Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite o DBS WAHRHEIT --—k Die 3we4uL-TüÜML~ ffagendgruppe der „Union österreidiischer Juden"), gratuliert ihrer Vizepräsidentin, Frl. Grete Schulz, herzü&st anläßlich ihrer Verlobung mit Herrn Alexander Just (Bad Pistyan). VonWodkessn Woche Die antireligiöse Propaganda in Rußland. Auf Anregung der Moskauer jiddisch-kommunistischen Zeitungen „Emess" und „Apikoires" haben die jüdischen Atheistenzirkel (Apikorsim-Klausen) mit der Durchführung der Beschlüsse der im März abgehaltenen jüdischen antireligiösen Konferenz begonnen. Die antireligiöse Propaganda unter den jüdischen Massen ist in vollem Gange. Die Tätigkeit der jüdisch-religiösen Kreise wird scharf kontrolliert In Arbeiterklubs und in den Fabriken wird gegen die Beobachtung der jüdischen Feiertage, gegen Schächten, Beschneiden, Licbteranzünden und das Halten anderer jüdisch-religiöser Gebote in der Form von Vorträgen, Zwiegesprächen usw. Propaganda geführt In den jüdischen Wohngegenden der Großstätte und in den von Juden bewohnten Kleinstädten wird massenhaft antireligiöse Literatur verbreitet Für diejenigen Apikorsim-Zirkel, die auf dem Gebiet der antireligiösen Propaganda die besten Erfolge aufzuweisen haben. sindPrämien ausgesetzt. Während Schulbücher und andere Literatur monatelang wegen Mangels an Papier und Ueberbürdung der Druckereien nicht herausgegeben werden können, werden die antireligiösen Flugblätter und Broschüren täglich in Massen neu auf die Straße geworfen. In den Flugblättern und Broschüren wird nicht nur gegen die Religionsübung Propaganda geführt, sondern es wird auch eine scharfe Agitation gegen die Rabbiner und die anderen religiösen Funktionäre betrieben, die beschuldigt werden, gegen die Brotversörgung, die Staatsanleihe und den sozialistischen Aufbau zu intrigieren. Die Rabbiner in Rußland, heißt es, bätten sich mit den Rabbinern in den kapitalistischen Ländern vereinigt, um eine Intervention der ausländischen Mächte gegen Sowjetrußland herbeizuführen. Der Rayonstab der Moskauer Atheisten hat den Beschluß gefaßt, in jedem Moskauer Betriebe, in welchem jüdische Arbeiter beschäftigt werden, die antireligiöse Propaganda zu führen. In Betrieben mit Massen jüdischer Arbeiter werden spezielle antireligiöse Abende eingerichtet Zentrum dieser Propaganda sind die Moskauer Kleider- und Schuhfabriken, in denen die jüdischen Arbeiter den größten Prozentsatz bilden. Er wurde beschlossen, den kommenden Jörn Kippur in einen grandiosen „Festtag der Arbeit" zu verwandeln. Die Industrie- und Heimarbeiter werden auf ihren Arbeitsstätten verbleiben, die noch nicht organisierten jüdischen Massen sollen dazu bewogen werden, sich in den Güterbahnhöfen an der Ausladung der Lebensmittelwaggons zu beteiligen. Zur Durchführung des Programms wird eine ganze Armee von „Apikorsim" mobilisiert Die Lehrerin an der jüdischen Schule in Krementschuk, Kremenizka, hatte sich vor dem „Klub der Roten Lehrerschaft" zu verantworten, weil sie die Vollziehung des Beschneidungsaktes an ihrem neugeborenen Söhnr chen geduldet hat Sie verantwortete sich dahin, daß ihre Eltern ohne ihr Wissen den religiösen Akt vollziehen ließen. Dies wurde ihr nicht geglaubt, und sie wurde wegen „Duldung eines barbarischen Aktes" für sechs Monate aus der Lehrerorganisation ausgeschlossen. Das Bildungskommissariat wurde ersucht, sie für die gleiche Zeitdauer vom Lehrdienst zu suspendieren. Der Musikantenklub, dem ihr Vater, ein Musiker angehört, wurde ersucht, auch seinerseits Segen das der Vollziehung eines „blutigen Rituals" schuldige Mitglied entsprechend vorzugehen. Weltkongreß der spaniolischen Juden? Pariser Zeitungen melden aus Madrid, daß dort der Oberrabbiner von Argentinien und Uruguay, Sabaty, eingetroffen ist, um von der spanischen Regierung, die Genehmigung zur Abhaltung eines Weltkongresses zu erbitten, der von den Nachkommen der im 15. Jahrhundert aus Spanien vertriebenen Juden veranstaltet