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Die Wahrheit · 1931-10-02 · Heft 40 (2.10.1931) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 40 (2.10.1931)
Date
1931-10-02
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Städtische Versicherungsanstalt Direktion: Wien I-, TucWaufaen [Nr. S Telephon VZ7~&-40 Alle VersicheriiitQSzweitie Die Versammlung faßte mehrere Resolutionen, in denen die Einführung der Fünftagewoche befürwortet, die Zurücksetzung von Juden bei Vergebung von Stellen und in Erziehungsinstitutionen verurteilt und Präsident H o o v e r aufgefordert wird, eine internationale Schulden Stundung durchzusetzen. In weiteren Resolutionen trat die Rabbinerversammlung für die allgemeine Abrüstung ein. Ein Vorschlag von Dr. Cyrus Adler, den letzten Sukkothtag als Seminartag zu proklamieren, wurde angenommen. Schließlich wurde beschlossen, eine rabbinische Sommerschule abzuhalten und eine jüdische wissen sc ha ftliche Zeitung herauszugeben. Badezimmer- Einrichtu ngen Modernste Ausführung — Zahlungserleichterung — Kostenüberschläge gratis „Elphora", I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 Argwohn oft Antisemitismus sehen, wo man ihnen wirklich nur wohlwolle. Woodruff, der übrigens selbst Ehrenmitglied des „Menorah-Clubs" ist, und dem Hochschulantisemitismus mit großer Besorgnis gegenübersteht, meint, daß für die Zukunft viel davon abhängen werde, ob die fertigen jüdischen Akademiker, die vielfach auf den Universitäten nur Unbill und Zurücksetzung erlitten hätten, sich dennoch bereit finden würden, diese Hochschulen (die in den U. S. A. meistens von privater Seite finanziert werden!) kräftig mit Geld zu unterstützen (!). Täten sie dies, so würden die Universitäten zu einer stärkeren Berücksichtigung der Juden auch bei der Neuaufnahme gezwungen sein; andernfalls sei eher eine neue Verschärfung des Hochschulantisemitismus zu erwarten. Daß die jüdischen Studenten bisher auf das akademische Leben teilweise ausgesprochen günstig gewirkt, und insbesondere das Leistungsniveau gehoben hätten, steht für Woodruff außer Zweifel. A. P. Palästina im Zeichen der Währungskrise. Die palästinensische Währung macht gegenwärtig «ine Bewegung in dem gleichen Verhältnis wie das englische Pfund Sterling durch. Das macht sich gegenüber dem Auslande insofern bemerkbar, als im Verkehr mit Aegypten und Syrien, den Ländern, mit denen Palästina in einem intensiven Handelsverkehr steht, das palästinensische Pfund zu dem gleichen Kurs wie der englische Sterling umgerechnet wird; im Inlande ist die Wirkung die, daß eine starke Nachfrage nach Gold- Sovereigns, besonders unter den Fellachen, die Goldmünzen hamstern, herrscht. Dies hat zunächst zur Folge, daß die Preise für Nahrungsmittel und andere Bedarfsartikel um 10 Prozent gestiegen sind. Die Großhändler zögern, Handelsgeschäfte auf Dauer zu tätigen. Bis 1927 war die palästinensische Währung das ägyptische Pfund, das einen Wert von etwa 21 Schillingen hat. Im April 1924 ernannte die Palästina- Regierung eine Kommission zur Beratung über die Schaffung einer eigenen Palästina-Währung. Grund hieriürwar, daß Palästina jährlich eine große Geldsumme dadurch verlor, daß die Zinsen für die in Palästina umlaufenden Noten der Nationalbank von Aegypten, nicht aber der Palästina-Verwaltung zugute kamen. In einer offiziellen Verlautbarung hieß es, daß die Palästina-Währung durch Schaffung eines Zusammenhanges mit der britischen Währung volle Stabilität erlangen solle. In einheimischen Wirtschaftskrisen wurde die Angleichung