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Die Wahrheit · 1931-08-21 · Heft 34 (21.8.1931) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 34 (21.8.1931)
Date
1931-08-21
Page
– (sequence 3)
Language
German
Belongs to
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DHE WAHRHEIT Ssite 3 der Protest dagegen, daß die Regierung nicht alle Forderungen der Chauffeure erfüllt hat, zum Ausdruck gebracht werden. In dem Kampf des Lohnautogewerbes gegen die Regierung wurde eine vollkommen geschlossene jüdisch-arabische Front hergestellt. Obwohl die jüdischen Autobesitzer und Chauffeure sich im Hinblick auf die noch immer gespannte Atmosphäre in Palästina in diesem Zeitpunkt nur schwer zum Anschluß an diesen Streik entschließen konnten, haben sie dem Streikbeschluß doch aus SolidaritätsgTünden zugestimmt. Auch die arabischen Autobesitzer und Chauffeure waren von der Notwendigkeit eines Streiks fiberzeugt. In jüdischen Kreisen ist man der Ansicht, daß die Proklamierung des Streiks zum Teil auf einen von Seiten der arabischen nationalistischen Politik er ausgeübten Druck auf die arabischen Mitglieder der Berufsverbände des Autogewerbes zurückzuführen ist. Versammlungsverbot in Palästina. Jerusalem. 9. August (J. T. A.). Das Verbot öffentlicher Versammlungen und des Waffentragens im Gesamtgebiete Palästinas wurde von der Palästinaregierung auf weitere drei Monate verlängert „Kein Frieden mit dem Zionismus!" Jerusalem, 10. August (J. T. A.). Das Organ der palästinensich-arabischen Exekutive „F e 1 e s t i n" hat in seiner Nummer vom 9. August einen Artikel veröffentlicht, in dem es sich mit der Ernennung Doktor Chaim Arlosoroffs zum Nachfolger von Colonel Kisch als politischer Dezernent der Palästinaexekutive der Jewish Agency befaßt. „Feiestin" weist darauf hin, daß Dr. Arlosoroff eine doppelte Aufgabe gestellt sei: Einerseits habe er die jüdische Gemeinschaft der Regierung gegenüber zu vertreten, anderseits zu versuchen, eine Verständigung mit den Arabern zwecks Herstellung freundschaftlicher arabisch-jüdischer Beziehungen herbeizuführen. Diesen zweiten Teil seiner Aufgabe werde Dr. Arlosoroff nicht erfüllen können. Was Dr. Arlosoroff mit der Regierung tun will, schreibt das Blatt, ist seine Sache. Aber was uns Araber betrifft, so wird er sicher keinen Erfolg haben. Der Allmächtige weiß, daß wir niemals zu einer Verständigung mit den Z i o n i s t e n gelangen werden, solange sie unsere Austreibung aus dem Lande wünschen. Wir werden niemals mit den Juden Frieden schließen, solange der Zionismus existiert. Wir werden niemals zu einer Verständigung mit ihnen gelangen, solange es eine zionistische Exekutive und zionistische Verbände in allen Teilen der Welt gibt. Wir können Dr. Arlosoroff mitteilen, daß ihn ein Mißerfolg erwartet. Die arabischen Demonstrationen verboten? Jerusalem, 10. August (J. T. A.). Wie dir Jüdischen Telegraphen-Agentur von hoher Regierungsstelle mitgeteilt wird, erblickt die Palästinaregierung derzeit keinerlei Grund zu Beunruhientschlossenen Worten gehaltenen Communique\ in den: die Hetze gegen die Institution der versiegelten Waffenlager in den Kolonien verboten wurde, alle im Lande bezüglich einer möglichen Störung der Ruhe und Ordnung entstandenen Befürchtungen rasch zerstreut wurden. Allgemein herrscht die beberzeugung ver, daß die Regierung jeden Versuch, die öffentliche Ruhe zu