Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 40 (2.10.1931)
- Date
- 1931-10-02
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT Seite 7 Streng orth. ItftJ I I Billigste Preise, beste Qualita« f l in der bestrenommierten Filiale der SELCH WARENFABRIK PETYAN & co. WIEN II.. PRATERSTRASSE NR. 38 Bei modernst hygienischer Einrichtung vorzügliche Bedienung- — Zu jeder Tageszeit kalte und warme Speisen- \ Gustav Moritz \ Ein g u t e r J u d e ist dahingegangen. Mit dieser Bezeichnung ist das Wesen des Kultusvorstehers Gustav Moritz, der am 23. v. M. durch einen jähen Tod aus seinem arbeitsreichen Kämpferleben gerissen wurde, wohl am besten charakterisiert. Seine Herzensgute äußerte sich vor allem in seinem gewaltigen sozialen Gefühle, das ihn, der selbst aus ärmlichen Verhältnissen stammte, zwang, sich hauptsächlich im Rahmen der sozialdemokratischen Partei, der er seit seiner frühesten Jugend mit aller Energie diente, der Armen und Unterdrückten anzunehmen. Sein stolzes jüdisches Bewußtsein wiederum manifestierte sich besonders in seiner siebenjährigen Tätigkeit im Wiener Kultusvorstande, die auch vom Gegner — denn Moritz, der grundgütige Mensch hatte nur politische Gegner, nicht Feinde — stets lobend anerkannt wurde. Ein hervorstechendes Merkmal des im 61. Lebensjahre Heimgegangenen war sein oft beißender Humor, den er insbesondere in der Diskussion mit Andersgesinnten anzuwenden pflegte. Nie aber war dieser Humor verletzend, konnte auch gar nicht so wirken, denn man wußte, daß dieser Meister des Humors mit allem Ernste an der Erhaltung der Wiener Kultusgemeinde hing und dieses oberste Ideal niemals parteiischen Motiven unterordnen würde. So erwarb er sich im eigenen Lager begeisterte Anhänger, im gegnerischen Lager hat er sich Sympathien zu' verschaffen' verstanden," die ihm stets ein ehrendes Andenken sichern werden. Welcher Beliebtheit er, der stets nur für andere sich mühte und an sein eigenes Wohl oft genug vergaß, sich erfreute, kam bei seinem am 25. v. M. stattgehabten Leichenbegängnisse zum Ausdruck. Die trotz des schlechten Wetters ungemein große Beteiligung aus allen Schichten des Wiener Judentums gab Zeugnis von der tiefen Erschütterung, die das jähe Hinscheiden dieses prächtigen Menschen in allen Kreisen ausgelöst hat. Die Zeremonienhalle am IV. Tor war dicht gefüllt, vor der Estrade waren Sitzreihen aufgestellt, in denen die offiziellen Vertreter Platz nahmen. Man bemerkte u. a. den Vizebürgermeister Georg E m m e r 1 i n g, die Gemeinderäte Bermann und Fischer, Bezirksvorsteher Berdiczower, beinahe sämtliche Kultusvorsteher unter Führung des gesamten Präsidiums, Amtsdirektor Regierungsrat G. F u c h s g e 1 b, die Amtsleiter E. Engel, W. Freistadt und A. Meißner, eine überaus starke Abordnung der Betriebsgruppe der Angestellten der Kultusgemeinde mit Amtsleiter W. Förster an der Spitze, mehrere Rabbiner und Kantoren u. v. a. Die Trauerrede hielt Rabbiner Dr. I. Taglicht, der ein ergreifendes Bild von dem edlen Streben des für sich selbst anspruchslosen und immer nur für seine Mitmenschen besorgten Kämpfers Gustav Moritz entwarf. An der Bahre sprachen sodann Präsident Prof. Dr. Alois Pick namens der Kultusgemeinde. Dr. J. L ö w y, der Mitarbeiter des Heimgegangenen in der von diesem geschaffenen Partei der „Werktätigen Juden", Herr Rath namens des jüdisch-sozialistischen Arbeiter-Bundes und ein Vertreter der kaufmännischen Angestellten herzliche Abschiedsreden, in denen dem allzu früh Dahingegangenen der Dank für sein Wirken votiert wurden Freunde trugen nun den Sarg zu dem vom Kultusvorstand gewidmeten Ehrengrab, wo Vizebürgermeister Georg Emmerling tief ergriffen für die sozialdemokratische Partei Abschied von dem wackeren Mitstreiter nahm. Die kantorale Funktion versah in hervorragender Weise Oberkantor G. Marguli e s unter Assistenz des I. Kantors H. F u n k e und eines großen Chores. O. H. Gemeinde ~ thronik Radio Wien ins Stammbuch, Im Hamburger Sender sprach der bekannte Kantor Lieber am 20. September über „Sinn und Bedeutung der hohen Feiertage". Jubiläen an der Wiener Produktenbörse. Der langjährige und verdienstvolle Generalsekretär der Wiener Produktenbörse, Hofrat Dr. Alexander Horovitz, vollendete dieser Tage sein 70. Lebensjahr. — Kultusvorsteher Obermedizinalrat Dr. H a a s e feierte dieser Tage sein 40jährlges Jubiläum als Inspektionsarzt der Produktenbörse. Der Regisseur und Dramaturg Josef Glücksmann, der Sohn des Dramaturgen Prof. Heinrich Glücksmann vom Deutschen Volkstheater, debütierte mit Erfolg als Regisseur am Hamburger Schauspielhaus mit der Inszenierung des Schauspieles „J u d S ü B", von Paul Kornfeld. Dienstjubiläum. Am 1. v. M. waren 35 Jahre verstrichen, seitdem die Leiterinder Israelitischen Kinder bewahranstalt, II., Schiffamtsgasse 15, Frau Direktor Olga Fischer mit ihrem seither verstorbenen Gatten, Herrn Dir. Max Fischer s. A., ihren Dienst bei dem genannten Wohlfahrtsinstitut antrat. Der in weiten Kreisen bekannten und beliebten Jubilarin wurden an diesem Tage viele Ehrungen zuteil. Mensa academica judaica. Der Küchenbetrieb der Mensa academica judaica, IX., Zimmermannplatz 8, wird Montag, den 5. d. M. um 12 Uhr mittags wieder eröffnet. Merores-Waisenhaus. Zu Ehren der unvergeßlichen Frau Regine Pick s. A., Gattin des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde, Prof. Dr. Alois Pick, wurde am 22. v. M. in dem herrlichen Garten des Merores-Waisenhauses. für welches die allzu früh Dahingeschiedene als Präsidentin des Damen-Schutzkomitees Unvergängliches geleistet, an einem ihrem Andenken gewidmeten Baume ein Gedenkstein enthüllt. Die Feier, zu der sich Präsident Professor Dr. Alois Pick, der Ohmami des Kuratoriums des Waisenhauses Vizepräsident Dr. J. Ornstein, Kultusvorsteher Obermedizinalrat Dr. H. Haase, Amtsvorstand E. Engel und hoch einige andere Gäste eingefunden hatten, konnte des schlechten Wetters wegen nicht, wie beabsichtigt, im Garten selbst abgehaltere werden, sondern fand im Festsaale statt, der aber leicht den Ausblick auf den prächtigen Garten, insbesondere den schönen Widmungsbaum, ermöglicht Die Zögling« trugen unter Leitung des Herrn Professor Herz einen Choral vor, sodann sprach ein kleines Mädchen ein hübsches Gedicht, das das Andenken dieser wahren Mutter der Waisenkinder feierte. Den Höhepunkt bildete eine Gedenkrede des Herrn Vizepräsidenten Dr. J. Ornstein, der die Kleinen zur täglichen Pflege des Baumes ermahnte, um so das Gedenken an die edle Verblichene auch für spätere Generationen festzuhalten. Barmlzwahfeier. Sonntag, den 27. v. M. (2. Tag Sukkoth). fand im Pazmanitentempel die Barmizwahfeier des Studenten Walter Kerpner. Sohn des in WIENER BET HAMIDRASCH. Wien II., Tempelgasse 3. Vorlesungen im Wintersemester 1931/32 (5692). SONNTAG, 5— 6: Rabb. Lektor Dr. Rubin. MIDRASCH. 6- 7: Rabb. Lektor Dr. Rubin. TALMUD (Berochoth). MONTAG, 6— 7: Rabb. Dr. Rosenmann. Die zwölf Propheten. 7— 8: Rabb. Dr. Murmelstein, Probleme des Jüdischen Rechtes. DIENSTAG, 6— 7: Prot Dr. Krauß, Geschichte der Jaden im Mittelalter. 7— 8: Rabb. Dr. Taglicht, Das Bach JOB. MITTWOCH, 6—7: Rabb. Dr. Rosenmann. Die zwölf Propheten. 7— 8: Rabb. Lektor Dr. Rubin. MIDRASCH. DONNERSTAG. 6—7: Prof. Dr. Krauß. Geschichte der Juden hn Mittelalter. 7— 8: Prot Dr. Krauß. CHOWOTH ha —LEWO- NOTH. SAMSTAG, 11—12: ProL Dr. Krauß, ABOTH des Rabbi NATAN. 