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Die Wahrheit · 1931-10-16 · Heft 42 (16.10.1931) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 42 (16.10.1931)
Date
1931-10-16
Page
– (sequence 4)
Language
German
Belongs to
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Seite 4 Tag. Was kann leichter zu begreifen sein? Das ist das Programm, der Kern, den sie mit 25 Paragraphen umkleiden. Die N. S. D. A. P. wandte sich an das leere Gehirn der Menschheit sie schrie ihre Satzungen, ihre Versprechungen hinein, nichts als ein Echo kann dieser Schädel antworten. Der Hohlraum verstärkt den Schall. Das „Heil! Heil! Heil!" klingt weithin. Nur fehlt ihm die Seele. Nicht lebendig Fühlende rufen, sondern mechanisch Aufgezogene. Das Doppelgesicht des Parteiprogramms. ' Widerspruch in sich zehrt langsam auf. Nur Harmonie festigt das Existierende. Das Programm der Partei hat heute zwei Gesichter, man kehrt jeweils das gewünschte hervor. Sie lebt nur nochvon den Juden. Ohne Juden hätte sie keinen Schlachtruf, also keinen Sinn mehr. Denn immer war sie nur Geschrei, das furchtbar zerstörerisch wirken konnte, so hohl es auch war. Ein Eigenleben hat die Partei nie gehabt, sie lebt von ihrem Haß auf das Ewige, natur- und geistesgesetzlich Gewordene. Sie lebte von der Utopie. Eine Welt von Energie ist nutzlos in ihr verpufft Eines Tages werden hunderttausende noch junge Menschen, ihres Besten beraubt, dastehen. Stehen? Schwanken, taumeln, sich schämen! Die Heilrufe sind verstummt, sie selbst sind erwacht. Der Verreckefluch hat sich gegen die Fluchenden gewandt. An ihrer Ausdehnung s t i r b t d i e P a r t e i. Der Pariser Verlag Bernard Grasset veröffentlicht bereits in zehnter Auflage das Buch des führenden italienischen Faschisten und Mussolini-Freundes Curzio Malaparte, das den Titel „Technik des Staatsstreiches" führt. Der Autor hat seinem Lande auf den verschiedensten diplomatischen Posten gedient und die meisten revolutionären Staatsstreiche von rechts und von ünks aus eigener Anschauung beobachten können. Das Buch enthält auch eine Darstellung Adolf Hitlers, den Malaparte einen „danebengeratenen Diktator" nennt. Die Frage, der er oft in Deutschland begegnet ist, ob nämlich Hitler als der deutsche Mussolini zu betrachten wäre, tut Malaparte mit der verächtlichen Feststellung ab: „In Wirklichkeit ist Hitler nur ein Zerrbild Mussolinis. Dieser dünkelhafte und fette Oesterreicher mit den harten und mißtrauischen Augen, mit dem brennenden Ehrgeiz, mit seinen zynischen Plänen, mag, wie alle seine Landsleute, einen gewissen Geschmack an den Helden des alten Rom und an der italienischen Zivilisation der Renaissance haben, aber er besitzt auch hinreichend das Gefühl für die Lächerlichkeit seiner Situation und gibt sich genaue Rechenschaft darüber, daß das Deutschland der Weimarer Verfassung kein Land der Eroberung für einen Kleinbürger aus Oberösterreich sein kann, der sich als Sulla, als Julius Cäsar und als Kondotiiere kostümiert. Hitler möchte gern Mussolini imitieren, er glaubt an die Möglichkeit, Mussolini auf deutsche Manier zu modernisieren, d. h. sein Heldenideal ist ein Julius Cäsar im Tiroler Kostüm. Man muß wirklich staunen darüber, daß das Klima des Deutschland von heute sich einer derartigen Mussolini-Karrikatur förderlich zeigt, die das ganze italienische Volk nur zur Heiterkeit reizen könnte." Malaparte erzählt, daß ihm Offiziere der nationalsozialistischen S.-A.