Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 41 (9.10.1931)
- Date
- 1931-10-09
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Sefte ö ÜÜK WAHRHEIT VonWodke zu Wodke .<*u> Gandhi über den geistigen Zionismus. Mahatma Gandhi, der geistige Führer Indiens, der gegenwärtig in London zur Teilnahme an der indischen Round-Table-Konferenz weilt, gab einem Mitarbeiter des „J e w ish C h r on i c 1 e" ein Interview, in dessen Verlauf er sich wie folgt über den Zionismus äußerte: Der Zionismus in seinem geistigen Sinn ist eine erhabene Aspiration, aber der Zionismus, der die Wiederbesetzung Palästinas durch Juden zum Ziele hat, übt auf mich keine Anziehung aus. Ich verstehe, fügte Gandhi hinzu, die Sehnsucht des Juden nach Rückkehr in das Land seiner Väter; er kann und soll das tun, soweit sich diese Rückkehr ohne Hilfe englischer oder jüdischer Bajonette vollzieht Denn in einem solchen Falle würde der Jude, der nach Palästina geht, in vollkommenem Frieden und in Freundschaft mit den Arabern leben. Der wirkliche Zionismus, der in den Herzen der Juden ruht, ist ein Ziel, nach welchem man streben und für das man sein Leben hingeben soll. Ein solcher Zionismus ist die Wohnung Gottes. Das wirkliche Jerusalem ist ein geistiges Jerusalem. Und diesen geistigen Zionismus kann der Jude in jedem Teil der Welt verwirklichen. Wie macht man das? In der „Dötz" finden wir folgenden fettgedruckten Notschrei einer völkischen Seele: Völkischer Autobesitzer gesucht! Da leb insbesondere an Samstagen und Sonntagen häufig auswärts Versammlungen zu verrichten habe, ersuche ich. es möge sich ein freiwilliger Autobesitzer melden, der sich öfters nach Bedarf und unentgeltlich zur Verfügung stellt — Rechtsanwalt Dr. W. R i e h 1, Wien h, Stephansplatz 5, Fernspruch R-29-4-62. Wie „verrichtet" man Versammlungen? Unentgeltliche Preisfrage an den tüchtigen Herrn Dr. Walter Riehl. Scherze des Herrn Ministerpräsidenten. In Ramnicul Sarat hat Ministerpräsident Professor J o r g a, der dort an einer kirchlichen Feier teilgenommen hatte, einem jüdischen Kaufmann gegenüber, den er nach dem Verlassen der Kirche unter der angesammelten Volksmenge bemerkte, folgende Aeußerung getan: „Sind nicht unsere Feiern schöner als eure? Wer zwei Testamente besitzt, ist eben besser daran als der, der nur eines hat. Es ist wohl an der Zeit für euch, euer altes Kleid auszuziehen und ein neues anzulegen!" Man hätte von einem Manne wie Professor Jorga bessere „Scherze" erwartet. Gewissenszwang in Rumänien. Ungeachtet der Verordnung, daß jüdische Schüler vom Besuch der christiiehen Religionsstunde befreit sind, kommt es noch häufig vor, daß jüdische Schüler an rumänischen Staatsschulen unter dem moralischen Druck, der mitunter von einzelnen Lehrkräften auf säe ausgeübt wird, dem chrisdichen Religionsunterricht beiwohnen. Zu weJch schweren inneren Konflikten dieser Vorgang bei jüdischen Schülern führen kann, zeigt ein Fall, der sich vor kurzem an einem Bukarester Lyzeum ereignete. Ein Schüler, Sohn eines Bukarester Rabbiners, war von seinem Direktor, der mit dem an der Schule als Religionslehrer wirkenden Popen eng befreundet ist, veranlaßt worden, an dem christlichen Religionsunterricht teilzunehmen. Obwohl der Schüler erklärte, er werde einen jüdischen Religionskurs besuchen, bestand der Direktor unter dem Hinweis, er werde in der christlichen