Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1931
- Issue
- Heft 33 (14.8.1931)
- Date
- 1931-08-14
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/3062972-3064453-3064485--18493-3083529- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
DIE WAHRHEIT Seite 7 Gemeinde - tUkwonifc Jüdischer Bevölkerungsrückgang In Ungarn. Wie aus einer vor kurzem vom Budapester Rabbinat veröffentlichten Statistik hervorgeht, sind im Jahre 1930 in Budapest 392 Personen aus dem Judentum ausgetreten. Der Glaubenswechsel erfolgte in der Mehrzahl der Fälle anläßlich von Eheschließungen mit Andersgläubigen. Die Zahl der Austritte entspricht schon seit einigen Jahren einem Prozentsatz von ungefähr 0,4 Prozent der jüdischen Bevölkerung. In' den Provinzstädten und in den Dörfern ist der Prozentsatz etwas geringer. Zum Rückgang der jüdischen Bevölkerung Ungarns trägt neben der Austrittbewegung auch das Ueberwiegen der Sterbefälle über die Geburtenziffer bei Die Zahl der Todesfälle war im Jahre 1927 um 1067. im Jahre 1928 um 771, 1929 um 1185 und 1930 um 973 höher als die Zahl der Geburten. Die immer mehr um sich greifende religiöse Gleichgültigkeit kommt darin zum Ausdruck, daß 30 Prozent der jüdischen Geburten beim Rabbinat überhaupt nicht angemeldet werden, 30 Prozent der rein jüdischen Ehen werden nicht rituell geschlossen und in mindestens 10 Prozent der Fälle wird die Beschneidung nicht vollzogen. Mindestens 30.000 Mitglieder der Israelitischen Kultusgemeinde besuchen nicht einmal am Versöhnungs- <aj»e die Synagoge. Der Oberrabbiner der Türkei gestorben. Der Oberrabbiner der Israelitischen Kultusgemeinden in der Türkei, Bitscharano Effendi, ist gestorben. Der Verstorbene hatte sich um die Neuorganisierüng der türkischen Judenheitgroße Verdienste erworben. Der Vizepräsident der Union rumänischer Juden gestorben. Im Sanatorium Purkersdorf bei Wien starb am 3. August im Alter von 62 Jahren nach mehrwöchiger Krankheit der Vizepräsident der Union rumänischer Juden und Vizepräsident der Bukarester jüdischen Gemeinde Dr. Ignatz Steinhart. Dr. Steinhart war einer der prominentesten Führer der rumänischen Judenheit. Trauung. Dienstag, den 11. d. M., fand im Schifftempel die Trauung des Fräulein Edith L e i tner, Tochter des Herrn Kultusvorsteher Komm.- Rat Moritz Leitner und Frau, mit Herrn Ernst Breuer-Weil, Sohn des Herrn Aron Weil und Frau, statt. Der festlich beleuchtete Tempel war bis auf das letzte Plätzchen gefüllt, die Beliebtheit, deren sich die Familie Leitner und insbesondere der allseits geschätzte Herr Komm.-Rat Moritz L e i t n e r mit voller Berechtigung erfreut, kam bei diesem freudigen Anlasse zu sinnfälligem Ausdruck. In der gewaltigen Menge der Anwesenden erblickte man u. a.: Vizepräsident Dr. J. O rast ein und die Kultusvorsteher Dr. H. Körner, Gustav Moritz und Prof. M. Rath, die Vorsteher Wolf Pappenheim, Michael Sternfeld und starke Abordnungen der Agudas Jisroel und der Adas Jisroel, die Rabbiner W e i ß aus Topolcani, Ehrenfeld aus Mattersburg und Doktor M. Rosenmann, eine große Delegation der Agudas Jisroel-Jugendgrupe und zahlreiche Vertreter verschiedener Wiener Tempel-, Bethaus- und Wohltätigkeits-Vereine u. v. a. Nach dem von Oberkantor B r a u n vorgetragenen Minchagebet wurde die Trauung unter der im Hofe aufgestellten Chuppah von Oberrabbiner Fürst vollzogen, worauf der Topolcaner und der Mattersburger Raw die Segenssprüche verrichteten. Das Brautpaar und die Brauteltern waren Gegenstand herzlichster Gratulationen, denen sich auch unsere Redaktion aufs innigste anschließt. 