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Die Wahrheit · 1931-10-23 · Heft 43 (23.10.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 43 (23.10.1931)
Date
1931-10-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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IHE WAHRHEIT Salto 3 Die besten Wurst-u. Selchwaren! n nur Ton Petyän&C? XX., Kloslarneuburgcrstr.60 Telephon A 43-1-59 Streng orth. Eigene Verkaufsstellen: II., Praterstr. 38, Telephon R * 0-8-12 XX.,uammplatz 6, XX.,Wallensteinstr.45 Ansonsten in allen Bezirken AWiens und größeren Provinzstädten in den durch unsere Tafel gekennzeichneten Läden. 3>y Bitte verlangen Sie bei Ihrem Kaufmann nur unsere Ware 1 macht es unmöglich, daß irgend eine Aktion, und wäre es auch die umfassendste, über solche Mittel verfügen könnte, daß sie allen, die es nötig hätten, Nahrung und Schutz vor Kälte bieten könnte. Eine solche, undi sei es auch nur saisonmäßige Lösung der sozialen Frage ist heute und hier unmöglich. Das Kuratorium der „Winterhilfe" hat deshalb in weiser Selbstbeschränkung seine Tätigkeit von vornherein und in erster Linie auf die sogenannten „Ausgesteuerten" eingestellt, das sind jene Arbeitslosen, die nicht mehr im Genüsse der Arbeitslosenunterstützung stehen. Sie allein beziffern sich nach einer Schätzung Professor Tandlers, des Leiters der Aktion, mit den Familienmitgliedern auf mehr als 100.000. Eine einfache Rechnung des minimalsten Erfordernisses pro Kopf und Tag führt zu einer Gesamtsumme für die etwa viermonatliche Aktionsdauer, die erschreckend hoch genannt werden muß, wenn man die trostlose Finanzlage des Staates, des Landes, der Gemeinde und der Bevölkerung berücksichtigt. Es wird eine Großtat der Aktion sein, wenn sie den für diese „Ausgesteuerten" allein und ihre Familien erforderlichen Betrag aufbringt, aber auch nicht der unverbesserlichste Optimist wird sich der Hoffnung hingeben, daß außer den Ausgesteuerten auch noch weitere Kreise, also etwa die noch im Bezüge der Unterstützung stehenden Arbeitslosen oder gar die übrigen Erwerbslosen in nennenswertem Ausmaße in die Aktion einbezogen werden könnten. Wien werden sich alle in Betracht. kommenden Faktoren zu gemeinsamer Sammel- und Hilfstätigkeit zusammenfinden. Wenn es gelingen wird — und es wird und muß gelingen —, alle, die guten Willens sind, zu gemeinsamer Abwehr gegen die grimmigsten Feinde der Menschheit, gegen Hunger und Kälte aufzurufen und den Beklagenswertesten unter unseren Brüdern, vor allem den armen, kinderreichen Familien und den Kranken zu Hilfe zu kommen, so wird damit nicht nur der ärgsten Not des kommenden Winters begegnet werden können, sondern diese erste wirkliche gemeinsame Arbeit wird der vielverheißende Auftakt einer künftigen Zusammenfassung der Kräfte im jüdischen Fürsorgewesen Wiens sein, die niemals notwendiger war als jetzt. ■■■■■■••■>«■•■■■■■•■■■■•■■■■■■■•■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■«■■■■■• •«■■•••»•■■■■* Ischias, Rheuma, CUM Htägige Ischias - Schnellkuren (Italienische Methode) Fango-, Schlammpackungen, Moor-, Schwefel-, Sool-, Fichten-, Koblensäurebäder, Diathermie, Heifiraft, Höhensonne Paraffin-Entfettungskuren und alle sonstigen modernen physikalischen Heilmethoden täglich von 8- 6 Uhr BellantlaU „Thermla" I., Franz Josefskai 1 — Telephon R 29-1-37 Leiter: Dr. Wolf Somer Kampf für den Sabbat in Genf Am 12. Oktober begann in Genf die v i e r t e K o nferenz