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Die Wahrheit · 1931-10-02 · Heft 40 (2.10.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 40 (2.10.1931)
Date
1931-10-02
Page
– (sequence 6)
Language
German
Belongs to
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Seite 6 DBE WAHRHEQ eine Auffassung, der in der regen Diskussion teils beigepflichtet, teüs widersprochen wurde. Ueberfcaupt kann konstatiert werden, daß die an die verschiedenen Referate sich stets anschließenden Diskussionen äußerst intensiv geführt werden. An ihnen beteiligen sich vornehmlich Mitglieder der Jugendgruppe, für die übrigens seit einiger Zeit von Reg.-Rat Dr. Max Lenk ein äußerst stark besuchter Rednerkurs*) eingeführt wurde; aber auch die stets anwesenden älteren Gäste, vornehmlich Mitglieder des Zentralvorstandes der „Union", nehmen an den Debatten gerne Teil. So erzielte nach dem Referate des Herrn Imanuel Rubin Herr Präsident Dr. Jakob Ornstein einen besonders gewaltigen Eindruck mit einer Rede, in der er die jüdischen Helden der 48er-Revolution als Märtyrer des Judentums char rakterisierte. — Am nächsten Diskussionsabend (Dienstag, den 6. Oktober, «9 Uhr abends) spricht cand. jur. Max Mark über „Friedensidee und Völkerbund". Entsprechend dem Programme der Jugend- Union wird auch neben der umfangreichen geistigen Arbeit für die Geselligkeit unter ihren Mitgliedern und Freunden gesorgt. Diesem Zwecke diente der zweite gesellige Abend, der S o n n t a g, den 27. v. M. stattfand und sehr gut besucht war. Es hat sich gezeigt, daß auch diese Abende, deren nächster am Samstag, den 10. Oktober im Klublokal des Cafe" City stattfindet, rasch beliebt wurden und daß der Besuch derselben Gelegenheit zu fröhlicher Unterhaltung in einem angenehmen Kreise junger jüdischer Menschen bietet. VonWodke zuWodke „Rassische und politischen Gründe" in Palästina! In der letzten Sitzung des englischen Unterhauses richtete Colonel Wedgwood an den Minister für Kolonien T h o m a s die Frage, welche Gründe für den früheren Kolonienminister Lord Passfield maßgebend waren, als er einen so fähigen und hochverdienten Beamten wie den Chef des Justizdepartements der Palästina-Regierung und Oberstaatsanwalt Palästinas Norman Bentwich vorzeitig in Pension geschickt hat Der Kolonienminister der Nationalen Regierung, Herr Thomas, gab in der Beantwortung dieser Frage zu, daß „besondere rassische- und polirische Verhältnisse in Palästina*' es äußerst schwer machten," Norman Bentwich auf seinem bisherigen Posten zu behalten. Minister. Thomas fügte sofort hinzu, daß Bentwichs persönliche Fähigkeiten und sein Charakter bei seiner Pensionierung in keiner Weise eine Rolle gespielt haben. Thomas erklärte weiter, die Regierung habe Norman Bentwich zweimal höhere Posten im richterlichen Kolonialdienst angeboten. Bentwich habe aber diese Posten abgelehnt und erklärt, er nehme einen Posten außerhalb Palästinas nicht an. Nach dieser Haltung Bentwichs habe die Regierung keine andere Wahl gehabt, als Bentwich durch Pensionierung aus dem Palästina- Dienst zurückzuziehen. Bei diesen Worten des Ministers sprang Colonel Wedgwood erregt auf und richtete an Herrn Thomas die Frage, ob Bentwich darum ersucht worden sei, zurückzutreten, weil er Jude ist Der „Speaker" des Unterhauses ließdieseFragenichtzu, sie wurde auch durch Thomas nicht beantwortet. Einer unmittelbar darauf von dem bekannten Antizionisten Howard Bury betreffend den Rücktritt Bentwichs gerichteten Frage an den Kolonienminister war zu entnehmen, daß Bentwich gezwungen wurde, acht Jahre vor Erreichung des Pensionsalters von seinem Amte zurückzutreten und daß, um Bentwichs Pensionierung eine rechtliche Grundlage zu geben, eine besondere gesetzliche Regelung hierfür getroffen worden sei. — Ein Kommentar zu dieser interessanten Debatte ist wohl überflüssig. Katholische Kirche und Antisemitismus. Der katholische Verlag Herder in Freiburg veranstaltet eine neue Ausgabe seines großen Lexikons in zwölf Bänden, und in diesem Werke