Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 36 (4.9.1931)
- Date
- 1931-09-04
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT Seite 5 Städtische Versicheiuiiqsansfalf Direktion: Wien I-, Tuchlauben Wr. S Telephon \JZ7~S^40 Alle VersicheiiiiKiszweiqe Die Lage in Palästina. Seit dem arabischen Generalstreik bietet das Leben in ganz Palästina ein vollkommen normales Bild. Aus allen Teilen des Landes treffen Berichte ein, die übereinstimmend den Eintritt vollkommener Ruhe zu bestätigen scheinen. Der Generalstreik ist im ganzen Lande ziemlich vollständig durchgeführt worden. Erleichtert wurde diese Durchführung wohl dadurch, daß der Streik auf einen Sonntag fiel und daher die christlichen Geschäfte ohnehin geschlossen hatten, während die jüdischen Geschäfte geöffnet blieben. Nirgends ist es glücklicherweise zu Ausschreitungen gegen die jüdische Bevölkerung gekommen. Dagegen erfolgte in Nablus ein recht ernster Zusammenstoß zwischen Polizei und Demonstranten. Dort hatten sich um 5 Uhr nachmittags neuerlich Zusammenrottungen von Arabern gebildet, die eine ungeregelte Demonstration veranstalteten und die ihnen entgegentretende Polizei mit Steinen und schweren Ziegeln bewarfen. Die Polizei sah sich schließlich genötigt, zu f e u e r n. Bei dem Zusammenstoß wurde Polizeikommandant Kyles und drei Demonstranten erlieblich verletzt und mußten ins Hospital gebracht werden. Es wurde sodann Militär herangezogen, das das Regierungsgebäude besetzte. Abends waren Polizei und Militär vollkommen Herren der Lage. Die verhafteten Aufrührer wurden nach Jerusalem gebracht und dem Polizeirichter überstellt. Wenige Tage nach dem Zusammenstoß fanden bereits die Verhandlungen statt, über 60 Teilnehmer an den Demonstrationen wurden bisher zu Gefängnisstrafen von 3 bis 12 Monaten verurteilt Diese drakonischen Maßnahmen, durch die elende Straßenrowdies in den Augen der fanatisierten arabischen Bevölkerung zu wahren Märtyrern gestempelt werden, konnten natürlich nicht ohne Wirkung auf die seit langem bestehende arabische Mißstimmung bleiben. Die arabische Exekutive hat denn auch in ihrer letzten Sitzung eine Resolution gefaßt, in der gegen die „Verfolgung der Patrioten durch die Regierung" protestiert wird. Der Sekretär der Exekutive, Jamal Husseini, trat dafür ein, daß die Araber in Palästina die Taktik der Non¬ Cooperation mit der Regierung, wie sie von der indischen Bevölkerung durchgeführt wurde, einschlagen. Er erklärte, die bisherige arabische Taktik habe versagt und daher sei es notwendig, neue politische Methoden anzuwenden, auch wenn dies zu Massenverhaftungen wie in Indien führen sollte. Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, werden die Beratungen der für den 20. September nach Nablus einberufenen arabischen Landeskonferenz bereits diesen neuen Richtlinien Rechnung tragen. Die Konferenz wird unter anderem zu dem Vorschlag der Steuerverweigerung, der mit zu den von der arabischen Exekutive gefaßten geheimen Beschlüssen gehören soll, Stellung zu nehmen haben. Wie verfehlt die schwankende englische Poli- Herrennnd Dieieir Nur Ia-Qualitäten nach Maß und fertig lagernd, eventuelle Zahlungserleichterungen bis zu 1 Jahr werden gewährt ...... ER-UHIOI ^V/lENVLKonmena.6 TeLB202-1 tik in Palästina ist, beweist ein Leitartikel des Londoner Blattes „Manchester Guardian", das zu den Unruhen am Tage des Generalstreiks in folgender Weise Stellung nimmt: Gestern war der zweite Jahrestag der Unruhen in Palästina, die zahlreiche Menschenleben gekostet und zu einer gründlichen Ueberprüfung unserer Politik in diesem Lande geführt haben. Trotz dieser Ueberprüfung mit ihrer freundlichen Haltung gegenüber den arabischen Beschwerden ist es der Regierung nicht gelungen, Unruhe und gefährliche Agitation zu beseitigen. Der Hauptgrund der gegenwärtigen Agitation ist der Beschluß der Regierung, den exponierten jüdischen Kolonien „versiegelte Waffenlager" zur Verfügung zu stellen, woraus unrühmlich bekannte arabische Führer der Regierung den Vorwurf gemacht haben, sie bewaffne die Juden gegen die Araber. In Wahrheit bedeutet natürlich diese Maßnahme nichts derartiges; sie ist nur eine Ergänzung des polizeilichen Schutzes; der bedauerlicherweise allein nicht ausreicht, das Leben der jüdischen Bürger zu schützen. Die Waffen werden unter Siegel verschlossen gehalten, so daß ein etwaiger unrechtmäßiger Gebrauch von der Regierung