, oder solche, die, Obwohl also die Juden — wie stets — auf sich selbst gestellt sich am stärksten erweisen werden, ist es angesichts der ebenso niederträchtigen und feigen, wie unberechtigten und sinnlosen Angriffe unmöglich, untätig zu bleiben, weil es nicht allein Menschenpflicht ist, sondern weil Ehre und Gerechtigkeitssinn dazu auffordern. Wir dürfen es nicht dulden, daß das Christentum durch solche Welches ist aber jene geheimnisvolle Essenz, wie lautet die verborgene Zauberformel, durch die die Judentümlichkeit eines Kunstwerkes charakterisiert wird? Ein Hinweis darauf ist schon vorhin gegeben worden. Ein jüdischer Roman muß jüdische Zwecke verfolgen, er muß eine jüdische Tendenz haben. Die selbstverständliche allgemeine Voraussetzung einer solchermaßen zweckhaft bedingten Kunst ist natürlich die Lossagung von jener längst veralteten Auffassung einer „art pour Part", die noch im vorigen Jahrhundert vorherrschende Geltung hatte. Tendenz muß zwar nicht immer ausgesprochene Tendenz sein. Aber jeder schaffende Geist, der in inniger Verbindung mit seinem Volke lebt, der aus dem fruchtbaren Humus seines Volkes seine Säfte zieht, wird auch in jeder seiner Aeußerungen die Richtung, den Geist, die Nöte und Kämpfe dieses volklichen Substrats zum Ausdruck bringen. Er wird, wenn dieses volkliche Element in ihm lebendig ist, auch im scheinbar zweckfreiesten lyrischen Gedicht eine „Tendenz" zum Ausdruck bringen, wie er selbst auch nur der Ausdruck des hinter im stehenden Volkes ist. War nun in jenen vorhin namhaft gemachten Schriftstellern ihre natürliche Grundlage, der Boden, dem sie entwachsen waren, also das westliche Judentum mit allen seinen Tendenzen auch bewußt wirksam? Dies muß, nach allem, füglich verneint werden. Und eine andere große Frage erhebt sich vor uns. Ist das westliche Judentum'in seiner heutigen Gestalt überhaupt als begrenzte Einheit, als kategorische Gemeinschaft aufzufassen? Gibt es ein Kriterium des westlichen Judentums, wie es zweifellos ein solches des Ostjudentums gibt? Oder ist dieses westliche Judentum nur ein geographischer Begriff? Nun, da gerade die geistigen Schöpfungen, die literarischen Zeugnisse, als der vornehmste Beweis für Leben und Gedeihen einer volklichen Gruppe angenommen zu werden pflegen, so müßte man ob der Dürre und Armut auf diesem Gebiete an einer Bejahung fast verzweifeln. Aber ein Roman, der auch die Anregung zu diesen Ueberlegungen bot, will scheinbar eine Bejahung erzwingen. Leopold H i c h 1 e r s „Moses Mauthner und sein Sohn" ist der bewußt-jüdische Roman eines bewußt-westlichen Juden. Es soll hier keine literarische Wertung vorgenommen werden. Das genannte Buch, in dem sich Vorzüge und Mängel die Waage halten, ist vorläufig eher als Pionierarbeit, als der Versuch zu einer Zeichnung des Milieus anzusehen, denn als der Boden problematischer Kämpfe. Was an ihm jedoch auffällt, ist seine westjüdische Bewußtheit Wird dieser Auftakt auch ein ganzes Orchester zum Erklingen bringen oder nur als ein vereinzelter Klang spurlos verhallen? Die Antwort darauf würde auch eine Antwort sein auf die Frage, ob überhaupt ein schöpferisches westliches Judentum möglich ist, ob es noch einmal zu einem wirklichen „westjüdischen Roman" kommen mag. Feinden standhielten, und nicht vergessen, daß auch sie im Dienste für Land und Volk ihr Leben ließen und damit uns schicksalsverbunden waren und sind. Die Bekämpfung des Antisemitismus Ist demnach gesellschaftliche, menschliche, christliche» nationale und kulturelle Pflicht, und darum: Deutschland erwache! H. A. Wintrath (Rheinhausen, Ndrh.). „Judenmensch l" — „ Christenmensch!u oder »Die Methoden des Hasses." In der Gerichtssaalrubrik der Wiener Tageszeitungen war dieser Tage von einem Prozeß zu lesen, in dem eigentlich zwei — Kinder einander als Parteien gegenüberstanden. Ein dreizehnjähriges, anscheinend sehr fein erzogenes Mädchen hatte einer gleichaltrigen Schuikoilegin das Schimpfwort „Judenmensch!" zugerufen. Diese, nicht feig, hatte mit der naheliegenden Antwort „Christenmensch!" repliziert. Was sich hier auf offener Straße zugetragen hat, ist sicherlich im höchsten Maße verwerflich. Man könnte Betrachtungen darüber anstellen, wie wenig die Eltern und Lehrer der Verhetzung der Jugend entgegenwirken, daß es möglich ist, daß ein unerfahrener Fratz schon so erfahren ist, um zu wissen, wie er die andersgläubige Schulkameradin am besten beleidigt Wir wollen uns aber bei dem Thema „Wie die Alten sungen, so zwitschern die Jungen!" jetzt nicht weiter aufhalten, sondern vorderhand einmal nur von der Antwort sprechen, die das sich beleidigt fühlende Judenkind der „vornehmen" Aitersgenossin gegeben hat Wir bezeichneten diese Antwort als naheliegend. Sie ist es tatsächlich, denn oft genug schon wurde in ganz ernsten Kreisen und seriösen Zeitungen der Gedanke erwogen, die Hetze der Judenpresse einmal dadurch zu paralysieren, daß einer

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