findet sich auch eine Abhandlung über den Antisemitismus, die in gewissem Sinne den offiziellen katholischen Standpunkt darstellen dürfte. Nachdem Wesen und Geschichte des Anti- *) Weitere Anmeldungen werden noch bis 15. Oktober im Sekretariat der .UbIob". DL Bergsasse 4. entgegengenommen. semrtismus behandelt sind, wird unter einem besonderen Stichwort die antisemitische Bewegung bewertet. Das Werk stellt fest, daß der Antisemitismus vom christlichen Standpunkte aus abzulehnen sei, wenn er die Juden um ihrer Blutsfremdheit willen bekämpfe oder sich im Kampfe gegen sie unchristlicher Mittel bediene. Weiter heißt es, daß die katholische Kirche darum von Jeher, den Antisemitismus als solchen verworfen habe. Der Verfasser der Abhandlung hält die „Abwehr schädlicher jüdischer Einflüsse" für erlaubt, glaubt aber, daß dies am besten durch die Pflege des christlichen Solidaritätsgefühls geschehen könne. Uns interessiert naturgemäß an dieser Abhandlung die eindeutige Abiehnungdes landläufigen Antisemitismus in einem Werke, das zweifellos ein Standardwerk der katholischen Literatur ist. Zwar finden sich in der längeren Notiz über die Wertung des Antisemitismus auch einige Spitzen gegen die Juden, es ist aber dabei zu berücksichtigen, daß diese Bemerkungen sich aus der katholischen Weltanschauung ergeben und mit den Vorwürfen nichts zu tun haben, die von antisemitischer Seite gegen das Judentum erhoben werden. Xa&enfcreuz am Werft Siebenfacher Judenmord — straflos! Vor dem Prager.Schwurgericht fand dieser Tage der Prozeß gegen den ehemaligen Legionskorporal Karl Horak statt, durch den die Erschießung von sieben Juden im slowakischen Dorf Velky Vitez während der Kämpfe zwischen Ungarn und der Slowakei endlich ihre Sühne finden sollte, aber nicht gefunden hat. Horak hatte mit einer aus vier Mann bestehenden Legionärspatrouille sieben Mitglieder zweier jüdischen Familien wegen angebliche Spionage verhaftet, sie abgeführt und dann seinen Leuten den Befehl gegeben, die sieben Männer zu erschießen, wobei er selbst mitschoß. Geld und Wertgegenstände der Ermordeten nahmen die Leute^ an sich. Eine von den Militärbehörden vorgenommene Untersuchung endigte mit der Verurteilung wegen gemeinen Mordes zu einem Jahr bedingt, wobei Horak als Zeuge auftrat In der-Berufungsverhandlung wurden, die Soldaten freigesprochen: Nach dieser Verhandlung wurde ein Verfahren )g;egen Horak eingeleitet, er wurde jedoch aus der . Untersuchungshaft beurlaubt und flüchtete ins Ausland, wo er sieben Jahre blieb. Erst im Mai dieses Jahres kehrte er zurück und wurde sofort verhaftet. Ueber seinen Antrag wurde an Stelle des Kreisgerichtes in Presov das Prager Schwurgericht zur Durchführung der Verhandlung delegiert. Wir kommen auf den Prozeß gegen diese Bestie in Menschengestalt, die unerhörterweise freigesprochen wurde, noch zurück. Friedhofschändungen 1923—1931. In den letzten Wochen und bis in die letzten Tage hinein sind in Deutschland wiederholt jüdische Friedhöfe geschändet worden. Die gesamte öffentliche Meinung erblickt jnit vollem Recht in diesen Schändungen den stärksten Ausdruck politischer Verrohung. Trotz dieser öffentlichen Verurteilung hören diese Ausschreitungen nicht auf. Der Centrai- Verein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens E. V., Berlin SW 15, Emserstraße 42, hat deshalb, wie schon einmal vor dfei Jahren, eine authentische Liste jüdischer Friedhofschändungen fertiggestellt. Das betrübliche Verzeichnis enthält nicht weniger als 103 derartige Schändungen. Die Schändungen verteilen sich auf alle Teile des Reiches. Unter den aufgezeichneten Fällen 'sind siebe n, in denen unzweifelhaft nachgewiesen werden konnte, daß die Täter rechtsradikalen, bzw. nationalsozialistischen Kreisen angehören. Bei dieser Liste sind alle die Fälle von Friedhofsverwüstungen ausgeschieden, in denen es sich um Unfug von spielenden Kindern, um Unwetterschäden oder ähnliche Ursachen handeln könnte. Diese Liste sollte vorzugsweise in nichtjüdischen Kreisen