75. Geburtstag. Dieser Tage feierte Herr Dir. Anton Stein, Obmann des Josefstädter Tempelvereines, in vollster geistiger und körperlicher Frische seinen 75. Geburtstag. Der Jubilar, dessen unermüdliches segensreiches Wirken um diesen Verein rühmlichst bekannt ist, genießt in der "Wiener jüdischen Gesellschaft besondere Verehrung und Wertschätzung, die er sich infolge seiner vornehmen Charaktereigenschaften und seiner rastlosen Betätigung für jüdische Interessen zu erwerben gewußt hat. Seit vielen Jahren gehört er auch dem Zentralvorstand der „Union österreichischer Juden" als pflichteifriges Mitglied an und erfreut sich in diesen Kreisen besonders lebhafter Sympathien. Wer Dir. Anton Stein kennt, weiß, daß es auch weiterhin sein Bestreben sein wird, der jüdischen Gemeinschaft gleich ersprießlich wie bisher zu dienen. Todesfälle. Still und bescheiden, wie er gelebt, ist knapp vor seinem 70. Geburtstage der in weitesten Kreisen rühmlichst bekannte Herr Albert Körner am 4. d. M. nach langem schweren Leiden verschieden. Um diesen wahrhaft edlen Mann trauert nicht nur seine große Familie, an der er mit inniger Liebe hing, sondern auch eine gewaltige Schar von Freunden, die er sich im Laufe seines arbeitseifrigen Lebens zu erwerben verstanden hat. Albert Körner war ein guter Mensch, aber auch ein guter Jude. Er widmete seine immense Schaffenskraft zahlreichen jüdischen Vereinen, insbesondere dem Leopoldstädter Tempelverein „A e s c h e 1 A w r o h o m", II., Pazmanitengasse, in dessen Vorstand er lange Jahre hindurch unermüdlich wirkte, ferner der Chewra Kadischah und dem Leopoldstädter Kranken-Unterstützungsverein „Nächstenliebe". Auf seiner letzten Fahrt machte der Leichenwagen vor dem hellerleuchteten Pazmanitentempel Halt, wo I. Kantor A. S t i f t ein ergreifendes „EI mole rachamim" rezitierte. Die Beteiligung an dem am 6. d. M. stattgehaften Leichenbegängnis war eine überaus starke, ein Beweis für die Sympathien, die der Heimgegangene mit Recht genoß. Insbesondere waren unter Führung des Obmannes Oskar Schramek zahlreiche Mitglieder und Vorstandsmitglieder des Tempelvereines „Aeschel Awrohom" erschienen. Rabbiner Dr. Zwi Taubes entwarf in seiner Trauerrede ein gediegenes Bild von dem Wirken des Verblichenen, dessen echt jüdischen Familiensinn und treue Anhänglichkeit an die Gemeinschaft er rühmend hervorhob. Obmann Oskar Schramek beklagte es, daß in so kurzer Zeit wieder ein pflichtbewußtes Mitglied des Vereinsvorstandes demselben entrissen worden ist. Die kantorale Funktion versah in hervorragender Weise Oberkantor J. L. M ü 11 e r, der, um dem Toten die letzte Ehre zu erweisen, seinen Urlaub in Bad Gleichenberg unterbrochen hatte. Das Andenken Albert Körners wird bei allen jenen, die ihn gekannt und geschätzt haben, stets ein ehrendes bleiben. — Am 10. d. M. verstarb hier Frau Fritzi Neustadtl (VII., Stollgasse 8) und wurde am 12. d. M. auf dem Zentralfriedhof, I. Tor, zu Grabe getragen. In der Verblichenen betrauert Herr