der lokalen Währung an die britische Währung kritisiert. Die Jaffaer jüdische Handelskammer lenkte in einem Beschluß die Aufmerksamkeit des High Commissiöner darauf, „daß das Pfund eine zu hohe Geldeinheit für Palästina ist"; es wurde um die Einführung einer geringeren Währungseinheit ersucht. Ungeachtet dieser Opposition wurde die auf dem Pfund basierende Währung am 1. November 1927 durch eine Kabinettsorder eingeführt. Es wurde in London ein Palestine Currency Board vom Kolonienminister gegründet, der die Lieferung der Stücke der Palästina- Währung vorzunehmen und deren Umlauf zu kontrollieren, auch sonst die Währungsinteressen Palästinas wahrzunehmen hat Die Palästina-Währungs-Order sieht für die Pfund-Goldmünze eine Standard-Goldmenge von 123,27447 Gran vor. Die früher in Palästina in Umlauf gewesene ägyptische Währung ist seit Ende März 1928 kein gesetzliches Zahlungsmittel mehr. Die amerikanischen Rabbiner tagen. In Long Branch-New Jersey wurde die Jahresversammlung der Rabbinerverein i g u n> g von Amerika abgehalten. Nach dem Eröffnungsgebet, einer Begrüßungsansprache, der Verlesung eines Telegramms des Präsidenten des Jewish Theological Seminary, Dr. Cyrus Adler hielt Dr. Max Kadus hin-Chicago ein Referat über jüdischen Nationalismus und konservatives Judentum. Dann fand eine allgemeine Aussprache über aktuelle Fragen des religiösen Lebens Amerikas statt. Im Verlauf dieser Aussprache forderte Rabbi Louis Finkelstein die Einsetzung qualifizierter rabbinischer Gerichte zur autoritativen Entscheidung jüdisch-religiöser Fragen unter Berücksichtigung der Bedürfnisse des modernen Lebens, andere Rabbiner setzten sich dafür ein, daß das Jewish Theological Seminary eine fortschrittlichere Haltung als bisher einnehme. Der Präsident des Synagogenverbandes richtete an die Versammlung den Appell, eine neue Interpretation des traditionellen Judentums vorzunehmen. Er wies darauf hin. daß es gewisse durch althergebrachte Uebung geheiligte Gebräuche und Vorschriften gebe, die nicht in den religiösen Grundlehren des Judentums wurzeln. Man dürfe es nicht ablehnen, solche Gebräuche im Lichte der heutigen Erfahrung und Erkenntnis zu überprüfen, um ihre gegenwärtige Bedeutung festzustellen. Einen breiten Raum nahm auch die Erörterung von Erziehungsfragen ein. Die Aussprache ließ erkennen, für die jüdische Jugend Amerikas müsse im Durchschnitt ein Minimum jüdischer Erziehung genügen, wobei auf Sittenlehre und Religion größeres Gewicht zu legen ist als auf Kenntnis der hebräischen Sprache. An diese Debatte schloß sich eine Aussprache über Fragen der Liturgie und des Rituals. Ein Rabbiner erklärte das konservative jüdische Ritual als unzureichend für die gegenwärtige Bedürfnisse, weil es die jüdischen Ideale der sozialen Gerechtigkeit und des Friedens und die zionistischen Aspirationen nicht zum Ausdruck bringt. Diesen Anschauungen trat ein anderer entgegen und erklärte, die im Ritual nicht formulierten Ideale seien in der englischen Sprache zu haltenden Predigt zu berücksichtigen, das traditionelle Gebetbuch aber müsse unverändert bleiben. Uggienlsdies Kdntgslicht Seit vielen ahren das anerkannt beste vshncmi Man achte auf die ges. gesch. Marke „Hyglen. Königslicht** und Name Schulz Fabrik und Büro: Ollen XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R 03-1-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt tt Veröffentlichungen der „Union Bez&ksorganisation Leopoldstadt In der am 24. v. M. im Klubsaal des Cafe Central unter Vorsitz des Herrn Obmannes, Direktor