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Die Wahrheit · 1931-09-25 · Heft 39 (25.9.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 39 (25.9.1931)
Date
1931-09-25
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT Seit« 3 Reichen, Mächtigen, mit Glücksgütern Gesegneten sind, feiert Israel das Fest der Hoffnung, sondern einfache Hütten, aus Holz gezimmert, sind es, in welchen wir unser schönes Fest begehen. Und doch kann von ihnen das herrliche Wort des Psalmisten gesagt werden: „Wie schön sind deine Hütten, Jakob, deine Zelte, Israel!" Freilich ist es kein äußerer Glanz, der diese unsere Hütten umgibt, aber die Gottesfurcht, die Freude und Zuversicht, von welchen sie erfüllt werden, verleihen ihnen einen höheren Glanz, eine erhabenere, unvergänglichere Schönheit als die der prunkvollsten Paläste, und) die Hütte aus Holz und Laub hat sich stärker erwiesen als die herrlichsten Paläste der Griechen und Römer, von deren längstvergangener Pracht uns die Ausgrabungen nur ein düsteres und unvollständiges Abbild schaffen können; die Laubhütte aber, das wundervolle Symbol der ewigen Jugend Israels, sie wird bestehen für alle Zeiten! Sie ist nämlich — und das ist der wahre Grund ihrer Unvergänglichkeit — nichts Festgefügtes, nichts Unabänderliches und Abgeschlossenes, das den Keim des Todes und der Vergänglichkeit in sich birgt, sondern sie stellt etwas dar, was weder endgültig, noch unabänderlich ist, sie ist das Judentum selbst, das seine Ausbau- und Entwicklungsfähigkeit bewahrt hat und nicht in Dogmen erstarrt ist, denn Erstarrung bedeutet langsames Absterben und unabwendbare Vernichtung. Unsere Laubhütte, die wir uns zu betreten anschicken, kann also weder als antik bezeichnet werden, trotzdem sie Jahrtausende alt ist, noch auch ist sie im üblichen Sinne des Wortes modern zu nennen, trotzdem sie einer Bewegung, welche glücklicherweise heute im Wachsen begriffen ist und Gartenstädte und Weekendhäuschen schaffen will, unermeßlich weite Zeiträume vorausgegangen ist. Die Laubhütte ist aber auch ebenso sehr das Gegenteil einer proletarischen Kultur, wie sie mit der kapitalistischen Kultur der Gegenwart nichts zu tun hat. In ihrem grünen Laub, durch das die ewigen Sterne blicken, sind vielmehr jene Ewigkeitswerte des Judentums symbolhaft angedeutet, welche diesseitig und jenseitig zugleich, naturhaft und doch gleichzeitig geistig sind. Und darum sind wir Juden, wenn wir die Laubhütte betreten, nicht allein von Hoffnung und Zuversicht für unser schwergeprüftes Volk erfüllt, sondern der Glaube an die Menschheit ist es, den wir gleichzeitig im Herzen tragen. Mag auch dichter Nebel die Zukunft umhüllen, wir bauen auf die Verheißung unserer Propheten und sind trotz alles Schrecklichen, das gerade unsere Generation zu erdulden hatte, der unerschütterlichen Hoffnung, daß sich einst die Hütten des Friedens ausbreiten werden über die ganze Menschheit. VOPMEflflE fAMIlltN-PENSION itauratlOD.RaffBBfiaDS täglich 3-Uhr-Tee IscnncniNO TELEPHON 11 {Hochstraße 431 _^ neben Hotel Panhans j g Mäßige Preise, Zimmer mit Pension S 12.—aufwärts || S Zentralheizung, fließendes Warm- und Kaltwasser g in jedem Zimmer. |§ m Zum Besuch ladet höflichst ein Ecksteint Besitzer p ifte^' :!:^ESv p.jl xMj&MfiJ-dU iu •COliÄfefclÄ!» Charakter zu erleiden, den Forderungen der Zeit nachzukommen imstande war. Ganz besonders aber entspricht sie, gerade was die Juden betrifft, als religiöse Schule, da auch das Milieu der Schüler ein einheitlich glaubenstreues ist, am besten dem modernen Prinzip der volkstümlichen, die Liebe zum Hergebrachten im Kinde pflegenden Erziehung. Nicht das geringste Verdienst an dieser glücklich vollzogenen Umstellung haben aber die Lehrer, die, da sie selbst meist aus rein ungarischen Gegenden stammen, nicht nur pädagogisch, sondern auch sprachlich gründlich umlernen mußten, jetzt aber bereits in jungen burgenländischen, an deutschen Schulen herangebildeten Juden den für die Zukunft erforderlichen Nachwuchs erhalten dürften. 