verbreitet werden. Gerade Anhänger lechtsstehender Parteien werden aus ihr erschüttert entnehmen, zu welchen schändlichen Untaten der zügellose Judenhaß in Deutschland führt Die Liste kann vom Büro der „Union", IX., Berggasse 4, bezogen werden. Erst schimpfen, dann kneifen. Im Zusammenhange mit der in Angelegenheit der Credit-Anstalt vom Staate unternommenen Stützungsaktion waren im Wiener Hakenkreuzblatte „Deutschösterreichische Tagesk GROSSFLEISCHHAUEREI IIEGM, KORNMEHL UMHHHIMMHHHHBMMMMnMMnV WIEN IX., BERGGASSE HR. 19 FILIALE! XVIII., WÄHRINGERSTRASSE 9T Telephon Nr. A 17 349 and A 164-34 Lieferant fBr Heilanstalten AbteilungenffirKoscherfleisch unter Aufsieht dea ehr». Rabblnataa dar lar. Kultusgemelnde Wiea. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen zeitung" drei Artikel erschienen,in denen gegen den Bankdirektor, Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim, der vom Staate als Berater der Credit-Anstalt ausersehen worden war, eine Reihe ehrenrühriger Angriffe erhoben waren. In einem von dem bekannten Hakenkreuzführer Rechtsanwalt Dr. Walter Riehl verfaßten und gezeichneten Artikel hieß es, daß Dr. Oppenheim, gegen den schwerere Beschuldigungen als beispielsweise gegen S t r a f e 11 a erhoben worden seien, nun der Bankgewaltige der Credit-Anstalt werden soll. Regierungsrat Dr. Oppenheim erhob daraufhin gegen Dr. Walter Riehl und den verantwortlichen Redakteur der „Dötz", Josef M a d e r, eine Preßklage, über die dieser Tage vor dem Landesgerichtsrat Dr. P o w a 1 a t z verhandelt wurde. Der Verteidiger Dr. Riehls erklärte, daß sein Klient den erwähnten Artikel mit dem Hinweis auf Strafella verfaßt habe, daß aber in diesem Hinweis keine Ehrenbeleidigung erblickt werden könne, da lediglich die Tatsache konstatiert wurde, daß seinerzeit gegen Regierungsrat Dr. Oppenheim im Zusammenhange mit der Sachdemobilisierung eine Reihe schwerer Beschuldigungen erhoben worden waren. Daß die Beschuldigungen wahr seien, meinte der Herr Verteidiger des Herrn Dr. Riehl mit einer Argumentation, die-dieser selbst sonst nur.als „jüdischen Dreh" bezeichnen würde, sei in dem Artikel ni c.h t b e h a u p t e t worden,-so daß beide Angeklagte keinen Anlaß haben, einen Wahrheitsbeweis anzutreten. Der Richter tat dem Herrn Verteidiger nicht den Gefallen, auf diese teutsche Sophistik hereinzufallen, sondern verurteilte Dr. Walter Riehl wegen Ehrenbeleidigung, begangen durch die Presse, zu einer Geldstrafe von 200 S, eventuell zu 48 Stunden Arres.t, den Angeklagten Mader wegen- Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge bezüglich dreier Artikel zu einer Gesamtstrafe von 500 S, eventuell 13 Tagen Arrest. Bitte an unsere Eeserf Die Anschaffung von Lautsprecheranlagen hat in manchen jüdischen Häusern die früher verwendeten Detektorapparate überflüssig gemacht. Das Israelitische Versorgungshaus wendet sich an edel denkende Glaubensgenossen mit der Bitte, solche nicht mehr benötigte Detektorapparate den Siechen zu schenken, um ihnen auf diese Welse eine, wie wir schon bei unserer ersten Aktion gleicher Art feststellen konnten, willkommene Freude zu bereiten. Die Apparate werden auf Wunsch gerne abgeholt; Verständigung an unsere Redaktion, IL, Heinestraße 13/12, Tel. R 46-2-16, erbeten. Tempelverein Wien HL, Untere Viaduktgasse 13. Anläßlich des 25jährigen Amts]ubiläums unseres Oberkantors Herrn Salomon Lewy findet am Samstag, Schemuli Azereth, den 3. Oktober 1931, vormittags 9 Uhr, in unserem Tempel. DL, Untere Viaduktgasse 13, ein Festgottesdienst statt, zu welchem hiermit die höfliche Einladung erfolgt Fesroredigt sowie Masklr-Andacht: Herr Professor Dr. Karl Kupfer. Der Vorstand des Tempelvereines, HL, Untere Viaduktgasse 13. Der Jüdische Frauenverein Landstraße veranstaltet Sonntag, 4 Oktober 1931, im Festsaale des Hotel Continental, IL. TaborstraSe. einen Tanz-Tee mit Vorträgen. Regiebeitrag S 2.—. Anfang wfizlse 4 Uhr. Ende 7 Uhr. Jazzkapelle L Geiger.

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