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Die Wahrheit · 1931-08-14 · Heft 33 (14.8.1931) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1931
Issue
Heft 33 (14.8.1931)
Date
1931-08-14
Page
– (sequence 6)
Language
German
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&alüstimensisdke HadMdkten. Das „reiche*4 Palästina. Wie aus einem soeben veröffentlichten offizfeBeo Bericht hervorgeht, haben die Einnabmen der Palästina-Regierung in den ersten Hier Jfconaten des Jahres 1931 816.240 Pfund, die Ausgaben im gleichen Zeitraum 724.958 Pfund fyfragyy Unter den Einnahmeposten figurieren die Eingänge aus Zöllen mit 301.165, die Eingänge ans Steuern mit 200.722 Pfund. Unter den AusgafacBposten sind folgende bemerkenswert: P o 1 izeiura4 Gefängnisse 144.560, militärische Garnison 69.719, tr ans jo rd a n ifcches Grenzkorps 49.483 Pfund. önwanderungsamnestie in Palästina. Die Official Gazette, das palästinensische a^fftfrifitt, veröffentlich eine Verordnung, durch die es agefe Personen, die weniger als 1000 Pfund besitzen, erpüfcrf^ht wird, sich als Einwanderer der Kapitalistenfcyfegork registrieren zu lassen. Die neue Verordnung teils «ine Amnestie für alle zur Zeit der Veröffentiftfcupp 4er Verordnung in Palästina wohnhaften Persona, die auf illegale Weise ins Land gekommen sind, aafgafassen. Ihre Geltungsdauer endet am 30. September WEtt. Auf <3rund dieser Verordnung werden ungefähr IftflpO Juden, aber auch eine beträchtliche Anzahl von Ar albern, die illegal eingewandert sind, das Aufenthafetsreebt in Palästina erlangen. Dadurch wird die be- «irajebeade Volkszählung in Palästina wesentlich erleichtert, für die bereits die Fragebogen ausgegeben wurden. Die Bogen enthalten 18 Fragen, darunter Fragen nach dem Religionsbekenntnis, dem Geburtsland, nach der wirtschaftlichen Stellung (selbständig Erwerbender oder Lohnempfänger), nach dem Berufszweig, der Umgangssprache und dem Bildungsgang. In jüdischen Kreisen wird die Amnestie als die weitherzigste und entgegenkommendste Maßnahme .«x$eaaber den Juden während der gesamten Amts- :gteaade4£s gegenwärtigen High Commissioners Sir John ^43*WBcellcr betrachtet . IMe Mörder von Jadjur gefunden? J^feidWefli Beduinenlager zwischen Djedda und MiS&rmar-iia-Emek wurden drei Beduinen, unter ihnen der Führer des Beduinenstammes, unter dem Verdacht verhaftet, an dem Ueberfall auf eine jüdische Arbeitergrappe aus Jadjur, bei dem drei jüdische Arbeiter getötet wurden, teilgenommen zu haben. Ein aus 150 englischen und palästinensischen Polizisten bestehendes Detacbement umzingelte unter Führung englischer Offiziere das Lager und sperrte jeden Verkehr während der von Mittemacht bis 10 Uhr vormittags dauernden Durchsuchung ab. Die Durchsuchung erfolgte auf Grund einer von der Palästinaregiening beim Kolonialamt eingeholten Ermächtigung, außerordentliche Maßnahmen zur Ausforschung der Mörder von Jadjur zu ergreifen. Wertere Einzelheiten wurden nicht mitgeteilt Wassermangel In Jerusalem. Infolge der anhaltenden Dürre in Palästina sind die Wasservorräte in Jerusalem außerordentlich stark gesunken. Die Gemeindeverwaltung hat sich daher genötigt gesehen, die tägliche Wasserzufuhr von 800.000 auf 400.000 Gallonen herabzusetzen. Hakenkreuz am Werft »Judenkanzler Brüning." Bei der Ankunft des deutschen Reichskanzlers und des Reichsaußenministers Dr. Curtius in Rom kam es zu einer Kundgebung einer kleinen