für Verkehr und Transit, die als ersten Punkt der Tagesordnung die Reform des Gregorianischen Kalenders und die Stabilisierung bisher labil gewesener Feiertage behandelt. Den Vorsitz führt der Portugiese Vasconcellos, Vizevorsitzender ist der Vertreter Frankreichs, Silvain Dreyf u s, ein Jude, Generalsekretär der Konferenz ist der Direktor der Verkehrs- und Transitsektion beim Völkerbund. Haas, ebenfalls ein Jude. Auch einige andere Juden nehmen als Delegierte ihrer Regierungen an der Konferenz teil, so u. a. Prof. Dr. E. Moresco als der Vertreter Hollands. Die Konferenz beschloß, den als Beobachter zugelassenen Vertretern der jüdischen Religionsgemeinschaft Gelegenheit zu geben, das Wort zu ergreifen, um die von den Führern des Judentums und von den jüdischen Gemeinden unterbreiteten Memoranden, in denen gegen die Einführung eines Blankotages, wodurch die Kontinuität der Woche und die Stabilität des Sabbat aufgehoben werden, angekämpft wird, in freier Rede zu begründen. Als solche jüdischen Vertreter hatten sich in Genf der Vorsitzende des jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform, Chiefrabbi des Britischen Reiches Dr. J. H. Hertz, der Sekretär des Komitees Dr. Cecil Roth, die Vertreter der amerikanischen Liga zur Erbewußtsein gewesen ist. Die Befürworter der Kalenderreform fordern, daß, wo es sich um das allgemeine Interesse handelt, die Ansichten einer Minderheit hintangesetzt werden sollten. Aber in einer religiösen Angelegenheit ist es Gebot der Humanität, daß Minderheiten gleiche Rechte wie Mehrheiten genießen. Diese religiöse Frage ist aber gleichzeitig eine soziologische. Der „Blankotag"-Plan würde, weim er zur Annahme gelangt, unvermeidlich den materiellen Ruin für Millionen Juden in der ganzen Welt mit sich bringen. Für religiöse Juden ist in heutiger Zeit die Beobachtung des Sabbat auch so schon eine schwierige Angelegenheit gewesen. Bisher jedoch ist es möglich gewesen, daß die Kunden eines jüdischen Ladenbesitzers oder Kaufmannes erfahren, an welchem Tage in der Woche sein Geschäft geschlossen ist, es war genau fixiert, wann ein jüdischer Angestellter die Erlaubnis erhält, der Arbeit fernzubleiben. Bei Annahme des neuen Planes würde es dem Durchschnittsmenschen schwer sein, sich über den Tag in der Woche zu unterrichten, auf den in jedem einzelnen Jahre der jüdische Sabbat fällt. Ein gewissenhafter jüdischer Kaufmann würde im Dezember jedes Jahres seine Kundschaft benachrichtigen, an welchem Tag im kommenden Jahre sein Geschäft wegen des Sabbat geschlossen sein würde. In Schaltjahren würde er eine ähnliche Bekanntmachung in der Mitte des Sommers machen müssen. Die Verwirrung in Geschäftskreisen jener Orte, in denen orthodoxe Juden einen großen Teil Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Stadtischen Versicherungsanstalt Damit beantwortet sich die Frage, ob für die jüdische Gemeinschaft Wiens der Anschluß an die allgemeine Aktion genügen kann und darf, fast von selbst Die soziale Schichtung des Judentums In der Großstadt bringt es mit sich, daß neben einem ansehnlichen Teile jüdischer Arbeitsloser ein sehr großer Teil der jüdischen Bevölkerung aus jetzt einkommens- und erwerbslosen Angehörigen der freien Berufe, des Handels und Gewerbes besteht, aus Menschen, die von vornherein erbarmungslos „Ausgesteuerte" sind, da sie niemals eine Unterstützung von irgend einer Seite bekommen konnten. Unter diesen sindi Menschen, die bis