Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 41 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Wien I., Seitenstettengasse 2, Tel. U 28-1-28 XL, Zentralfriedhof, Etbti dtm!. tw, Tel. U18-0-85 Professor Dr. Alfred Kappelmacher — Nachfolger Hofrat Professor Dr. Haiders. Der Bundespräsident hat den außerordentlichen Professor für klassische Philologie an der Universität in Wien Dr. Alfred Kappelmacher zum ordentlichen Professor dieses Faches ernannt. Professor Kappelmacher, der auch zum Mitvorstand des philologischen Seminars und Proseminars bestellt wurde, ist von seinem Lehrer, dem weit über Oesterreich hinaus bekannten Philologen Professor Hauler, der in diesem Jahre seine Lehrtätigkeit an der Wiener Universität beendete, zu seinem Nachfolger vorgeschlagen worden. Kappelmacher ist in Wien 1876 geboren, wirkte nach Erlangung des Doktorats und Ablegung der Lehramtsprüfung viele Jahre als Gymnasiallehrer in Wien, habilitierte sich 1918 an der Wiener Universität und wurde 1924 zum Extraordinarius ernannt. Er hat als Verfasser einer umfassenden „Geschichte der römischen Literatur" Ruf und Anerkennung gefunden und ist als Latinist in Fachkreisen geschätzt, auch seine Wirksamkeit als akademischer Lehrer wird gerühmt. Bei der im Vorjahr abgehaltenen Zweitausendjahrfeier von Virgils Geburtstag hielt Professor Kappelmacher den überaus beifällig aufgenommenen Festvortrag. Personalnachrichten. Der Bundespräsident hat Herrn Simon Wein er, Vizepräsident der Israelitischen Kinderbewahranstalt, Wien IL, Schiffamtsgasse 15, Mitglied des Zentralvorstandes der „Union" und der Bezirkskommission VIII/IX der Kultusgemeinde, den Titel eines Kommerzialrates verliehen. — Der bekannte Wiener Baumeister Architekt Edmund M e 1 c h e r beging kürzlich das 25jährige Jubiläum als Ausschußmitglied seiner Standesorganisation. Aus diesem Anlaß veranstaltete die Innung der Baumeister eine Feier, bei der Karnmerrat Ing. Müller dem verdienstvollen Jubilar eine Medaille überreichte. Amtsjubiläum. Am Schmini Azereth fand im Tempel, III. Untere Viaduktgasse 13, ein Festgottesdienst anläßlich des 25jährigen Amtsjubiläums des Herrn Oberkantor Salomon L e w y statt, zu dem sich neben dem beinahe vollzählig erschienen Vorstande des Tempeivereines auch Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n und mehrere andere Festgäste eingefunden hatten, die den Jubilar herzlichst beglückwünschten. Dieser fungierte selbst in ganz erhebender Weise. Zur Thora aufgerufen, richtete zunächst der neue Vereinsrabbiner, Herr Professor Dr. Kupfer, an ihn eine herzliche Ansprache, in der er insbesondere das hervorragende jüdische Wissen des Jubilärs lobend würdigte. Der Obmann des Tempelvereines, Herr Dr. Auerbach, beglückwünschte Oberkantor Lewy in einer Rede, in der er dessen ersprießliche Wirksamkeit charakterisierte und vor allem die Tatsache hervorhob, daß es dem Jubilar seinerzeit bei seinem Amtsantritte gelungen sei, die damals bestandenen Gegensätze zwischen Orthodoxen und Fortschrittlichen durch seine stets würdige Funktion und religiöse Einstellung auszugleichen. Außer den persönlichen Gratulationen wurden an Oberkantor Lewy, der sich allgemein größter Achtung und Beliebtheit erfreut, auch viele schriftliche Glückwünsche gerichtet, so namentlich •ein herzliches Schreiben des Kantorenvereines, der seinem treuen Mitgliede den Dank für die oft bekundete Anhänglichkeit entbot, sowie ein Gratulationsschreiben des Vorstandes der Kultusgemeinde. Studienrat Prof. Dr. Leop. Goldhammers 70. Geburtstag gestaltete sich zu einer imposanten Feier für den Jubilar. Von 5*11 Uhr an erschienen Freitag, den 2. Oktober, fast ununterbrochen bis y?2 Uhr Deputationen ehemaliger Schüler, Rechtsanwälte, Aerzte, Ingenieure