Gruppe deutscher Nationalsozialisten, die in braunen Hemden und mit der Hakenkreuzbinde am Arm auf dem Bahnhof erschienen waren. Als die deutschen Minister den Zug verließen, riefen die Nationalsozialisten: „Heil Hitler!", „Deutschland erwache!" „Nieder mit dem Judenkanzler!" Zwei Demonstranten wurden von der faschistischen Miliz verhaftet. Venizelos über die Unruhen in Saloniki. Am 26. Juli hielt der englische Jewish Board ofDeputies unter dem Vorsitz seines Präsidenten O. E. d'Avigdor Goldsmid seine letzte Sitzung in der diesjährigen Sommerarbeitsperiode ab. Der Sekretär des Board, J. M. Rieh, gerichtete u. a. über den Empfang einer Delegation des Board of Deputies und der Anglo-Jewish Association durch den griechischen Ministerpräsidenten Venizelos im Zusammenhang mit den judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki. Herr Rieh führte aus: Ministerpräsident Venizelos empfing während seines letzten Aufenthalts in London in der griechischen Gesandtschaft den Präsidenten des Board-of Deputies O. E. d'Avigdor Goldsmid, den Präsidenten der Anglo-Jewish Association Leonard G. Montefiore und mich als Sekretär des Joint Foreign Committee. Im Verlauf der Unterredung verurteilte Ministerpräsident Venizelos schärfstens die vor kurzem stattgefundenen judenfeindlichen Ausschreitungen in Saloniki. Er erklärte, in der glücklichen Lage zu sein, mitteilen zu können, daß diese Ausschreitungen nicht nur seitens der Regierung, sondern auch seitens der Führer aller im Parlament vertretenen Parteien verurteilt worden sind. Die Unruhen, führte Venizelos weiter aus, seien inkeiner Weise, wie von mancher Seite behauptet wurde, auf eine Provokation von jüdischer Seite zurückzuführen, sondern waren ausschließlich die Folge der maßlosen Propaganda einer extremen nationalistischen Organisation. Gegenwärtig ziehe man Maßnahmen zur Verhütung ähnlicher Ereignisse in der Zukunft in Erwägung. Er sei überzeugt, daß die lokalen Behörden ihre Pflicht in energischer Weise erfüllen würden. Friedhofsschändung in Memel. Unbekannte Täter haben dieser Tage auf dem jüdischen Friedhof in Memel 26 Grabsteine umgeworfen und mehrere Grabhügel aufgewühlt. Das Verbrechen wurde von einer größeren Bande begangen, die nachts in den Friedhof eindrang und die Tür des Wächterhauses mit Steinen verrammelte, so daß der Friedhofswächter verhindert wurde, die Polizei zu verständigen. In den jüdischen Kreisen Memels hat der Vorfall um so mehr Bestürzung hervorgerufen, als b i s h e r i n Memel von einer antisemitischen Bewegungkaumetwaszumerken war. Die Verwaltung der Memeler Synagoge hat eine Prämie von 1000 Lit auf die Ergreifung der Schänder des jüdischen Friedhofs ausgesetzt. Eine Delegation der jüdischen Gemeinde Memel hat beim Reichsgouverneur vorgesprochen und ihn ersucht, energische Maßnahmen zur Ausforschung der Schuldigen zu ergreifen. Antisemitische Sommerfrischen. Infolge eines Irrtums, dessen Quelle heute leider nicht mehr festzustellen ist, wurde in unserer vor einiger Zeit veröffentlichten Liste der antisemitischen Sommerfrischen und Gaststätten auch das Grand-Hotel „Post" (Besitzer Fritz Werther), Seefeld in Tirol, angeführt Durch verschiedene Zuschriften wurden wir bereits darauf aufmerksam gemacht, daß diese Anführung zu Unrecht erfolgt ist, da sich ein Großteil der Gäste dieses Hotels aus jüdischen Kreisen zusammensetzt. Nun meldet sich auch Herr Fritz Werther bei