10 Jahre österreichisches Burgenland. Von L. Moses. Am ersten Tage des jüdischen Neujahrsfestes wurde in Eisenstadt in Anwesenheit der Spitzen der Bundesbehörden die zehnjährige Zugehörigkeit des Burgenlandes zur Republik Oesterreich gefeiert. Zehn Jahre ist es her, daß der schmale Grenzstreifen Ungarns, der heute als Burgenland bezeichnet wird, durch einen gerechten Machtspruch der Siegerstaaten dem klein gewordenen Oesterreich zugeteilt wurde. Man merkt es aber dem Ländchen, das freilich schon vorübergehend im 16. Jahrhundert zum Teil österin den Jahren 1420 und 1670 ausgewanderten und anderseits wieder Väter und Vettern der nach 1848 wieder dahin zurückgekehrten Juden. Auch den Juden bedeutete also der Anschluß des Landes Heimkehr, da sie deutsche, österreichische Juden sind, und auch ihnen war es Herzenssache, vom aufgezwungenen Magyarentum befreit zu werden. Aber auch sonst haben sie diesen Anschluß, dessen Jubiläum soeben gefeiert wird, nicht zu bereuen. Zwar konnte durch ihn allein, der schon lange vorher eingesetzte Verfall einst blühender Schon in älterer Zeit haben die Judengemeinden des Burgenlandes einen großen Teil ihrer Intelligenz als Lehrer an die verschiedensten Länder abgegeben und überhaupt stehen die Juden in geistiger und kultureller Leistung ihren Landsleuten auch in diesem Lande nicht nach. Mit Stolz können sie Männer wie Moriz Benedikt, Ludwig Doczi, Akiba Ege r, die beiden Go 1 dma rk, Josef Joachim und Leopold K e r p e 1 als Söhne ihrer Ghetti bezeichnen. Bei aller politisch freiheitlichen^ Gesinnung ist die burgenländische Bevölkerung, wie bereits gesagt, in religiösen Dingen sehr konservativ. In besonderem Maße ist dies aber auch bei den Juden der Fall. Von einigen kleinen Abweichungen nach rechts oder links abgesehen, Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt reichisch war und auch später noch in den Fünfzigerjahren des 19. Jahrhunderts mit großen Gebietsteilen zum Kreise Wiener-Neustadt gehört hatte, heute kaum mehr an, daß es zu Beginn unseres Jahrhunderts auch kulturell bereits sehr deutlich unter magyarischem Einfluß stand. Mehr noch als das Land selbst, dem beispielsweise in verkehrstechnischer Hinsicht doch noch manches fehlt, hat aber seine Bevölkerung den inneren Anschluß an das Oesterreich von heute bereits wirklich vollzogen und namentlich gilt dies auch von den Juden des Burgenlandes. Wenn auch zahlenmäßig dieser nicht mehr als 4000 Seelen umfassende Bevölkerungsteil gewiß nicht allzuhoch einzuschätzen ist, nehmen dennoch die burgenländischen Juden infolge einer gewissen gleichmäßigen Verteilung über die wichtigeren Orte des Landes im Wirtschaftsleben eine geachtete Stellung ein. Es gibt da Orte, wie Deutschkreutz, Frauenkirchen und Lackenbach, in denen sie ein Drittel der Bevölkerung bilden und das Zentrum mit seinen jüdischen Kaufläden gleichzeitig das Judenviertel ist. In diesen Orten, in denen sich städtisches mit ländlichem Wesen zu einer Mischung von ganz besonderer Note vereint, sind auch die Juden der Natur mehr als sonst verbunden. Nicht nur die jüdischen Krämer, Müller und Pächter, die im ganzen Lande verstreut wohnen, sind ihrer Beschäftigung nach dem Jungbrunnen menschlicher Kraft nahe, sondern es gibt auch, um nur ein Beispiel zu nennen, in Deutsch kr eutz einen Chassid, der seinen Stolz darein setzt, während die Bachurim im Hofe seines Landhauses dem Studium obliegen, seinen eigenen Kohl zu bauen. Die Juden des Burgenlandes sind bodenständig im besten Sinne des Wortes. Einige ihrer