-Truppen in Königsberg, Stuttgart, Frankfurt, Köln, Düsseldorf, Essen gestanden haben, sie fühlten sich zumRangeder Prätorianer-Garde eines revolutionären Führers degradiert, der sich darin gefalle, gegen seine eigenen Anhänger ein Polizeisystem zu handhaben, dessen er sich auch eines Tages dann bedienen müsse, wenn er dem deutschen Volke seine persönliche Diktatur aufzwingen wolle. Im Schöße der nationalsozialistischen Partei werden die Gewissensfreiheit, das Gefühl für persönliche Würde, Intelligenz und Kultur mit jenem stupiden und brutalen Haß verfolgt, der das Kennzeichen aller drittklassigen Diktatoren sei. Die S.-A.-Truppen haben sich in eine Art Cametots des Königs Hitler verwandelt. Curzio Malaparte schließt: „Ein Deutschland, das ohne Widerstand die Diktatur Hitlers hinnehmen würde, ein Deutschland, das sich von diesem mittelmäßigen.Ab'ßlatsch eines Mussolini unterjochen ließe, würde sich nie gegenr über den freien Völkerr/Westeuropas zur Geltung bringen können. Hierin liegt Tragik und Elend des^deutschen Bürgertums " So oft in der Welt igacbriehten über den. Antisemitismus in Rumänien auftauchen,, wußten wir, daß es sich oft um Uebertreibungen handelt. Denn von einem Antisemitismus in Rumänien nach dem, Muster des Westens kann hier schlechtweg nicht die Rede sein. Unser Heimatland ist von Gott gesegnet. Ueberall häufen sich die Güter der. verschwenderischen Natur in Hülle und Fülle und an dem' Ueberflusse unseres Landes nehmen sogar auch andere, Staaten teil, welche mit Rumänien Handelsbeziehungen anknüpfen und dieselben immer weiter ausbauen. Entsprechend der Freigiebigkeit und dem natürlichen Reichtume des heimatlichen Bodens sind auch die auf demselben ansässigen Rumänen, die autochtone Bevölkerung, von gutmütiger Sinnesart, friedliebend und bescheiden. Da Rumänien zu den Agrarstaaten zählt, ist auch das rumänische Volk vornehmlich mit Ackerbau beschäftigt, dem es sich mit beispiellosem Fleiße und Sachkenntnis widmet. - Wenn man es den Rumänen selbst überlassen würde, sich mit den Minoritäten in unserem Lande sozusagen von Mann zu Mann zu verständigen, könnte daselbst ein wahres Paradies auf Erden geschaffen werden. Denn im Volksinstinkte ist von Natur aus die Art gelegen, sich den Mitmenschen zu gesellen, ihre Eigenart herauszufinden und auch die richtigen Töne anzuschlagen. Wie alle Staaten der Welt ist aber auch unser Land von Hyperpatrioten nicht verschont, die in ihrem chauvinistischen Fanatismus Handlungen vollbringen und Nachrichten über die Minoritäten verbreiten, welche geeignet sind, das gute Einvernehmen zwischen denselben und der Staatsnation zu trüben, wodurch der Ruf unseres Landes leiden muß. Allerdings fehlt es auch nicht an besonnenen Rumänen, die das schädliche, unvernünftige Treiben solcher Elemente richtig einschätzen und demselben auch Einhalt gebieten. Ist es beispielsweise, patriotisch, wenn jüngst einer der hervorragendsten Teilnehmer an der Interparlamentarischen Konferenz. dert belgische Pazifist Lafontaine, von drei häkenkreüzlerischen Studenteiv in Bukarest überfallen und er ' und seine Gattin mißhandelt wurden? Der Ueberfall soll deshalb erfolgt sein, weil der genannte Delegierte eine pazifistische Rede in Bukarest gehalten haben soll, welche den Studenten nicht gefiel. Es war ein unüberlegter Jugendstreich, der so wie so viele andere unser Vaterland in der Welt diskreditiert. Diese unbesonnene Handlung findet beim rumänischen Volke ejbensb 'wie in der gesitteten Gesellschaft ihre Verurteilung und die Uebeltäter sind denn auch verhaftet worden und werden vor das Schnellgericht gestellt werden. Kann aber das rumänische Volk für diese Tat verantwortlich gemacht werden? Oder