Alfred Tonelles eine Schwägerin. — Aus Oswiecim wird uns gemeldet: Vor einigen Tagen starb plötzlich auf der Reise nach Hindenburg der hier sehr angesehene Gutsbesitzer Herr Samuel Haber im 43. Lebensjahre. Der Verstorbene, der sich eines hohen Ansehens im Orte erfreute, entstammt einer hier seit über 200 Jahren ansässigen Familie und war der Sohn des vor einigen Jahren dahingeschiedenen Altpräsidenten der hiesigen Kultusgemeinde Arnold Haber. Bei dem Leichenbegängnis, an dem tast die ganze Stadt teilnahm, hielt der Schwager des Verblichenen, Herr Rabbiner Tauber aus Gewitsch, eine ergreifende Trauerrede. Der Verblichene hinterläßt außer der Witwe zwei kleine Kinder. — Am 3. August d. J. ist Frau Rosa Goldblatt, geb. Fischer, die Gattin des vor mehreren Monaten verstorbenen ehemaligen Obmannes der Bei zirkskommission für den 16. und 17. Bezirk, Alexander Goldblatt, nach kurzer Krankheit im 69. Lebensjahre sanft verschieden. Die Verblichene. war eine musterhafte Gattin und liebevolle Mutter und erfreute sich wegen ihrer vortrefflichen Charaktereigenschaften allgemeiner Wertschätzung. In der Verstorbenen betrauert Herr Samuel Fischer, Vizepräsident des Vereines zur Ausspeisung armer israelitischer Schulkinder für den 16. und 17. Bezirk, seine Schwester. Bei dem am 5. August stattgefundenem Leichenbegängnisse hielt Herr Rabbiner Dr. T a g 1 i c h t der Heimgegangenen einen tiefempfundenen Nachruf. Verein zur Unterstützung jüdischer Kleingewerbetreibender. Wien IL. Malzgasse 1. Am 3. d. M. hat) im Bethauslokale des genannten Vereines eine Trauerandacht für die am 27. v. M. dahingeschiedene verdienstvolle Frau Anna Mond, Gattin des Obmannstellvertreters des Vereines Herrn Markus Mond, mit gleichzeitiger Gedenktafelenthüllung stattgefunden. Nach Eröffnung der Trauerandacht durch den Vereinsobmann Herrn Josef Stapler mit einem der Verstorbenen gehaltenen Nachruf, hielt Sr. Ehrw. Herr Rabb. Doktor Rosenmann eine ergreifende Trauerrede, deren Worte jedem der sehr zahlreich anwesenden Teilnehmer naheging. Konzert in Luhacovic. Das ziemlich eintönige Kurleben von Luhacovic wurde durch ein Konzert am 5. d. M. angenehm unterbrochen, das von Oberkantor Gerson M a r g u 1 i e s vom Wiener großen Leopoldstädter Tempel im Verein mit Dr. Denk aus Wien. Kantor Fischer aus Bielitz und der Konzertsängerin Fräulein Else Schwarz bestritten wurde. Der große Smetana- Saal war mit einem animierten Publikum dicht gefüllt und selten hat dieser Saal eine solche Begeisterung und einen solchen Applaus gehört wie an diesem Abend. Das Konzert wurde durch Dr. Denk mit einer humorvollen und geistreichen Conference eingeleitet. Oberkantor Margulies sang jüdische Lieder und Arien aus Opern mit seinem prachtvollen, in allen Lägen ausgeglichenem Tenor und seinem seelenvollem Vortrag und erweckte insbesonders mit dem „Jüdischen Lied" einen solchen Sturm der Begeisterung, daß er sich zu Zugaben entschließen mußte. Im humoristischen Teil des Abends begeisterte Kantor Fischer das Publikum durch seinen sprühenden Humor und seine heiteren Erzählungen. Nicht zuletzt sei der künstlerischen Klavierbegleitung von Fräulein Else Schwarz aus Wien gedacht. Alles in allem ein sehr gelungener Abend, an den die Luhacovicer Kurgäste noch lange denken werden. New York. Die