vor kurzem noch selbst gaben, mit vollen Händen gaben, und die heute in tiefster Not dahinleben. Diesen und den anderen, durch die Verhältnisse bei der allgemeinen Aktion unberücksichtigt bleibenden Juden wenigstens über das Schwerste: über Hunger und Kälte hinwegzuhelfen, ist Ehrenpflicht der jüdischen Gemeinschaft, die, wie immer, auch hier doppelt geben muß. An die Erteilung von Geldunterstützung ist nicht gedacht, dagegen soll durch Verabreichung von Lebensmittelpaketen, durch Ausspeisung in den bestehenden jüdischen Speisehäusern und Volksküchen, durch die Ermöglichung des Bezuges gekochter Speisen aus diesen Anstalten, endlich durch Zuweisung von Brennmaterialien in möglichst weitgehendem Maße HUfe gebracht, sollen Tausend« und Abertausende vor unsäglichem Leid und namenloser Verzweiflung bewahrt bleiben. Die Aufgabe ist eine so große, daß sie nur mit Hilfe und durch Opfer aller gelöst werden kann. Alle Einzel- und Sonderinteressen müssen zurückgestellt werden, straffste Konzentration aller Kräfte ist notwendig, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Jede Korporation, jede Institution oder Einzelperson innerhalb der jüdischen Gemeinschaft "Wiens, die in diesem Falle, sei es im Geben oder Nehmen ihre eigenen Wege geht, schädigt das Werk und zersplittert die Kräfte. Unter Führung der Zentralkommission für soziale Fürsorge sfer israelitischen Kultuscemeinde haltung der Stabilität des Sabbat. Philip S. Henry, Dr. Elkan Adler und Dr. Arthur Levin, der holländische Oberrabbiner S. Lewenstein als Vertreter der aschkenasischen Gemeinden, Prof. Dr. J. L. Palach e als Vertreter der sephardischen Gemeinden, die Repräsentanten der Weltorganisation Agudas Jisroel Rabbiner Dr. Pinchas Kohn und Sally Guggenheim eingefunden. Das Memorandum der weltlichen Führer des Judentums. Jüdische weltliche Führer aus allen Teilen der Welt haben dem Völkerbund durch Vermittlung des Jüdischen Komitees betreffend die Kalenderreform das folgende Memorandum überreicht: Wir, die Unterzeichneten, Laien, die die Hauptzentren jüdischer Bevölkerung in der ganzen Welt vertreten, haben den Wunsch, unserer tiefen Beunruhigung über den gegenwärtig vom Völkerbund erwogenen Plan der Kalenderreform Ausdruck zu geben. Die jüdische öffentliche Meinung hat sich in dieser Angelegenheit mit einer seltenen Einmütigkeit geäußert. Im Prinzip widersetzen sich die Juden keineswegs einer Kalenderreform. Ihre Gegnerschaft beschränkt sich auf das sogenannte „Blankotag"- oder „Acht- Tage'-Woche-Proiekt, das einen wesentlichen Teil der jetzt in Erwägung stehenden Pläne bildet. Die jüdische Opposition gegen die geplante Neuerung beruht keineswegs nur auf geistlichen Gründen, noch ist sie einzig durch rabbinische Meinung inspiriert. Wir weisen entschieden die von einigen Befürwortern des „Blankotages" gemachte Behauptung zurück, wonach die jüdische Haltung auf den von einigen extremorthodoxen Rabbinern eingenommenen intransigenten Standpunkt zurückzuführen ist Die Opposition gegen die erwähnten Pläne wird von der jüdischen Gesamtheit getragen. Sie gründet sich auf das feststehende Gebot des Dekalogs. „Sechs Tage sollst du arbeiten, der siebente Tag ist Sabbat". Keine gesetzliche Verfügung irgendeiner bürgerlichen Macht vermag es. den religiösen Juden zu bewegen, die ewige Gültigkeit dieses Gebotes zu ändern, das nicht nur durch die Umstände seiner Entstehung, sondern auch durch zahllose Generationen unbedingter