kann man das Land dafür verantwortlich machen, daß ein Sicherheitsbeamter in Botutschani, um seinen Arbeitseifer seiner vorgesetzten Behörde zu beweisen, vier jüdische Jünglinge verhaftete, und der Presse von der Entdeckung einer Kommunistenorganisation mit einem geheimnisvollen Chiffreschlüssel Mitteilung machte. Als es aber zur Haftkammer des Tribunals Botuschani kommt, welche die Bestätigung der Haft aussprechen soll, stellte sich heraus, daß die vier verhafteten Jugendlichen der jüdisch-nationalen Organisation „Gordonia" angehören und sich mit dem Studium »IE WAHRHEIT Dr. S. LOW beseitigt rasdt Stottern sowie andere Angst- und ■ Seelenzustände (mitunter, binnen wehigen Sitzungen) in seinem Institut. Wien III., Hauptstraße Nr. 58 a. ä. Rodiuskirche. Tel. U12-2-43 Kostenlose Auskünfte außer Sonntag 3—4 Uhr nachmittags der hebräischen Sprache beschäftigt haben, als sie verhaftet wurden. Der geheimnisvolle Chiffreschlüssel der Siguranzä war nichts anderes als Rechenaufgaben in hebräischer Sprache. In Würdigung der Sachlage hat der Senat den Haftbefehl zwar annulliert, da aber der Staatsanwalt dagegen Rekurs anmeldete, mußten die Verhafteten auch weiter in Haft verbleiben. Bei der Bolschewistenpsychose, von welcher manche Sicherheitsbeamten heimgesucht sind, ist es kein Wunder, wenn manche Uebergriffe vorkommen. Das kann aber beileibe nicht als Antisemitismus bezeichnet werden. Es darf aber auch nicht verschwiegen werden, daß ein großer Teil der rumänischen Studentenschaft in einem mächtigen Verein organisiert, in wiederholten Versammlungen und Kongressen, welche jedesmal in einer anderen Stadt abgehalten werden, gegen die Juden zu Felde zieht und gegen dieselben die bäuerliche Bevölkerung mit antisemitischen Schlagworten ..belehrt". Die verschiedenen Argumente gegen die Juden finden um so leichter Anklang, als auch die Landbevölkerung unter dem Drucke der Wirtschaftskrise sehr leidet und man gerne auch einen Sündenbock für diesen unhaltbaren Zustand finden möchte. Dessen ungeachtet kommen keine Ungesetzlichkeiten vor, da die Behörden i echtzeitig überall die Vorkehrungen zur Aufrechthaltung der Ordnung und Sicherheit treffen. Erwähnenswert erscheint im Zusammenhange mit den vorstehenden Ausführungen die Aeußerung eines hervorragenden Delegierten der interparlamentarischen Konferenz. Unter den Delegierten befand sich auch der sozialdemokratische Delegierte, Abgeordnete Julius Moses, welcher sich seit Jahren mit dem Studium des jüdischen Problems in Deutschland und anderen Ländern befaßt. Derselbe erklärte einem Vertreter des Czernowitzer Morgenblattes: „Vor allem muß ich feststellen, daß ich in Ru mänien keinen Antisemitismus bemerken konnte. Trotzdem der Präsident des deutschen Reichstages, Herr L o e b e, sowie andere Mitglieder der deutschen Delegation bei unserem Eintreffen in Rumänien mit Hakenkreuzen versehene Schreiben erhielten, konnten wir doch nicht zur Ueberzeugung gelangen, daß es hier eine verbreitete. rechtsgerichtete Organisation gäbe. Im Gegenteil. Wir überzeugten uns, daß es eine solche nicht gibt. Während meines kurzen Aufenthaltes in Rumänien ist es mir aufgefallen, daß die Juden in zahlreiche Lager gespalten sind und sich heftig bekämpfen. Derartige Kämpfe schädigen die Interessen der Judenschaft." Man sagt: Ein Gast kommt für eine Weile und schaut weit eine Meile. Und das trifft auch hier zu. Freilich, wenn die Juden nicht so gespalten und, wie die Deutschen oder die Ungarn, in einem Lager organisiert wären, würden sie auch anders gewertet werden. Aus egoistischen