Religionsstunde zunächst das Alte Testament, das ja auch für die Juden bestimmt sei, behandelt werden, auf seinem Verlangen. An der Schule steht ein vom Unterrichtsministerium approbiertes Religionslehrbuch in Verwendung, in dem an die Geschichte von Kain und Abel folgende Betrachtung angeschlossen ist: „Ebenso wie Kann hat das jüdische Volk seinen Bruder, den Heiland Christus, getötet. Aber wie Kain wird das Volk, das den Gottessohn getötet hat, das Zedchen von Gottes Fluch an der Stirne tragen." Als der jüdische Schüler bei einer Priüfung aufgefordert wurde, die Geschichte von Kain und Abel zu erzählen, gab er sie in der Form, wie sie in der Bibel enthalten ist, wieder. Der Pope forderte jedoch, daß der Schüler die Frage auf Grund der im Lehrbuch enthaltenen Fassung beantworte und klassifizierte ihn, als er dies verweigerte, mit der Note „U n g e n ügend". Die berufenen jüdischen Instanzen haben Schritte eingeleitet, mm eine Wiederholung solcher Fälle unmöglich zu machen. 13 junge Revisionisten in Tel Aviv verhaftet 13 junge Leute, die, der revisäonistichen Parole folgend, gegen die Abhaltung der Volkszählung in Palästina agitierten und Zettel mit der Aufschrift „Nieder mit der Volkszählung!" verbreiteten, wurden von der Polizei festgenommen. Weiteres Ansteigen der Warenpreise in Palästina. Das Sinken der englischen und somit auch der palästinensischen Währung hat ein weiteres Ansteigen der Nahrungsmittel- und Gebrauchsartikelpreise in Palästina zur Folge gehabt. Auch australisches Mehl ist gestiegen, da die Großhändler sich weigern, den Verkauf in Palästina-Währung zu tätigen. Von der jüdischen Wanderung. Laut Mitteilung des Einwanderungskoimmissars H u 11 sind im Verlauf des Finanzjahres 1. Juli 1930 bis 30. Juni 1931 5692 Juden in die Vereinigten Staaten eingewandert und 319 Juden aus den Vereinigten Staaten ausgewandert. Die jüdische Einwandererschutz- und Hilfsgescllschaft HI AS in New York veröffentlicht soeben Wanderstatisriken, aus denen hervorgeht, daß seitdem die Vereinigten Staaten ihre Tore für neue Einwanderer geschlossen haben, die südamerikanischen Länder die Hauptmasse der jüdischen Wanderer aufgenommen haben. In den letzten drei Jahren wanderten nach Argentinien 26.187 Juden ein, von denen die meisten aus Polen stammen. In der gleichen Zeit ließen sich etwa 50.000 jüdische Wanderer in anderen süd- und mittelamerikanischen Ländern, wie Brasilien, Chile, Uruguay und Kuba, nieder. Hungertod unter Warschauer jüdischen Schulkindern. Die wirtschaftliche Not unter der jüdischen Bevölkerung Polens nimmt erschreckende Formen an und prägt sich bereits in dem äußeren Bild aus, das die Klassen der weltlichen Schulen der jiddischen Kulturorganisation, der hebräischen Schulen der Kulturorganisation Tarbuth und der von den religiösen Organisationen unterhaltenen Talmud- Thora-Schulen bieten. Die Schulkinder sehen ganz so blaß, verhärmt und ausgehungert aus wie in den schwersten Nachkriegsjahren. Häufig kommt es vor, daß Kinder während des Unterrichts ohnmächtig werden, wobei sich bei der Untersuchung herausstellt, daß das betreffende Kind vom dauernden Hungern vollkommen entkräftet ist. Die Zahl der Sterbefälle unter den vom Hunger erkräfteten Schulkindern ist in ständigem Wachsen begriffen. Die Leitungen der erwähnten Schulen haben an Herrn Dr. Bernhard Kahn, Direktor des