und Bauräte. Telegramme und viele hunderte Glückwunschschreiben liefen ein, so vom Vorstande der Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, vom Verband der Israelitischen Religionslehrer an Mittelschulen, von den Direktoren und vielen Mittelschulprofessoren, von den Hofräten Dr. Anton Becker und Dr. Fr. Ladek, von Frau Generalkonsul Olga Hirsch, vom Stadtbaumeister Ing. Rieh. Kafka, vom Baurat Ing. Otto Z e i s e 1, vom Chefredakteur Karl Klivenberger u. v. a. Von den Religionsprofessoren gratulierten: Prof. Dr. Huss, Professor Dr. P a p o und Prof. Dr. Adler, ferner Rabbiner Dr. M. Rosenmann und Frau. Das Glückwunschschreiben des Vorstandes der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat folgenden Wortlaut: Sehr geehrter Herr Studienrat! Der unterzeichnete Vorstand beehrt sich hiermit, Sie zu Ihrem 70. Geburtstage auf das herzlichste zu beglückwünschen. Sie haben ein ganzes Leben lang Ihre Krait der religiösen Erziehung der Jugend gewidmet und jederzeit ausgezeichnete Erfolge erzielt. Sie waren bei den Lehrkörpern, denen Sie als Mitglied angehörten, und bei der Jugend, die Ihrer Unterweisung anvertraut war, wegen Ihres milden gütigen Wesens und wegen Ihres reichen Wissens sehr geschätzt und beliebt. Der Vorstand ergreift mit Freude die Gelegenheit, Ihnen für Ihr ersprießliches Wirken seinen Dank und seine Anerkennung auszusprechen, und gibt der Hoffnung Ausdruck, daß Sie noch lange in ungetrübtem Wohlbefinden Ihr otium cum dignitate genießen werden. Mit dem Ausdrucke der vorzüglichsten Hochachtung Reg.-Rat Fuchsgelb, Der Präsident: Amtsdirektor. Prof. Dr. Alois Pick. Reg.-Rat Dr. A. K. Zürich. Hier verstarb in diesen Tagen Herr Emile Dreyfusim Alter von 90 Jahren. Er wurde 1841 als Sohn des bekannten Emanzipationskämpfers Markus G. Dreyfus in Endingen geboren. Sein Name wurde bekannt als Präsident des Initiativkomitees der Schweizerischen Landesausstellungen von 1883 in Zürich und 1896 in Genf. In früheren Jahrzehnten war er ein Vorkämpfer des Gedankens einer europäischere Zollunion. Er betätigte sich organisatorisch im Genfer Roten Kreuz. Er war eifriger Mitarbeiter der schweizerischen jüdischen Zeitungen, in denen er wesentliche Beiträge zur Geschichte der Juden im der Schweiz veröffentlichte. Erfolgreiche Heilung von Stottern. Im Rahmen einer Pressekonferenz führte dieser Tage der bekannte Heilpädagoge Dr. S. Löw einige seiner Patienten vor, die er in ganz überraschend kurzer Zeit, nämlich nach 6—8 Stunden, vollständig von ihrem schweren Leiden befreit hat. Dr. S. L ö w ist der Ansicht, daß der Kranke die gestörten Funktionen und Menschen überschätzt, also falsch denkt. Das richtige Denken wird ihn nun gelehrt und der Kranke auf eine Stufe gebracht, von der aus ihm sowohl die Menschen als auch das Sprechen ganz nebensächlich erscheinen, so daß in seiner Seele die Konflikte, die zum Stottern führen, gar nicht mehr ausgelöst werden können, der Leidende also vollständig und dauernd geheilt ist. Ueberdies wird ihm auch eine Art des Sprechens beigebracht, die ihm das Stottern unmöglich macht, da sie dem Kranken das notwendige UeberlegenheitsgefüM verleiht. Der Löw, der selbst Stotterer war, kurierte sich nach seiner Methode selbst. Zur Heining seiner Patienten benötigte er früher 4 bis 6 Wochen, jetzt aber erzielt er — wie bereits erwähnt — in 6 bis 8 Stunden eine vollständige Gesundung, doch ist schon nach der ersten oder spätestens zweiten Stunde eine gewaltiger Fortschritt bemerkbar. So wurde beispielsweise ein Gendarmerieanwärter in sechs Tagen, ein Beamter der Verstcherungskasse für Industrieangestellte, von dem Diktaphonaufnahmen vor und nach der Behandlung vorliegen, in 8 Sitzungen und nun in 6 Sitzungen ein 