stören, energisch unterdrücken werde. Die letzten Maßnahmen der Regierung lassen erkennen, daß die von arabischer Seite geplantem Demonstrationsversammlungen am 15. August nicht werden gestattet werden. Die Regierung erwartet, daß sich ihre Warnung an diejenigen, die für antijüdische Agitation irgend welcher Art verantwortlich sind, als wirksam erweisen werde. Die Regierung steht auf der Wacht und wird, sobald es notwendig werden sollte, die entsprechenden Maßnahmen zur Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung treffen. Sie ist bestrebt, das Gefühl der Unsicherheit, das auf einer „Ueberschätzung der Bedeutung der arabischen Propaganda" beruht, zu beseitigen. Safed, 11. August (J. T. A.). Die Führer der arabischen Extremisten in Nablus haben den Arabern in Safed die Weisung erteilt, ungeachtet der Ankündigung der Palästinaregierung, daß Demonstrationen am 15. August nicht zugelassen werden würden, um die Erlaubnis einer Kundgebung an diesem Tage anzusuchen*). Der Proteststreik der arabischen Zeitungen. Jerusalem, 11. August (J. T. A.). Am Montag, den 10. August, haben die arabischen Tageszeitungen ihr Erscheinen, wie dies in der vorigen Woche angekündigt wurde, zum Protest gegen das Verbot einer Propaganda gegen die Institution der Waffenlager in den jüdischen Kolonien auf eine Woche eingestellt. In ihrer letzten vor dem Beginn des Zeitungsstreiks veröffentlichten Nummer vom 9. August erklärt „Ai Hayat", die Palästinaregierung sei an der augenblicklich in Palästina herrschenden Erregung schuld. Die Regierung, schreibt das Blatt, verursacht alle Unruhen in diesem Lande. Bestünden nicht das sträfliche Mandat und das jüdische Nationalheim, würde die Regierung nicht die jüdischen Kolonien bewaffnen, so wäre es niemals zu Unruhen oder Erregung gekommen. Anknüpfend an den von der Palästinaregierung dem Völkerbund unterbreiteten Bericht, in dem erklärt wird, die Regierung wünsche nicht, Gemeindewahlen in Palästina durchzu- *) Eine Meldung1, ob die Demonstrationen tatsächlich stattgefunden haben oder verboten worden sind, ist bis Redaktionsschluß nicht eingetroffen. (D. Red.) i ü h r e n. weil sie befürchte, solche Wahlen könnten zu Unruhen führen, schreibt das Blatt: Wenn angenommen wird, daß Wahlen zu Unruhen führen, warum gibt denn die Regierung nicht alle zivilisatorischen Prätentionen auf und kehrt zum Mittelalter zurück, indem sie despotisch und niemandem verantwortlich regiert? Warum gebraucht England den Vorwand, daß es komme, ujn uns für die Selbstregierung vorzubereiten? Wie kann es eine repräsentative Regierung geben, wenn keine Wahlen stattfinden? Vorläufig ist von einem Einschreiten der Regierung, gegen „AI Hayat" wegen diesen Artikel noch nichts bekannt. Die Einstellung der revisionistischen Tageszeitung? „H a a m", die wegen eines Artikels, in dem der Regierung vorgeworfen wurde, sie fördere die arabische Hetze, verboten worden ist. erfolgte auf unbestimmte Zeit. Wieder eine jüdische Zeitung verboten» Jerusalem. 