werden soll. Etwa eine Million Juden sollen an diesem Kongreß interessiert sein. Der Ravag ins Stammbuch. Wie der Leiter der Associated Hebrew School und Lektor der hebräischen Kurse, an den Hochschulen von St. Louis mitteilt, wird die dortige Funkstation von nun an für St. Louis eine ständige „jüdischeStunde" senden. — Im Wiener Radio wird dafür gejüdelt. Inf eil,, musUf. gebildetes rrdnlein aus streng orth. Hause, sucht in ebensolchem Stelle zu einem oder zwei Kindern als Erzieherin oder alleinstehender Dame als Gesellschafterin, eventuell nur tagsüber. Hilft auch mit im Haushalt Prima Referenzen. Gef. ausführliche Anträge unter „Scbulnachhlife" an die Administration. Viel Lärm um Nichts . ... Gegenüber der Legende von einer phantastisch hohen Hinterlassenschaft des Ende des achtzehnten Jahrhundert in London verstorbenen Lord d'A q u i 11 a r in Höhe von 42 Millionen Goldkronen, um welche hunderte jüdische Familien in verschiedenen Ländern sich jetzt als Erbberechtigte bewerben, stellt ein Communique des österreichischen Bundeskanzleramtes amtlich fest, daß diese Hinterlassenschaft sich derzeit insgesamt auf 120 Pfund Sterling beläuft und im Pay Office des British Supreme Court of Judicature deponiert ist Dieser geringe Betrag kann nur durch den Chancery Court freigegeben werden. » Ueber die Herkunft des Lord Moses Raphael d'Aquillar wird uns berichtet: Aquülar stammte aus einer spanischen Maranenfamilie, die ungeheuer begütert war. Er übersiedelte nach London, wurde hier Bankier und kehrte zum Judentum zurück. Als Lord d'Aquillar wurde er Mitgli.ed des Oberhauses. Später kam er nach Oesterreich, woerdiesephardischeGemeindegründ e t e. Sein Bruder, der mit ihm nach Oesterreich kam, nannte sich W e i n e r. Dieser Bruder hinterließ Aufzeichnungen in hebräischer Sprache, die die Grundlage für die Erbschaftsansprüche der jüdischen Familien bilden sollen. 3tfa£reiifzreif2 am Wexfc Der Kampf geht weiter . . . Das gegen den Herausgeber der „Wiener Sonn- und Montagszeitung", Regierungsrat Ernst K1 e b i n d e r beim Strafbezirksgericht I seit mehr als Jahresfrist anhängig gewesene Strafverfahren wegen Beleidigung des akademischen Senats ist eingestellt worden. Der Entschluß des Staatsanwaltes, von der Anklage zurückzutreten, der natürlich im Einvernehmen mit dem ehemaligen Rektor Gleispach und den Mitgliedern des akademischen Senats erfolgt ist, hat nicht mehr als unerwartete Sensation gewirkt, denn er stellt sich nur als logische Folge eines Tatbestandes dar, der durch das bekannte Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes vom 20. Juni 1931 geschaffen wurde. In dem Augenblicke, da die obersten Richter der Republik erkannt hatten, daß die Studentenordnung als Verfassung s- und rechtswidrig aufzuheben sei, war ja meritorisch die ganze Sache erledigt und das Strafverfahren gegen Klebinder gegenstandslos geworden. Weder Freispruch noch Verurteilung hätten irgend etwas an der Richtigkeit der vom Angeklagten aufgestellten Behauptung ändern können, daß die Einteilung der Studenten in reinrassige und nichtreinrassige als krasse Verletzung der grundlegenden Bestimmungen unserer Verfassung gestempelt werden müsse. Die vom Verfassungsgerichtshof ausgesprochene und nunmehr auch tatsächlich durchgeführte Aufhebung der Studentenordnung hatte die Stellung der Prozeßgegner vollkommen verschoben: der Angeklagte war zum Wortführer einer bereits siegreichen Sache geworden. Die Wiener Universität ist nun von der Gleispachschen Studentenordnung befreit. Aber dieser Erfolg enthebt die österreichische Judenschaft nicht der Pflicht, den Kampf gegen den Geist fortzusetzen, aus dem diese Studentenordnung geboren wurde. Der Antisemitismus in Ungarn wieder im Aufblühen? Im Verlaufe der Debatte über die Regierungserklärung im . ungarischen Abgeordnetenhause knüpfte Abgeordneter Dr. Eugen G a 1 (Demokrat) an die Aeußerungen des neuen Kultusministers Dr. Ernszt über eine beabsichtigte Verschärfung