12jähriger Schüler geheilt, wobei Notariatsakte vorliegen, daß alle diese Kranken vorher bei den bekanntesten Professoren jahrelang in erfolgloser Behandlung gestanden sind.' Auf ähnliche Weise wie das Stottern behauptet Dr. Löw auch ähnliche Krankheiten, die auf Angstzuständen beruhen, heilen zu können und ist so den vielen, vielen Schwerkranken und seelisch furchtbar Leidenden, die bis nun ganz verzweifelt waren, endlich die Möglichkeit geboten, ganz gesund zu werden. Amtliche Verlautbarungen der israelitischen Multusgemeinde Wien Gemeindebibelschulen. Einschreibungen für das Schuljahr 1931/32. Kundmachung. An den Bibelschulen der israelitischen, Kultusgemeinde Wien erhalten Schüler und Schülerinnen der Volks-, Haupt- und Mittelschulen, ihren Altersstufen und Vorkenntnissen entsprechend. Ergänzungsunterricht in den hebräischen Lehrgegenständen (Lesen, Liturgie. Pentateuch, Talmud). Die Schüleraufnahmen für das Schuljahr 1931/32 finden ab Sonntag, den 11 d. M., in folgender Einteilung statt: A. I., Seitenstettengasse 4 (IV. Stock): 1. Für Knaben und Mädchen der Volksschule 2. Für Knaben der Hauptschule 3. Barmizwahkurs B. IL, Tempelgasse 5 (III. Stock): 1. Für Knaben der Volksschule II. Klasse 2. Für Knaben der Volksschule III. und IV. Klasse 3. Für Mädchen der Volksschule II. Klasse und IV. Klasse Freitag 'A3—4 Uhr Montag 6—7 Uhr Dienstag 'A3—'A5 Uhr 4. Für Mädchen der Volksschule III. 5. Für Knaben der Hauptschule. 6. Für Mädchen der Hauptschule 7. Für Knaben der Mittelschule 8. Für Mädchen der Mittelschule 9. Talmudkurse für Jünglinge C. IL. Sebastian Kneippgasse 14: 1. Für Mädchen der Volksschule II. Klasse 2. Für Mädchen der Volksschule III. und IV. Klasse 3. Für Knaben der Hauptschule 4. Für Mädchen der Hauptschule D. IL, Rembrandstraße 32: Für Knaben der Volks- und Hauptschule E. III., Untere Viaduktgasse 13: Für Knaben und Mädchen der Volksschute F. VL, Schmalzhofgasse 3: 1. Für Knaben und Mädchen der Volksschule 2. Für Mädchen der Mittelschule 1. Für Mädchen der Volksschule 2. Für Mädchen der Hauptschule 3. Für Mädchen der Mittelschule G. VIII., Neudeggergasse 12: Für Knaben und Mädchen der Volksschule H. IX., Miillnergasse 21: Montag 3—4 Uhr. Saal I Montag 4—5 Uhr. Saal I Dienstag 2—3 Uhr, Saat I Dienstag 3—5 Uhr. Saat I Donnerstag 4—6 Uhr, Saal II Montag 5—6 Uhr, Saal l Mittwoch 5—6 Uhr, Saal I Montag 5—7 Uhr (im Lehrsaal) I. Stock Montag 6—8 Uhr. Saal II Donnerstag 2—3 Uhr Donnerstag 3—5 Uhr Sonntag 9—10 Uhr Sonntag 10—11 Uhr Sonntag 9—12 Uhr Freitag 'A3—4 Uhr Donnerstag 'AS— 'A6 Uhr Freitag 2—4 Uhr Mittwoch 3—4 Uhr Dienstag 2—3 Uhr Dienstag 3—4 Uhr Donnerstag 4—5 Uhr Montag 2—5 Uhr Donnerstag 3—6 Uhr L X., Humboldtgasse 25: Für Knaben und Mädchen der Volks- und Hauptschule (Bibeln u. Hebr.-Kurse) J. XI1L. PenzingerstraBe 132. 1. Für Knaben und Mädchen der Volksschule 2. Für Knaben und Mädchen der Haupt- und Mittelschule nach Vereinbarung mit Herrn Rabbiner Dr. Lewin K. XV. Turnergasse 22: 1. Für Knaben und Mädchen der Hauptschule 2. Für Mädchen der Hauptschule L. XX„ Othmargasse 46: 1. Bibelschule für Knaben und Mädchen (Hebräisch-Lesen, Siddur. Pentateuch) Montag—Donnerstag 3—5 Uhr Freitag 2-^1 Uhr Freitag 2-^1 Uhr Mittwoch 'A5—%b Uhr 2. Talmud1 für Anfänger Talmud für Vorgeschrittene 3. Barmizwah-Kurs 4. Hebräische Kurse (Iwrith biwrith) für Knaben und Mädchen M. XXL, Holzmeistergasse 12: 1. Für' Knaben und Mädchen der Volksschule 2. Für Knaben und Mädchen-der Hauptschule Der Unterricht In allen Abteilungen und Kursen ist unentgeltlich. Sonntag 10—12 Uhr, Saa II Dienstag 2—4 Uhr Montag 3^-4 Uhr Samstag 4—6 Uhr Sonntag 8—10 Uhr Montag 2—3 Uhr Montag. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag 3—8 Uhr Montag 5—6 Uhr Mittwoch 5—6 Uhr.