12. August (J. T. A.). Nach der revisionistischen Tageszeitung „Haam" wurde nun auch die von dem Rechtsanwalt Ben Aron herausgegebene Wochenschrift „Bemaaracha" (Front) von der Palästinaregierung verboten. Das Verbot erfolgte wegen eines unter dem Titel „Seid bereit" in der letzten Nummer des Blattes veröffentlichten Artikels. Die Wochenschrift, die erst seit wenigen Monaten erschien, hatte ihr besonderes Augenmerk der Registrierung aller Fälle, in denen Waffen hei Arabern gefunden wurden, zugewandt, um auf diese Weise der Behauptung der Araber, die Juden seien bewaffnet, wirksam entgegenzutreten. Weitere Einschränkung des freien Bodenerwerbs. Jerusalem, 14 August (J. T. A.) Wie die Jüdische Telegraphen-Agentur erfährt, soll am 2D. August, dem Tage der Ankunft des Landeutwicklungsdirektors French in Jerusalem, eine neue Verordnung über den Grundstückverkehr in Palästina erlassen werden, die einen Teil der auf eine Einschränkung des Grundstückverkehrs abzielenden Gesetzgebung darstellt, die mit der Pächterschutzverordnung begonnen wurde. Generalstreik der Araber. Jerusalem, 17. August Die arabische Exekutive proklamierte für Samstag, den 20. August, den zweiten Jahrestag der Unruhen, den Generalstreik für ganz Palästina als Protest gegen die Ueberlassung von Waffenvorräten in den abgelegenen jüdischen Kolonien. Berufen Sie sich auf die „Union" bei Abschluß von Versicherungen bei der Städtischen Versicherungsanstalt gung hinsichtlich einer etwaigen Gefährdung der Sicherheit der jüdischen Bevölkerung in Palästina. In Regiet ungskreisen ist man der Ansicht, daß dank den Sicherheitsvorkehrungen der Regierung und dem in bewußte Juden, ebenso tüchtige Menschen sind, die sich vielleicht nach Kameraden sehnen und sie in diesen bestehenden Verbänden noch nicht gefunden haben, die aber auch zu erfassen und zu gewinnen wären vielleicht in einem Verband mehr geistig jüdischer Art, einem Verband, der ihrer Individualität und ihrer Einstellung zum Judentum entspricht, damit sie nicht Lehrern und Führern anderer Parteien in die Hände fallen und ihres Glaubens ganz verlustig gehen. Hier muß das Elternhaus, das jüdische Heim sehr viel tun, das Heim, das der Jugend Glück und Freude geben soll. Hier müssen die Frauen, die Mütter helfen, die ihre Kinder kennen, sie müssen einmal wieder gründlich nachdenken, wie und in welcher Weise man diesem Uebel abhelfen, alle unsere Kinder dem Judentum gewinnen kann. — Dann, meine liebe Freundin, werden im jüdischen Heim, sei der Ausblick in die Welt auch noch so sehr von den Nebelschleiern der vielen Krisen verhüllt, wieder wie einst in sorgenlosen Tagen die Keime der Gottesfurcht, der Glaubens- und Pflichttreue und der Liebe in einen fruchtbaren Boden gepflanzt werden können, Keime, die zu einer beglückenden und segensreichen Ernte aufgehen müssen. So wie Sie, meine liebe Freundin, heute schon ernten, was Sie voll Mühe und Sorgfalt gesät, so werden auch wieder die meisten jüdischen Eltern trotz all' der drohenden Gefahren zu Gefühlslosigkeit, der Sucht nach Luxus und Vergnügen liebevolle, dankbare und rücksichtsvolle Kinder ihr Eigen nennen, die trotzdem im Leben draußen ihren Platz voll und ganz ausfüllen und dadurch zur wahrhaften Menschenversöhnung beitragen werden. Ich glaube, dieses Ziel ist das vornehmste, liebe Freundin, und wir Juden haben immer danach gestrebt, haben unser Bestes dafür eingesetzt. Scheint auch die Verwirklichung noch weit, wir müssen jeder im eigenen Kreise daran arbeiten. Und mit diesem Wunsche aus einer Reihe von Wünschen und Gedanken, liebe Freundin, die mir in diesem schönen Fleckchen Erde durch den Sinn gingen, möchte ich diese etwas lange Epistel schließen und hoffe, auch Sie zu neuen Erörterungen angeregt zu haben. Mit bestem Gruße Ihre A. M. Nach dem Volksentscheid