des Numerus clausus an und führte aus: Graf Klebelsberg hat ebenfalls immer gesagt, daß der Numerus clausus keine konfessionelleAngelegenheit sei. Aber deshalb war es doch sehr schwer, jüdische Kinder in einzelnen Instituten unterzubringen. Jünglingen, die der jüdischen Konfession angehören, war die Alma mater verschlossen, und daraus kann man wohl folgern, daß der Numerus clausus sich bisher gegen diese Konfession gerichtet hat. Dr. Gal II GROSSFLEISCHHAUEREI (IEGM, KORNMEHL unaaaaasaMiiaHMnaaHBB WIEN IX., BERQGASSE NR. 19 FILIALE i XVIII., W&HRINQERSTRASSE »7 Telephon Nr. A 17-3-99 and A 16-3-34 Lieferant für Heilanstalten AbteilungenffirKoscherfleisch unter Aufsieht des ehrw. Rabblnates der Isis Kultusnemafnde Wian. Sämtliche Fleischsorten von ausschließlich Prima-Qualität zu den billigsten Marktpreisen forderte ein Dementi der Aeußerungen Dr. Ernszts, das bisher nicht erfolgte. * Dr. Stefan Hasz, Bischof und Feldvikar, hielt vor kurzem in einer Budapester Kirche eine Predigt, in der er ausführte, daß die Mitglieder der nichtchristlichen Rasse (also die Juden) am Weltkriege nicht teilgenommen hätten. Sie allesamt hätten sich von der Kriegsdienstleistung gedrückt. Während der Kommune habe diese Rasse Ungarn zugrunde gerichtet. Sie saugenUngarn auch heute noch aus. Darum sei jedes Kampfmittel gegen sie gerechtfertigt. Die Rede des Bischofs wurde mit großem Befremden aufgenommen. Als man ihn wegen dieser Rede befragte, antwortete er: Ich bin ein Diener Gottes, und meine Pflicht ist es, die Wahrheit zu verbreiten. Der unga-, rische Landesrabbinerverein veröffentlicht zu dieser Affäre das folgende Communique": „Der Landesrabbinerverein hat sich in seiner am 24. August abgehaltenen Präsidialsitzung mit schmerzlicher Bestürzung mit der auch durch den Rundfunk verbreiteten Rede des Feldbischofs Dr. Stefan Hasz beschäftigt, die ungerechte Beschuldigungen gegen die Anhänger der mosaischen Konfession enthielt. Wir verwahren uns dagegen, daß die Judenschaft, die im Kriege und im Frieden mit der größten Bereitwilligkeit auf jedem Gebiete patriotische Opfer gebracht hat, in einem Gotteshause in so unwürdiger Weise auf die Anklagebank gezerrt werde. Wir protestieren im Namen unserer beleidigten Konfession gegen derartige zur wahren Menschenliebe und zum Geiste der Gerechtigkeit im Widerspruch stehende unbegründete Anklagen." Gegenüber den Behauptungen des Bischofs Hasz weist die Budapester jüdische Wochenschrift „Egyenlöseg" nach, daß im Weltkriege zehntausend ungarische Juden den Heldentod gefunden haben und 130.000 ungarische Juden an der Front kämpften. Während der Kommune haben 43 Juden den Märtyrertod erlitten, 342 waren als Geiseln gefangen. Daß nicht die Juden es sind, die Ungarn aussaugen, beweist die Tatsache, daß 74 Prozent der zugrundegegangenen Geschäftsleute Juden sind, während die Juden in Staatsdiensten und in Diensten der städtischen Gemeinden nicht einmal 2 Prozent der Beamten stellen. Wiederum Friedhofsschändung. Kürzlich wurden auf dem jüdischen Friedhof in Waldmohr (Saarpfalz) zahlreiche Grabsteine zerstört und Inschriftenplatten von Grabdenkmälern entfernt. Mehrere Gräber waren m i t Hakenkreuzen verunziert. Von den Tätern hat man bis jetzt noch keineSpur. Auf ihre Ergreifung hat die jüdische Gemeinde 50 Mark Belohnung ausgesetzt. Schwere antijüdische Exzesse in Ostgalizien. In dem Städtchen Jesziorno in der Nähe von Tarnopol in Ostgalizien kam es zu schweren antijüdischen Ausschreitungen. Ein christlicher Fuhrmann namens Slawik belästigte in angetrunkenem Zustande jüdische Passanten. Die angegriffenen Juden veranlaßten s&ine Festnahme durch die Polizei, die ihn nach einem kurzen Verhör laufen ließ. Slawik schwor, sich an den Juden zu rächen, sammelte etwa 30 Huligans um sich, führte sie in die von Juden bewohnten Gassen, wo sie die Fensterscheiben in fast allen Häusern einschlugen, Läden demolierten und eine große Anzahl jüdischer Passanten schwer mißhandelten. Die