Erfüllung geheiligt ist Der Sabbat ist in jedem Sinne des Wortes eine fundamentale Institution im jüdischen Leben. Seine regelmäßige Wiederkehr am Schlüsse der Arbeitswoche hat unwägbare geistige und symbolische Bedeutung. Dies würde sich ändern bei einem „beweglichen" Sabbat, der in jedem Jahre seine Position in der bürgerlichen . Woche ändert Selbst diejenigen, die unter dem Druck der Umstände nicht in der Lage sind, den Sabbat in der traditionellen Form zu beobachten, würden tief die Auslöschung von etwas empfinden, das seit zahllosen Generationen der große Faktor in ihrem religiösen Unterder merkantilen Bevölkerung bilden, würde unermeßlich sein. Die Verwirklichung des gegenwärtig in Erwägung befindlichen Plans einer Kalenderreform würde somit zahllosen Juden wirtschaftliches Unheil bringen, dies aus keinem anderen Grunde, als durch ihre Treue zum Glauben ihrer Väter. Die vernichtende Rechtslosigkeit. die diese sogenannte „Reform" für die Juden nach sich ziehen würde, wird sogar von dem Urheber des dreizehn Monate-„Blankotag"-Planes anerkannt, der es als wohltuende Folge des Neuen Kalenders bezeichnet, daß die Juden gezwungen sein würden, ihren Separatismus, wenigstens soweit es sich um den Sabbat handelt, aufzugeben. Seine Hoffnung wird nicht erfüllt werden. Wenn der Blankotag-Plan zur Durchführung gelangt, wird die Mehrheit der Juden vor die Wahl gestellt sein, entweder ihre Ideale aufzugeben oder materiellen Ruin mit in d^n Kauf ziu nehmen. Das wäre gleichbedeutend mit Verfolgung im schlimmsten mittelalterlichen Sinne. Auf den Völkerbund als das Bollwerk gegen Verfolgung, als Schützer der religiösen Rechte der Minderheiten und als Garant der Verträge, in denen diese Rechte gesichert sind, blickt nun das jüdische Volk und erhofft von ihm Schutz vor der drohenden vernichtenden Katastrophe. In seinem Namen bitten wir um die Aufgabe oder Abänderung des gegenwärtig in Erwägung befindlichen Planes. Unterschrieben ist diese Petition von Cyrus Adler, Präsident des American Jewish Comitee und Chef des Dropsie College in Philadelphia; O. E. d'Avigdor Goldsmid, Präsident des Board of Deputies of British Jews und Vorsitzender des Council der Jewish Agency für Palästina; S. van den Bergh, holländischer Senator; Ch. N. Bialik, Präsident des Verbandes der hebräischen Schriftsteller in Palästina; H. Farbstein, früherer Deputierter des polnischen Sejm und früherer Präsident der Jüdischen Gemeinde in Warschau; Herbert H. Lehman, Gouverneur des Staates New York; Sylvain Levi, Präsident der Alliance IsraeJite Universelle, Professor am College de France; J. L. Magnes, Kanzler der Hebräischen Universität in Jerusalem; Feiice Ravenna, Kommissar des Verbandes der jüdischen Gemeinden Italiens; Edmond de Rothschild, Mitglied des Institutes de France, Präsident des Consistoire des Israelites de Paris; Lionel de Rothschild. Präsident der United Synagogue in London; Nahuum Sokolow. Präsident der Zionistischen Organisation und der Jewish Agency. Nathan M. T. Sondheimer-Frankfurt a. M.; Felix M. Warburg- New York; Oscar Wassermann-Berlin. Die Resolution der jüdischen Gemeinden. Der Grand Rabbin von Frankreich als der Präsident des Jüdischen Komitees betreffend die Kalenderceform und der Chief Rabbi des britischen Reiches als der Vorsitzende der Executive des Komitees haben dem Vorsitzenden und den Mitgliedern der Konlerenz; die

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