ungarischen jüdischen Vereine in Amerika haben auf ihrem inNewYork abgehaltenen Kongreß beschlossen, eine jüdische Zentralkanzlei zu errichten, die berufen sein soll, religiöse, Erziehungs-, TCuttnT- und Wohlfahrtsangelegenheiten der amerikanischen! ungarischen Vereine einheitlich zu regeln. In der jüdischen Zentralkanzlei soll jeder ungarische jüdische Verein eine ständige administrative Vertretung finden. Im Herbst d. J. soll abermals ein großer Kongreß abgehalten werden, auf dem über praktische Maßnahmen zur Durchführung der geplanten Organisierung der ungarisch-amerikanischen Judenheit beraten werden soll. Dem vor kurzem gebildeten Organisationskomitee gehören Hermann Hoff man als Präsident, Moritz Engelmann als Sekretär sowie die Herren Moriz Cukor, Isidor Großmann, Ludwig Rittenberg, Albert Herskovitz, Albert Holländer. L. Max und S. M. Rosenfeld an. Tlmtficfie Verfautßarungen der Jsraefitisdfen Ttuftosgemeinbe Wien Feiertags-Gottesdienst Der Vorstand der Wiener israelitischen Kultusgemeinde veranstaltet anläßlich der diesjährigen hohen Feiertage im Großen MusikvereinssaaL L, Dumbagasse 3, im Sofiensaale, III., Marxergasse 13, sowie im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 4, feierliche Gottesdienste. Jene Parteien, welche auf die im Vorjahre benützten Sitzplätze reflektieren, können die neuen Karten gegen Vorweisung der vorjährigen an der Kartenkassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, I. Stock, in der Zeit vom 23. August bis 1. September d. J. während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr vormittags beheben. Der allgemeine Verkauf beginnt am 2. September d. J. * Betsitzkarten für den Leopoldstädter Tempel. Die p. t. Betsitzinhaber, welche auf ihre vorjährigen Sitzplätze im Leopoldstädter Gemeindebethause reflektieren, werden hiemit ersucht, ihre Karten rechtzeitig zu erneuern. Dieselben können täglich während der Amtsstunden von 8 bis 1 Uhr mittags und vom 23. August bis 30. August außerdem auch von 6 bis 8 Uhr abends an der Betsitzkartenkassa der israelitischen Kultusgemeinde, I., Seitenstettengasse 4, 1. Stock, behoben werden. Die bis dahin nicht erneuerten Sitzkarten gelangen ab 2. September d. J. gleichfalls von 8 bis 1 Uhr an obengenannter Kassa zum allgemeinen Verkauf. Der Bethausvorstand ist ermächtigt, in berücksichtigungswürdigen Fällen Ermäßigungen zu gewähren. Zu Rosch-Haschonoh gratulieren Sie allen Ihren Verwandten, Freunden, Bekannten, Kunden und Gästen in der Neujahrstestnummei der „WAHRHEIT" Sie ersparen damit Mühe. Porto und Zeitaufwand 1 Da im vorigen fahre infolge verspäteten Einlangens viele Aufträge keinen Raum mehr finden konnten, bitten wir, uns die geschätzten Aufträge sofort zu erteilen. Muster: Anläßlich des Rosch-Haschonoh-Festes entbieten hiermit ihren Verwandten und Freunden die herz, lichsten Glückwünsche (Einfaches Feld) Eugen Rottmann und Familie HL, Marxergasse 6 Ausschneiden! ■ An die Administration »Dil WAHRHBK", Wien iL, Heinestraße 13 Ich bestelle hiermit einen Rosch-Haschonoh-Glfickwunsch *) Einfaches Feld zum Preise von S 6"— *) Doppelfeld zum Preise von S U— •) Nichtzutreffendes bitte streichen. Textangabe:............................................................... Unterschrift:.............................