Gemeinden lassen sich bereits im ausgehenden Mittelalter nachweisen; jedenfalls waren aber die Vorfahren der burgenländischen Juden von heute direkte Nachkommen der aus Wien und Niederösterreich Gemeinden, wie Gattendorf, Schlaining und R e c h n i t z nicht aufgehalten werden, aber anderseits machten mehrere andere Gemeinden, die früher vergessene Provinznester waren, infolge der wirtschaftlichen Begleiterscheinungen des Anschlusses einen ungeahnten Aufstieg mit. Beispiele hiefür sind Mattersburg und Frauenkirchen und als Kurort das lieblich gelegene Kobersdorf, das vielen Wiener Juden ein gern aufgesuchter Sommeraufenthalt geworden ist. Wenn man aber ganz sicher gehen und die Juden im Lande selbst darüber befragen will, wie sie sich im österreichischen Staatsverbande fühlen, so erfährt man unter Hinweis auf die Gräber der Erschlagenen auf dem Eisenstädter jüdischen Friedhof, daß ihnen die Erinnerung an die ungarische Bandenherrschaft noch tief in den Gliedern steckt. Auch innerlich und organisatorisch haben die burgenländischen Juden die Anpassung an die neuen Verhältnisse rasch und leicht gefunden. Ihre zum größten Teil früher der Budapester orthodoxen Landeskanzlei angehörenden Gemeinden haben sich in einem eigenen Verbände zusammengeschlossen, der auch den Behörden gegenüber als offizielle Vertretung der burgenländischen Juden gilt. Noch wichtiger aber als diese Um- und Neugestaltung ist in kultureller und religiöser Hinsicht, daß es gelang, die zur Zeit des Anschlusses noch bestandenen konfessionellen jüdischen Volksschulen — mit einziger Ausnahme jener von Rechnitz — auch unter den geänderten Verhältnissen zu erhalten. Wenn auch aus doktrinären Gründen im österreichischen Nationalrat schon öfter gegen die konfessionelle Schule im Burgenland Sturm gelaufen wurde, ist diese dennoch, wie die Erfahrung lehrt, vielleicht die einzige Einrichtung des ungarischen Regimes, die erhalten zu werden verdient Sie ist die dem Burgenlande bei der religiösen Einstellung seiner Bevölkerung angemessenste Schultype und sie hat auch gezeigt, daß sie, ohne Einbuße an ihrem konfessionellen nehmen sie dabei so ziemlich die Mitte ein und daß dieser Haltung auch der Anschluß an Oesterreich nicht, wie von manchen Seiten befürchtet worden, Abbruch tat. beweist die neue Blüte, die die Talmud schulen von Mattersburg und Deutschkreutz im abgelaufenen Jahrzehnt erlebten. Das mit einer Mensa verbundene Internat der Mattersburger Jeschiwa, die Mensa von Deutschkreutz und der jüdische Montessori- Kindergarten in Eisenstadt stellen, wenn sie auch vornehmlich privater Initiative und Freigebigkeit ihre Entstehung verdanken, immerhin beachtenswerte Errungenschaften der burgenländischen Judenschaft dar. Sie sind Ausfluß unwandelbarer Treue, jenes hervorstechendsten Grundzuges im Charakter der Juden dieses Landes, der ihre Vorfahren in möglichster Nähe der österreichischen Heimat den alten Glauben bewahren oder, wie es bei vielen Familien noch jetzt nachgewiesen werden kann, dem Familiantegesetz. das ihnen in Böhmen und Mähren das Leben unmöglich machte, durch Ansiedlung in dem verhältnismäßig freieren Ungarn der absolutistischen Zeit entgehen ließ. Und dieselbe Treue und Anhänglichkeit ist es auch, die die Juden das schöne Burgenland zu lieben und an seinem Aufbau mitzuarbeiten veranlaßt, an einem Aufbau, der vielleicht, da er gewissermaßen Neuland erfaßt, seine Lehrmeister, die deutschösterreichischen Erblande einmal überflügeln wird. Professorswitwe nimmt Mädchen oder jungen Mann in ihrem »Ite» eilen Haushalt in Pension. Eigenes Zimmer, erstklassige Verpflegung. Bad-, Telephontrad Kiavierbenfltznng. Telephonische Anfragen zwischen 10 und 3 Uhr mnter R12-8-47 erbeten.

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