Gustav K o 1 m i n. stattgehabten ersten Vertrauensmännerbesprechung der Bezirksorganisation Leopoldstadt der „Union", zu der auch Präsident Dr. J. 0 r n s t e i n erschienen war, gedachte der Vorsitzende in seinen einleitenden Worten des am Vortag erfolgten Ablebens des bekannten Mitgliedes dieser Bezirksorganisation, Herrn Baumeister Markus Frankl, wie auch des Hinscheidens des Herrn Kultusvorstehers Gustav Moritz, die beide einen ganz plötzlichen Tod erlitten haben. Obmann Dir. G. K o I m i n benützte auch die Gelegenheit dieser ersten Zusammenkunft seit den Sommermonaten, um des in dieser Zeit erfolgten Hinscheidens des Herausgebers der „Wahrheit". Ludwig Hirschfeld, in innigen Worten zu gedenken, in denen er die publizistische und politische Tätigkeit des Heimgegangenen lobend charakterisierte. — Im weiteren Verlaufe der Besprechung, die trotz des schlechten Wetters ganz gut besucht war, wurde das nächste Tätigkeitsprogramm der Bezirksorganisation skizziert, mit dem dieselbe in allerkürzester Zeit wieder in Aktion treten wird. * Jugend-Union. Die Arbeit der Jugendgruppe der „Union österreichischer Juden" schreitet schon jetzt, da die Saison für die anderen jüdischen Vereinigungen kaum noch recht begonnen hat, rüstig fort. Die allwöchentlich jeden Dienstag Im neuen Klublokale (Cafe City, IX., Porzellangasse 1) stattfindenden politisch-kulturellen Diskussionsabende erfreuen sich stets steigender Beliebtheit. Wenn wir im folgenden die Themen der letzten vier Diskussionsabende anführen und feststellen, daß alle diese Abende trotz der Verschiedenartigkeit der Vorträge immer gleich ausgezeichnet besucht waren, so ergibt dies wohl den besten Beweis dafür, daß das Bemühen der Leitung der Jugendgruppe, gerade durch die Mannigfaltigkeit der Diskussionsthemen das Interesse weitester Kreise zu erwecken, bisher auf einen fruchtbaren Boden gefallen ist. Am 8. v. M. sprach Amtsleiter Rosenfeld über „Die Entwicklung der jüdischen Bevölkerung Wiens", ein Thema, das der Vortragende auf Grund seiner reichen beruflichen Erfahrung ausgezeichnet beherrscht, das er aber auch trotz des vielen statistischen Materials, das er vorbrachte, stets fesselnd und interessant zu gestalten wußte. Am 15. v. M. wurde von Reg.-Rat Dr. Max Lenk ein Versuch unternommen, der als durchaus gelungen bezeichnet werden darf. Er besprach nämlich in anschaulicher Weise die gegenwärtige politische Situation in Oesterreich, um den Mitgliedern und Freunden der Jugendgruppe einmal Gelegenheit zu einer Diskussion über österreichisch-politische Fragen zu bieten. Die rege Wechselrede, die tatsächlich seinem Referate folgte, das sich hauptsächlich mit der bevorstehenden Bundespräsidentenwahl befaßte, bekundete das große Interesse für diese Fragen und allgemein wurde der Wunsch nach einer baldigen Wiederholung einer solchen Diskussion geäußert. Am 22. v. M. hielt cand. phil. Imanuel Rubin ein tiefschürfendes Referat über den „Anteil der Juden an der 48er-Revolution". Am 29. v. M. sprach schließlich Herr Walter Steiner über ein gerade in unseren Tagen besonders interessantes Thema, nämlich „Nationalismus und Internationalismus". Der Referent, ein rühriges Mitglied der Jugend- Union, besprach an Hand bekannter Beispiele die Ausbreitung dieser beiden Richtungen und eröffnete einen Ausblick darüber, welcher der beiden in Hinsicht auf die heutige politische und wirtschaftliche Lage der Vorzug zu geben ist. In diesem Sinne entschied er sich für den Internationalismus,

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