unserer Schriftleitung mit einer Reklamation, in der er ebenfalls unter Beweis stellt, daß eine Menge angesehener jüdischer Gäste seines Hauses sich sicherlich bei ihm recht wohl gefühlt hat Wir nehmen deshalb keinen Anstand, zu erklären, daß die dem genannten Hause, bzw. seinem Besitzer vorgeworfene judenfeindliche Gesinnung auf einer irrigen Annahme beruhte. ßfumsffiwe 6. bis 12. September 1931 (Rotunde bis 13. September). SONDERVERANSTALTUNGEN: Möbelmesse / Reklamemesse / „Das Lichtbild in der Reklame" / Sonderschau neuzeitlicher Gasgeräte / „Elektrizität im Haushalt" / Pelzmode-Salon / Wiener Strickmode / „Antike Raumkunst" RADIO- UND SCHWACHSTROM-MESSE „Sprechmaschine und Tonfilm" / Bürobedarfs-Ausstellung / Eisen- und Patentmöbelmesse / Bau- und Straßenbaumesse Technische Neuheiten und Erfindungen / Ausstellung für Nahrungs- und Genußmittel Oesterreichische Wintersport-Ausstellung Land- und forstwirtschaftliche Musterschau. .Gartenbau-Ausstellung / Ausstellung österreichischer Getreidesaatgutzüchter / Oesterreichische Berstenschau / Ausstellung der landwirtschaftlichen Versuchsanstalten / Kleintierzucht-Ausstellung / Seidenbau-Ausstellung / Typenschau landwirtschaftlicher Maschinen. Bundesweinkost BEDEUTENDE FAHRPREIS-ERMÄSSIGUNGEN 1 Messeausweise ä S 6.— bei der Wiener Messe-Aktiengesellschaft, Wien VH.. Messeplatz 1 — Eintrittskarten (zum einmaligen Besuch der Rotunde oder des Messepalastes und der Neuen Burg) i S 8.Ä0 bei den Kassan- _Schaltern der Messehäuser. Amtseinführung des neuen Badener Oberrabbiners. In feierlicher Weise wurde am 9. d. der neugewählte Badener Oberrabbiner, Herr Doktor Hartwig Carlebach in sein Amt eingeführt. Er wurde von seinem Amtskollegen Rabbiner Friedmann, dein Altpräsidenten der Kultusgemeinde Ingwer, dem Vorstandsmitglied Letzter und dem Präsidenten der Chewra Kadischa Ludwig Lackenbächer eingeholt und in den Tempelhof geleitet, woselbst er beim Eingang vom Kultuspräsidenten Anton Stern und Vizepräsidenten Heinrich Fleischmann begrüßt und unter den int Tempelhofe aufgestellten Trauhimmel geleitet wurde. Bei seinem Erscheinen wurde der Oberrabbiner von der versammelten Schuljugend und dem zahlreichen Publikum lebhaft begrüßt. Unter dem Trauhimmel hielt der Obmann des Festausschusses Herr Redakteur Arou Weiß an den neuen Oberrabbiner die erste Begrüßungsansprache, in welcher er unter anderem sagte: „Wir empfangen Sie unter dem Trauhimmel, unter welchem Sie in Zukunft die Brautpaare unserer Gemeinde als Priester segnen werden, nicht nur deshalb, um Sie ganz besonders zu ehren, sondern wir wollen damit auch symbolisch zum Ausdruck bringen, daß Sie am heutigen Tage mit unserer Gemeinde ein dauerndes Bündnis schließen, und der gesamte Vorstand, welchen Sie hier um sich versammelt sehen, fungiert dabei gleichsam als Trauzeuge!" Hierauf erfolgte der feierliche Einzug in den Tempel; voran wurden die Thorarollen getragen und diesen folgte der Herr Oberrabbiner, von der Gemeindevertretung begleitet. Im dichtgefüllten Tempel hatten sich indes eingefunden: Minister a. D. Bürgermeister Josef Kollmann, Vizebürgermeister Kommerzialrat Alois Brusatti, in Vertretung der Bezirkshauptmannschaft Dr. Karl K r a m s a 11, Oberstadtphysikus Hofrat Dr. Emil Raab, Kirchenkämmerer Kammerämtsrat S i e gm u n d, Kirchenvater Franz Fink, General-Oberstabsarzt Prof. Dr. Alois Pick, Präsident der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, Leopold