4— 5: Rabb. Lektor Dr. Rubin, Bibervortrag. Die feierliche Eröffnung des Wintersemesters findet. DIENSTAG, den §. Oktober, um 7 Uhr abends, IL. Tempelgasse 3. statt Für den Vorstand: Ernst Vogel wl p.. Dr. Jakob Ornstein m.p„ Schriftführer. Praefcfeot weitesten Kreisen bestbekannten Herrn ignaz Kerpner und seiner Gattin Paula, geborene Jelliuefc, statt. Zu der Feier hatte sich ein großer Kreis ven Preunden und Bekannten des Hauses Kerpner eingefunden, die Eltern und Sohn zu dem freudigen Ereignisse herzlichst beglückwünschten. Oberkantor J. Müt- 1 e r rezitierte einen feierlichen Mischeberach. Rabbiner Dr. Z w i Taubes hielt an den Barmizwoh eine innige Ansprache, in der er das gottgefällige Wirken seiner Großeltern und Urgroßeltern rühmend hervorhob und ihn ermahnte, dem trefflichen Beispiele seiner Eltern, die sich überall größter Achtung erfreuen. Im künftigen Leben, nachzueifern. Der zur Thora gerufene Herr Ignaz Kerpner, wie auch dessen Bekannte und Freunde benutzten den schönen Anlaß zu Spenden für verschiedene Wohlfahrtszwecke. Walter Kerpner selbst trug die Haftara mit viel Verständnis vor. was allgemein lebhaftes Gefallen auslöste. Amsterdam. Für das neue Universitätsjahr wurden in Holland zwei hervorragende jüdische Gelehrte als Rectores Magnina gewählt: Prof. Dr. E. S. Ornstein wurde zum Rektor der Staatsunäversität in Utrecht und Prof. Dr. N. J. Polak zum Rektor der Holländischen Handelsuniversität In Rotterdam gewählt. Malmonides-Institut Das Wintersemester beginnt am 5. Oktober mit den vorläufig folgendermaßen iestgesetzen Vorträgen: Montag (Anfang 5. Oktober). Rabbiner Dr. Kaminka, 6—7 Psalmen. 7—8 More Nebucbäm; Dienstag. Rabbiner M. Horowitz, 6—7 „En Jaakob*4, 7—8 „Ikkarlm"; Donnerstag, Dr. N. Goldstein. 6—7 Traktat Kidduschln: Samstag. 'A4—ÜB Rabbiner Dr. Kaminka. Pentateuch. KS—Doktor N. Goldstein, Mldrasch. Der Wiederbeginn der Universitätsvorträge ist für Mittwoch. 28. Oktober. 6—8. in Aussicht genommen. Ein definitives Programm wird noch bekanntgegeben werden. Jlmtfidje Verfautßartmgen der Jsmeßtisdjen Xuftusoemeinde Wien Predigten in den Israelitischen Gemeinde- und Bezirkssynagogen. Am kommenden Schhulfeste (3. Oktober 1931) werden in nachbenannten Gemeinde- und Bezirkssynagogen beim Hauptgottesdienste Predigten abgehalten, und zwar: 1. Bezirk. Seitenstettengasse 4 (Rabbiner Doktor 1. Taglicht). 2. Bezirk, Tempelgasse 5 (Rabbiner Dr. J. M. Bach). 2. Bezirk. Pazmanitengasse 6 (Rabbiner Doktor Z. Taubes). 3. Bezirk. Untere Viaduktgasse 13 (Prof. Doktor K. Kupfer). 5. Bezirk, Siebenbrunnengasse la (Rabbiner Doktor M. G. Mehrer). 6. Bezirk. Schmalzhofgasse 3 (Rabbiner Doktor J. Drobinsky). 8. Bezirk. Neudeggergasse 12 (Rabbiner Doktor M. Bauer). 10. Bezirk. Humboldtgasse 27 (Rabbiner Doktor A. Weiner). 13. Bezirk. Eiteibergergasse 22 (Rabbiner Doktor M. Lewin). 15. Bezirk. Turnergasse 22 (Rabbinatskandidat Dr. Z. Kanner). 16. Bezirk. Hubergasse 8 (Rabbinatskandidat Jose! Babad). 18. Bezirk. Schopenhauerstraße 39 (Rabbiner Dr. D. Feuchtwang). 19. Bezirk. Doilinergasse 3 (Prediger Doktor A. Frankfurter). 20. Bezirk. Kluckygasse 11 (Rabbiner Doktor B. Murmelstein). 21. Bezirk, Holzmeistergasse 12 (Rabbiner Doktor M. Rosen mann). Am Vorabende des Schlußfestes, Freitag, den 2. Oktober 1931 (Beginn 5 Uhr 30 Minuten nachmittags), 9. Bez.. Müllnergasse 21 (Rabbiner Dr. A. Z. Schwan). Maskir-Andachten am Schemini-Azeretb-Feste. Zur Vermeidung des großen Andranges in den Gemeindetempeln zur „Haskarah". veranstaltet der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien am diesjährigen Schemini-Azereth-Feste, Samstag, den 3. d. M, um 6 Uhr früh im Stadttempel I., Seitenstettengasse 4, und im Leopoldstädter-Tempel, IL, Tempelgasse 5, sowie um 9 Uhr vormittags in den Festsälen des Hotel „Post", I., Fleischmarkt 24 und des Hotel „Continental", IL, Taborstraße 6, feierliche Gottesdienste mit Maskir-Andacht. Eintritt frei — ohne Karten * Festgottesdienste der Schuljugend anäßlicn Slmchas-Thora. Am Samstag, den 3. d. M. (Schemini-Azereth). finden Festgottesdienste für die Schuljugend in den Synagogen I.. Seitenstettengasse 4 und XX., Kluckygasse 11, um 3 Uhr nachmittags statt. Die Einschreibungen an der Bibelschule, IL. Rembrandtstraße 32, finden am Dienstag, den 6. d. M., von 2 bis 4 Uhr nachmittags, und Sonntag von 9 bis II Uhr vormittags statt. Der Unterricht ist unentgeltlich.