in Preußen. Führende jüdische Politiker über die Bedeutung des Volksentscheids. Der Ausfall des Volksentscheids in Preußen am 9. August wird allgemein als ein Wendepunkt in der politischen Entwicklung Preußens und damit des Gesamtreiches gewertet. Die Befürchtungen, die vielfach in jüdischen Kreisen bezüglich eines weiteren Anwachsens der radikalen und antisemitischen Gruppen in Deutschland gehegt wurden, sind durch das Abstimmungsergebnis, das fast überall ein Abflauen der antisemitischen reaktionären Welle in Deutschland erkennen läßt, zweifellos zerstreut worden. Die große Bedeutung, die in diesem Zusammenhang auch von jüdischer Seite der am 9. August getroffenen Entscheidung der preußischen Wählerschaft beigemessen wird, hat die Jüdische Telegraphen-Agentur veranlaßt, sich an führende jüdische Persönlichkeiten Deutschlands mit der Bitte zu wenden, ihre Meinung über die nach dem Volksentscheid gegebene Situation zu äußern. R.-A. Heinrich Stern: Der Präsident der Vereinigung für das liberale Judentum und Vorsitzende der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, R.-A. Heinrich Stern, erklärte: Ich bin der Ansicht, daß von jüdischer Seite der Ausfall des Volksentscheides nicht anders gewertet werden kann als vom allgemeinen deutschen Gesichtspunkt aus. Der Volksentscheid wäre, wenn er durchgegangen wäre, nichts als eine Demonstration für den Radikalismus gewesen; denn eine praktische Bedeutung für die innere Politik hatte er nicht. Wie alle vernünftigen Deutschen müssen sich auch die Juden sagen, daß jede radikale Lösung der heutigen politischen und wirtschaftlichen Lage uns nur unabsehbaren Schaden zufügen kann. Die Stärkung des vernünftigen Bürgertums und des verantwortungsbewußten organisierten Arbeiterstandes liegt daher im Interesse aller Deutschen, mit ihnen auch im Interesse der deutschen Juden. Wir Juden werden auch mit besonderer Genugtuung vermerken, daß die Schlagkraft der antisemitischen Parole anfängt abzunehmen. Auch hier können wir nur den Standpunkt aller vernünftigen Volksgenossen teilen, daß nicht Zerfleischung, sondern Einheit nottut, daß alle Volksgenossen ohne Unterschied der religiösen Richtung am Aufbau teilzunehmen haben. Der 9. August bedeutet einen ersten Schritt zur Umkehr und Einkehr, und darum ist er ein historisch bedeutsames Datum. R.-A. Dr. Alfred Klee: Der Führer der Jüdischen Volkspartei R.-A. Dr. Alfred Klee, Vizepräsident des Landesverbandes preußischer Synagogengemeinden und stellvertretender Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde Berlin, äußerte sich folgendermaßen etwas allzu optimistisch: Der Volksentscheid ist so ausgegangen, wie die preußische Staatsregierung es erwartet hat. Es war klar, daß der ungeheure Auftrieb des Rechts¬ und Linksradikalismus eine Reihe von Menschen an die Wahlurne bringen würde. Man braucht nur an die Zahl von 600.000 ungültigen oder Nein- Stimmen zu denken, Stimmen, die also unter Terror abgegeben wurden, um sich eine Vorstellung zu machen, wie stark der Druck in gewissen Bezirken namentlich des preußischen Ostens war. Daß trotzdem die erforderliche Hälfte der preußischen Gesamtwähler-Stimmen nicht erreicht werden konnte, war vorauszusehen. Der Ausfall des Volksentscheides, also eines Versuches, mit dem allerdemokratischsten Mittel gegen die Demokratie anzurennen,

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