europäischen Büros des American Joint Distribution Coramittee in Berlin, einen dringenden Appell gerichtet, die Schulen durch Bereitstellung von Mitteln in Stand zu setzen, den Kindern die allernotwendigste Nahrung geben zu können. Die Antwort war positiv, so daß die Hoffnung besteht, daß die Aktion zur Rettung der Schulkinder von Erfolg gekrönt sein wird. Gemeinde - €Jironift Tödlicher Unfall des Oberrabbiners von Piestany. Am 29. v. M. kam der Oberrabbiner von Piestany Koloman Weber nach Bratislava und begab sich im Autobus zum Haus der Agudas Jisroel in der Judengasse. Beim Aufsteigen stieß er mit dem Kopfe sehr stark an die Autobuswand und fiel aus dem Wagen. Der Fall war so unglücklich, daß Oberrabbiner Weber in bewußtlosem Zustande in das Jüdische Landesspital überführt werden mußte, wo er seiner Verletzungen erlegen ist. — Oberrabbiner Koloman Weber war Vorsitzender der Orthodoxen Zentralkanzlei für die Slowakei und einer der besten Führer der slowakischen Agudah. Als entschiedener Gegner der zionistischen und jüdisch-politischen Bestrebungen war er gemeinsam mit Rabbi Hirschler bei den ersten Parlamentswahlen gegen die Kandidaturen der jüdisch-nationalen Liste mit einer besonderen Liste der „Jüdischen Wirtschaftspartei" aufgetreten, verzichtete jedoch später auf eine weitere politische Tätigkeit. Karlsbad. Der auch in Wien rühmlichst bekannte Oberrabbiner von Karlsbad, Dr. Ignaz Z i e g 1 e r, begeht dieser Tage seinen 70. Geburtstag. Dr. Ziegler, der der Autor zweier populärer Werke über die Judenfrage im Werk Romain Rollands und über die „Sittlichen Lehren des Judentums" ist, hat sich in weitesten jüdischen Kreisen der Tschechoslowakei durch die Schaffung des großzügigen und kürzlich seiner Bestimmung übergebenen „Israelitischen Altersheimes" in Karlsbad einen Namen gemacht Er hat das Altersheim mit Unterstützung des amerikanischen Philanthropen C. Brown errichtet. -"--g GROSSFLEISCHHAUEREI SIMM. KORNMEHL IlllWIimil IIIIIIIIIIM—B——BM——« WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FK.tA3.Ei XVIII., WftHRINGERSTRASSE 97 Telephon Nr. A 17-3-99und A 16-9-34 Lieferant für Hallanstalten ÄbteilußgenfürKoscherf leisch unter Aufsicht des ehr». Rabbinates der Isr« Kultuagemeinde Wien. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen Prof. Julius Wolfsobn hat in der Sommerzeit einige Werke vollendet. Vor allem ein Album für die jüdische Jugend, das in zwei Bänden 20 Charakterstücke für kleine Kinder enthält. Dieses Werk wird mit einem erläuternden Vortrag bei einer nur für Rinder zu veranstaltenden Matinee in der nächsten Zeit aufgeführt. Ferner schrieb er zwei Violinstücke „An der Wiege" und „Vertraute Klänge", durchwegs, in Troppstil und Volkston gehalten. Schließlich vertonte er auf persönliche Empfehlung des Dichters das berühmte „Schlaflied für Mirjam" von Richard Beer-Hofmann. Auch diese Kompositionen werden heuer aufgeführt. Barmizwahfeier. Samstag, den 10. d. M., 9 Uhr vormittags, findet im Bethaus, IL, Leopoldsgasse Nr. 29, die Barmizwahfeier des Studenten Erich Schächter, Sohn des Herrn und Frau Isa Schächter, statt. Schätzt Euch vor den Gefahren des Winters! Von Hugo Mikolascb, Inhaber der Firma Bandagen- Mikolasch, Wien IL, Taborstraße 22. Wieder klopft der Winter an die Türe und sendet als Boten Regenschauer und kalte Stürme. Getreulich überfallen seine Vasallen die