festgestellt und bestraft werden kann. Unter den herrschenden Verhältnissen ist diese Vorkehrung notwendig,, denn das Gefühl der Unsicherheit ist unter den Juden Palästinas so verbreitet, daß vor kurzem der amerikanische Konsul die Frage der Sicherheit der amerikanischen Juden in Palästina vor unseren Behörden zur Sprache brachte. Wenn auch, heißt es in dem Artikel weiter, versiegelte Waffenlager derzeit unvermeidlich sind, so sind sie doch an und für sich höchst unerwünscht. Selbstverteidigung von Zivilisten ist immer ein gefähr- ThjöcSisScT KOMtisiichi Seit vielen Jahren das anerkannt beste M^fläW Man achte auf die gas. gesch. Marke »Hyglen. Königslicht" und Name Schub Fabrik und Büro: Wien XIV., Braunhirschengassse 3 Telephon R\ä3-l-87 Den allgemeinen Wünschen des konsumierenden Publikums Rechnung tragend, wird unter der Bezeichnung „Hygienisches Königslicht" Nummer 2 ein kleines Jahrzeitlicht in den Verkehr gebracht, das garantiert 24 Stunden brennt und sich im Preise bedeutend billiger als das bisherige Nr. 1 stellt. Badezimmer- Einrichtungen Modernste Ausführung — Zahluogserleicbterung — Kostenäberschläge gratis „Elphora", I., Dominikanerbastei 22 Ecke Kai 7/9 Telephon R 24-4-16 1 i c h e s Ding, auch wenn sie, wie es hier der Fall ist, sorgfältig überwacht wird. Die richtige (?) Methode der Sicherung von Leben und Eigentum ist die Aufrechterhaltung einer Polizeimacht von genügender Größe und Aktionsfähigkeit, um zu gewährleisten, daß Verbrechen nicht verübt werden können, ohne daß Verhaftung und Bestrafung der Täter gewiß ist. Aber unsere schwankende Politik seit 1929 hat viele Araber fälschlich, wenn auch nicht ganz unverständlicher Weise, zur Ueberzeugung geführt, daß wir im geheimen mit ihrer feindlichen Haltung gegenüber den Juden sympathisieren. An der Notwendigkeit versiegelter Waffenlager läSt sich das Versagen der Regierung ermessen. Student sucht Hofmalsterstelle oder gibt Stunden (Latein, Griechisch, Englisch, Französisch, Hebräisch). Anfragen unter „MSBJgas Honorar" an die Adm. der .Wahrheit". Zweierlei Maß. „Die Neue Welt" hat ihren Lesern eine neue Rubrik beschert. Seit einiger Zeit schreibt Ludwig Bato in den Spalten dieses Blattes ein „JüdischesNotizbuch", dessen Hauptzweck darin besteht, an den Gegnern des Revisionismus, den gemäßigten Zionisten und den Poale-Zionisten, aber auch an den „bösen Assimilanten" mehr oder minder geistreiche Kritik zu üben. Jüngst glaubte er, für die Bösartigkeit der letztgenannten Kategorie einen besonders furchtbaren Beweis erbracht zu haben. Man höre und staune! Ein Budapester jüdischer Oberregierungsrat namens Bela Nagy machte dem Präsidenten der dortigen jüdischen Gemeinde den Vorschlag, im laufenden Jahre die Kultussteuer von allen Mitgliedern der Gemeinde noch einmal einheben zu lassen, um den auf diese Weise einfließenden Gesamtbetrag der ungarischen Regierung als Nationalgeschenk der BudapesterJudenheitin Anbetracht der schweren ungarischen Wirtschaftskrise zu überreichen. Ludwig Bato glossiert diesen Vorschlag, zu dem Stellung zu nehmen, für uns kein Anlaß besteht, mit folgender hämischer Bemerkung: „Und das in einer Zeit, in der die ungarischen Juden zum größten Teile in furchtbarster Weise unter dem wirtschaftlichen Elend leiden und große jüdische Gemeinden, wie z. B. Miskolc, nicht mehr in der Lage sind, ihre Angestellten zu bezahlen!" Wir möchten dem Autor des „Jüdischen Notizbuches" der „Neuen Welt" freundlichst empfehlen, bevor er dieses „Notizbuch" schreibt, auch den übrigen Inhalt der „Neuen Welt" zur Notiz zu nehmen. An einer anderen Stelle der gleichen Nummer regt sich nämlich diese radikalzionistische Zeitschrift sehr darüber auf, daß die Berliner Jüdische Gemeinde der Hebräischen Universität in Jerusalem die Subvention entzogen hat. Das geschah bekanntlich in der gleichen Sitzung, in der über den notwendigen Abbau von Gemeindebeamten und die Dringlichkeit von Kürzungen bei ihren Gehalten beraten wurde. Wäre Ludwig Bato gerecht, so müßte er in seinem nächsten „Jüdischen Notizbuch" den ablehnenden Beschluß der Berliner jüdischen Gemeinde gutheißen, weil diese bei ihrer Beschlußfassung sich vor allem von Rücksichten auf die wirtschaftliche Notlage der Gemeinde leiten ließ. Wir glauben aber nicht, daß Bato so gerecht sein wird. franzensftadj Grand-Restauration „FürstenhoH streng; orthodoxe Küche -«Ö SIMON RAAB |L Bis 30*September s*8""«*1 i i