Gründen leisten sie aber allen politischen Parteien Helfersdienste und genießen daher auch eine solche Behandlung wie die „Behelfer". Auch das ist eine, vielleicht die wichtigste Ursache dafür, daß bei der andersgläubigen Bevölkerung eine Abneigung gegen die Juden sich kundgibt, welche sogar in Antisemitismus ausartet Patriotismus, unentwegte Treue zum Vaterlande, loyale Gesinnung gegenüber dem rumänischen Volke, Pflege der rumänischen Sprache und Literatur und Förderung der rumänischen Kultur- und Staatsinteressen, das sind meiner Ueberzeugung nach die besten Mittel zur Beseitigung des Antisemitismus in Rumänien. Bernhard Rippel (Czernowitz.) Der „größte Australier" gestorben. General Sir John Monash Am 8. Oktober verstarb in Melbourne General Sir John Monash im Alter von 66 Jahren. Sir John Monash. der im Weltkriegedieaustralischen Truppen kommandierte und sich großen Ruhm erwarb, war-der Stolz des australischen Judentums.. In den Ländern des British Empire wurde er der „größte Australier" genannt Er war der erste, der in der australischen Armee den Rang eines Generals erhielt. General Sir John Monash wurde am 27. Juni 1865 als Sohn von Louis Monash in Melbourne geboren. Er war ein Neffe des Historikers Heinrich Graetz, auf welche Verwandtschaft er mit besonderem Stolz hinwies. An der Universität Melbourne studierte er Maschinenbau, wurde Zivilingenieur im Eisenbahn-, Straßenbau-. Brücken- und Wasserleitungswesen und wurde später Präsident des Victorian Institute of Engineers. Im Alter von 22 Jahren trat er als Leutnant in die australische Bürgerwehr . ein. wurde 1892 Captain, 1900 Major. 1912 Cölonel/ 1916 als erster Jude Generalmajor. 1918 Generalleuitnant und 1929 General. Als Generalleutnant kommandierte er das australische Armeekorps in Frankreich und wurde im Kriegsbericht achtmal als Sieger erwähnt. Der Ort Monash-Tal bei Anzac ist nach ihm benannt. In einem Interviews" das Sir John Monash vor zwei Jahren dem J.T.A*Vertreter in Melbourne gab, rühmte er die Tapferkeit der australischen Juden im Kriege und trat dem Gerücht entgegen, nach dem antisemitische Vorurteile seinen Empfang in Australien bei seiner Rückkehr vom Kriegsschauplatz beeinflußt haben sollen. Dabei erzählte er, daß er sich geweigert habe, einem prominenten Klub in Melbourne beizutreten, der andere Juden als ihn nicht aufnehmen wollte. Sir John Monash war einer der Begründer der Liga der britischen Juden in Australien, die den Zionismus bekämpft, er war auch einer der zwölf Juden; die den bekannten antizionistischen offenen Brief, der seinerzeit in den „Times" erschien, unterzeichneten. Miturtterzeichner waren Dr. Claude G. Montefiore. D. L. Alexander. Lucien Wolf u. a. m. Später hat Sir John Monash dem Zionismus wohl mehr Interesse entgegengebracht. Die Trauer in Australien über das Ableben von General Sir John Monash ist allgemein. Die gesamte Presse Australiens bringt Trauerartikel und Lebensbeschreibungen des Verstorbenen und preist ihn nicht nur . als siegreichen Armeeführer, sondern auch als Menschen von schlichter Größe, der die Verehrung und Liebe aller Volksschichten genoß, wie kein Australier bisher. Im ganzen Lande halten die ehemaligen Frontsoldaten Trauerversammlungen ab. filAAiAa erledigt sämtliche Korrespondenzen Jk^OKtmßW (kaujhnännischen,wissenschaftlichen, literarischen Inhaltes etc.), hand- und maschinschriftUche Arbeiten, allerlei Interventionen u. dgl. rasch, gewissen-- haftund blüle. Unter „Allerlei Arbeitern" an die Exp. »t Brief aus Rumänien.

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