Menschheit und freuen sich, bereits in den ersten Herbsttagen mit ihrer Herrschaft beginnen zu können. Schwer seufzt der Mensch unter der Knute der Influenza und dem Drangsal eines immerwährenden Schnupfens. Durchgefroren, durchnäßt, mißmutig gestimmt sucht der gequälte Mensch das Bett auf und atmet auf, denn die fürsorgliche Hausfrau hat in treuer Vorsorge die kalten Linnen durch einen Wärmekörper vorgewärmt, da sie genau weiß, wie wichtig für das Wohlbefinden des Mannes, eine warme Zuflucht ist. Es war ja nur eine ganz geringe Mühe, die da aufgewendet werden mußte: das elektrische „Thermolif'-Heizkissen wird einfach einige Minuten eingeschaltet und schon entströmt wunderbare Wärme dem kleinen Zauberding; oder fehlt es an elektrischem Strome, so gibt es „Paradruif-Wärmeflaschen aus Gummi in jeder Größe und Preislage, die mit wenig Arbeit zu handhaben sind. Wärme! Das ist das Zauberwort im kalten Winter* das jeden Mißmut bannt und so manche Krankheit niederzwingt. Wärme ist der Erzfeind allen Leidens- und der getreue Helfer aller Aerzte bei Gicht, Rheumatismus und vielen inneren Krankheiten. Der leidende Körper soll warm gehalten werden und fehlt es an der nötigen Bettruhe, so helfen viele Artikel der Sanitätspflege, auch dem berufstätigen Menschen Wärme zu spenden. Da gibt es sogenannte Wärmebinden aus. Flanell oder Kamelhaar, die auch für einzelne Körperteile, wie Brust, Rücken, Bauch, einzelne Gliedmaßen usw., in besonderen Ausmaßen im Handel erscheinenr da gibt es vor allem die imprägnierten Katzenfelle, deren wärmende Heilwirkung schon in alten Zeiten bekannt war. und die als wirksames Vorbeugemittel gegen Ischias, Rheumatismus und alle ähnlichen Leiden in den letzten Jahren wieder zu Ehren kommen. Ist man ein Opfer der kalten und nassen Witterung geworden, dann heißt es doppelt vorsichtig zu sein! Vor allem prüfe man einige Male im Tage den Temperaturstand des Körpers mittels eines verläßlichen, nicht zu langsam steigenden Fieberthermometers und vertraue vollkommen bei der Auswahl desselben dem Rate des fachkundigen Geschäftsmannes- Sind die Rachenorgane erkrankt oder quält ein heftiger Schnupfen die Nase, dann greife man nach dem Inhalationsapparat, der in den letzten Jahren auch für elektrischen Anschluß erzeugt wird und daher vollkommen leicht und gefahrlos zu handhaben ist. Einige Minuten warmer oder auch kalter1 Inhalation (je nach Anordnung des Arztes) schaffen Erleichterungen und fördern den HeUprozeß. Eine große Rolle spielen bei solchen Krankheitsfällen die verschiedenen Lichtbäder und Bestrahlungslampen, die im Winter das Allheilmittel, die Sonne, ersetzen. Heißluftapparate, die bequem zu bedienen sind, verordnet heute fast jeder Arzt und führende Spezialgeschäfte der Sanitätsartikelbranche haben in anerkennenswerter Weise den Beschluß gefaßt, die teuren Apparate auch leihweise gegen eine ganz geringe Leihgebühr den Kunden zu überlassen, um dadurch auch ihrerseits im Kampfe für die Gesundheit des Volkes beizutragen. Unermüdlich schafft die Sanitätsindustrie in inniger Zusammenarbeit mit Aerzten und Wissenschaftlern den Ausbau aller Sanitätsartikel und viele Erfolge auf dem Gebiete der Krankenpflege sind auf rasche und fachgemäße Anschaffung der entsprechenden Heil- - behelfe zurückzuführen, die, dem Zeitgeiste angepaßt,, auch für die Minderbemittelten erschwinglich sind.