Reicher, Jakob Lang, Emil Adler und Michael Sternfeld in Vertretung der Schiffschul Wien, der Präsident der Agudas Jisroel Wolf Pappenheim mit dem Vertreter der Jugendgruppe Hermann B o n d i, der Kurator des Badener Waisenhauses Direktor Friedmann, Rabbiner Rothschild für den Landesverband der Jugendgruppe, Sigmund Bondi in Vertretung des Keren Hathora, Vorsteher Hugo R e i n i n g e r mit den Vorstandsmitgliedern Samuel Mandl und SamueT Frankl der Kultusgemeinde Wiener-Neustadt, der. Vorsteher der Mödlinger Kultusgemeinde David Rosenfeld, die Vorsteher der Neunkirchner Kultusgemeinde und Chewra Kadischa Adolf Preiß, Moritz Gerstl und Karl Jaul, der Vorsteher der Kultusgemeinde Mattersburg Isidor Deutsch und Gemeinderat Kerpel, der Vorsteher der Kultusgemeinde Eisenstadt Sigmund Warn dort er, in Vertretung der Kultusgemeinde Bratislava Vorstandsmitglied Samuel Sternfeld und Sekretär Adolf Grünfeld, Frau Doktor Kr aus z mit den Vorstandsdamen des Frauenvereines, der Obmann des Vereines Bikkur Chaulim Bernhard Affenkraut der Obmann des Vereines „Unitas"" Rechtsanwalt Dr. Samuel Spitzer, in Vertretung des Tempelvereines Wien-Josefstadt die Vorstandsmitglieder Oppotschinsky und Ed er, in Vertretung der Storchentempels in Wien Vorstandsmitglied Löwinge r u. v. a. Im festlich beleuchteten Tempel begrüßte zunächst Präsident Herr Anton Stern den neuen Oberrabbiner als geistigen Führer der Gemeinde und als Nachfolger des unvergeßlichen Oberrabbiners Wilh. Reich s. A. und gab seiner Freude Ausdruck, daß die Spitzen der Behörden zum Empfange sich hier eingefunden und damit das gute Einvernehmen zwischen den hohen Behörden und der Kultusgemeinde neuerdings bewiesen haben. Nach der Begrüßungsansprache des Präsidenten der Chewra Kadischa Herrn Ludwig Lackenbacher sprach Kantor R i c h t e r bei geöffneter Bundeslade den Segenspruch und nach Absingung des Hallelujah bestieg der Oberrabbiner die Kanzel und hielt seine formvollendete und geistsprühende Antrittsrede,- welche auf alle Anwesenden den tiefsten Eindruck machte. Sodann trat Bürgermeister Kollmann aus der Bankreihe und richtete an Herrn Oberrabbiner Doktor Carlebach herzliche Worte der Begrüßung, welchen sich die übrigen Honoratioren der Reihe nach anschlössen. Abends versammelte sich der Großteil der Gemeinde im Restaurant Schey zu einem gemütlichen Abendessen, bei welchem der neue Oberrabbiner in unzähligen Reden gefeiert wurde. Eine freudige Ueberraschung war es, als Stadtpfarrer Kanonikus Stoiber, begleitet von Kirchenkämmerer Siegmund und Fink und Oberlehrer Wohlschläger, im Saale erschien, um den Oberrabbiner als Amtskollegen zu begrüßen. Seme Hochwürden wurde von der versammelten Menge durch Erheben von den Sitzen ganz besonders geehrt und Herr Oberrabbiner D. Carlebach gab in einer groß angelegten Rede seiner besonderen Freude Ausdruck, daß zwischen den Konfessionen Badens ein so gutes freundliches Einvernehmen herrscht, und schloß mit dem Wunsche, daß es immer so bleiben möge. Von den Reden, welche bis Mitternacht dauerten, seien ganz besonders hervorgehoben die des Herrn Rabbiner Friedmann, Rabbiner Rothschild, Kantor Friedmann, Vöslau, Wolf Pappenheim, Wien, Rappaport, Direktor Friedmann, Hofbauer, Löwy, Hermann Bondi und namens der zukünftigen Schüler Emanuel Wikler. Oerlanst in Cafes nsw. „Die Wahrheir I

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